„Das Klavierspiel besteht aus Vernunft, Herz und technischen Mitteln. Alles sollte gleichermaßen entwickelt sein. Ohne Vernunft sind Sie ein Fiasko, ohne Technik ein Amateur, ohne Herz eine Maschine.“ Vladimir Horowitz

Die Entwicklung des Klaviers, wie wir es heute kennen, begann im 17. Jahrhundert, als zum ersten Mal die Hammermechanik eingeführt wurde. Zuvor wurden die Saiten von einer Metallzunge angezupft, wie zum Beispiel beim Spinett, oder durch eine Metalltangente angeschlagen.

Klaviere und Flügel gehören zu den Tasteninstrumenten, da der Pianist zur Erzeugung eines Tons auf eine Taste drücken muss. Der eigentliche Klang entsteht aber dann durch das Schwingen der Saiten.

Die Saiten können sich im Laufe der Zeit und auf Grund verschiedener Faktoren verstimmen. Das ist einem beim Klavier lernen für Anfänger, wenn man gerade sein erstes Piano gekauft hat, vielleicht noch nicht bewusst. Spätestens wenn das Klavier richtig schräg klingt, ist es aber nicht mehr zu überhören.

In diesem Fall muss das Klavier gestimmt werden. Dazu wendet man sich an einen professionellen Klavierstimmer, der richtige Klavierstimmung sorgt.

Wie läuft das Klavier stimmen genau ab? Und ist es überhaupt notwendig, Geld dafür auszugeben, oder kann man es auch selbst machen?

In diesem Artikel erfährst Du alles, über das Klavier stimmen und warum es sich lohnt, sich an einen Experten zu wenden.

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Und los geht's

Warum man ein Klavier nicht selbst stimmen sollte

Du kennst das vielleicht von Deinen Freunden, die Gitarre spielen: ständig stimmen sie ihr Instrument nach und wenn es nötig wird, ziehen sie sogar selbst neue Saiten auf. Und jetzt fragst Du Dich, ob Du das auch an Deinem Klavier selbst machen könntest, um etwas Geld zu sparen.

Aber: ein Klavier ist keine Gitarre. Die beiden Instrumente unterscheiden sich nicht nur in der Größe und Anzahl der Saiten, sondern sind auch von der Mechanik her komplett unterschiedlich aufgebaut.

Erstmal die gute Nachricht vorweg: Klaviere und Flügel müssen deutlich seltener gestimmt werden, als Saiteninstrumente. Dafür ist die Prozedur viel aufwändiger, komplizierter und erfordert neben dem richtigen Werkzeug viel Erfahrung und ein gutes Gehör.

Klavierstimmung ist ein Handwerk, das man nicht innerhalb von wenigen Tagen durch anschauen von Videos, durchlesen von Ratgebern und rumprobieren erlernen kann. Eine Klavierstimmer Ausbildung ist nicht durch ein Selbststudium zu ersetzen. Beim selber rumwerkeln riskiert man, das Klavier noch weiter zu verstimmen, oder sogar etwas kaputt zu machen. Dadurch wird das Ganze im Endeffekt langwieriger und vor allem teurer, als wenn Du es direkt von einem Profi hättest machen lassen.

Anders als für eine Gitarre wird Dir eine Klavierstimmen App nicht weiterhelfen.
Ein Klavier ist schwieriger zu stimmen als eine Gitarre. | Quelle: Jake Noren via Unsplash

Bevor Du Dir Gedanken über die Stimmung machst, wirst Du wahrscheinlich erstmal spielen lernen… Erfahre hier, wie auch Klavier spielen lernen als Erwachsener möglich ist.

Der Klavierstimmer

In Zeiten des Web 2.0 scheint der Einsatz von Profis, egal in welchem Bereich, immer weniger notwendig. Warum? Weil man vieles dank Internet, Tutorials, Videos und Websites selber machen kann.

Im Internet findet man zahlreiche Seiten, die Anleitungen zum Klavier selber stimmen geben. Jedoch ist Klavier stimmen nichts, was man anhand einer Bedienungsanleitung einfach nachmachen kann.

Man braucht dazu neben den reinen Fachkenntnissen ein gutes Gehör, handwerkliches Geschick und genügend Erfahrung, um sich auf das jeweilige Instrument einlassen zu können. Denn: nicht jedes Klavier hat seine Eigenheiten.

Schon gar nicht geht es ohne das geeignete Werkzeug. Und auch das hat seinen Preis.

Professionelle Klavierstimmer haben eine solide Ausbildung, einen reichen Erfahrungsschatz mit unterschiedlichen Instrumenten und bringen selbstverständlich auch ihr eigenes Werkzeug mit.

Je nachdem wie sehr das Klavier verstimmt ist, wird auch ein sehr erfahrener Stimmer anderthalb bis vier Stunden brauchen, um seine Arbeit zu erledigen. Der Preis dafür hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Grad der Verstimmung
  • Alter und Pflege des Klaviers
  • klimatische Verhältnisse
  • Marke und Preisniveau des Klaviers oder Flügels
  • Eventuelle Anfahrtskosten

Durchschnittlich bewegen sich die Klavierstimmer Preise zwischen 90 und 180 Euro.

Die Klaviersaiten sind an den Stimmwirbeln befestigt.
Ein Klavierstimmer weiß genau, wo er den Stimmhammer ansetzen muss. | Quelle: Nayuta via Pixabay

Der klassische Weg für eine Klavierstimmer Ausbildung führt über den Beruf des Klavierbauers. Dabei erwirbt man alle Kenntnisse und Fähigkeiten, die zum Klavier stimmen notwendig sind.

Dein Klavierlehrer, z.B. für Klavierunterricht Berlin, kann Dir bestimmt einen guten Klavierbauer oder -stimmer empfehlen, an den Du Dich wenden kannst.

Warum muss ein Klavier gestimmt werden?

Akustische Instrumente sind zu einem großen Teil aus natürlichen Materialien, wie Holz gefertigt. Diese reagieren sehr sensibel auf Temperaturschwankungen, Veränderung der Luftfeuchtigkeit und Bewegung.

Ein Klavier wird in der Regel nicht häufig transportiert. Aber auch wenn es über lange Zeit in ein und demselben Raum steht, ist es Schwankungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausgesetzt.

Dadurch dehnt sich das Holz aus, oder zieht sich zusammen. Dies hat wiederum einen direkten Einfluss auf die Spannung der Saiten. Sie lockern sich oder spannen sich weiter an. Dadurch wird der Ton tiefer, beziehungsweise höher.

Die Saiten sind sehr straff eingespannt und einem starken Zug ausgesetzt. Auch dadurch dehnen sie sich im Laufe der Zeit weiter aus und klingen tiefer. Gerade bei neuen Instrumenten, geschieht das sehr schnell.

Schließlich hat auch die Spielweise und -häufigkeit einen Einfluss darauf, wie schnell sich ein Klavier verstimmt.

Als Faustregel sagt man, dass unter „normalen Umständen“ ein Klavier ungefähr ein bis zweimal im Jahr gestimmt werden muss.

Klavierspielen lernen geht übrigens auch ganz bequem von zuhause aus - mit online Klavierunterricht.

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Wie wird der Klang des Klaviers erzeugt?

Du drückst eine Taste und hörst sofort einen Ton. Das geschieht nicht durch Magie, sondern eine ausgefeilte Mechanik im Inneren Deines Pianos.

Ein klassisches Klavier hat 88 Tasten und 230 Saiten. Das heißt, mit jeder Taste werden mehrere Saiten gleichzeitig angeschlagen. In der Mittellage und dem Diskant (hohe Lage) sind es jeweils drei Saiten pro Taste. In der tiefen Lage sind es nur noch zwei und bei den allertiefsten Bass Tasten ist es nur noch eine einzige.

Bei mehreren Saiten sind die Position der Befestigung und der Anschlagspunkt nicht identisch. Dadurch schwingen sie unterschiedlich und die Tonhöhe ist nicht exakt gleich. Das macht den Klang lebendiger und voller.

Wenn Du nun auf eine Taste drückst, löst Du einen Vorgang auf, bei dem ein kleiner Hammer auf die entsprechenden Saiten schlägt. Dies versetzt sie in Schwingung und der Ton entsteht. Der Resonanzraum verstärkt den Klang, damit er auch laut genug zu hören ist.

Wenn Du den Finger wieder von der Taste nimmst, senkt sich ein Dämpfer ab und legt sich auf die Saiten. Sie werden dadurch am Schwingen gehindert und der Ton verstummt.

Es gibt viele Möglichkeiten Klavierunterricht München zu nehmen. Superprof hilft dir, den passenden Lehrer zu finden!

Welches Werkzeug wird zum Klavierstimmen verwendet?

Um die Tonhöhe einer Klaviersaite zu verändern, muss an einem Wirbel gedreht werden. So verkürzt oder verlängert man den freischwingenden Teil der Saite. Dazu braucht man einen Stimmhammer.

Der Name ist etwas verwirrend, da er nicht viel mit einem herkömmlichen Hammer gemeinsam hat und auch nicht zum hämmern verwendet wird. Es handelt sich vielmehr um eine Art Schraubenschlüssel, der perfekt auf die Form der Stimmwirbel passt.

Die Klaviersaiten sind so stark gespannt, dass man die Wirbel unmöglich mit der bloßen Hand bewegen kann. Deswegen braucht man den Stimmhammer.

Klavierstimmer benutzen eine Stimmgabel um den richtigen Ton zu treffen.
Die Stimmgabel ist ein unerlässliches Werkzeug für Klavierstimmer. | Quelle: Pixabay

Jede Klaviersaite, auch die, die zur selben Taste gehören, werden einzeln gestimmt. Während des Stimmvorgangs dreht man nicht taub an den Stimmwirbeln. Man geht ganz behutsam vor und überprüft immer wieder die Tonhöhe, damit man nicht zu weit dreht.

Dazu ist es notwendig, alle anderen Saiten abzudämpfen, damit sie nicht mitschwingen und einen störenden Ton erzeugen können. Dazu werden Stimmkeile, Stimmrechen und Stimmfilze zwischen die Saiten geklemmt.

Nicht zuletzt braucht auch ein erfahrener Klavierstimmer ein Hilfsmittel, um die Saiten auf exakt den richtigen Ton zu stimmen: die Stimmgabel.

Eine Stimmgabel ist ein zuverlässiges Hilfsmittel zum Stimmen aller Instrumente, da sie verlässlich immer denselben Ton wiedergibt. Klassischerweise nutzt man dazu eine Stimmgabel, die auf dem Kammerton A (440 Hertz) schwingt.

Eine Klavierstimmung beginnt also immer mit diesem Ton als Ausgangspunkt. Ist die entsprechende Saite gestimmt, kann sie als Referenz für alle anderen verwendet werden. Dazu ist ein ausgesprochen gutes Gehör notwendig.

Als Ergänzung zum eigenen Gehör kann ein Stimmgerät verwendet werden.

Du bist auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? Das Klavierstimmen solltest Du trotzdem lieber einem Profi überlassen. Wie wär’s stattdessen mit Klavier Improvisation?

Die wohltemperierte Stimmung

Bis weit ins 17. Jahrhundert hinein waren für Tasteninstrumente die reine und die mitteltönige Stimmung üblich. In diesen beiden Stimmungen sind jedoch nicht alle Tonarten verwendbar.

Es wurde daher nach Alternativen gesucht, in denen die Frequenzen minimal so verschoben werden, dass sich der Quintenzirkel schließt und alle Tonarten gleichermaßen spielbar wurden, jedoch einen eigenen Klangcharakter hatten.

Diese alternativen Stimmungen werden unter dem Begriff „wohltemperierte Stimmung“ zusammengefasst. Johann Sebastian Bach hat der neuen Entwicklung ein ganzes Werk gewidmet: das wohltemperierte Klavier.

Ein Klavierstimmer kennt sich mit KLavieren und Flügeln aus.
Im Inneren eines Flügels sind Saiten eingespannt, die ab und zu gestimmt werden müssen. | Quelle: Maksym Kaharlytskyi via Unsplash

Heutzutage sind Klaviere und Flügel in der Regel gleichstufig temperiert. Die gleichstufige Stimmung ist nicht mit der wohltemperierten gleichzusetzen. Sie stellt eine mögliche Variante dar, bei der die einzelnen Tonarten keinen spezifischen Charakter mehr haben.

Du interessierst Dich neben Stimmung für Musikgeschichte und Theorie? Entdecke hier die besten Klavierbücher.

So läuft das Klavier stimmen ab

Nachdem überprüft worden ist, wie sehr das Klavier verstimmt ist, wird mit dem eigentlichen Stimmvorgang begonnen.

In einem ersten Schritt werden dazu alle Saiten, die nicht schwingen sollen, abgedämpft. Bei jeder Saitengruppe fängt man mit der mittleren Saite an und die allererste Saite die gestimmt wird, ist die, die dem eingestrichenen A (Kammerton, 440 Hertz) entspricht.

Der Stimmhammer wird auf den entsprechenden Stimmwirbel aufgesetzt und so gedreht, dass sich die Saite spannt oder lockert, je nachdem ob der Ton zu hoch oder zu tief ist.

Dafür ist teilweise ein nicht unerheblicher Kraftaufwand nötig, da die Wirbel fest verankert sind und eine hohe Zugkraft auf den Saiten liegt. Trotzdem muss darauf Acht gegeben werden, dass nicht zu weit gedreht wird. Auch innerhalb eines Klaviers kann der Widerstand der einzelnen Stimmwirbel sehr stark variieren.

Sobald die gewünschte Tonhöhe erreicht wurde, wird mit der nächsten Saite weitergemacht, bis schließlich das ganze Klavier frisch gestimmt ist.

Der Klavierstimmung Preis hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Man sieht es dem Klavier nicht an, ob es neu gestimmt werden muss. | Quelle: Patrick Hendry via Unsplash

So kurz zusammengefasst, hört sich das Ganze gar nicht so kompliziert an, wie es tatsächlich ist. Was ist nun also schwierig am Klavier stimmen?

Ein Klavier hat über 200 Saiten, die alle exakt gestimmt werden müssen, mit allen Färbungen und Verfälschungen, die den Klang eines Klavieres ausmachen. Auch als Laie kann man zwar hören, wenn ein Piano verstimmt ist. Herauszufinden, an welchem kleinen Detail das liegt, ist aber ohne die entsprechende Erfahrung schier unmöglich.

Wenn man es doch schaffen sollte, eine Oktave einigermaßen ordentlich zu stimmen, steht man vor der Herausforderung, dieses (individuelle) Klangbild auf die restlichen Oktaven zu übertragen. Das ist ohne ein dafür geschultes Gehör kaum zu bewerkstelligen.

Nicht zu vernachlässigen ist auch das notwendige handwerkliche Wissen und Geschick, sowie Kenntnisse über die verbauten Materialien.

Wie bereits mehrfach erwähnt, sind unglaubliche Kräfte im Spiel; die Klaviersaiten stehen unter einer sehr hohen Spannung. Bei der Klavierstimmung geht es auch darum, die Gleichmäßigkeit der Zugkräfte zu wahren.

Bei einer falschen Vorgehensweise kann man nicht nur das Instrument beschädigen, sondern im schlimmsten Fall auch sich selbst verletzen.

Klaviersaiten sind zwar sehr robust, aber nicht unzerstörbar. Werden sie deutlich zu festgespannt, können sie in seltenen Fällen auch ganz plötzlich reißen. Die scharfen Enden schnellen dann unkontrolliert in die Höhe und könnten Dich im Gesicht treffen.

Das Auswechseln von Klaviersaiten ist dann noch einmal eine ganz eigene, kostspielige Angelegenheit. Deswegen mein Rat für Sparfüchse: Probiere nicht selbst Dein Piano zu stimmen, sondern wende Dich gleich an einen Klavierstimmer, um Dein Klavier stimmen zu lassen.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.