Die antike Literatur hat bis heute nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt. Die Abenteuer der griechischen Helden faszinieren noch genauso wie vor über zweitausend Jahren, die wichtigsten Motive aus den Mythen lassen sich in Kinofilmen, Romanen und unserer Alltagssprache wiederfinden und auch das westliche politische und philosophische Denken hat seinen Ursprung im antiken Griechenland.

In diesem Artikel geben wir Dir einen Überblick über die griechische Literatur der Antike. Was sind ihre Merkmale? Wie lässt sie sich geschichtlich einordnen? In welche Gattungen kann man sie einteilen? Wer sind die wichtigsten Vertreter und wie heißen ihre berühmtesten Werke?

Komm mit auf eine Zeitreise, die Dir auch dabei hilft moderne Texte besser zu verstehen.

Geschichtliche Einordnung

Wenn wir von antiker griechischer Literatur sprechen, meinen wir Schriften, die in der Zeit zwischen 800 v. Chr. bis in die ersten Jahrhunderte n. Chr. entstanden sind und in altgriechischer Sprache verfasst wurde.

Das antike Griechenland war über einen längeren Zeitraum nicht als ein großer Staat organisiert, sondern gliederte sich in viele kleinere Stadtstaaten (Polis), die unabhängig voneinander waren und sich selbst regierten. Trotzdem waren die Menschen durch die gemeinsame Sprache, Kultur, Tradition und Religion miteinander verbunden.

Die größeren Stadtstaaten haten Kolonien im ganzen Mittelmeerraum und im Schwarzmeergebiet. Wenn wir also vom antiken Griechenland sprechen, beziehen wir uns auf ein Gebiet, das deutlich größer ist, als der heutige Staat Griechenland.

Erst im 9. Jahrhundert v. Chr. wurde angefangen auf Griechisch zu schreiben, indem die Zeichen aus dem Phönizischen Alphabet übernommen und abgewandelt wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden griechische Sagen und Mythen ausschließlich mündlich überliefert.

Damit war auch der Grundstein für eine griechische Literatur gelegt. Die folgende Zeit lässt sich grob in vier Epochen unterteilen:

  • archaische Zeit (800 bis 500 v. Chr.)
  • klassische Zeit (500 bis 330 v.Chr.)
  • hellenistische Zeit (300 bis 30 v.Chr.)
  • römische Kaiserzeit (30 v. Chr. bis in das frühe 6 Jahrhundert nach Christus)

Die archaische Zeit war noch geprägt von alten Herrschaftsstrukturen zwischen adligen Großgrundbesitzern und ihrem wirtschaftlich abhängigen Gefolge. Diese Zeit endete mit den Perserkriegen und wurde abgelöst von der großen Epoche der demokratischen Stadtstaaten. Diese Zeit der Polis-Kultur wird als griechische Klassik bezeichnet.

Mit der Machtübernahme des Eroberers Alexander des Großen begann die hellenistische Zeit, in der sich das griechische Reich, seine Kultur und Sprache, über den nahen und mittleren Osten und Ägypten ausbreitete.

Die römische Kaiserzeit begann 30 v. Chr. als die Römer mit Ägypten das letzte griechisch geprägte Gebiet einnahmen. Diese Epoche hat kein klar benennbares Ende, da sie schrittweise in der Byzantinischen Kultur aufging.

Die Geschichte der griechischen Literatur lässt sich in die archaische, klassische, hellenistische und die Kaiserzeit einteilen.
Die römische Kaiserzeit läutete das Ende der altgriechischen Kultur ein. | Quelle: Christopher Czermak via Unsplash

Gattungen der antiken Literatur

Epik

Die Epik ist die erzählende Literatur in Vers- oder Prosaform. Die ältesten Zeugnisse europäischer Literatur sind die das Epos Ilias, das dem Dichter Homer zu geschrieben wird. Auch aus der archaischen Zeit stammt das Heldenepos Odyssee, die ebenfalls von Homer verfasst worden sein soll.

Heutzutage verwenden wir den Gattungsbegriff Epik für alle erzählenden Formen, wie Romane, Märchen oder Kurzgeschichten.

In der Antike war es die Bezeichnung für die Kunst des Epos, das immer in Versform geschrieben war und nicht nur aufgeschrieben wurde, sondern auch weiterhin mündlich vorgetragen wurde. Im Mittelpunkt standen meistens die großen Helden oder Götter der griechischen Mythologie.

Dramatik

Die Gattung der Dramatik kam in der klassischen Zeit auf und ist eng mit der Entwicklung des antiken Theaters verknüpft. Hierbei handelt es sich um die darstellende Literatur, also um Texte, die verfasst wurden, um gespielt zu werden.

Das antike Drama lässt sich in drei Kategorien einteilen:

  • die Tragödie: das vorherbestimmte Schicksal eines tragischen Helden, das in einer Katastrophe endet
  • die Komödie: soll das Publikum zum Lachen bringen; die Alte Komödie ist oft ein Dialog zwischen zwei Figuren, die sich gegenseitig verspotten
  • das Satyrspiel: diente zum Erheitern des Publikums nach der Aufführung von Tragödien; erzählte meist dieselbe Geschichte wie die Tragödie, aber auf lustige Art und Weise

Lyrik

Unter dem Begriff Lyrik werden heute kürzere in Versen geschriebene Texte zusammengefasst (Gedichte). In der archaischen Zeit der griechischen Antike unterteilte man die Gattung in drei Bereiche:

  • Iambos: Spottgedichte; als Sprechgesang vorgetragen
  • Elegie: politische Themen, Freundschaft, Liebe, die Kürze des Lebens; wahrscheinlich aus Klageliedern entstanden; als Sprechgesang vorgetragen
  • Melos: gesungene Lieder, die von einer Lyra begleitet werden
In der Antike wurde die Gattung Lyrik anders verstanden als heute.
Apollon ist der griechische Gott der Musik; hier hält er eine Lyra in der Hand. | Quelle: Adrian Balea via Pixabay

Philosophie und Wissenschaft

Die Geschichte der griechischen Philosophie und Wissenschaft beginnt ungefähr 600 v. Chr. und begründet sich darin, dass sich Gelehrte sich von der Vorstellung, dass alles von den Göttern erschaffen und beeinflusst sei, entfernten.

Anders als heute sind in der Antike Philosophie und Wissenschaft nicht voneinander zu trennen. Die prägendsten Figuren waren Universalgelehrte, die sowohl in der Philosophie als auch der Wissenschaft Antworten auf ihre Fragen suchten und beide miteinander verknüpften.

Auch wenn einige naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der griechischen Gelehrten heute überholt sind, legten sie doch den Grundstein, auf dem die modernen Wissenschaften weiter forschten. Die mathematischen Prinzipien von Thales und Pythagoras haben heute noch genauso ihre Gültigkeit wie vor 2500 Jahren.

Auch die zeitgenössische Philosophie beruft sich in den Grundzügen nach wie vor auf die Schriften und Gedanken der antiken Philosophen.

Im weitesten Sinne kann man auch die Geschichtsschreibung zur antiken Literatur hinzuzählen. Obwohl die alten Schriften nur noch in Fragmenten erhalten sind, lässt sich feststellen, dass in der Antike zu ersten Mal der Versuch unternommen wurde, geschichtliche Ereignisse geordnet wiederzugeben, in einen Zusammenhang zu setzen und zu interpretieren.

Antike Literatur: Vertreter und Werke

Homer

Der Dichter Homer gilt als der Verfasser der Ilias und der Odyssee. Beide Epen sind im Hexameterversmaß geschrieben und umfassen jeweils 24 Gesänge (Bücher).

Während die Ilias die Geschehnisse während des Trojanischen Krieges beschreibt, erzählt uns die Odyssee die abenteuerliche Heimreise des Odysseus nach Ende des Krieges. Beide Werke geben uns einen detaillierten Einblick in die griechische Götterwelt.

Über den Verfasser selbst ist sehr wenig bekannt. Er soll blind gewesen sein und in den Anfängen der archaischen Zeit gelebt haben. In der Forschung herrscht aber Uneinigkeit darüber, ob es überhaupt jemals eine historische Persönlichkeit namens Homer gegeben hat. Die beiden großen Epen könnten auch das Werk mehrerer Dichter sein.

Es ist umstritten, ob der griechische Dichter Homer überhaupt gelebt hat.
Der Dichter Homer soll blind gewesen sein. | Quelle: Couleur via Pixabay

Hesiod

Die wichtigste Schrift von Hesiod ist die Theogonie, in der er die Entstehung der Welt und die Geschichte der Götter beschreibt. Neben den Epen Homers ist sie heute die wichtigste Quelle über die griechische Mythologie.

Hesiod wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. geboren und gilt als Erfinder des Lehrgedichts (didaktisches Epos). In diese Gattung fällt auch Werke und Tage, in dem Hesiod eine Anleitung für bäuerliche Arbeiten gibt.

Sophokles, Euripides, Aischylos und Aristophanes

Aischylos war der erste große Dichter der griechischen Tragödie. Als er 456 v. Chr. starb, soll er 90 Dramen geschrieben haben, von denen allerdings heute nur sieben vollständig erhalten sind. Seine bekanntesten Tragödien Die Perser und Orestie werden heute noch weltweit gespielt. Durch die Einführung eines zweiten Schauspielers hat Aischylos die Entwicklung der Tragödie entscheidend mitgeprägt,

Auch Sophokles (496 - 406 v. Chr.) gehört zu den berühmtesten und beliebtesten Tragödiendichtern der Antike. Den tragischen Agon (Tragödienwettbewerb während der großen Dionysien) hat er 20 oder 24 Mal gewonnen. Von seinen 123 Stücken sind ebenfalls nur sieben erhalten, darunter König Ödipus und Antigone. Sophokles hat den dritten Schauspieler in die Tragödie eigeführt.

Der dritte große antike Dramatiker war Euripides (480 oder 485 - 406 v. Chr.), der bereits in der Antike als der modernste und problematischste galt. Gleichzeitig war er schon damals der meist gelesene und aufgeführte Dramatiker. Erhalten sind 18 von ungefähr 90 Tragödien und ein Satyrspiel. Zu seinen heute noch oft gespielten Stücken gehören Medea, Elektra und Die Bakchen.

Aristophanes ist der bekannteste Dichter der Alten Komödie. Ihm werden mehr als 40 Werke zugeschrieben, von denen elf vollständig erhalten sind; darunter Lysistrata, Die Frösche und Die Vögel.  Seine Komödien persiflierten Stil der bekannten Tragödiendichter und zogen zeitgenössische Ereignisse und Persönlichkeiten ins Lächerliche.

Sappho

Die Lyrikerin Sappho wurde zwischen 630 und 612 geboren und starb 570 v. Chr. und gilt als die wichtigste Dichterin des Altertums. Ihre Oden, Elegien und Hymnen sind in klarer, ausdrucksstarker Sprache mit einem musikalischen Rhythmus geschrieben. Man geht davon aus, dass nur ungefähr sieben Prozent ihres Werkes überliefert ist.

Sappho lebte auf der Insel Lesbos, wo sie eine Gruppe junger Frauen um sich scharte und unterrichtete. Die Hauptthemen in ihrem Schaffen waren die Liebe und die Erotik.

Die Dichterin Sappho lebte auf der Insel Lesbos.
Sappho ist die bedeutendste Lyrikerin der Antike. | Quelle: Tania Mousinho via Unsplash

Sokrates und Platon

Die Namen der beiden Philosophen sind eng miteinander verbunden. In der Geschichte der Philosophie steht Sokrates für eine Zeitenwende. Alle nachfolgenden Philosophen bezogen sich auf ihn; alle Philosophen, die vor Sokrates lebten und lehrten, nennt man Vorsokratiker.

Sokrates selbst hat keine Schriften hinterlassen. Das meiste, was wir über ihn wissen, stammt von seinen Schülern Platon und Xenophon.

Platon selbst beschäftigte sich mit der Erkenntnistheorie, Ethik, Anthropologie, Metaphysik, Geistesgeschichte, Staatstheorie, Kosmologie, Sprachphilosophie und Kunsttheorie. Anhand der sokratischen Methode versuchte er aufzuzeigen, wie sich allgemeines Wissen von persönlichen Meinungen unterscheiden lässt.

Aristoteles

Der Universalgelehrte Aristoteles war ein Schüler Platons. Er schrieb über Naturphilosophie, Physik, Biologie, Ethik, Wissenschaftstheorie, Staatstheorie, Dichtung und Rhetorik. In Bezug auf die Literatur der Antike ist vor allem sein Werk Poetik von großer Bedeutung. Hier teilte er die Dichtkunst in verschiedene Gattungen ein, auf die wir uns heute noch beziehen.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.