„Probleme sind wie ein verworrenes Wollknäuel. Man sollte nicht alle Knoten auf einmal lösen wollen, sondern in Etappen, Knoten für Knoten, vorzugehen. Ganz in Ruhe und zur richtigen Zeit" - Nadine Monfils, Le silence des canaux.

Die Geschichte des Schulfachs Latein in Deutschland reicht bis ins frühe Mittelalter (ca. 720) zurück.

Auch wenn Latein bis in 17. Jahrhundert als „Lingua Franca“ der europäischen Eliten galt, verliert der Unterricht dieser „toten Sprache“ immer mehr an Beliebtheit und wird in Deutschland nicht mehr als unabdingbarer Schlüssel für ein besseres Sprach- und Textverständnis angesehen.

Im Schuljahr 2017/2018 gab es in Deutschland laut dem statistischen Bundesamt 611.507 Latein Schüler an den allgemeinbildenden Schulen und 2.248 Schüler an den beruflichen Schulen.

In den letzten Jahren wurde vor allem der Nutzen des Latein Unterrichts debattiert, da Latein als vermeintlich elitärer Sprache vorgeworfen wurde, ein Unterscheidungsmerkmal zwischen sozialen Klassen darzustellen.

Daher hat die Superprof-Redaktion sich dazu entschlossen, sich dem Thema Latein Lernen anzunehmen und zu erläutern, wie der Latein Unterricht tatsächlich abläuft.

Die Geschichte des Schulfachs Latein in Deutschland

Die Geschichte des Schulfachs Latein reicht in Deutschland zurück bis ins frühe Mittelalter. Latein galt als „Vatersprache des Mittelalters“. Die ersten Schulen, an denen Latein als allgemeine Unterrichtssprache gesprochen und gelehrt wurde, waren Klosterschulen.

Latein gilt als ältestes Schulfach Deutschlands. Nur wer damals Latein beherrschte, hatte vollen Zugang zum kirchlichen Leben und zu den Bildungsgütern, die an Kloster-, Kathedral- und Domschulen vermittelt wurden.

Seit dem Spätmittelalter wurde Latein auch an städtischen Schulen gelehrt. Dabei wurde auch die antike Literatur, unter anderem von Horaz, Cicero und Sallust, behandelt. Erst ab dem 17. Jahrhundert gewannen die Nationalsprachen infolge großer Kriege immer mehr an Bedeutung.

Das Erlernen der Muttersprache wurde immer wichtiger und ging mit einem Niedergang der Lateinschulen einher. In der Weimarer Republik sollte Latein Unterricht als Teil der Kulturkunde dazu beitragen, das Verständnis für deutsche Kultur zu verbessern und das Nationalgefühl zu fördern.

Nach Abschaffung des lateinischen Abituraufsatzes im Jahr 1925 wurde sich stärker auf die Übersetzung lateinischer Texte ins Deutsche konzentriert. Darauf liegt der Fokus noch bis heute!

Dir fällt das Wort nicht mehr auf Italienisch ein?
Im Latein Unterricht lernst Du, Texte zu analysieren und zu übersetzen. | Quelle: Pexels

Zu Zeiten des Nationalsozialismus erreichte die Instrumentalisierung des Latein Unterrichts für politische Zielsetzungen dann ihren Höhepunkt. Römische und griechische Autoren sollten zur „wehrgeistigen Erziehung“ beitragen. Dabei standen Verfasser wie Caesar, Tacitus und Livius im Vordergrund, an deren Beispiel die besonderen Eigenschaften der Germanen gewürdigt werden sollten.

Viele Latein Lehrer haben damals versucht, den ideologischen Ballast aus dem Unterricht fernzuhalten. Doch welche Rolle spielt Latein heute und wie gestaltet sich der Unterricht dieser „toten Sprache“ an deutschen Schulen?

Warum wird Latein heutzutage als Schulfach angeboten?

Wie wir heute wissen, bildet das Lesen lateinischer Texte oder sogar das Erlernen der Sprache von Julius Caesar den Grundstein für das Verständnis unserer eigenen Sprache, sowohl grammatikalisch (z.B. für den Infinitiv) als auch syntaktisch oder in Bezug auf die Textanalyse.

Wie kann man die zahlreichen europäischen Sprachen, die Amtssprachen internationaler Organisationen sind, lernen, wenn man nichts über ihren lateinischen Ursprung weiß?

Der Latein Unterricht ermöglicht es dir, viel über das Leben und die Gewohnheiten der Römer vor 2000 Jahren zu lernen. Wie haben sie ihre Freizeit verbracht? Wie haben sie gearbeitet und es geschafft, ihr Reich zu vergrößern?

Im Latein Unterricht kannst Du sehen, wie eine tote Sprache zugleich lebendig sein kann. Sie lebt in unseren romanischen Sprachen, sowie dem Englischen und auch dem Deutschen. Wenn Du denkst, Du kennst keine lateinischen Wörter im Deutschen, dann hast du dich getäuscht!

Zu den lateinischen Wörtern im Deutschen zählen unter anderem Fenster, Abitur, Nation, Domizil, Tafel, Globalisierung oder Computer... Latein ist also alles andere als eine tote Sprache!

Latein und die Welt der Römer bilden die Grundlagen unserer heutigen Kultur. Der Unterricht kann es dir ermöglichen, Lernmethoden kennenzulernen, die auf andere Fächer übertragbar sind. Zudem kannst du durch den Latein Unterricht das Latinum erwerben, das eine Voraussetzung für viele Studiengänge und Studienabschlüsse an der Uni ist.

Das Schulfach Latein vermittelt außerdem die Grundlagen von Kultur, Philosophie und Politik und auch wenn Latein oft als „Luxuswissen“ bezeichnet wird, so kann man doch vieles lernen, das für andere Schulfächer sehr nützlich sein kann. Beispielsweise eine systematische Herangehensweise an Texte, die zu einem besseren Textverständnis beitragen kann.

Würde es Dir gefallen, eine Fremdsprache zu unterrichten?
Latein Lehrer sind daher nicht nur Sprachlehrer, sondern auch Kulturvermittler.| Quelle: pixabay.com

Die Akademie der Wissenschaften und Künste hat das deutsche Textverständnis von mehr als 3.000 Studenten geprüft und konnte feststellen, dass diejenigen, die Latein gelernt haben, deutlich besser abgeschnitten haben!

Auch online gibt es viele Angebote, Latein zu lernen. Wenn deine Schule keinen Lateinunterricht anbietet und Du kostenlos Latein lernen willst, schau doch mal online nach Angeboten. Auch zusätzlich zum Lateinunterricht könnten diese eine gute Abwechslung und Übung sein.

Wie wird Latein an deutschen Gymnasien und Gesamtschulen unterrichtet?

Das alles, damit Latein als elitäre Bildungssprache abgestempelt wird und um dem Klischee zu widersprechen, unter dem der Latein Kurs leidet.

Latein wird in Deutschland meisten an Gymnasien, seltener an Gesamtschulen unterrichtet. Dabei kann Latein die 1., 2., 3. oder in Ausnahmefällen auch 4. Fremdsprache sein.

Das Ziel des Unterrichts besteht hauptsächlich darin, dass der Schüler die Fähigkeit erwirbt, lateinische Texte ins Deutsche zu übersetzen. In den meisten deutschen Gymnasien wird Latein ab der 6. Klasse als Wahlpflichtfach angeboten. In den Schulen, in denen noch nach dem G9-System unterrichtet wird, kann Latein ab der 7. Klasse gewählt werden.

Meist muss Latein bis zum Ende der Sekundarstufe I, also bis zur 10. Klasse, belegt werden. In Baden-Württemberg, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und im Saarland können die Schüler bereits ab der 5. Klasse Latein wählen und den Unterricht schon nach der 9. Klasse abschließen.

Latein wird daher heute als ergänzender Unterricht zu anderen Fächern betrachtet, wodurch der ursprünglich für dieses Fach vorgesehene Zeitaufwand reduziert wird. Dennoch kann Latein ein Prüfungsfach im mündlichen oder schriftlichen Abitur sein.

Wer ein Zertifikat für seine Latein Kenntnisse anstrebt, kann das sogenannte Latinum erwerben. Das Latinum weist dabei die Kompetenz nach, lateinische Texte zu übersetzen und zu verstehen. Schüler, die je nach Bundesland vier oder fünf Jahre am aufsteigenden Latein Unterricht teilgenommen haben, erhalten die Beurkundung auf ihrem Abiturzeugnis.

Alternativ kann eine schriftliche und mündliche Prüfung, die sogenannte Ergänzungsprüfung, absolviert werden, um das Latinum mit dem Abitur zu erwerben. Dazu muss der Schüler mit der Abschlussnote „ausreichend“ (5 Punkte) oder besser abgeschnitten haben.

Das Latinum oder Latein Kenntnisse im Umfang des Latinums sind an deutschen Universitäten in einigen geisteswissenschaftlichen Studienfächern, wie Geschichte, Theologie, Archäologie, Philosophie und auch für einige Fremdsprachen-Studiengänge vorgeschrieben.

Im Latein Unterricht wird oft mit geeigneter Anfangslektüre begonnen, um den Schülern den Einstieg zu erleichtern. Zu den Texten gehören unter anderem:

  • Caesars De Bello Gallico,
  • Ciceros Reden oder Briefe,
  • Nepos,
  • Plinius der Jüngere,
  • Römische Dichter wie Catull,
  • Martial oder
  • Ovid.

Sind die Grundlagen geschaffen und haben die Schüler gelernt, diese lateinischen Texte zu verstehen und zu übersetzen, wird dann mit schwierigeren Werken gearbeitet. Dazu zählen unter anderem:

  • Ciceros philosophische und rhetorisch-theoretische Werke,
  • Horaz,
  • Sallust,
  • Seneca,
  • Livius,
  • Tacitus und
  • Vergil.
Es gibt viele moderne Texte, die ins Lateinische übersetzt wurden.
Das Lesen lateinischer Texte ist fester Bestandteil des Unterrichts! |Quelle: Unsplash

Zudem werden im Latein Unterricht viele Kenntnisse aus der Mythologie, der Geschichte, der Philosophie und der Literatur aus römischer und griechischer Antike vermittelt.

Kurz gesagt handelt es sich mehr um eine Unterhaltungs- als um eine Lernstrategie.

Die Studierenden werden in die Analyse alter literarischer Texte eingeführt, um einen lateinischen Text verstehen und lesen zu können, die Texte in ihren historischen und soziokulturellen Kontext einzuordnen, einen lateinischen Text zu interpretieren und ins Deutsche zu übersetzen.

Sollte deine Schule jedoch keinen Latein Unterricht anbieten, geben dir unsere Superprof Lehrer gerne Tipps, wie du schnell Latein lernen kannst!

Wozu Latein als Schulfach wählen?

Latein ist die Fremdsprache, die in Deutschland am dritthäufigsten unterrichtet wird. In den 2010er Jahren ist die Zahl der deutschen Schüler, die am Latein Unterricht teilgenommen haben, angestiegen und belief sich auf 807.800 Schüler. Des Weiteren sind Latein Lehrer mit einem Studium in lateinischer Philologie in vielen Bundesländern sehr gesucht.

Latein hilft dabei, viele Fremdwörter besser zu verstehen. Dazu zählen Begriffe, wie Addition, Exponat, Imitation, Detonation, etc. Hat ein Schüler diese Wörter vorher nicht verstanden, so wird er sie beim Lernen der lateinischen Vokabeln kennenlernen und in Zukunft anwenden können.

Außerdem stammen alles römischen Sprachen, beispielsweise Italienisch, Spanisch, Französisch und Portugiesisch, vom Lateinischen ab, was das Erlernen dieser Fremdsprachen erleichtern kann, wenn man vorher Latein Unterricht besucht hat.

Lateinische Grammatik klingt wesentlich komplizierter als sie tatsächlich ist. |Quelle: Pixabay

Im Latein Unterricht beschäftigt man sich viel mit dem Aufbau der Texte und ihrer Struktur. Dieser Textanalyse verbessert die Lesekompetenz des Schülers und kann ihm dabei helfen, auch schwierige Texte leichter zu erschließen und zu verstehen.

Auch das Alltagsleben in der Antike, die Kultur der alten Römer sowie ihre Götter- und Sagenwelt sind ebenso Thema des Latein Unterrichts wie die antike Geschichte, die Kunst, die Wissenschaft und die Politik. All diese Themen geben dem Schüler einen interessanten Einblick in das Leben der alten Römer, das auf unterschiedliche Weise auch Einfluss auf unseren Alltag und unser soziales und kulturelles Leben genommen hat.

Latein mag somit zwar eine tote Sprache sein, aber keineswegs eine unbedeutende Sprache! Die Kenntnisse, die Schüler durch den Besuch des Latein Unterrichts oder einiges Latein Kurses erwerben, sind keineswegs unnütz oder sinnlos. Vielmehr sind sie ein Schlüssel zu einem besseren Verständnis vieler anderer, insbesondere romanischer, Sprachen und auch zu einem bewussteren Umgang mit unserem kulturellen und sozialen Leben.

Selbst wenn Du als Erwachsener kein Latein in der Schule gelernt hast oder Dich für einen anderen Wahlpflichtunterricht (WPU) am Gymnasium entschieden hast, ist „der Zug keineswegs abgefahren". Du kannst Apps zum Latein lernen herunterladen oder Lern-Webseiten im Internet besuchen - denn alle Wege führen nach Rom! 😉

Probiere es doch mal aus! Belege einen Latein Intensivkurs und entdecke mit Latein eine ganz neue Sicht auf unsere heutige Welt.

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Stefanie

Sprachen sind meine große Leidenschaft! Da ich zweisprachig aufgewachsen bin, habe ich mich schon früh für Sprachen und Kulturen interessiert. Ich liebe Reisen und entdecke gerne neue Länder.