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Die chinesische Boxkultur: Ein Überblick

Von Julia, veröffentlicht am 28/04/2019 Blog > Sport > Boxen > Die chinesische Boxkultur: Ein Überblick

Ein spanisches Sprichwort besagt: „Ein Mensch, der gut auf den Kampf vorbereitet ist, hat schon halb gewonnen.“

Bevor man in den Ring steigt, um einen großen Champion aus dem englischen, Thai- oder Savate-Boxsport herauszufordern, gilt es eigentlich nur eine einzige wichtige Sache zu beachten, um das Duell zu gewinnen: man sollte körperlich gut vorbereitet sein.

Es gibt zahlreiche Kampfsportarten mit chinesischem Ursprung und es ist schwierig, die verschiedenen chinesischen Boxstile einzugrenzen. Es gibt so viele davon, dass es besser ist, diese Sportarten gemeinsam als „Chinesische Kampfkunst“ zu bezeichnen.

In der chinesischen Sprache wird Kampfkunst als „Wushu“ bezeichnet, während Kampfkünste „Zhōngguó gōngfū“ genannt werden.

Diese Bezeichnung –  gong und fu – erinnert sie uns nicht an etwas? Ja, und zwar an das, was uns eigentlich besser als Kung Fu oder Gong Fu bekannt ist.

Chinesische Kampfkünste werden auch als Guóshù oder Quánfa bezeichnet.

Der Ursprung der Kampfkünste liegt in der Notwendigkeit der Selbstverteidigung und der militärischen Ausbildung im alten China.

Ihr habt Interesse an den zahlreichen Boxstilen und Kampfkunst? Noch besser, als sich einfach an einem Boxsack auszupowern, ist es, wenn man dabei versteht, was man tut.

In diesem Artikel stellen wir Blogger von Superprof Euch das vor, was wir unter der chinesischem Boxkultur verstehen.

Wie wird chinesisches Boxen definiert?

Es gibt etwa 360 verschiedene Formen der chinesischen Kampfkunst. Deshalb wäre es nicht ausreichend, nur über das chinesische Boxen zu sprechen.

In der westlichen Welt werden die chinesischen Boxstile in interne Kampfkünste – die sich auf Selbstbeherrschung, Energie, Atmung und Spiritualität konzentrieren – und externe Kampfkünste, die auf Nahkampf, körperliche Kraft und Schnelligkeit basieren, unterteilt.

Die Tradition der Kampfkünste Chinas reicht viele hundert Jahre zurück. Es gibt eine Menge unterschiedlicher Formen und Stile in der chinesischen Kampfkunst. Quelle: VisualHunt

Die Praxis des Wu Shu Gong Fu – oder Kung Fu Wushu – ist sehr vielseitig und kodifiziert: Es ist eine Form des chinesischen Boxens, die eine Reihe von Kämpfen mit bloßen Händen und Kampfmitteln (bezeichnet als tao lu: sunchaku, Schwert etc.), Lockerungsübungen und Kampftechniken (Sanda) umfasst.

Sanda?

Ja – Sanda-Boxen. Dies ist eine sportliche Disziplin,  die zwei Formen des Trainings ermöglicht: Die eine ist eher bürgerlich, hat bestimmte Regeln und wird von Wettbewerbern praktiziert. Diese Form ist nah verwandt mit Thai- oder Kickboxen.

Die andere ist eine Kampfdisziplin, die vom Militär ausgeübt wird. Hier sind alle Schläge erlaubt – einschließlich Schläge auf Nervendruckpunkte, die Wirbelsäule oder Gelenke. Als Nervendruckpunkte werden in der traditionellen chinesischen Medizin die Körperteile bezeichnet, bei denen sich Nervenbahnen kreuzen – und die bei zu festem Druck starke Schmerzen verursachen können.

Der Begriff Kungfu wurde in Europa in den 1970er Jahren eingeführt, um das Boxen in Kampfkunstfilmen zu bezeichnen, darunter Filme mit der Schauspiellegende Bruce Lee (1940-1973) und später auch Jackie Chan und Jet Li.

Kung Fu wird definiert als „eine Kampfkunst, die lange und harte Arbeit erfordert“. Der Begriff „kung“ (oder „gong“) steht im chinesischen Mandarin für Geschicklichkeit. „Fu“ bedeutet „Meister“, „Ehemann“ oder auch „gebildet“: ein blühender Mensch.

Das traditionelle chinesische Kung Fu, wie es von einem großen Kampfkunstmeister praktiziert wird, wird unterschieden vom Kung Fu Wushu, das den Kampf bezeichnet und für den sportlichen Aspekt der Kampfkunst steht.

Kung Fu hat in China als Kampfsport eine lange Tradition. Der Einsatz von Waffen ist im chinesischen Kampfsport keine Seltenheit. | Quelle: Visualhunt

Letzteres bezieht sich auf die Kriegskunst oder die Kunst, den Gegner mit einer Hellebarde (einer chinesischen Waffe, die aus einer Lanze, einem Haken und einer Klinge besteht) aufzuhalten.

Praktizierende des Kung Fu Wushu führen heutzutage zwei verschiedene Kampfschritte durch:

  • Der Kampf, auch „Sanda“ genannt, der Tritte, Schläge oder Würfe beinhaltet
  • Kampftechniken mit dem Einsatz von Messern (Tao lu)

Das „Tao lu“-Boxen selbst beinhaltet wiederum mehrere Techniken:

  • Boxen mit Fußtritten: das Chang Quan, das ursprünglich aus Nordchina stammt,
  • Boxen mit Faustschlägen: das Nan Quan aus Südchina.

Zusammengefasst bildet Kung Fu sozusagen eine Synthese von vielen unterschiedlichen chinesischen Boxstilen, bei denen Fuß- oder Faustschläge oder beides eingesetzt werden und wo auch mit dem Kopf, den Ellenbogen oder den Knien geschlagen wird.

Maßgeblich bei diesen chinesischen Boxstilen ist es, dass Treffen von Nervendruckpunkte des Gegners möglichst zu vermeiden: Dies gilt für Sanda-Boxen, Quanfa, Wushu, Wing Chung usw.

Ein kleiner historischer Überblick über das chinesische Boxen

Die chinesische Boxkultur hat sich vor 2000 Jahren als kriegerische Aktivität in der Antike entwickelt und ist durch viele Legenden geprägt.

Es war der Gelbe Kaiser Huáng Dì, der im 27. Jahrhundert v. Chr. regierte und die Anfänge des chinesischen Kampfsports maßgeblich beeinflusste.

In Anbetracht der Geschichte wird deutlich, dass Kampfkünste vor allem aus der Notwendigkeit der Selbstverteidigung und der Ausbildung des Militärs im alten China entstanden sind.

Aber noch viel später, im 5. Jahrhundert n. Chr., erreichte ein buddhistischer Mönch namens Boddhidharma das Shaolin-Kloster, um den Mönchen dort den Buddhismus zu lehren.

Wer würde Boxen mit Mönchen und einem Kloster in Verbindung bringen? Nun, in China fing es genau damit an! Die chinesischen Kampfkünste wurden zuerst von den Mönchen im Shaolin-Kloster praktiziert. | Quelle: Visualhunt

Er entwickelte Sportübungen, damit die Mönche robuster wurden, um ihre körperliche Verfassung zu verbessern und um es ihnen zu ermöglichen, sich vor Räubern und Plünderern, die für das Kloster eine Gefahr darstellten, zu schützen.

Infolgedessen entwickelte sich daraus nach und nach eine Kampfkunst, die von den Shaolin-Mönchen praktiziert wurde.

Der Stil dieser Kampfkunst hat sich bald in ganz Asien verbreitet und brachte weitere Kampfformen wie Karaté (Japan) und Taekwondo (Südkorea) hervor.

Die ersten Nachweise für die von den Shaolin-Mönchen praktizierten Kampfkünste stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Aus dem chinesischen Faustschlagboxen und den Kampfkünsten ohne körperlicher Konfrontation entwickelten sich das Shaolin-Kungfu und das Kungfu Wushu.

Als M. Zedong 1949 in der Volksrepublik China an die Macht kam, entwickelte sich diese buddhistische Kunst – das Kung Fu – zu einer offiziellen Volkssportart.

Zu dieser Zeit entwickelte sich auch das moderne, akrobatische und gymnastische Kung Fu Wushu, was einen Stilbruch mit der traditionellen chinesischen Praktik darstellte.

Erst mit dem Ende des maoistischen Regimes (1975) konnte die Praxis der traditionellen chinesischen Kampfkunst in den verschiedenen chinesischen Box- und Kampfkunstschulen wiederbelebt werden.

Die Praxis und Bewegungsabläufe beim Kung Fu

Die chinesische Kultur ist so reich und von Spiritualität und der Beherrschung des menschlichen Körpers geprägt, dass es nicht nur darum geht, den Gegner zu Schlagen, um ihn durch ein Knockout (K.O.) zu besiegen.

Chinesisches Boxen ist nicht nur darauf begrenzt, Selbstverteidigung zu praktizieren. Es geht vor allem darum, Körper und Geist zu beherrschen, eine Lebensphilosophie zu verfolgen und das körperliche und mentale Potenzial der Praktizierenden mithilfe von kraftvollen Kampftechniken zu entfalten. Im Fokus steht beim chinesischen Boxsport der geschickte Umgang mit Energien und Kräften.

Außerdem geht es dabei vor allem um Selbstverwirklichung.

Die Praxis des chinesischen Boxens zielt auf die körperliche und geistige Entwicklung der Praktizierenden ab.

Chinesischer Kampfsport sorgt zum einen für die Stärkung von Muskeln, um Schläge auszuüben, ohne dabei Verletzungen zu verursachen und erlaubt es zum anderen, die richtigen Körperpositionen für eine gute Abfolge von Angriffs- und Verteidigungstechniken herauszufinden.

Praktizierende, die Boxhandschuhe und Boxschuhe tragen, erlernen eine schnelle Beinarbeit, um Verletzungen an Nervendruckpunkten zu vermeiden.

Bei spielerischer Ausübung des Kampfsportes sind Schläge gegen den Rücken, den Nacken und die Wirbelsäule verboten.

Kung Fu wird in China schon in jungen Jahren als Kampfsport gelehrt. Bei chinesischen Kampfkünsten spielen Geist und Körper eine wichtige Rolle. | Quelle: Visualhunt

Wenn man Kung Fu in einem englischen Boxclub betreibt, kann man unter Anweisung eines erfahrenen Boxlehrers ein vollständiges Trainingsprogramm erhalten, das sowohl die körperliche als auch die mentale Gesundheit stärkt.

Was hat es mit den Positionen des chinesischen Boxkampfes auf sich?

Sie unterscheiden sich offensichtlich von denen des französischen Savate-Boxens.

Jeder Boxstil besitzt seine eigenen Variationen, aber es gibt eine Reihe von Grundhaltungen, die man in Europe an asiatischen Kampfkunstschulen wiederfindet:

  • Der Reiter: die Beine stehen auseinander und die Füße parallel dazu, die Knie sind nach außen gebäugt und die Brust zeigt nach vorne
  • Der gewölbte Schritt: ein Bein ist nach vorne gebeugt, das andere wird nach hinten ausgestreckt, die Brust zeigt nach vorne. Dies ist eine Haltung, die es Euch ermöglicht, schnell mit der Faust oder dem Fuß zuzuschlagen.
  • Die Katzenposition: mit Zehenspitzen auf einem Bein stehend wird mit dem vorderen Fuß zugeschlagen.
  • Der Kranich: Haltung auf einem Bein, das Knie angezogen, auf Zehenspitzen stehend, um mit dem Fuß zu schlagen
  • Die Ziege: die sogenannte „Wing Chun“-Position. Die Füße sollten hierbei schulterbreit positioniert werden und die Knie und Füße dabei nach innen gedreht werden.
  • Die Position des Betrunkenen: eine traditionelle Haltung, mit einem Ausweichschritt auf die Seite, ein Bein liegt dabei über dem anderen.
  • Der rasante Schritt: das vordere Bein ist ausgestreckt, das hintere gebeugt. Der Fuß des hinteren Beins sollte im 45°-Winkel nach außen gedreht sein. Diese Position dient dem Ausweichen und Verteidigen.
  • Der Ausfallschritt: Dieser wird ausgeführt, indem das hintere Bein gebeugt ist und das vordere ausgestreckt ist, wobei die Brust dabei nach vorne zeigt.
  • Der Drache: Diese Position dient dem Fußtritt oder der Drehung. Es handelt sich um eine Angriffsposition. Das vordere Bein ist gebeugt, der Fuß wird im rechten Winkel gedreht. Das hintere Bein ist ebenfalls gebeugt und stützt sich auf die Zehenspitzen. Das hintere Knie berührt die Ferse des Vorderbeins.
  • Der Tiger: Diese Position sorgt für die Stimulation der Bein- und Bauchmuskulatur. Das Bein ist gebeugt, während das Knie des hinteren Beines den Boden berührt.

Bevor Ihr jetzt aber gleich zum nächsten Boxstudio rennt, vergesst nicht, Euch die notwendige Ausrüstung dafür zu besorgen!

Kung Fu-Waffen, Schutzkleidung und Schuhe sind unbedingt notwendig. In einem kostenlosen Schnupperkurs habt Ihr die Möglichkeit, herauszufinden, ob es das Richtige für Euch ist, bevor Ihr weitere Anschaffungen macht.

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