Wenn Du ein richtig guter Gitarrist werden möchtest und Klassiker wie „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin oder auch berühmte Rockballaden wie „Still loving you“ von den Scorpions nachspielen möchtest, dann musst Du an Deiner Technik arbeiten. Eine der unerlässlichen Techniken sind Arpeggios (auch Arpeggien oder Arps).

Nicht nur in der Rock und Pop Musik, sondern auch im Blues und Jazz, kommt man kaum ohne Arpeggien aus

Doch was ist ein Arpeggio überhaupt?

Und wie kann man sie lernen? Welche musiktheoretischen Grundlagen muss man verstehen und welche Übungen gibt es?

Die Arpeggios gehören beim Gitarrespielen zu den grundlegenden Techniken, die Du von Anfang an erlernen kannst. Viele berühmte Musiker haben sie benutzt und benutzen sie immer noch, im Rock (Slash), Blues (Clapton) genauso wie im französischen Chanson (Francis Cabrel).

Was ist ein Arpeggio?

Bei Arpeggios handelt sich dabei um Akkorde, bei denen die einzelnen Töne nicht gleichzeitig, sondern nacheinander erklingen. Sie bringen die Akkorde auf der Gitarre richtig schön zum Klingen.

Arpeggien werden auf Deutsch auch Akkordbrechungen genannt.

Der Name kommt vom italienischen Wort für Harfe: Arpa. Wenn Du Dir den Klang einer Harfe vorstellst, hast Du auch schon eine Idee, wie Akkordbrechungen klingen können.

Wenn Du sie nur spielst, um das Thema abzuhaken, dann ist das zwar eine ausgezeichnetes Training um Deine Gitarrentechnik zu verbessern. Sie einfach nur gleichmäßig hoch und unter zu spielen, kann aber sowohl für Dich als auch Dein Publikum schnell langweilig werden.

Pop, Rock, Jazz - Arpeggios kannst Du in jede Stil einsetzen.
Arpeggien findet sich als Tonmaterial in fast allen Musikstilen. | Quelle: Natalie Cardona via Unsplash

Das interessante an Arpeggien ist, dass sie vielseitig einsetzbar sind. Die einzelnen Intervalle des Akkords können in unterschiedliche Reihenfolgen gebracht werden. So kannst Du auf der Basis eines Akkords Melodien improvisieren.

Achtung: Wenn über Arpeggio gesprochen wird kommt es häufig zu einer Verwechslung. Da eine der gängigen Spielweisen das Zupfen ist, wird der Begriff oft als Synonym für Fingerpicking oder Fingerstyle verwendet. Natürlich können beim Fingerpicking Arps eingesetzt werden, aber eben auch andere Techniken; und die Arpeggien können auch mit dem Plektrum gespielt werden.

Wozu benutzt man Arpeggios?

Du kannst sie benutzen, um das Solospiel interessanter zu gestalten. Neben den verschiedenen Skalen bieten sie eine der besten Grundlagen zum Improvisieren.

Im Gegensatz zu Tonleitern, kommen in Arpeggien nur Akkordtöne vor. Sie bestehen in der Regel aus drei (Dreiklang) oder vier (Vierklang) unterschiedlichen Tönen. Dass Fünfklänge verwendet werden, kommt eher selten vor.

Mit ArpPatterns können auch Licks gestaltet werden, die sich dann über verschiedene Akkorde spielen lassen. Beispielsweise im Metal hört man oft eine schnelle Arpeggiofolge über Power Chords.

Je nach Definition wird manchmal auch eine Art der Gitarren Begleitung als Arpeggiospiel bezeichnet. Das ist dann der Fall, wenn ein Akkord arpeggiert (oder aufgebrochen) wird. In diesem Fall werden die Akkordtöne über den ganzen Song hinweg in einem gleichmäßigen Muster angeschlagen oder gezupft (Picking-Pattern).

Nicht zuletzt sind Arpeggioübungen auch ein gutes Fingertraining; insbesondere für die linke Hand, aber auch für die Koordination zwischen beiden Händen. Das Lernen der Arpeggiopatterns bringt Dir außerdem eine bessere Übersicht über Dein Gitarrengriffbrett.

Wie spielt man Arpeggios?

Mit der rechten Hand kannst Du die Saiten sowohl Zupfen, als auch mit dem Plektrum anschlagen. Dabei kommen dieselben Techniken zum Zuge, die Du sonst auch anwendest. Wird mehr als ein Ton pro Saite gespielt, erreichst Du mit Alternate Picking (Wechselschlag) ein schnelles Tempo.

Wenn Du den Akkord wie beim Strummen greifst, befindet sich auf jeder Saite nur ein Akkordton. Du kannst dann durch ein schnelles über mehrere Saiten auf- oder abwärtsgleiten (Sweep Picking), eine extrem schnelle Tonfolge erzeugen.

Es muss aber nicht unbedingt immer schnell sein. Auch in langsamer Abfolge klingen sie unglaublich gut.

Das Plektrum ist für die meisten Gitarristen ein wichtiges Gitarren Zubehör.
Gewöhne Dir von Anfang an das Spielen mit Plektrum an. | Quelle: Rombo via Unsplash

Den Gitarrenakkord greifen

Für die linke Hand ist es erstmal einfacher, den Akkord auf der Gitarre wie gewohnt zu greifen. Damit steht Dir jede Saite nur für eine einzige Note zur Verfügung und schränkt Dich in den Spielmöglichkeiten ein.

Um eine schnelles Drei- oder Vierklangarpeggio erklingen zu lassen, kann das aber durchaus mal Sinn machen.

Gerade wenn Du neu auf dem Gebiet bist und noch keine besondere Griffrbettorientierung hast, können Dir die bereits bekannten Griffmuster dabei helfen, das Prinzip zu verstehen.

Auch wenn Du Dich an die Arpeggio-Patterns mit "two notes per String" herangwagst, kann es Dir helfen, Dir erstmal den entsprechenden Barré-Griff vorzustellen. Damit kennst Du schon die Position der meisten Akkordtöne und musst nur noch einige wenige dazulernen.

Arpeggien mit mehreren Notes per String

Wie für Skalen gibt es auch für Arpeggien in jeder Lage verschiedene Fingersätze, die eingeübt werden sollten. Wenn Du sie sicher beherrschst, wirst Du sie ganz frei in Deinem Spiel anwenden können.

Um ein Dreiklangarpeggio in Dur zu erhalten brauchen, wir (nur) die Noten, die in einem Dur-Dreiklang vorkommen: den Grundton, die große Terz und die Quinte (danach wiederholen sich alles eine Oktave höher). In einem Moll-Arpeggio brauchen wir den Grundton, die kleine Terz und die Quinte.

Bei Vierklang-Arpeggien kommt, wie der Name schon sagt, ein vierter Klang (zum Beispiel die kleine Septime bei einem Dominantseptakkord) dazu.

Arpeggios zupfen

Auch wenn Du Arpeggien zupfen willst, kommen die gleichen Techniken zum Einsatz, die Du auch sonst für Fingerpicking anwendest. Der Daumen ist für die drei Basssaiten zuständig, der Zeigefinger für die G-, der Mittelfinger für die H- und der Ringfinger für die hohe e-Saite.

Die Kunst besteht darin, die Finger so zu koordinieren und kontrollieren, dass ein schneller und trotzdem gleichmäßiger und flüssiger Bewegungsablauf entsteht. Da der Daumen zwischen drei Saiten hin und her wechselt, ist es wichtig, die Orientierung nicht zu verlieren. Sei Dir immer bewusst, wo er sich gerade befindet und wo er als nächstes hin muss.

Die Finger sollten sich nie zu weit von den Saiten entfernen. Du kannst sie sogar darauf ablegen, um die Hand stabil zu halten und jederzeit für den nächsten Einsatz bereit zu sein.

Gitarrenakkorde lernen: Arpeggio Fingersätze

Wenn Du bereits Griffbilder für Tonleitern kennst, wird es Dir nicht schwerfallen, die Arpeggiofingersätze zu verstehen und lernen. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie eine Mischung aus Akkordgriffbildern und Skalenfingersätzen. Das sind sie tatsächlich auch.

Arpeggios sind Chords und beinhalten deshalb auch die gleichen Noten, wie der gleichnamige Akkord. Da die Akkordtöne nicht gleichzeitig angeschlagen werden werden, haben wir die Möglichkeit auch mehrere Töne auf der gleichen Saite zu spielen, genau wie bei einer Tonleiter.

Während eine heptatonische Dur oder Moll Tonleiter aus sieben verschiedenen Tönen besteht, sind es beim Arp nur die drei oder vier des Drei- bzw. Vierklangs. Du kannst einen Arpeggiofingersatz also wie ein Ausschnitt aus dem entsprechenden Skalenfingersatz lesen.

So kannst Du mit Hilfe der Tonleitern herausfinden, wo die Arpeggiotöne liegen.
Wenn Du auf der Gitarre etwas Neues lernst, gehe immer von dem aus, was Du schon kennst. Das macht alle ein bisschen einfacher.

Die 1 steht für den Akkordgrundton, die 5 für die Quinte und die 3 für die Terz (beachte: in Dur ist es eine große, in Moll eine kleine Terz).

Die häufigsten Vierklang-Arpeggien (Dominantseptakkorde und Maj7) kannst Du von diesen Fingersätzen ableiten, wenn Du die vierte Note, die dazu kommen muss, kennst. In einem Maj7-Akkord die große Septime (also der siebte der Tonleiter), in einem Dominantseptakkord ist es die kleine Septime (ein Halbton tiefer als die große Septime).

Schauen wir uns das mal am Beispiel G-Dur an:

Aperggien lernen kann Dir auch dabei helfen, die Musiktheorie zu verstehen.
Beim G7-Arpeggio kommt als vierter Ton ein F hinzu, bei Gmaj7 ein Fis.

Diese Fingersätze kannst Du für jeden beliebigen Grundton verwenden und dem entsprechend verschieben. In der Praxis wird beim vertikalen Spielen so wenig wie möglich auf dem Griffbrett herumgewandert. Das heißt, dass die Patterns so gewählt werden, dass die linke Hand mehr oder weniger in derselben Lage bleiben kann.

Arps können natürlich auch horizontal gespielt werden, was vor allem im Jazz sehr gerne gemacht wird. Die Töne werden dann nicht mehr möglichst nah beieinander in einer Lage gesucht, sondern auf der gleichen Saite (zum Beispiel für Slides über große Tonabstände) Hierfür brauchst Du sehr gute Kenntnisse über das Griffbrett, um immer an der richtigen Stelle zu landen.

Besonders interessant wird es, wenn man die horizontale und vertikale Spielweise kombiniert. Also: einen Moment lang in einer Position bleiben und sich dann ganz plötzlich auf die Reise zum anderen Ende des Gitarrenhalses machen und dort wieder kurz verweilen, bevor es wieder zurück geht.

Improvisieren mit Arpeggios

Das Improvisieren mit Arpeggios ist ein weites Feld und es gibt unterschiedliche Art und Weisen, wie sie eingesetzt und beispielsweise mit Skalen kombiniert werden können. Ich möchte Dir hier ein recht einfaches Improvisationskonzept zeigen, an dem Du Dich austoben und ausprobieren kannst.

Als Grundlage für unser Solo nehmen wir einen ganz gewöhnlichen Blues in A. Über jeden Akkord, werden wir dann mit dem jeweiligen Arp improvisieren.

Dazu brauchen wir also:

  • A7: a, cis, e und g
  • D7: d, fis, a und c
  • E7: e, gis, h und d

Damit das Ganze musikalisch und flüssig klingt werden kann, suchen wir uns dafür die Patterns in derselben Lage raus.

Mit dieen Fingersätzen kannst Du einen Blues in A in einer Lage spielen.
Vergiss nicht, bei jedem Akkordwechsel zu dem entsprechenden Fingersatz überzugehen.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, spielst Du sie am besten erstmal ganz gleichmäßig rauf und runter. Beim Akkordwechsel steigst Du aber nicht mit dem Grundton ein; sondern mit dem, der dem zuletzt gespielten am nächsten liegt.

Wenn Du Dich damit sicher fühlst, kannst Du anfangen etwas rum zu probieren und Spaß zu haben: Ändere die Reihenfolge (Akkordumkehrungen), variiere den Rhythmus, baue Hammer ons, Pull offs und Slides ein.

Mit diesem Backingtrack kannst Du das Ganze wunderbar ausprobieren:

Diese Übung hilft Dir dabei, das Prinzip des Solo-Spiels mit Arpeggios zu verstehen, sie praktisch zu üben und eine bessere Übersicht über das Gitarrengriffbrett zu erhalten. Probiere das Ganze auch in anderen Tonarten aus. Suche Dir (online oder von einem Lehrbuch mit CD) einen passenden Backingtrack und nimm Dir Zeit, herauszufinden welche Arpeggiopatterns du dazu brauchen wirst.

Vermische diese Technik nicht sofort mit anderen Übungen. Es ist immer effektiver, sich erstmal auf eine einzige Sache zu konzentrieren und erst wenn sie fast im Schlaf beherrscht wird, anzufangen unterschiedliche Konzepte und Techniken miteinander zu kombinieren.

In der Praxis wird aber natürlich so gut wie nie ein Solo nur aus Arpeggien gebaut, sondern eine Kombination aus den verschiedenen Herangehensweisen, die zu dem jeweiligen Song passen.

Ein paar allgemeine Tipps

Natürlich erfordert das Erlernen der Arps auf der Gitarre für Anfänger wie immer viel Fleiß und Übung. Mit etwas Geduld und Ausdauer, ist es aber machbar und Du wirst schnell merken, wie sich Dein Gitarrenspiel verbessert. Das motiviert zum Durchhalten.

Mit diesen Gitarrenspiel Tipps rockst Du Dein nächstes Konzert.
Auch die besten Gitarristen haben einmal angefangen und mit den gleichen Problemen gekämpft wie Du. Ihr Erfolg ist das Produkt harter Arbeit. | Quelle: Frankie Cordoba via Unsplash

Wenn man sich an eine neue Spieltechnik wagt, gibt es ein paar Dinge, die man berücksichtigen kann, um sich selbst den Einstieg zu erleichtern:

  • Stecke Dir am Anfang nicht zu hohe Ziele, beginne mit einfachen Übungen. Danach kannst Du dann den Schwierigkeitsgrad langsam steigern.
  • Benutze ein Metronom, das Dir dabei hilft, nicht aus dem Takt zu kommen. Am Anfang solltest Du ganz langsam anfangen und dann nach und nach die Geschwindigkeit steigern, bis Du das Stück im Originalrhythmus auf der Gitarre spielen kannst.
  • Spiele nicht immer ein und dasselbe Stück: Etwas Abwechslung ist gut für die Motivation und erlaubt Dir ein Gefühl für die unterschiedlichen Facetten einer Spieltechnik u bekommen.
  • Wenn Du alleine nicht weiterkommst: Erkundige Dich, wo es Gitarrenunterricht in Deiner Nähe gibt. Viele Seiten bieten auch Kurse zum Gitarre Lernen Online an.
  • Anstatt Dich zu fragen, wann Du am besten Gitarre übst, solltest Du Dir einfach 10 bis 15 Minuten am Tag zum Üben Zeit nehmen. Das ist besser als nur am Wochenende zwei Stunden am Stück.
  • Fange an mit anderen zusammen Musik zu machen; zum Beispiel in einer Band.
  • Lerne Gitarren Tabs und Noten lesen. Sie eröffnen Dir den Zugang zu vielen unterschiedlichen Übungen, die Du im Internet oder Büchern finden kannst.
  • Vergiss nicht ab und zu die Saiten zu wechseln. Neue Gitarrensaiten klingen besser und sind auch leichter zu stimmen. Erfahre hier, wie Du selbst Deine Gitarrensaiten wechseln kannst!

Viel Spaß beim Ausprobieren und Entdecken neuer Möglichkeiten! Überrasche Deine Band mit neuen Guitar Licks!

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.