Du sollst im Deutschunterricht eine Charakterisierung schreiben und weißt nicht so richtig, wo du anfangen sollst? Dann hilft vor allem eins: ein klarer Aufbau.
Denn bei einer Charakterisierung geht es nicht nur darum, zu beschreiben, wie eine Figur aussieht. Du sollst herausarbeiten, wie sie denkt, fühlt und handelt, welche Eigenschaften sie prägen und welche Rolle sie im Text spielt.
Eine Charakterisierung schreibt man, indem man eine literarische Figur systematisch beschreibt und analysiert: Zuerst nennst du die wichtigsten Eckdaten zu Werk und Figur in der Einleitung. Im Hauptteil untersuchst du äußere Merkmale, Verhalten, Charaktereigenschaften und Beziehungen zu anderen Figuren. Im Schluss fasst du deine wichtigsten Erkenntnisse zusammen und ordnest die Bedeutung der Figur für das Gesamtwerk ein.
Wichtig ist dabei, dass du deine Aussagen mit passenden Textbelegen begründest und sachlich formulierst. Wie das genau funktioniert, zeigen wir dir jetzt Schritt für Schritt.
Was ist eine Charakterisierung?
Eine Charakterisierung ist eine Beschreibung und Analyse einer Person oder Figur. Im Deutschunterricht geht es dabei meistens um literarische Figuren aus einem Roman, einem Drama, einer Kurzgeschichte oder einem anderen erzählenden Text.
✅ Aufbau: Einleitung – Hauptteil – Schluss
✅ Zeitform: Präsens
✅ Stil: sachlich und objektiv
✅ Textbelege: Eigenschaften immer am Text begründen
✅ Merkmale: äußere und innere Merkmale berücksichtigen
Anders als bei einer reinen Personenbeschreibung schaust du nicht nur darauf, wie eine Figur aussieht. Entscheidend ist vor allem ihr Innenleben: Was denkt und fühlt sie? Wie verhält sie sich in bestimmten Situationen? Welche Ziele, Wünsche oder Ängste hat sie? Wie steht sie zu anderen Figuren? Und verändert sie sich im Laufe der Handlung?
Ziel einer Charakterisierung ist es, aus all diesen Informationen ein möglichst vollständiges Bild der Figur zu entwickeln und ihre Bedeutung für das Werk besser zu verstehen.
Wir zeigen dir auch, wie du eine Inhaltsangabe schreibst.
Direkte und indirekte Charakterisierung
Bei der Analyse unterscheidest du zwischen direkter und indirekter Charakterisierung.
Bei einer direkten Charakterisierung wird eine Eigenschaft ausdrücklich genannt:
„Herr Müller war ein eher schüchterner Mann.“
Hier musst du nicht lange rätseln: Die Eigenschaft schüchtern steht direkt im Text.
Bei einer indirekten Charakterisierung ist dagegen deine Interpretation gefragt. Sagt eine Figur während eines Streits nichts, zieht sich zurück und beginnt später allein zu weinen, kann das beispielsweise auf Sensibilität oder Konfliktscheu hindeuten. Wichtig ist aber: Solche Rückschlüsse solltest du immer mit dem Kontext und passenden Textstellen begründen.
Charakterisierung oder Personenbeschreibung?
Eine Charakterisierung und eine Personenbeschreibung ähneln sich zwar auf den ersten Blick, verfolgen aber unterschiedliche Ziele. Die wichtigsten Unterschiede siehst du in der folgenden Tabelle:
| Merkmal | Charakterisierung | Personenbeschreibung |
|---|---|---|
| Fokus | äußere und innere Merkmale | hauptsächlich äußere Merkmale |
| Untersucht | Aussehen, Verhalten, Gedanken, Gefühle, Beziehungen, Entwicklung | Aussehen, Kleidung, Körperbau, auffällige Merkmale |
| Ziel | Wesen und Bedeutung einer Figur verstehen | Person möglichst genau äußerlich beschreiben |
| Textanalyse | wichtig | normalerweise nicht notwendig |
Charakterisierung schreiben: Vorbereitung in 3 Schritten
Eine gute Charakterisierung beginnt nicht erst beim Schreiben. Wenn du den Text vorher sinnvoll vorbereitest, sparst du dir später viel Zeit und musst nicht während des Aufsatzes ständig nach passenden Stellen suchen.
Bei uns lernst du auch mehr über die Aufsatzart Erörterung.
1. Text gründlich lesen

Lies zuerst die Aufgabenstellung ganz genau. Sollst du die gesamte Figur charakterisieren oder nur einen bestimmten Aspekt, zum Beispiel ihre Entwicklung, ihr Verhalten in einer Schlüsselszene oder ihre Beziehung zu einer anderen Person?
Danach solltest du den Ausgangstext vollständig lesen. Beim zweiten Durchgang setzt du dann bewusst die „Charakterisierungs-Brille“ auf: Achte gezielt auf alles, was etwas über die Figur verrät, und markiere wichtige Schlüsselstellen.
Verlass dich dabei nicht nur auf Zusammenfassungen aus dem Internet. Gerade indirekte Charaktereigenschaften erkennst du oft nur, wenn du den Text selbst genau liest.
2. Stichpunkte ordnen
Jetzt bringst du deine Fundstellen in eine sinnvolle Reihenfolge. Du kannst dir zum Beispiel diese Kategorien anlegen:
- 🧍 äußere Merkmale
- 🏠 Herkunft und soziale Situation
- 💭 Gedanken und Gefühle
- 🗣️ Sprache und Verhalten
- 🤝 Beziehungen
- 🎭 Charaktereigenschaften
- 🔄 Entwicklung im Verlauf der Handlung
Hilfreich sind unterschiedliche Textmarkerfarben. Wichtig ist aber vor allem: Ordne deine Charakterisierung nicht nach der Reihenfolge des Buches, sondern nach zusammengehörigen Merkmalen.
Wir erklären dir auch, wie du einen Essay schreibst!
3. Textbelege sammeln
Für deine Analyse gilt eine einfache Grundregel:
Behauptung → Beleg → Deutung
Behauptung: Die Figur wirkt unsicher.
Beleg: In Konfliktsituationen vermeidet sie Blickkontakt und spricht nur sehr leise (vgl. S. X).
Deutung: Ihr Verhalten lässt darauf schließen, dass sie Schwierigkeiten hat, selbstbewusst für ihre Position einzustehen.
Hilfreiche Formulierungen sind zum Beispiel:
- „Dies zeigt sich besonders, als …“
- „Daran wird deutlich, dass …“
- „Diese Reaktion lässt darauf schließen, dass …“
- „Ein weiteres Beispiel dafür findet sich …“
So verhinderst du, dass deine Charakterisierung nur aus Behauptungen besteht.
Übrigens: Willst du auch wissen, wie man eine Gedichtanalyse schreibt?
Charakterisierung Aufbau
Wie viele andere Aufsatzarten besteht auch eine Charakterisierung aus Einleitung, Hauptteil und Schluss. Das ist praktisch, denn dadurch hast du ein klares Grundgerüst, an dem du dich beim Schreiben entlanghangeln kannst. Anders als etwa bei einem Essay ist relativ genau festgelegt, welche Informationen in welchen Teil gehören.
Einleitung
Die Einleitung soll kurz zum Thema hinführen. Eine ausführliche Analyse der Figur findet hier noch nicht statt.
Als Merkhilfe kannst du dir das Akronym TATTE merken:
- Textsorte
- Autor*in
- Titel
- Thema
- Erscheinungsjahr
Zusätzlich solltest du nennen, welche Figur du charakterisierst und welche grundlegende Rolle sie im Werk spielt.
Ein möglicher Einleitungssatz könnte so aussehen:
Die Tragikomödie „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt aus dem Jahr 1956 handelt von der Milliardärin Claire Zachanassian, die in ihre verarmte Heimatstadt Güllen zurückkehrt und den Bewohnern eine Milliarde für den Tod Alfred Ills verspricht. Im Mittelpunkt der folgenden Charakterisierung steht Alfred Ill, der im Verlauf des Stücks eine zentrale Entwicklung durchmacht.
Mehr musst du an dieser Stelle noch nicht verraten.
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Hauptteil
Im Hauptteil passiert die eigentliche Arbeit. Hier charakterisierst du die Figur möglichst genau und arbeitest dichvon der Außensicht zur Innensicht vor. Wichtig ist dabei, nicht einfach Merkmale aufzuzählen, sondern sie sinnvoll miteinander zu verbinden.
1. Äußere Merkmale

Beginne mit grundlegenden Informationen über die Figur. Dazu können gehören:
- Name und Alter
- Aussehen und Kleidung
- Beruf und Herkunft
- gesellschaftliche Stellung
- Lebensumstände
- auffällige Mimik, Gestik oder Sprache
Du musst allerdings nicht zwanghaft jeden Punkt abarbeiten. Erwähne nur Merkmale, die im Text vorkommen und für deine Charakterisierung wirklich relevant sind.
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2. Innere Eigenschaften
Jetzt kommst du zum wichtigsten Teil: dem Innenleben der Figur. Welche Charaktereigenschaften, Gedanken und Gefühle werden deutlich? Welche Wünsche, Ziele oder Ängste treiben sie an? Welche Werte und Einstellungen vertritt sie? Wo liegen ihre Stärken und Schwächen?
Dabei gilt immer:
Eigenschaft → Beleg → Deutung
Statt einfach zu schreiben:
„Er ist egoistisch.“
ist eine begründete Formulierung besser:
„Sein Verhalten zeigt eine egoistische Seite, da er … (vgl. S. X). Dadurch wird deutlich, dass …“
So zeigst du nicht nur, was du über die Figur denkst, sondern auch, wie du zu dieser Einschätzung kommst.
3. Verhalten und Entwicklung
Besonders spannend ist die Frage, ob sich eine Figur im Laufe der Handlung verändert. Achte deshalb auf ihr Verhalten in Konflikten, wichtige Entscheidungen und ihre Reaktionen auf andere Personen.

Hilfreiche Formulierungen sind zum Beispiel:
- „Zu Beginn erscheint die Figur …“
- „Im weiteren Verlauf verändert sich …“
- „Während sie anfangs noch …, zeigt sie später …“
- „Diese Erfahrung führt dazu, dass …“
4. Beziehungen zu anderen Figuren
Auch Beziehungen verraten oft viel über einen Charakter. Untersuche deshalb Freundschaften, familiäre Bindungen, Liebesbeziehungen, Konflikte, Abhängigkeiten oder Machtverhältnisse.
Schreibe dabei nicht nur, wie zwei Figuren zueinander stehen. Frage dich auch: Was zeigt diese Beziehung über die Figur, die ich charakterisiere?
Das klingt gar nicht so einfach? Das stimmt, aber hier handelt es sich ja auch um deine tiefschichtige Analyse, und nicht einfach einen Grundschulaufsatz! :)
Schluss
Der Schluss rundet deine Charakterisierung ab. Hier bündelst du die wichtigsten Ergebnisse, ohne den gesamten Hauptteil noch einmal zu wiederholen.
Du kannst kurz einordnen, wie sich die Figur entwickelt hat, welche Funktion sie im Werk erfüllt und warum sie für die zentrale Aussage oder den Konflikt der Geschichte wichtig ist.
Eine persönliche Bewertung (wie bei der Aufsatzart Bericht) gehört nur dann hinein, wenn die Aufgabenstellung oder deine Lehrkraft das ausdrücklich zulässt. Neue Argumente oder Textbelege solltest du im Schluss dagegen nicht mehr einführen.
Das Ziel ist ein kurzer, klarer Abschluss, der zeigt: Du hast nicht nur einzelne Eigenschaften gesammelt, sondern die Figur als Ganzes verstanden.
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Typische Fehler beim Charakterisierung schreiben
Eine Charakterisierung wirkt schnell schwach, wenn sie nur Eigenschaften aufzählt oder zu sehr die Handlung nacherzählt. Diese Fehler solltest du deshalb vermeiden:
❌ Du erzählst die Handlung nach: Nenne nur Ereignisse, die wirklich etwas über die Figur, ihr Verhalten oder ihre Entwicklung zeigen.
❌ Du behauptest Eigenschaften ohne Beleg: Aussagen wie „Sie ist egoistisch“ oder „Er ist mutig“ reichen nicht. Zeige mit einer passenden Textstelle, woran du das erkennst.
❌ Du zitierst, deutest aber nicht: Ein Zitat allein ist noch keine Analyse. Erkläre immer, was der Beleg über die Figur aussagt.
❌ Du beschreibst nur das Aussehen: Äußere Merkmale gehören dazu, wichtiger sind aber meist Gedanken, Gefühle, Motive und Charaktereigenschaften.
❌ Du springst zwischen verschiedenen Merkmalen: Ordne deine Notizen vorher sinnvoll und arbeite dich Schritt für Schritt durch die einzelnen Bereiche.
❌ Du schreibst im Präteritum: Eine Charakterisierung wird grundsätzlich im Präsens verfasst.
❌ Du bringst deine eigene Meinung in den Hauptteil: Hier solltest du sachlich und textbezogen bleiben. Eine persönliche Bewertung gehört, wenn überhaupt, in den Schluss.
❌ Du übersiehst die Entwicklung der Figur: Prüfe immer, ob sich Einstellungen, Verhalten oder Beziehungen im Laufe der Handlung verändern.
❌ Du führst im Schluss neue Informationen ein: Der Schluss bündelt und deutet nur das, was du vorher bereits herausgearbeitet hast.
So, ich hoffe, du fühlst dich nun einigermaßen gerüstet, um eine Charakterisierung zu schreiben. Das Wichtigste ist, sich nicht einschüchtern zu lassen vom Originaltext oder der vorgegebenen Seiten- oder Wortzahl, sondern einfach Schritt für Schritt vorzugehen.
Falls du Nachhilfe benötigen solltest, dann schau doch mal auf Superprof vorbei um den idealen Lehrer für deine Bedürfnisse und deinen Standort zu finden (z.B. Nachhilfe Deutsch Berlin).
Referenzen
- Charakterisierung schreiben. (2026, July 1). DeutschAkademie. https://www.deutschakademie.de/blog/charakterisierung-schreiben/
- Die direkte und indirekte Charakterisierung: methodische Hinweise. (n.d.). Landesbildungsserver Baden-Württemberg. https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/sprachen-und-literatur/latein/texte-und-medien/interpretation/didaktik-interpretation-lateinunterricht/charakterisierung-methode.html
- Eine Charakterisierung schreiben - so geht’s richtig! (n.d.). https://www.studienkreis.de/deutsch/charakterisierung-schreiben-tipps/
Mit KI zusammenfassen:









