Wenn Du in Deutschland zur Schule gehst, musst Du früher oder später im Fach Deutsch Aufsätze schreiben. Dabei gibt es ganz verschiedene Formen: von der Aufsatzart Erörterung über die Interpretation bis hin zur Charakterisierung (und natürlich noch viele weitere).

Doch wenn man das erste Mal von so einer Aufsatzart hört, kann man erst mal ganz schön erschlagen sein. "In der Theorie klingt das ja alles schön und gut, aber was genau muss ich jetzt machen und was gehört in eine Charakterisierung?", das fragen sich sicher viele Schülerinnen und Schüler im ganzen Land.

Doch egal, ob Du in Bayern, Berlin, Baden-Württemberg oder Brandenburg zur Schule gehst, es gibt einige gewisse Punkte zu beachten, wenn man eine gute Charakterisierung abliefern will.

Im folgenden Artikel gehen wir diese spezielle Aufsatzart Schritt für Schritt durch, sodass Du am Ende hoffentlich etwas besser Bescheid weißt, wie Du vorgehen musst, um den nächsten Deutsch-Aufsatz zu rocken.

Was ist eine Charakterisierung?

Doch fangen wir erst mal ganz von vorne an und fragen: Was ist eine Charakterisierung?

Eine Charakterisierung ist eine Aufsatzart, bei der es darum geht, eine Person bzw. Figur zu charakterisieren, wie der Name schon verrät.

Das bedeutet konkret, dass man verschiedene Merkmale und Eigenschaften der zu charakterisierenden Figur nach und nach herausarbeitet, sodass ein ganzheitliches Bild entsteht.

Was ist Charakterisierung?
Arbeite den Charakter einer Person heraus und ordne ihn ein. | Quelle: Unsplash

Dabei geht es um äußere Merkmale wie Aussehen (Haarfarbe, Augenfarbe, Größe, Gewicht, Kleidung, besondere Merkmale), Mimik & Gestik, die Art zu sprechen, Verhalten usw.

Doch eigentlich noch wichtiger ist das Innenleben der Figur. Was denkt sie? Was fühlt sie? Wie steht sie zu anderen Personen? Ist sie eher schüchtern, extrovertiert, jähzornig, hilfsbereit usw.? Und welche Bedeutung hat das für den Roman? Was will der Autor dem Leser damit sagen? Und was können wir als Leser aus dieser Figur lernen?

All diese und noch mehr Fragen gilt es in einer Charakterisierung zu beantworten.

Übrigens: Charakterisierungen können theoretisch sowohl über reale als auch über fiktive Personen geschrieben werden, in der Praxis, also der Schule oder Uni zum Beispiel, wirst Du aber zu 99,9% literarische Figuren charakterisieren müssen.

Du fragst Dich, welche Werke typischerweise zur Charakterisierung herangezogen werden? Hier ein paar Beispiele aus meiner eigenen Schulzeit:

  • Effi Briest aus "Effi Briest" von Theodor Fontane (1896)
  • Wilhelm Voigt aus "Der Hauptmann von Köpenick" von Carl Zuckmayer (1931)
  • Claire Zachanassian aus "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt (1956)
  • Maria Stuart aus "Maria Stuart" von Friedrich Schiller (1801)
  • uvm.

Und was ist der Unterschied im Vergleich zu einer Personenbeschreibung? Nun, bei einer Personenbeschreibung geht es lediglich um die äußeren Eigenschaften, also das Aussehen usw. Diese wird zum Beispiel auch bei der Polizei benutzt, wenn Zeugen Personen beschreiben, die gesucht werden.

Bei der Charakterisierung dagegen ist das Äußere zwar auch enthalten, wichtiger ist allerdings das Innenleben einer Person, seine spezielle Charakteristik, sein Verhalten gegenüber anderen Figuren, also all die verschiedenen Charaktereigenschaften, die zum Vorschein treten.

Charakterisierung – Vorbereitung

Wie bei jeder Aufsatzart ist eine gute Vorbereitung die halbe Miete. Es bringt nichts, wenn man einfach darauf los kritzeln will, ohne Plan, was man eigentlich sagen will und an welcher Stelle.

Wenn man das tut, wird es schnell chaotisch und unübersichtlich und auch das Ergebnis wird sicherlich nicht so gut ausfallen.

Deshalb solltest Du Dich entsprechend vorbereiten und Dir genau überlegen, was Du wann sagen willst bzw. solltest, damit Dein Aufsatz in seiner Gesamtheit Sinn ergibt.

Wie bereite ich eine Charakterisierung vor?
Zur Vorbereitung brauchst Du Textmarker und Klebzettel. | Quelle: Unsplash

Wie das geht? Nun, da man in der Schule (oder an der Uni) hauptsächlich mit literarischen Texten arbeitet, ist es zunächst einmal von Bedeutung, die Primärliteratur, also den Text, um den es geht, auch wirklich zu lesen.

Natürlich findest Du heutzutage auch die wichtigsten Punkte im Internet, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man einfach mehr zu sagen hat und alles etwas leichter von der Feder geht, wenn man das Buch bzw. den Text selbst gelesen hat.

Das kann natürlich manchmal etwas anstrengend und nervig sein, aber die Zeit, die man vorher ins Lesen und Markieren investiert, lohnt sich, denn desto schneller, leichter und ohne Stress kann man dann, wenn es zählt, einen guten Aufsatz abliefern!

Wenn Du also schon weißt, dass es bei einem bestimmten Buch am Ende auf eine Charakterisierung ankommen wird, kannst Du den Text schon mit dieser "Brille" auf lesen.

Dazu ist es bedeutend zu wissen, dass es äußere und innere Merkmale von Figuren gibt. Dadurch, dass diese in einer bestimmten Reihenfolge bearbeitet werden (s. Aufbau), sollte man dafür verschiedene Farben beim Markieren benutzen.

Am besten arbeitest Du mit Textmarkern und/oder bunten Klebzetteln. Definiere eine Farbe für äußere Eigenschaften wie Aussehen, Kleidung, Mimik & Gestik, Sprechweise usw. (also alles, was eine Art Personenbeschreibung darstellt) und eine andere für innere Merkmale.

Letztere sind oft etwas schwieriger herauszuarbeiten, finden sich aber immer dann, wenn eine Person etwas denkt, fühlt, sagt oder sich auf eine Art und Weise verhält, die auf ihre Gefühle/Gedanken/Innenwelt schließen lässt.

Kleiner Einschub: Es gibt direkte und indirekte Charakterisierungsmerkmale. Die direkten sind meist leichter zu finden, denn dabei handelt es sich um Beschreibungen der Figur durch den Erzähler, andere Figuren oder sich selbst.

Beispiel: "Herr Müller war ein eher schüchterner Mann mittlerer Statur, der übermäßigen Kontakt mit anderen wenn möglich mied."

Bei der indirekten Charakterisierung ist Deine Arbeit als Text-Detektiv*in gefragt, Du musst Dich ein Stück weit in die Person einfühlen können und ihr Verhalten und ihre Aussagen interpretieren können.

Wenn es z.B. heißt: "Nachdem seine Freundin ihm gesagt hatte, was passiert war, ging er ohne ein weiteres Wort nach Hause und begann, still zu weinen", erfährst Du zwar nichts direkt über seinen Charakter, aber Du kannst aus seiner Reaktion auf die Situation und sein Verhältnis zu seiner Freundin vielleicht schließen, dass er sensibel ist, Konfrontationen lieber meidet usw.

Du musst Dir also die verschiedenen Informationen und Eigenschaften zusammensuchen (v.a. auch aus dem Verhalten der Figur) und so nach und nach den Charakter bzw. die spezielle Charakteristik der entsprechenden Person analysieren.

Markiere also schon beim Lesen alle Stellen, die etwas über die Person aussagen und kleb am besten auch einen Zettel an den Rand, sodass Du die Textstelle und die entsprechenden Informationen schnell wieder findest. Vor allem, wenn Du das Gefühl hast, das eine Textstelle besonders wichtig ist und extrem viel über den Charakter einer Person aussagt, solltest Du sie gut markieren (Textmarker und Klebzettel am Rand), sodass Du gegebenenfalls beim Aufsatz auch direkt daraus zitieren kannst.

Wenn Du die verschiedenen wichtigen Stellen markiert hast, kannst Du eine erste Gliederung Deines Aufsatzes in Stichpunkten notieren. Schreib pro Teil mit Aufzählungsstrichen auf, was Du der Reihe nach erwähnen willst.

So hast Du eine Art Fahrplan und musst dann nur noch die einzelnen Punkte als Fließtext ausformulieren. Hinweis: Ich habe es gerade schon gesagt, ein Aufsatz wird immer als Fließtext verfasst, Aufzählungszeichen oder Stichpunkte haben hier nichts verloren.

Und welche Zeitform sollte ich wählen? Das Präsenz (die Gegenwartsform), denn es handelt sich ja nicht um etwas Reales, das in der Vergangenheit passiert ist, sondern einen Text, der in seiner geschriebenen Form schwarz auf weiß steht und somit eine Art Allgemeingültigkeit hat.

Doch wie sieht der Aufbau einer Charakterisierung aus, und was kommt in welchen Teil?

Wie ist eine Charakterisierung aufgebaut?

Wie viele Aufsatzarten (z.B. auch die Inhaltsangabe) besteht auch der Aufbau einer Charakterisierung aus Einleitung, Hauptteil und Schluss. Das ist auch gut so, denn durch die ganz klare Aufteilung, was in welchen Teil gehört, hat man ein solides Grundgerüst, an das man sich halten kann.

Und genau darin liegt auch der Schlüssel für einen guten Aufsatz. Denn Textarbeit kann auf den ersten Blick oft überwältigend wirken, aber wenn man sich an die Regeln hält und Schritt für Schritt die verschiedenen Textpassagen ausarbeitet, kann man eigentlich nicht viel falsch machen und eine einigermaßen gute Note rausholen.

Es ist einfach wichtig, sich zu merken, was in welchen Teil kommt und sich an eine Art Checkliste zu halten (s. unten). So kann man sich Schritt für Schritt durch seinen Aufsatz arbeiten und eine gute Leistung bringen, auch wenn man nicht gerade das größte Schreibtalent ist.

Das ist ein Vorteil gegenüber anderen Aufsatzarten wie z.B. einem Essay – die Gliederung ist hier ganz klar!

Schauen wir uns also mal die drei Teile einer Charakterisierung etwas genauer an. Was kommt in welchen Teil und was sind absolute No-Gos, die es zu vermeiden gilt?

Einleitung

Die Einleitung soll zum Thema hinführen, den Aufsatz also einleiten, wie der Name schon sagt. Das bedeutet auch, dass in diesem Teil noch keine Analyse des Charakters passiert.

Ein Akronym, das Du Dir für die Einführung merken kannst, ist TATTE. Diese Elemente sollten in der Einleitung vorhanden sein:

  • Textsorte
  • Autor
  • Titel
  • Thema
  • Erscheinungsjahr
Wie schreibe ich eine gute Charakterisierung?
Wichtig ist, den Originaltext zu lesen! | Quelle: Unsplash

Beispiel: "Das Theaterstück 'Der Hauptmann von Köpenick' (1931) von Carl Zuckmayr handelt vom Ex-Sträfling Wilhelm Voigt, der sich als Hauptmann ausgibt. Im Folgenden soll diese Figur charakterisiert werden."

In der Einführung zum Thema sollten noch keine inhaltlichen Punkte (Charakteristik usw.) vorweggenommen werden.

Länge: Die Einleitung sollte kurz gehalten sein und insgesamt nicht mehr als ca. 5% der Gesamtlänge des Textes ausmachen. Wenn Du Deinen Aufsatz am Computer schreibst, kannst Du das leicht über die Wortzählung in Word ausrechnen.

Hauptteil

Im Hauptteil passiert – wie der Name schon sagt – die eigentliche Arbeit. Es ist somit natürlich auch der längste Teil (wie lang, gibt die Deutsch-Lehrkraft vor). Jetzt geht es also darum, die Figur aus dem jeweiligen Text genauestens zu charakterisieren.

Dabei arbeitet man sich von der Außensicht zur Innensicht vor. Du beginnst also erst mit den äußeren Merkmalen wie Aussehen usw. (s. oben), aber auch anderen Fakten wie dem sozialen Status, Beruf, Familienstand, Beziehung zu anderen usw. Erst dann kommst Du zum wichtigeren Teil, dem Innenleben, also den Gefühlen, Gedanken, Vorlieben, Absichten und daraus ableitbaren Charaktereigenschaften.

Dabei solltest Du aber nicht in der Chronologie des Textes vorgehen, sondern nach Merkmalkategorien. Deshalb ist es auch so wichtig, den ganzen Text vorher zu lesen und die Stellen zu markieren. So kann man unabhängig davon, wie früh oder spät im Buch etwas über die zu beschreibende Person erklärt wird, im Hauptteil in der eben genannten Reihenfolge (Außensicht > Innensicht) vorgehen.

Gegen Ende des Hauptteils kannst Du auch kurz darauf eingehen, ob sich der Charakter im Laufe der Geschichte verändert, also eine Entwicklung durchgemacht hat (was aufgrund der Dramaturgie bzw. dem gewünschten Lerneffekt für die Leser natürlich oft der Fall ist).

Achtung: Beim Hauptteil handelt es sich um eine sachliche Analyse. Der Stil sollte deswegen objektiv sein, eigene Wertungen und Meinungen haben in diesem Teil nichts verloren!

Und: Wie bei der Gedichtanalyse ist es so, dass alles, was im Hauptteil behauptet wird, sollte mit Textstellen belegt werden. Dabei kannst Du entweder gleich direkte Zitate verwenden (diese sind dann logischerweise angeführt) oder indirekt zitieren, also in Deinen eigenen Worten eine Aussage treffen und dahinter in Klammern die Seite und Zeile aus dem Originaltext anführen. Wie Du das konkret machen sollst, erklärt Dir Dein Deutschlehrer/Deine Deutschlehrerin.

Schluss

Der Schluss rundet Deinen Aufsatz ab. Hier sollten keine neuen Fakten und Inhalte präsentiert werden, sondern eher noch einmal kurz zusammengefasst werden, was Du während des Hauptteils herausgearbeitet hast.

Außerdem kannst Du hier aufzeigen, welche Gedanken Du Dir gemacht hast, also was Deiner Meinung nach die Bedeutung der Figur für das Gesamtwerk ist. Und Du kannst sie gegebenenfalls einer anderen Person aus dem Text gegenüberstellen.

Und wie bei der Aufsatzart Bericht darfst Du erst im Schluss Deine eigene Meinung einbringen. So kannst Du die Figur kritisieren, werten, einordnen oder in einen größeren Zusammenhang setzen.

Eine meiner Deutschlehrerinnen, die mich im Schreiben von Aufsätzen im Fach Deutsch stark geprägt hat, hat immer gesagt: "Erst im Schluss zeigen sich die Intelligenz und das Können."

Konkret bedeutet das, dass sich da offenbart, ob Du über den Tellerrand des Textes hinausblicken und seine weitere Bedeutung einordnen kannst. Du kannst also ruhig ein bisschen schwafeln und in die Pathos- und Allgemeinplatzkiste greifen.

Wie lang soll der Charakterisierung Schluss sein?
Wenn Du Deinen Aufsatz am Computer schreibst, kannst Du leicht die Wörter der einzelnen Teile zählen. | Quelle: Unsplash

Immer gut macht sich auch ein Ausblick und ein bisschen Gesellschaftskritik à la "Der Charakter von Maria Stuart zeigt uns, dass man erhobenen Hauptes aus einem Konflikt hervorgehen kann, wenn man seinen Prinzipien treu bleibt. Ob das heutzutage noch auf viele Politikerinnen und Politiker zutrifft, sei dahingestellt."

Oder: "Die Entwicklung von XY zeigt auf, dass es nie zu spät ist, sein Leben zu ändern und so zu handeln, dass es nicht nur einem selbst, sondern auch dem Umfeld und der Umwelt zuträglich ist. Ob wir das als Menschheit auch irgendwann begreifen, bleibt abzuwarten."

Das klingt gar nicht so einfach? Das stimmt, aber hier handelt es sich ja auch um deine teifschichtige Analyse, und nicht einfach einen Grundschulaufsatz! :)

Unsere Charakterisierung-Checkliste!

Zum Abschluss noch eine kleine Übersicht bzw. Checkliste, was Du bei dieser Aufsatzart alles beachten solltest.

  • Form: Fließtext
  • Zeitform: Präsenz
  • Einleitung: führt zum Thema hin, sollte TATTE (s. oben) enthalten
  • Hauptteil: Darstellung und Analyse des Charakters von der Außensicht zur Innensicht; objektiver und sachlicher Stil, keine eigene Meinung!
  • Schluss: Zusammenfassung, eigene Meinung: z.B. Wertung der Figur, Einbettung in einen größeren Kontext; hier kann man brillieren und seine Intelligenz zeigen ;)

So, ich hoffe, Du fühlst Dich nun einigermaßen gerüstet, um eine Charakterisierung zu schreiben. Das Wichtigste ist, sich nicht einschüchtern zu lassen vom Originaltext oder der vorgegebenen Seiten- oder Wortzahl, sondern einfach Schritt für Schritt vorzugehen.

Wenn Du Dich dabei an die Regeln und Vorgaben hältst, kann eigentlich nichts schief gehen!

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Anna

Man lernt nie aus ...