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Französischer Kampfsport: Was ist das Savate-Boxe Française?

Von Julia, veröffentlicht am 28/04/2019 Blog > Sport > Boxen > Französischer Kampfsport: Was ist das Savate-Boxe Française?

„Französisches Boxen ist eine tiefgreifende Disziplin, die einen kühlen Kopf, viel Kalkül, Geschick und Kraft erfordert. Es ist die schönste Entwicklung der menschlichen Kraft, ein Kampf, bei dem nur natürliche Waffen eingesetzt werden und bei dem man nicht unvorbereitet davonkommen kann.“ Théophile Gautier

Genau wie englisches Boxen, Kickboxen, thailändisches Boxen oder MMA gehört auch das französische Savate-Boxen zu den bekanntesten Box- beziehungsweise Kampfsportarten.

Die Disziplin hatte ihre Anfänge im 19. Jahrhundert und übernahm den Geist und das Vokabular des Fechtsports. Viele Fechtclubs nahmen Savate damals in Ihr Programm auf. Zu dieser Zeit konnte man aber noch kaum von einer richtigen Sportart sprechen – es war eher eine Art zu kämpfen.

Auch in Deutschland erschien im späten 19.Jahrhundert bereits das erste Handbuch für Hand- und Fußboxen – dem Boxe-Française.

Es handelt sich um eine Boxart, bei der die Schützen – die sogenannten „Boxer“ Ihren Gegner mit Fäusten und Füßen an bestimmten Stellen des Körpers berühren. Zur Ausstattung gehören Handschuhe für die Fäuste und Boxschuhen (Pantoffeln) für die Füße. In Frankreich gibt es mehr als 50.000 Boxer, die regelmäßig im Savate-Boxe-Club trainieren.

Die Geschichte des Savate

Die Tradition des damals noch als „Savatte“ bezeichneten Kampfsports reicht zurück bis ins Jahr 1797. Vidocq, der damals 22 Jahre alt war, entdeckte diesen Sport, bevor er ins Gefängnis von Brest ging.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts galt Savate als „Sport der bösen Jungs“ von Paris.

Savate-Boxen galt ursprünglich als „Sport der bösen Jungs“. Quelle: Stockvault

Um 1800 tauchte der „Hausschuhsport“ auch im Süden auf (ein Kampfsport, bei dem nur die Füße eingesetzt werden).

1820 eröffnete Michel Casseux die erste Pariser Savate-Halle, in dem er auch unterrichtete. In den 1830er Jahren machte Charles Lecour eine Synthese aus Savate, englischem Boxen und dem Marseiller Hausschuhsport.

Bei seiner Rückkehr nach Paris eröffnete er eine Halle, in der er sowohl Boxen als auch Savate unterrichtete. Dies war die Geburtsstunde des Boxe française! Im Laufe des Jahrhunderts entwickelte sich Savate schnell zu einer Sportart der Selbstverteidigung und Aristokratie. Savate ist unter anderem dafür bekannt, sich körperlich auszupowern und in Form zu bleiben.

Im Jahre 1877 veröffentlichte Joseph Charlemont den „Vertrag des Boxe-française“, in dem erstmals die Regeln über Techniken und Schläge kodifiziert und theoretisiert wurden. Zehn Jahre später, noch unter der Leitung von Karl dem Großen und seinem Sohn Charles, entstand die französische Boxakademie. Diese bestand bis zu Charles‘ Tod 1944.

Das Aufeinandertreffen von Charles Charlemont und Jerry Driscoll (englisches Boxen) war sehr intensiv und das Boxe-française war danach in aller Munde. Dieser Kampf, den Charles Charlemont durch einen Schlag in den Unterleib gewann, war umstritten, da dieser Schlag von einigen für gültig und von anderen für verboten gehalten wurde. Dieses inoffizielle Aufeinandertreffen endete mit einem Prozess, bei dem die beiden Beteiligten sogar wegen Körperverletzung verurteilt wurden.

Das Duell zwischen Charles Charlemont und Jerry Driscoll sorgte für Diskussionen. Quelle: Unsplash

1903 wurde der Französische Verband der Boxverbände (FFSB) gegründet, der französisches und englisches Boxen zusammenführte. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs trat das französische Savate Boxen bei den Olympischen Spielen in Paris (1924) wieder in den Vordergrund, da es als Demonstrationssport eingeführt wurde.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs stagnierte das französische Savate Boxen und erreichte nicht wirklich Bekanntheit. Nur ein paar Champions wie Pierre Baruzy, Berceau, Laford oder Prévost brannten für diesen Sport.

Dank der guten Leitung des CNBF (Comité National de Boxe Française), das französisches Boxen in den Universitäten und Schulen etablierte, hatte das Savate in den 70er und 80er Jahren seine Blütephase. Im Jahr 1980 gab es mehr als 10.000 Mitglieder und bis 1985 mehr als 20.000, was mit der Gründung der internationalen Föderation zusammenhing.

Heute gibt es in Frankreich mehr als 50.000 Savate-Schützen. Auch in Deutschland gibt es bis heute einige Savate-Anhänger: Der Savate-Canne-Baton-Deutschland e.V. betreut die deutschen Savate-Boxer und organisiert Trainings und Meisterschaften.

Die Regeln und die Kodifikation des Savate

Wie in allen Sportarten und vor allem im Kampfsport gibt es im Savate bestimmte Regeln.

Alters- und Gewichtsklassen

Um sicherzustellen, dass die Kämpfe ausgeglichen sind, werden die Savate-Boxer nach Gewichtsklasse und Alter gruppiert.

Für die Altersklassen gilt:

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Für die Veteranen ist anzumerken, dass zwischen den Kategorien „Angriff“ und „Kampf“ unterschieden wird. Dies sind 2 Varianten im Savate, die wir uns im Folgenden noch genauer ansehen werden.

In der Kategorie „Kampf“ wird ein Boxer als „Veteran“ bezeichnet. Ab 40 Jahren gilt diese Bezeichnung auch für die Kategorie „Angriff“.

Die Gewichtsklassen sind je nach Alter unterschiedlich. So gibt es eine Kategorie, die die „cadets“ einschließt und eine andere für alle Boxer, die älter als die „cadets“ sind.

Für die Kategorie nach den „cadets“ gelten folgende Gewichtsklassen:

  • Mouche: weniger als 48 kg
  • Coqs: von 48 bis 52 kg
  • Plumes: weniger als 56 kg
  • Légers: von 56 bis 60 kg,
  • Super-légers: von 60 bis 65 kg,
  • Mi-moyens: von 65 bis 70 kg,
  • S/M/ Moyen: von 70 bis 75 kg,
  • Moyens: von 75 bis 80 kg (bei den Frauen fasst diese Gruppe 75 kg und mehr zusammen),
  • Mi-lourds: von 80 bis 85 kg,
  • Lourds: mehr als 85 kg.

Die Ranglisten

Die Organisation der Gradierung liegt in der Verantwortung der französischen Boxclubs (in der Regel zwei Mal jährlich).

Wie in den meisten Kampfsportarten wie zum Beispiel Judo, Karate oder Aikido, wird die Gradierung der Boxer durch Farben dargestellt.

Boxhandschuhe gehören auch beim Savate zur Grundausstattung. Quelle: unsplash: Arisa Chattasa

Es gibt Technik-Gradierungen in blau, grün, rot, weiß, gelb sowie Silber- oder Bronzehandschuhe für Technik. Jede dieser Gradierungen ist wiederum in 3 Klassen unterteilt. Der technische Silber- oder Bronzehandschuh ermöglicht den Zugang zu bestimmten Wettbewerben, die ohne diese Auszeichnungen nicht möglich wären.

Ein paar Besonderheiten des Savate

Im französischen Savate-Boxen und im Gegensatz zu vielen anderen Kampfsportarten gibt es zwei verschiedene Formen beim Aufeinandertreffen der Gegner.

  • Der Angriff ist eine Form der Begegnung, wo die Kraft der Schläge nicht miteinbezogen wird. Man spricht von Leichtkontakt zwischen den Gegnern. Hier ist es essentiell, die Schläge richtig zu platzieren. Der Boxer wird nur anhand seiner technischen und taktischen Fähigkeiten bei den Berührungen beurteilt und nicht anhand der Schläge. Bei dieser Art von Begegnung kann eine besondere Wucht der Schläge auch sanktioniert werden. Die „Angriff“-Variante ist für alle Altersgruppen und jedes Leistungsniveau geeignet. Die meisten Angriffe finden in Runden von 1 Minute und 30 Sekunden statt.
  • Der Kampf: Hier wird die Kraft der Schläge bewertet, um den Gewinner eines Kampfes festzustellen. Das K.O. des Gegners ist hier erlaubt und es gibt nur minimale Schutzkleidung. Diese Variante kann erst ab 18 Jahren praktiziert werden, unter der Voraussetzung eines „gelben Handschuhs“. Die meisten Kämpfe finden in fünf 2-minütigen Runden statt.

Gemäß diesen beiden Hauptklassifikationen spricht man von Leichtkontakt („Angriff“) und Vollkontakt („Kampf“) zwischen den Gegnern.

Die verschiedenen Techniken

Fußschläge

Der internationele Savate-Verbund beschreibt 11 verschiedene Formen des Fußtrittes, die man in zwei grobe Kategorien einteilen kann: Halbkreisfußtritte und Fußstöße.

  • Der Halbkreisfußtritt: Dies ist ein kreisförmiger Fußschlag, der auf den unteren, mittleren oder Kopfteil des Gegners mit der Oberfläche des Fußes oder der Fußspitze ausgeführt wird. Die Ausführung dieses Tritts beginnt mit der Bewegung von Hüfte und Becken in Richtung Gegner. Man unterscheidet zwischen dem Halbkreisfußtritt „rückwärts“ und „vorwärts“.
  • Der Fußstoß: Es gibt den geraden und den seitlichen Fußstoß. Der gerade Fußstoß ist ein Schlag, bei dem die Fußsohle in eine frontale Partie des Gegners trifft (unten, mittig oder gegen den Kopf). Der Schlag wird ausgeführt, indem man das Knie anhebt und das Bein bis zum Aufprall entspannt hält. Der seitliche Fußstoß kann mit der Sohle, der Ferse oder den Zehenspitzen durchgeführt werden.

Es gibt viele Video-Tutorials, die dabei helfen können, sich diese Techniken bildlich vorstellen zu können!

Faustschläge

Im Savate werden vier Kategorien von Faustschlägen kodifiziert. Diese sind wiederum in zwei Kategorien aufgeteilt : ???

  • Der Haken ist ein kreisförmiger Faustschlag, der horizontal ausgeführt wird und aus einer Seitwärtshaltung des Boxers gegen die Körpermitte oder den Kopf des Gegners zielt.
  • Der Direkte ist ein Faustschlag, der geradlinig ausgeführt wird. Mit einem direkten Faustschlag visiert man die frontalen Körperpartien des Gegners an, die Körpermitte oder den Kopf.
  • Der Schwinger, ein kreisförmiger Faustschlag, der durch eine Schwung-Bewegung in Seitenlage ausgeführt wird.
  • Der Uppercut ist ein kreisförmiger Faustschlag, der von unten nach oben ausgeführt wird und gegen die Körpermitte oder den Kopf des Gegners gerichtet ist.

Verbotene Bewegungen

Ehemals im Savate erlaubte Knieschläge sind heute verboten. Außerdem verboten sind vertikal ausgeführte Tritte, vertikale Tritte mit der Ferse, Schienbeintritte oder auch Fußtritte gegen den Rücken des Gegners. Verboten ist es auch, einen Fußtritt auszuführen und sich dabei mit einer Hand auf dem Boden abzustützen.

Der Ringrichter sorgt dafür, dass die Regeln beim Boxkampf befolgt werden. Quelle: VisualHunt

Im Hinblick auf Faust-Verbote sind Ellbogenschläge und Rückhandschläge mit dem Unterarm verboten.

Zusammengefasst:

  • Ursprünglich als Sport der „bösen Jungs“ bekannt, hat das Savate oder das französische Boxen seinen Ruf heute wiederhergestellt. Auch, wenn heute die Mitgliederanzahl in Box- und Savate-Clubs wieder stetig ansteigt, war das nicht schon immer der Fall.
  • Wie in anderen Kampfsportarten auch gibt es im Savate Regeln, die die unterschiedlichen Alters- und Gewichtsklassen, Gradierung und vor allem die Vorschriften über die Schläge kodifizieren. Denn nein – Savate ist kein Straßenkampf! Bestimmte Fuß- oder Faustschläge sind erlaubt, während andere verboten sind.
  • Worauf wartet Ihr noch? Findet einen passenden Boxraum in Eurer Nähe, um an einem Boxsack zu üben, Eure körperliche Verfassung zu perfektionieren oder einfach nur den Stress einer langen Woche abzubauen!

 

 

 

 

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