Spanisch ist heute längst nicht mehr nur die Sprache Spaniens. Es wird von mehr als 500 Millionen Menschen als Mutter- oder Zweitsprache gesprochen und gehört damit zu den meistgesprochenen Sprachen der Welt. Doch wie wurde aus einer regionalen Sprachform Kastiliens eine globale Weltsprache?

Die Geschichte des Spanischen reicht viele Jahrhunderte zurück. Römer, Mauren, indigene Völker und zahlreiche andere Kulturen haben ihre Spuren hinterlassen. Begleite uns auf eine Reise durch die wichtigsten Etappen der spanischen Sprachgeschichte und entdecke, wie sich das Spanische zu der Sprache entwickelt hat, die wir heute kennen.

218 v. Chr.

Beginn der römischen Eroberung

Die Römer bringen Latein auf die Iberische Halbinsel. Es wird zur Grundlage für die spätere Entwicklung des Spanischen.

5. Jahrhundert

Entstehung regionaler Sprachformen

Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches entwickelt sich das gesprochene Latein in den verschiedenen Regionen zunehmend unterschiedlich weiter.

10.–12. Jahrhundert

Erste schriftliche Zeugnisse

In den berühmten Glosas Emilianenses und Glosas Silenses finden sich frühe schriftliche Spuren der romanischen Sprache, aus der sich später Kastilisch entwickelt.

13. Jahrhundert

Alfons X. fördert das Kastilische

Kastilisch wird unter Alfons X. zunehmend für Verwaltung, Recht, Wissenschaft und Literatur verwendet und als Schriftsprache gefestigt.

1492

Grammatik und Beginn der globalen Expansion

Antonio de Nebrija veröffentlicht die erste Grammatik des Kastilischen. Gleichzeitig beginnt mit der spanischen Expansion nach Amerika die weltweite Verbreitung der Sprache.

16.–17. Jahrhundert

Das Goldene Zeitalter

Das Spanische erlebt eine literarische Blüte. Autoren wie Cervantes und Lope de Vega prägen die Sprache und Literatur nachhaltig.

1713–heute

Normierung und globale Weltsprache

Die Gründung der Real Academia Española leitet eine systematischere Normierung ein. Durch Kolonialgeschichte und Migration wird Spanisch schließlich zu einer global gesprochenen Sprache.

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Und los geht's

Die sprachlichen Wurzeln: Iberische Halbinsel vor dem Spanischen

Beginnen wir doch damit, ein paar Jahrhunderte zurückzublicken, in die Zeit der Römer. Wir befinden uns im 3. Jahrhundert v. Chr. – noch vor Entstehung der spanischen Sprache.

Zu dieser Zeit lebten viele verschiedene Völker auf der Iberischen Halbinsel. Dazu gehörten insbesondere die Kelten, die Iberer und die Basken. Aber auch Griechen, Phönizier und Karthager hatten sich in verschiedenen Regionen angesiedelt und ihre Sprachen und Kulturen hinterlassen.

Ab 218 v. Chr. begannen die Römer, die Iberische Halbinsel zu erobern. Die Eroberung dauerte fast 200 Jahre und war erst um 19 v. Chr. weitgehend abgeschlossen. Mit der römischen Herrschaft setzte sich nach und nach Latein als wichtigste Sprache durch. Die Sprachen vieler ansässiger Völker wurden zunehmend verdrängt.

Latein Schrift auf einem Bauwerk
Latein bildet die Grundlage des Spanischen (Credits:
Luca Tosoni – Italien – 2020)

Nur das Baskische konnte seine Eigenständigkeit bis heute bewahren. Es wird noch immer im westlichen Pyrenäenraum und in angrenzenden Gebieten Spaniens und Frankreichs gesprochen. Das Latein der Römer bildete schließlich die Grundlage für die weitere Entwicklung der spanischen Sprache.

Das Fundament: Vulgärlatein als Ursprung des Spanischen

Nach der Eroberung der Region begannen die Römer damit, den anwesenden Völker das Lateinische als Sprache der Verwaltung und des öffentlichen Lebens zu etablieren. Die bislang in Hispania gesprochenen Sprachen, darunter Iberisch, Keltisch und Keltiberisch, wurden im Laufe der Zeit zunehmend vom Latein verdrängt.

Einige Wörter aus den einheimischen Sprachen fanden jedoch Eingang in den lateinischen Wortschatz. Wenn wir hier von „Latein“ sprechen, ist nicht nur das klassische Latein gemeint, das du vielleicht aus dem Schulunterricht kennst. Dieses wurde vor allem als Schriftsprache verwendet.

Im Alltag sprach die Bevölkerung unterschiedliche Formen des sogenannten Vulgärlateins. Es bildete die Grundlage für die Entwicklung der romanischen Sprachen und wurde von diversen Gruppen gesprochen:

  • Soldaten
  • Händlern
  • Kolonisten
  • einheimische Bevölkerung

Die Romanisierung Hispaniens (ab 218 v. Chr.)

Mit der römischen Eroberung ab 218 v. Chr. begann die sogenannte Romanisierung Hispaniens. Die Römer brachten nicht nur ihre politische und militärische Ordnung mit, sondern auch ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Lebensweise. Latein wurde zur wichtigen Sprache in Verwaltung, Militär, Handel und im öffentlichen Leben.

Die Romanisierung verlief allerdings nicht überall gleich schnell. Städte und Gebiete mit starker römischer Präsenz übernahmen das Latein meist früher als abgelegene Regionen. Auch die bereits ansässigen Völker spielten eine Rolle. Ihre Sprachen verschwanden zwar größtenteils, hinterließen aber Spuren im gesprochenen Latein.

So entwickelte sich in Hispania nach und nach eine eigene regionale Variante des gesprochenen Lateins. Sie unterschied sich von den Formen des Lateins, die beispielsweise in Gallien oder Italien gesprochen wurden. Aus diesen regionalen Varianten entstanden später die verschiedenen romanischen Sprachen.

Auch nach dem Ende der römischen Herrschaft blieb das Latein in Hispania die Grundlage der gesprochenen Sprache. Ab dem 5. Jahrhundert kamen neue Einflüsse hinzu, unter anderem durch die Westgoten. Ihr sprachlicher Einfluss blieb jedoch vergleichsweise begrenzt, da die romanische Bevölkerung weiterhin ihre eigene Sprache sprach. Einige germanische Wörter fanden dennoch Eingang in die spätere spanische Sprache.

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Laut- und Formenwandel vom Latein zum Altspanischen

Das gesprochene Latein veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte Schritt für Schritt. Wörter wurden anders ausgesprochen, Endungen verschwanden oder wurden vereinfacht und manche Laute veränderten sich. Dadurch entfernte sich die gesprochene Sprache immer stärker vom klassischen Latein.

Ein wichtiger Unterschied betraf die Wortendungen. Im klassischen Latein zeigten verschiedene Endungen an, welche Funktion ein Wort im Satz hatte. Im gesprochenen Latein wurden diese Endungen zunehmend schwächer und verschwanden teilweise ganz. Dadurch wurden feste Wortstellungen und Präpositionen wichtiger.

Auch die Aussprache veränderte sich. Bestimmte lateinische Laute entwickelten sich in Hispania zu neuen Lauten, die es im klassischen Latein noch nicht gab. Gleichzeitig veränderte sich die Aussprache von Vokalen und Konsonanten. Solche Lautveränderungen sind ein wichtiger Grund dafür, dass spanische Wörter heute teilweise ganz anders klingen als ihre lateinischen Ursprungswörter.

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Warum lispeln die Spanier?

Spanier lispeln nicht grundsätzlich – das sogenannte „Lispeln“ betrifft vor allem die Aussprache bestimmter Laute in einigen Regionen Spaniens. Beim Castellano werden „z“ und „c“ vor „e“ oder „i“ häufig wie das englische „th“ in „think“ ausgesprochen, während in vielen anderen spanischsprachigen Regionen ein „s“-Laut verwendet wird.

Parallel dazu veränderte sich auch der Wortschatz. Viele lateinische Wörter wurden weiterverwendet, während andere verschwanden oder durch neue Formen ersetzt wurden. Hinzu kamen einzelne Wörter aus den Sprachen der vorrömischen Bevölkerung sowie später aus dem Germanischen und Arabischen. Auf diese Weise entwickelte sich über mehrere Jahrhunderte eine neue romanische Sprachform, aus der schließlich das Altspanische hervorging.

Erfahre, wie sich die Aussprache verschiedener Regionen unterscheidet.

Arabischer Einfluss auf die Entwicklung der spanischen Sprache

Im Jahr 711 eroberten muslimische Truppen große Teile der Iberischen Halbinsel. Die Eroberer waren vor allem Berber aus Nordafrika und Araber. Ihre Herrschaft dauerte in verschiedenen Teilen der Halbinsel mehrere Jahrhunderte und endete erst 1492 mit dem Fall Granadas. Während dieser Zeit trafen die arabisch-muslimische, die christliche und die jüdische Kultur aufeinander.

Dieser Austausch hinterließ auch in der spanischen Sprache deutliche Spuren. Schätzungen zufolge stammen mehr als 4.000 spanische Wörter aus dem Arabischen oder gelangten über das Arabische ins Spanische. Besonders viele finden sich in Bereichen wie Landwirtschaft, Mathematik, Handel, Architektur und Alltag.

Typische Beispiele für arabische Einflüsse sind:

Spanischer BegriffArabischer BegriffBedeutung
ojaláschāʾ Allāh („so Gott will“)hoffentlich
aceiteaz-zaytÖl
azúcaras-sukkarZucker
arrozar-ruzzReis
alcaldeal-qāḍī ("Der Richter")Bürgermeister
almohadaal-mujaddaKissen

Auffällig ist außerdem, dass viele arabische Lehnwörter mit „al-“ beginnen. Dabei handelt es sich um den arabischen bestimmten Artikel, der Teil des übernommenen Wortes wurde. Wer sich für Spaniens Land und Leute interessiert, begegnet diesem arabischen Erbe übrigens nicht nur in der Sprache, sondern auch in der Architektur, Küche und Kultur.

Vom Kastilischen zur Nationalsprache

Das Kastilische entstand zunächst als romanische Sprachvariante im Norden der Iberischen Halbinsel. Im Laufe der Jahrhunderte erweiterte sich die kastilische Sprache immer mehr. Mit der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung Kastiliens gewann auch die Sprache zunehmend an Einfluss. Im Laufe des Mittelalters verbreitete sie sich immer weiter und wurde schließlich zur Grundlage des heutigen Spanisch.

Ein wichtiger Schritt war die Entwicklung des Kastilischen zu einer Schriftsprache. Gelehrte und Herrscher begannen, die Sprache gezielt für Literatur, Verwaltung und Wissenschaft einzusetzen. Besonders unter Alfons X. wurde sie gefördert und weiter vereinheitlicht. Ende des 15. Jahrhunderts war Kastilisch bereits die bedeutendste Sprache des politischen Zentrums der Iberischen Halbinsel.

Die ersten schriftlichen Zeugnisse

Die ersten schriftlichen Zeugnisse des Kastilischen stammen aus dem 10. und 11. Jahrhundert. Besonders bekannt sind die Glosas Emilianenses aus dem Kloster San Millán de la Cogolla sowie die Glosas Silenses aus dem Kloster Santo Domingo de Silos.

Dabei handelt es sich um kurze handschriftliche Notizen am Rand und zwischen den Zeilen lateinischer Texte. Sie zeigen, dass die gesprochene romanische Sprache bereits so weit vom Latein entfernt war, dass Erklärungen in der Alltagssprache notwendig wurden.

Die Glossen sind allerdings noch kein „fertiger“ Vorläufer des heutigen Spanisch. Sie enthalten einzelne Wörter und Wendungen, die bereits romanische beziehungsweise kastilische Merkmale zeigen. Die Sprache selbst wurde zu diesem Zeitpunkt natürlich schon lange gesprochen. Schriftlich wurde sie zunächst jedoch nur selten verwendet, da Latein weiterhin die wichtigste Sprache für religiöse und gelehrte Texte war.

Im 12. Jahrhundert wurde Kastilisch zunehmend auch für literarische und rechtliche Texte verwendet. Ein besonders bekanntes Werk ist das „Cantar de mio Cid“, ein mittelalterliches Heldenepos, das vermutlich um 1200 entstand. Es zeigt, wie weit sich das Kastilische zu dieser Zeit bereits von seiner lateinischen Grundlage entfernt hatte.

Die Reconquista trug ebenfalls zur weiteren Verbreitung bei. Mit der Ausdehnung der christlichen Königreiche nach Süden gelangte Kastilisch in immer neue Gebiete. Dabei kam es mit anderen romanischen Sprachen und mit dem Arabischen in Kontakt. Das Kastilische nahm dabei zahlreiche neue Wörter auf und entwickelte sich weiter.

Entdecke hier nützliche Vokabeln auf Spanisch!

Alfons X. und die Standardisierung

Eine besonders wichtige Rolle für die Entwicklung des Kastilischen spielte Alfons X. von Kastilien, auch bekannt als "Alfons der Weise". Unter seiner Herrschaft (1252-1284) wurde Kastilisch zunehmend zur Sprache von Verwaltung, Recht, Geschichte und Wissenschaft. Viele bedeutende Werke wurden nicht mehr ausschließlich auf Latein, sondern auf Kastilisch verfasst oder ins Kastilische übersetzt.

Alfons X. selbst schrieb nicht jedes dieser Werke. Vielmehr förderte er eine große Gruppe von Gelehrten, Übersetzern und Schreibern. Sie arbeiteten unter anderem an:

  • 🏛️ historischen Chroniken,
  • ⚖️ Gesetzessammlungen und
  • 🔬 wissenschaftlichen Texten.

Dabei wurden Schreibweisen und sprachliche Formen zunehmend vereinheitlicht. Das half dabei, Kastilisch als überregionale Schriftsprache zu etablieren.

Besonders wichtig war die „Alfonsinische Schreibschule“. Dort entwickelten sich bestimmte Regeln für Grammatik, Wortwahl und Rechtschreibung. Ziel war nicht die Standardisierung im heutigen Sinne, aber die Texte wurden sprachlich deutlich einheitlicher. Gleichzeitig entstand ein umfangreicher Fachwortschatz, unter anderem für Astronomie, Medizin, Mathematik und Recht.

Die Bedeutung dieser Entwicklung kann kaum überschätzt werden. Kastilisch war nun nicht mehr nur die Sprache einer bestimmten Region. Es wurde zu einer Sprache, die auch für Wissenschaft, Verwaltung und Literatur genutzt werden konnte. Damit waren wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich Kastilisch später zur dominierenden Sprache Spaniens entwickelte.

1492 – Grammatik und Reichseinigung

1492 eroberte das Königreich Kastilien gemeinsam mit Aragón das letzte muslimische Herrschaftsgebiet auf der Iberischen Halbinsel: Granada. Im selben Jahr veröffentlichte der Gelehrte Antonio de Nebrija seine „Gramática de la lengua castellana“. Sie gilt als die erste Grammatik einer romanischen Sprache und beschrieb die Regeln des Kastilischen systematisch.

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Warum war Nebrijas Grammatik so wichtig?

Die "Gramática de la lengua castellana" von 1492 war die erste ausführliche Grammatik einer romanischen Volkssprache. Nebrija beschrieb darin systematisch die Regeln des Kastilischen. Damit machte er deutlich, dass die Sprache nicht nur im Alltag verwendet wurde, sondern sich auch für Bildung, Verwaltung und Literatur eignete.

Auch die Eroberung Granadas stärkte die politische Stellung Kastiliens. 1492 begann zudem die europäische Expansion nach Amerika, wodurch sich das Kastilische in den folgenden Jahrhunderten auf dem amerikanischen Kontinent verbreitete. Es wurde damit zunehmend zu einer internationalen Sprache.

Die Vereinigung der Königreiche darf allerdings nicht zu einfach dargestellt werden. Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón heirateten bereits 1469, wodurch ihre Dynastien miteinander verbunden wurden. Die beiden Königreiche blieben zunächst politisch und rechtlich eigenständig. Dennoch bildete ihre Herrschaft eine wichtige Grundlage für die spätere politische Entwicklung Spaniens – und für die zunehmende Vorrangstellung des Kastilischen.

Kastilisch wurde damit Schritt für Schritt zur dominierenden Sprache des entstehenden Spaniens. Andere Sprachen wie Katalanisch, Baskisch und Galicisch verschwanden jedoch keineswegs. Sie werden bis heute in verschiedenen Regionen Spaniens gesprochen.

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Die Expansion: Kolonialzeit und globale Verbreitung des Spanischen

Wir befinden uns im 18. Jahrhundert – einem Zeitpunkt, wo sich die kastilische Sprache langsam aber sicher dem Spanisch ähnelt, was wir heute kennen, nutzen, lieben und singen.

Doch die weltweite Verbreitung des Spanischen begann bereits einige Jahrhunderte früher. Nach der Ankunft von Christoph Kolumbus in Amerika im Jahr 1492 wurde Kastilisch zur Sprache der spanischen Eroberer, Siedler und Verwaltung. In den folgenden Jahrhunderten verbreitete sich die Sprache über große Teile Mittel- und Südamerikas und traf dabei auf zahlreiche indigene Sprachen.

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Die spanische Sprache breitete sich auch in Südamerika schnell aus (Credits: Leon Overweel – Unsplash –2018)

Aber bis die spanische Sprache den heutigen Zustand erreicht hat, ist noch einiges in der Geschichte geschehen. Der Kontakt mit anderen Sprachen veränderte den Wortschatz und führte dazu, dass sich in den verschiedenen Regionen eigene Varianten des Spanischen entwickelten. Viele dieser Unterschiede sind bis heute zu hören.

Sprachkontakt mit indigenen Sprachen

Mit der spanischen Eroberung Amerikas traf das Kastilische auf hunderte indigene Sprachen. Die einheimische Bevölkerung sprach unter anderem Nahuatl, Quechua, Guaraní und Maya-Sprachen. Während viele dieser Sprachen durch die spanische Kolonialherrschaft zurückgedrängt wurden, beeinflussten sie das Spanische nachhaltig.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Einfluss im Wortschatz. Die Spanier übernahmen zahlreiche Begriffe für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Gegenstände, die ihnen in der neuen Umgebung unbekannt waren.

Spanisches WortBedeutungHerkunft
tomateTomateNahuatl
chocolateSchokoladeNuhatl
canoaKanuKaribische Sprachen
maízMaisTaíno
caciqueHäuptlingTaíno

Einige dieser Wörter verbreiteten sich anschließend weit über Amerika hinaus. Dadurch beeinflussten die indigenen Sprachen nicht nur die regionalen Varianten des Spanischen, sondern auch das Spanisch, das heute in Europa gesprochen wird.

Entstehung regionaler Varianten

Der Krieg zwischen Spanien und Amerika verpflichtete die Spanier im Jahr 1898 dazu, den Amerikanern die Inseln Kuba, Guam, die Philippinen und Puerto Rico zu schenken. Tatsächlich verlor Spanien diese Gebiete nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898. Kuba wurde unabhängig, während Puerto Rico, Guam und die Philippinen an die USA übergingen.

Doch das Spanische hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits weit über Europa hinaus verbreitet. In den verschiedenen Regionen entwickelten sich eigene Varianten. Dabei spielten sowohl die unterschiedlichen Dialekte der spanischen Siedler als auch der Kontakt mit indigenen, afrikanischen und später weiteren europäischen Sprachen eine Rolle.

  • Spanien: "z" und "c" vor "e" oder "i" häufig wie das englische "th"
  • Mexiko: Starker Einfluss indigener Sprachen, besonders Nahuatl
  • Argentinien: "vor" statt "tú"; charakteristische Aussprache des "ll"
  • Kolumbien: Je nach Region sehr unterschiedliche Aussprache und Wortwahl
  • Peru: Starker Einfluss des Quechua, besonders im Wortschatz

So entstand im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl regionaler Varianten. Trotz der Unterschiede in Ausprache, Wortschatz und teilweise auch bei Grammatik und Sprachgebrauch können sich Spanischsprecher aus verschiedenen Löndern in der Regel problemlos miteinander verständigen.

Das Goldene Zeitalter und literarische Blüte

Die Blütezeit, die das Land im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts erlebt hat, wird oft als goldenes Jahrhundert Spaniens bezeichnet. Das sogenannte Siglo de Oro war eine besonders bedeutende Epoche für Kunst, Kultur und Literatur. Auch die spanische Sprache entwickelte sich in dieser Zeit entscheidend weiter.

Unter dem Einfluss von Charles Quint (der ein gewaltiges Königreich erbte), wurden Expeditionen nach Amerika durchgeführt, um sein Territorium noch weiter zu vergrößern. Bereits seit 1492 verbreitete sich Kastilisch durch die spanische Expansion in Amerika. 1521 eroberten die Spanier das Aztekenreich, ab 1532/33 folgte die Eroberung des Inkareichs. Mit der Expansion wurde Kastilisch in immer größeren Teilen der Welt gesprochen.

Das Siglo de Oro auf einen Blick:

  • 16. Jhd.: Kastilisch verbreitet sich durch die spanische Expansion weiter
  • 16.-17. Jhd.: Blütezeit der spanischen Literatur und Kultur
  • 17. Jhd.: Cervantes, Lope de Vega, Góngora und Quevedo prägen die Sprache
  • Ab 1713: Die RAE beginnt, das Spanische systematisch zu dokumentieren und zu standardisieren

Durch die spanische Politik konnte sich die kastilische Sprache immer weiter verbreiten. Gleichzeitig entwickelte sich die Sprache auch literarisch weiter.

Besonders prägend waren Schriftsteller wie Miguel de Cervantes, Lope de Vega, Luis de Góngora und Francisco de Quevedo. Cervantes' Don Quijote wurde zu einem der bekanntesten Werke der spanischen Literatur. Lope de Vega wiederum prägte vor allem das Theater des spanischen Goldenen Zeitalters. Und so wurde kastilisch zur offiziellen Sprache des spanischen Königreiches.

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Welche Werke und Autoren waren wichtig?

- Miguel de Cervantes – "Don Quijote"
- Lope de Vega – "Fuenteovejuna"
- Luis de Góngora – bedeutender Vertreter des Culteranismo
- Francisco de Quevedo – bedeutender Vertreter des Conceptismo
- Pedro Calderón de la Barca – "La vida es sueñ"

Entdeckt hier eine Auswahl der besten spanischen Redewendungen!

Sprachpolitik und Normierung: Von der RAE bis zur Franco-Diktatur

Mit der Gründung der Real Academia Española (RAE) begann im 18. Jahrhundert eine neue Phase in der Geschichte des Spanischen. Die Sprache sollte systematisch beschrieben, vereinheitlicht und vor allem in ihrer schriftlichen Form normiert werden. Mehr als zwei Jahrhunderte später wurde die Sprachentwicklung erneut stark von der Politik geprägt – diesmal durch die Diktatur Francisco Francos.

Gründung der Real Academia Española (1713)

Die Real Academia Española wurde 1713 in Madrid gegründet. Ihr Ziel war es, die spanische Sprache zu untersuchen und ihre Verwendung zu dokumentieren und zu normieren. Ihr Motto lautet bis heute „Limpia, fija y da esplendor“ – sinngemäß:

„Sie reinigt, festigt und verleiht Glanz“.

In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte die RAE wichtige Nachschlagewerke. Damit wurden Schreibweisen, Wortbedeutungen und grammatische Regeln zunehmend vereinheitlicht.

📚 Wichtige Werke der RAE

  • 1726–1739:Diccionario de Autoridades
  • 1741: erste umfangreiche Ortografía
  • 1771: erste Gramática de la lengua castellana

Die Normierung bedeutete allerdings nicht, dass die Sprache plötzlich überall gleich gesprochen wurde. Regionale Varianten und andere Sprachen der Iberischen Halbinsel blieben weiterhin bestehen. Die RAE prägte vor allem die Standardsprache und Schriftsprache.

Erfahre hier mehr zu den Unterschieden zwischen kastilischem Spanisch und Katalanisch.

Sprachpolitik unter Franco

Wir befinden uns im Jahre 1936 – genau in dem Moment, als ein neuer Krieg ausbricht. Der Spanische Bürgerkrieg begann 1936 und endete 1939 mit dem Sieg der Truppen von Francisco Franco. Danach folgte eine autoritäre Diktatur, die bis zu Francos Tod 1975 dauerte. Daraufhin folgte eine starke linguistische Unterdrückung.

Die Unterdrückung durch Franco war nicht nur politisch und gesellschaftlich spürbar. Baskisch, Katalanisch und Galicisch wurden insbesondere im öffentlichen Leben, in Schulen, Behörden und Medien stark eingeschränkt. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte Kastilisch die einzige Amtssprache sein sollen.

Aus diesem Grund wurden zu dieser Zeit alle Regionaldialekte verboten. Diese Formulierung ist allerdings zu pauschal: Die Sprachen selbst waren nicht in jeder Situation und zu jeder Zeit vollständig verboten. Ihre öffentliche und offizielle Verwendung wurde jedoch massiv eingeschränkt.

Auch die Verwendung baskischer und katalanischer Orts- und Personennamen wurde teilweise untersagt oder durch kastilische Formen ersetzt. Bücher und Veröffentlichungen in den Regionalsprachen unterlagen der Zensur.

Viele Menschen sprachen diese Sprachen deshalb einfach weiterhin zu Hause und im privaten Umfeld. So konnten sich Katalanisch, Baskisch und Galicisch trotz der Unterdrückung bis heute erhalten.

Mit dem Ende der Franco-Diktatur 1975 änderte sich die Sprachpolitik grundlegend. Die demokratische Verfassung von 1978 erkannte neben Kastilisch auch weitere spanische Sprachen als in ihren jeweiligen autonomen Gemeinschaften offiziell an. Damit begann eine neue Phase der sprachlichen Vielfalt in Spanien.

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Spanisch heute: Eine globale Weltsprache

Im Jahr 1975, nach dem Tod Francos, begann für Spanien eine neue demokratische Epoche. Unter König Juan Carlos I. wurde das Land politisch neu geordnet und auch der Umgang mit den Regionalsprachen änderte sich grundlegend.

So wurde Spanien in 17 autonome Kommunen aufgeteilt, die jeweils von lokalen Regierungen verwaltet werden. In allen ist Kastilisch Amtssprache. Gleichzeitig haben mehrere Regionalsprachen in ihren jeweiligen Gebieten einen offiziellen Status.

Neben Katalanisch, Baskisch, Galicisch und Aranesisch gehören auch andere regionale Sprahformen zur sprachlichen Vielfalt Spaniens: Aragonisch, Astruisch, Leonisch, Kanarisches Spanisch, Extremadurisch und Murciano. Die Sprachen sind in verschiedenen Regionen offiziell:

  • Spanien: Kastilisch
  • Katalonien, Valencia, Balearen: Katalanisch/Valencianisch
  • Baskenland, Teile Navarras: Baskisch
  • Galicien: Galicisch
  • Val d’Aran: Aranesisch

Das bedeutet natürlich, auch wenn Spanien diesen Regionen erlaubt, ihre Sprache zu sprechen, dass dennoch nur das Kastilische als offizielle Amtssprache gilt. Dieser letzte Punkt stimmt heute so nicht mehr: In den entsprechenden autonomen Gemeinschaften besitzen auch mehrere Regionalsprachen offiziellen Status.

Jetzt wisst Ihr alles über die Geschichte der spanischen Sprache – und auch, dass Kastilisch die Sprache ist, die im ganzen Land gesprochen wird, nun ja, so zumindest die Theorie … Denn obwohl Kastilisch die gemeinsame Staatssprache ist, ist Spanien bis heute ein mehrsprachiges Land.

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Florence Dezoteux

Meine Städte sind Berlin und Paris, aber mein Herz gehört der Welt, den Menschen und unterschiedlichen Kulturen: Ich reise und übersetze leidenschaftlich gerne. Meine Neugier und mein Wissensdurst kennen keine Grenzen!