Vivaldi, Paganini, Monteverdi, Stradivari, Menuhin…. das sind die Namen, die einem als erstes im Zusammenhang mit der Violine einfallen. Egal ob Komponist, Geigenbauer oder Violinist, sie alle haben die Entwicklung der Geige maßgeblich beeinflusst.

Zu einer Zeit, in der Online-Cellokurse und Geigenunterricht online noch in weiter Ferne lagen, wurde im 16. Jahrhundert die erste Geige schriftlich erwähnt. Jedoch bereits zuvor gab es Instrumente, die als direkte Vorfahren der Violine gesehen werden können. Bis zur heutigen elektrischen Version des Instruments - die Geschichte der Geige ist faszinierend.

Egal ob in der barocken oder klassischen Musik, auf der elektrischen oder klassischen Geige... das Instrument aus der Familie der Streicher hat viele Veränderungen in der Bauweise und in den musikalischen Einsatzbereichen durchlebt.

Ihre Ursprünge gehen auf arabisch-muslimische Saiteninstrumente zurück. Zu ihrer heutigen Form und großer Bekanntheit gelang sie allerdings erst in der Renaissance durch italienische Gitarrenbauer. Seither wurden keine großen Änderungen im Bau vorgenommen, bis in jüngerer Zeit die E-Geige entwickelt wurde.

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Die Ursprünge der Geige

Die genaue Geburtsstunde der Geige ist heute nicht mehr auf ein genaues Datum festzulegen. Vielmehr dauerte es mehrere Jahrhunderte, bis die Geige die Form annahm, die wir heute kennen.

Als Urahnen der Violine können verschiedene Saiteninstrumente gesehen werden, die es in ihrer einfachsten Form wahrscheinlich schon vor mehreren tausend Jahren gab. Über einen langen Zeitraum wurden die Saiten aber überwiegend gezupft, um in Schwingung versetzt zu werden. Ein bekanntes Beispiel ist die Lyra, ein Leierinstrument, das im antiken Griechenland sehr beliebt war.

Im europäischen Raum tauchten wohl erst im Mittelalter ca. 10. Jahrhundert n. Chr.) zum ersten Mal Instrumente auf, deren Saiten mit einem Bogen gestrichen wurden. Die Forschung geht davon aus, dass die ersten Streichinstrumente 9. Jahrhundert in Mittelasien entstanden sind und sich dann an verschiedenen Orten auf der Welt, zeitgleich weiterentwickelten.

Über Spanien verbreitete sich das Rebec; ein 1-3-saitiges, birnenförmiges Instrument aus Holz, das von der arabischen Rabab abstammt. Zum Spielen wurde der Korpus des Rebec an der Brust aufgestützt und der Hals nach unten in den Arm gelegt.

Wahrscheinlich schon etwas früher erfreute sich die Fidel in ganz Mitteleuropa großer Beliebtheit. Die Fidel war aus mehreren Holzteilen zusammengesetzt, hatte ein gewölbte Decke und keine Bünde. Sie wurde auf die linke Schulter gelegt und oft zur Gesangsbegleitung eingesetzt. Durch die bis zu sechs Saiten, verfügte sie über einen großen Tonumfang.

Die Fidel war vor allem bei der einfacheren Bevölkerung beliebt und konnte sich bis ins 16. Jahrhundert hinein behaupten. Auch heute noch werden Fidel ähnliche Instrumente in der Musik verschiedener Kulturen eingesetzt. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass sich aus der Fidel die verschiedenen Formen der Vihuela entwickelten.

Die Vihuela hat einen flachen Körper und ist mit sechs Saitenpaaren bespannt. Bei der Bauform und der Spielweise werden zwei Typen der Vihuela unterschieden:

  • Vihuela de Mano: taillierte Korpus; rundes Schallloch in der Mitte; wird gezupft; gilt als eine Vorläuferin der Gitarre
  • Vihuela de Arco: 8er-Form mit Einbuchtungen; zwei geschwungene, schlitzartige Schalllöcher; wird mit einem Bogen gestrichen

Im 16. Jahrhundert folgte die Entstehung der Violen, die als direkte Vorläufer der heutigen Streichinstrumente gelten.  Diese spätmittelalterlichen Instrumente werden in zwei Gruppen eingeteilt: Viola da Gamba (Beingeige) und Viola da Braccio (Armgeige). Die Bezeichnungen sind von der Spielhaltung abgeleitet. Während die Viola da Gamba zwischen die Knie geklemmt wurde, hielt man die Viola da Braccio im Arm.

Die genaue verwandschaft der Saiteninstrumente ist noch nicht ganz geklärt.
Im weitesten Sinne haben alle Saiteninstrumente dieselben Vorfahren. | Quelle: Karim Manjra via Unsplash

Die Geige ist eine Weiterentwicklung der Viola da Braccio, die es in verschiedenen Größen und Stimmlagen gab. Die Bezeichnung „Violine“ bedeutet auf Italienisch nichts anderes als kleine Viola.  Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird die Violine in den 1520er Jahren.

Auch auf italienischen Gemälden dieser Zeit taucht die Geige in einer ähnlichen Form und Größe, wie wir sie heute kennen, regelmäßig auf. Gebaut wurden diese Instrumente damals in Brescia, Venedig, Antwerpen oder auch Brüssel. Die wahre Geigenhochburg lag aber in Norditalien, genauer in der Stadt Cremona, wo die Violine perfektioniert wurde.

Die ersten Geigen und ihr Weg vom Volks- zum Prestigeinstrument

Als Erfinder der Geige gilt landläufig der italienische Instrumentenbauer Andrea Amati (ca. 1505 bis 1577). Seine große und wegweisende Leistung liegt in entscheidenden Änderungen beim Bau der Geigen. Amati veränderte die Stegposition, die Form und Lage der F-Löcher und baute dünnere Wände mit kleineren Leimflächen. Mit der idealen Wahl des Holzes und der Verbesserung des Lacks erreichte er so bei seinen Instrumenten ein ideales Schwingungsverhalten und damit auch einen besseren Klang.

Andrea Amati war wahrscheinlich auch der erste Geigenbauer, der seine Violinen mit der heute noch charakteristischen, kunstvoll geschnitzten Schnecke versah. Die ersten viersaitigen Violinen entstanden ab ungefähr 1550.

Im Jahr 1564 baute Andrea Amati eine seiner berühmtesten Violinen. In Auftrag gegeben wurde sie von Catherine de Médicis, die sie für ihren Sohn Karl IX bestellte. So gelang die Geige zum ersten Mal an einen königlichen Hof, während ihre Vorgängerinnen ganz klar Instrumente des Volkes waren.

So wurde die Werkstatt von Amati schnell bekannt und erfolgreich. Amatis Söhne und Enkel traten schließlich in seine Fußstapfen und führten das Familienunternehmen weiter. So wurde das Geheimnis um die perfekte Geige über Generationen hinweg weitergegeben. Den Söhnen Antonio und Girolamo wurde eine besondere Ehre zuteil: Sie arbeiteten als Geigenbauer des Orchesters des französischen Königs Heinrich IV.

Cremona, die Heimatstadt der Familie Amati wurde so zur Wiege des Geigenbaus und Italien zu einer wahren Referenz für alle Violinisten und Streichinstrumentenbauer dieser Zeit... und bis heute!

In der Tat setzt sich die alte Tradition in der Stadt Cremona fort. Auch heute noch erlernen viele Geigenbauer*innen die alten, traditionsreichen Techniken, aus den italienischen Werkstätten. Die handgefertigten Geigen sind von herausragender Qualität. Durch die feine Auswahl des Holzes, die detaillierte Schnitzerei und das Nutzen traditioneller Werkzeuge erweisen die heutigen Geigenbauer*innen den alten Meistern aus dem 16. Jahrhundert eine Hommage.

König Heinrich IV machte 1599 Geigenbauer in Frankreich zu einem anerkannten Beruf und führte eine sechsjährige Ausbildung ein, bei der die jungen Schüler das Kunsthandwerk von den großen Meistern erlernen konnten.

Die Geschichte der Geige wie wir sie heute kennen, beginnt in Cremona.
Durch Veränderungen an Decke und Boden konnten die Klangeigenschaften verbessert werden. | Quelle: Dominik Scythe via Unsplash

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Der Aufstieg der Geige im 17. Jahrhundert

Ein weiterer Grund für die schnelle Verbreitung der Geige durch Europa, war ihre neue Stellung und Funktion in der Musik. Diese verdankte vor allem durch dem aus Cremona stammenden Komponisten Claudio Monteverdi. Seine 1607 uraufgeführte Oper L’Orfeo gilt als ein Wendepunkt in der Musikgeschichte und wurde schon bald an vielen europäischen Höfen aufgeführt.

Die veränderten Anforderungen an Violinisten und ihre Instrumente ließen auch die Instrumentenbauer ihre Arbeit immer weiter perfektionieren.

Die Beliebtheit der Geige zeigt sich auch in der Musikgeschichte. Nachdem Monteverdi als Erster den Schritt gewagt hatte, schrieben immer mehr Komponisten Partien für Violine, bis sie schließlich zu einem festen Bestandteil eines jeden Orchesters wurde.

Mit dem 17 Jahrhundert tritt die Geige also ihren Siegeszug an. In dieser Zeit tauchen auch die ersten Geigenvirtuosen auf, die dem Instrument zu noch größerer Beliebtheit und Berühmtheit verhalfen.

Einer dieser Virtuosen Geigenspieler und zugleich ein begabter Komponist war Jean-Baptiste Lully; ein junger Italiener, der 1653 im Alter von nur 21 Jahren zum offiziellen Musiker des französischen Königs Ludwig XIV ernannt wurde. Als Oberintendant und Kammerkomponist am Königshof von Versailles gründete er das Streicherensemble Les Petits Violons (die kleinen Geigen).

Der Komponist Lully vertonte zudem die von Molière für Ludwig XIV. geschriebenen Theaterstücke und spielte regelmäßig bei den Aufführungen die Sologeige... so beispielsweise bei den zeitlosen Werken Georges Dandin oder Der Eingebildete Kranke.

Nicht nur die Geigenmusik, sondern auch der Geigenbau gewann in ganz Europa an Bedeutung. In Sachsen war Caspar Hopf der Begründer einer traditionsreichen Geigenbauschule und der Tiroler Jacob Stainer galt als der beste Geigenbauer nördlich der Alpen. Seine Instrumente waren bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts sehr begehrt und oft sogar teurer als die italienischen Violinen.

In der Folge wurden die meisten Stainer-Geigen leider unwiederbringlich zerstört, indem bauliche Veränderungen vorgenommen wurden, um sie dem Klangideal der Romantik anzupassen.

Neben der höfischen Geige, die nach dem italienischen Vorbild gebaut wurde, erfreute sich auch die volkstümliche Spielmanngeige weiterhin großer Beliebtheit. Bei dieser Art von Violine war ein durchdringender, kräftiger Klang gefragt. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts experimentierten viele Instrumentenbauer mit Mischformen, die die Qualitäten beider Geigentypen ideal vereinten.

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Stradivari und Guarneri - berühmte Geigen des 18. Jahrhunderts

Ein bisher unerreichtes Niveau in der Herstellung und Qualität der Geigen erreichte Antonio Stradivari, der vermutlich einen ehemaligen Schüler von Nicola Amati, einem Enkel Andrea Amatis, zum Lehrer hatte.

Stradivarigeigen sind bis heute legendär und die noch ungefähr 650 erhaltenen Instrumente sind in beeindruckendem Zustand. Violinen von Stradivari werden immer wieder zu Rekordpreisen verkauft und gehören damit zu den teuersten Geigen der Welt.

Antonio Stradivari nahm feine Änderungen in der Form und bei den Maßen der Violinen vor, die seither im Geigenbau verbindlich sind. Durch die Wahl der besten Hölzer und seiner Kunstfertigkeit verlieh er seinen Geigen einen hellen, glänzenden und brillanten Klang, der bis heute als unerreicht gilt.

Ein ebenfalls aus Cremona stammender Zeitgenosse Stradivaris war Giuseppe Guarneri, „del Gesù”, der selbst aus einer berühmten Geigenbauerfamilie stammte. Seine Instrumente waren vor allem auf Grund ihres tragfähigen Tons beliebt. Auch die Guarneri del Gesù Geigen gehören aktuell zu den teuersten der Welt.

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Die Geige im 18. Jahrhundert

Während sich seither die Form des Streichinstruments nicht mehr weiter veränderte, entwickelten sich im 18. Jahrhundert vor allem die Finessen in der Spieltechnik weiter. Zurückzuführen ist dies unter anderem auf die Werke von Komponisten wie Vivaldi, Locatelli und Tartini, welche das Jahrhundert musikalisch prägten. Auch Mozart bereicherte die Musikwelt mit zahlreichen Sonaten für Geigen.

Eines dieser zahlreichen Meisterwerke ist Antonio Vivaldis Violinkonzert "Die vier Jahreszeiten". Das 1723 komponierte concerto besteht aus vier Teilen, die jeweils eine der vier Jahreszeiten musikalisch abbilden. Die Melodien sind heute noch weltberühmt und zählen zu den meist gespielten Musikstücken der Welt.

Die größte Veränderung, die die Geige und das Geigenspiel in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfuhr, war die Entwicklung des modernen Geigenbogens in Paris; unter anderem durch den Bogenmacher François Tourte. Damit der Bogenstrich kräftiger werden konnte, wurde der Geigenbogen länger und schwerer gemacht, der Schwerpunkt verlagert und die Spannung erhöht.

Der Geigenbau selbst geriet zu dieser Zeit in eine Krise. Die Violine wurde gewissermaßen ein Opfer ihres Erfolgs. Durch die steigende Nachfrage, musste schneller produziert werden. Dies hatte zur Folge, dass Abstriche in der Qualität gemacht werden mussten. Beispielsweise wurden schnelltrocknende Lacke verwendet, die sowohl auf den Klang als auch auf die Langlebigkeit der Instrumente einen negativen Einfluss hatten.

Die Geige im Zeitalter der Industrialisierung ab 1800

Das 19. Jahrhundert stand voll und ganz unter dem Einfluss der Industrialisierung, so auch der Geigenbau. Arbeitsprozesse wurden im Sinne der Produktionserhöhung optimiert und die einzelnen Herstellungsschritte auf verschiedene Personen aufgeteilt. Die Handwerkskunst verlor nach und nach an Bedeutung.

In diesem Rahmen wurden die ersten Fabrikgeigen gebaut. In Asien und Europa entstanden Geigenmanufakturen mit zahlreichen Mitarbeitern, die preiswerte Violinen herstellten. Die meisten davon waren nach dem Vorbild der legendären Guarneri- und Stradivarigeigen gebaut, konnten jedoch bei Weitem nicht mit diesen mithalten.

Mit der Industrialisierung verlor das Handwerk an Bedeutung, so auch im Geigenbau.
Die Handwerkskunst des Geigenbaus geriet für einige Zeit in den den Hintergrund. | Quelle: Andrea Piacquadio via Pexels

Nichtsdestotrotz waren nicht alle industriell hergestellten Geigen von schlechter Qualität. Die großen berühmten Manufakturen in Mirecourt, Mittenwald und Markneukirchen schafften es, Streichinstrumente zu bauen, die durchaus einem gehobenen musikalischen Anspruch gerecht werden konnten. Heute noch sind diese Stätten dafür bekannt, einige herausragende Geigenbauer hervorgebracht zu haben.

Die weiterhin traditionell arbeitenden Geigenbauer experimentierten mit verschiedenen Formen, die vor allem die Optik betrafen. So wurden beispielsweise die dekorativen Schnecken durch alternative Verzierungen, wie Menschen- oder Löwenköpfe, ersetzt. Die wenigen Versuche, die Geige durch eine veränderte Korpusform (z.B. trapezförmig) zu optimieren, konnten sich nicht durchsetzen.

Es wurde also die aus Cremona stammende und von Stainer, Stradivari und Guarneri perfektionierte Form in ihren Grundzügen beibehalten. Es wurden jedoch weiterhin kleine Änderungen vorgenommen: der Hals wurde länger und schräg an den Korpus angesetzt; der Bassbalken wurde verstärkt, was einen höhere Saitenspannung erlaubte.

Bei diesen Veränderungen ging es in erster Linie darum, den neuen Anforderungen der Musiklandschaft gerecht zu werden. Das 19. Jahrhundert ist die Epoche der großen Virtuosen, die auf Tourneen die Massen begeisterten. Konzerte waren nicht nur dem Adel vorbehalten, sondern wurden nun auch vom Bürgertum besucht. Die größeren Säle verlangten nach Instrumenten, mit einer großen klanglichen Tragweite.

Der wohl bekannteste unter den Virtuosen, der „Teufelsgeiger“ Nicolò Paganini, spielte eine 1743 von Guarneri del Gesù gebaute Geige, die er Il cannone (die Kanone) nannte.  Er ließ sie 1828 in Wien umarbeiten, damit sie seinen klanglichen Vorstellungen und seiner Spieltechnik gerecht wurde.

Il cannone ist nicht die einzige alte Violine, die in dieser Zeit einer Überarbeitung unterzogen wurde. Zahlreiche Violinen von Stainer, Stradivari und Guarneri wurden nach der Vorstellung der Romantik modernisiert.

Die Geschichte der Geige bis heute

Im 20. Jahrhundert lassen sich im Grunde zwei gegenläufige Bewegungen beobachten. Einerseits wurde die industrielle Produktion von Geigen weiter hochgefahren, sodass es mittlerweile Fabrikgeigen in den unterschiedlichsten Preislagen und Qualitätsstandards gibt.

Andererseits gab es eine Rückbesinnung auf die Tradition der alten Handwerkskunst. Die Violinen von Guarneri und Stradivari werden zu Rekordpreisen verkauft und, wenn nötig, originalgetreu restauriert. Am begehrtesten sind die Instrumente, an denen nie eine Änderung vorgenommen wurde und die dennoch weiterhin in einem faszinierend guten Zustand sind.

Auch die Handwerkskunst des Geigenbaus an sich ist nicht ausgestorben. Nach wie vor können bei zeitgenössischen Geigenbauern hochwertige Meistergeigen gekauft werden, die in sorgfältiger Handarbeit nach allen Regeln der Kunst gefertigt wurden.

Eine große Neuerung, die das 20. Jahrhundert mit sich brachte, ist die Erfindung und weitere Verbreitung der Nylon- und Stahlsaiten. Diese sind robuster und preiswerter als die herkömmlichen Saiten aus Naturdarm.

Die tiefgreifendste Entwicklung der neueren Zeit ist die Erfindung der E-Geige. Der erste Versuch eine Geige elektrisch zu verstärken stammt aus dem Jahr 1874 vom amerikanischen Erfinder Elisha Gray. Leider sind keine Bilder oder Aufzeichnungen erhalten, sodass die genaue Funktionsweise nicht nachvollziehbar ist.

Die eigentliche Geburtsstunde der E-Geige lässt sich auf die 1920er Jahre datieren. Der Jazzgeiger Stuff Smith gilt als der erste, der seine Violine mit Pick-Ups und Amps elektrisch verstärkte.

Ab Mitte der 1930er Jahren verkaufte George Beauchamp, der ein paar Jahre zuvor ein Patent für seine elektrische Gitarre angemeldet hatte, die ersten E-Geigen. Dabei handelte es sich zunächst um Instrumente, die über einen klassischen Resonanzkörper verfügten, der mit einem Tonabnehmer ausgestattet war. Die erste Solidbody-E-Geige wurde von Leo Fender im Jahr 1958 vorgestellt.

Auch diese moderne Entwicklung ist eng mit der Musikgeschichte verbunden, wenn auch nicht mehr mit der klassischen Musik. Die E-Geige hat ihren Ursprung im Jazz, wo sie sich gegen die Blasinstrumente der immer größer werdenden Formationen durchsetzen mussten.

Die Erfindung der E-Violine wurde erst Jahrzehnte später von anderen Musikrichtungen dankbar angenommen. Frank Zappa ist eines der prominentesten Musiker, die die E-Geige in die Rockmusik einführten.

Heutzutage gibt es E-Geigen in allen vorstellbaren Formen und sie sind in vielen Musikrichtungen zu hause. Ein tolles Beispiel für die Einbindung der Geige in die Popmusik ist diese Neuinterpretation des Pachelbel-Kanon.

Der Zugang zu Instrumenten ist heute über das Internet deutlich leichter geworden. Auf Geigen-Foren kann man sich über den Kauf von klassischen und elektrischen Geigen informieren und es gibt unzählige Angebote zum Geige lernen online sowie Tipps zu Songs auf der Geige für Anfänger. Die Violine ist also wieder gewissermaßen zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt und ist nicht mehr nur ein Instrument der Oberschicht.

Einen Beitrag zu diesem Imagewandel hat bestimmt auch die E-Geige geleistet, die durch Künstler*innen wie David Garrett oder Vanessa-Mae zu einer großen Popularität gefunden hat. Nach wie vor ist aber auch die klassische, akustische Geige präsent und nicht aus der Musik wegzudenken. Die beiden Varianten des Instruments bieten klanglich und spieltechnisch so viele Unterschiede, dass sie in keiner Konkurrenz zueinanderstehen.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.