Wenn Du in Deutschland zur Schule gehst, wirst Du nicht drum herum kommen, früher oder später im Fach Deutsch Aufsätze schreiben zu müssen. Doch Aufsatz ist nicht gleich Aufsatz: von der Charakterisierung über die Erörterung bis hin zum Bericht kann alles Mögliche gefragt sein.

Und dabei gilt es, ganz unterschiedliche Vorgaben und Konventionen zu beachten.

In diesem Artikel erklären wir Dir, was Du alles wissen musst, um eine gute Interpretation schreiben zu können. Denn egal, welche Art von Text (oder Textpassage) Du interpretieren musst, gibt es einige grundlegende Dinge, die es zu beachten gilt.

Was ist eine Interpretation?

Zunächst einmal muss man wissen, was eine Interpretation überhaupt ist. Nun, der Name leitet sich vom lateinischen interpretārī = "den Mittler machen, auslegen, deuten, verstehen" ab. Daraus entstand dann das Verb interpretieren: "deuten, erklären, erläutern".

Übrigens: In vielen romanischen Sprachen und auch dem Englischen hat das Wort für "Dolmetscher" (mündlicher Sprachmittler) seine Wurzel auch im Wort "interpretieren": interpreter (Englisch), interprète (Französisch), intérprete (Spanisch) usw. – kein Wunder, denn auch beim Dolmetschen (Übersetzen) muss man gewissermaßen auslegen bzw. deuten, was der Redner genau meint.

Wie kann ich Texte interpretieren?
Wie ein musikalischer Interpret legst Du bei der Textinterpretation ein Werk auf eine bestimmte Art und Weise aus. | Quelle: Pixabay

In der Schule ist eine Interpretation im Fach Deutsch eine ganz bestimmte Aufsatzart, und auch wenn man auch in gewissen Studiengängen (z.B. Literaturwissenschaft) Interpretationen schreiben muss, konzentrieren wir uns hier auf die Aufsatzart, die in der Schule gefragt ist.

Und was genau genau macht jetzt diese Aufsatzart Interpretation aus?

Eine Interpretation, wie man sie in der Schule schreibt, ist eine formale Textanalyse und Deutung eines Textes. Analysiert und gedeutet werden Form, Inhalt und sprachliche Mittel, wobei auch die geschichtliche Einbettung sowie autobiografische Merkmale des Autors/der Autorin miteinbezogen werden können.

Hier einige Beispiele für Texte, die in der Schule im Fach Deutsch gerne analysiert werden:

  • "Maria Stuart" von Friedrich Schiller (1801)
  • "Faust I" von Johann Wolfgang von Goethe (1806)
  • "Effi Briest" von Theodor Fontane (1896)
  • "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing (1779)
  • "Der Hauptmann von Köpenick" von Carl Zuckmayer (1931)
  • "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt (1956)
  • uvm.

Dabei kann entweder ein ganzes Werk analysiert werden, oder es wird nur exemplarisch ein Ausschnitt, also eine Textpassage herangezogen.

In der Schule werden gerne Kurzgeschichten, Romane, Dramen oder auch Gedichte analysiert, doch theoretisch können auch Sachtexte als Grundlage für die Textanalyse dienen.

Interpretation – Vorbereitung

Wie bei jeder Aufsatzart ist auch bei der Textinterpretation eine gute Vorbereitung die halbe Miete. Und das gilt umso mehr, als es sich um eine Aufsatzform handelt, bei der es Primärliteratur, also einen Ausgangstext gibt.

Das heißt: Ran an die Textmarker, Klebzettel und Mindmaps!

Schritt 1 ist dabei so banal wie entscheidend: Das Originalwerk muss aufmerksam und wenn möglich mehrmals gelesen werden. Denn meistens schafft man es erst beim zweiten Lesen, zwischen den Zeilen zu lesen und auch subtilere Anspielungen und Nebenbemerkungen zu verstehen.

Doch natürlich können auch Lesehilfen und Textschlüssel (in Papierform oder Artikel aus dem Internet) etwas nachhelfen und die wichtigsten Themen und Interprationsmöglichkeiten aufzeigen, wenn man sich selbst nicht ganz sicher ist, wie ein bestimmter Text nun gedeutet werden soll.

Da es bei der Interpretation darum geht, Form, Inhalt und mögliche Intention zu deuten, ist es wichtig, die eigene Deutungshypothese mit Textstellen zu untermauern. Deshalb solltest Du beim ersten oder zweiten Durchlesen des Textes schon Deinen Textmarker bereithalten und Aussagen und Zitate sowie Textpassagen, die Dir als besonders bedeutend erscheinen, markieren.

Wie kann ich eine Interpretation vorbereiten?
Bei der Arbeit mit Texten sind ein systematisches Vorgehen und Markieren das A und O. | Quelle: Unsplash

Auch immer empfehlenswert ist die Arbeit mit bunten Klebzetteln. So kannst Du Dir Lesezeichen ins Buch kleben, um bestimmte Stellen schnell wieder zu finden und bei Bedarf daraus zitieren zu können.

Du könntest je nach Kategorie verschiedene Farben verwenden, z.B. eine für formale Dinge, eine für inhaltliche Aspekte, eine für sprachliche Mittel usw.

Und schließlich ist es natürlich immer wichtig, sich die Aufgabenstellung genau durchzulesen. Dort erfährst Du, was genau der Zweck Deines Aufsatzes ist, wie lange er sein soll und ob Du irgendetwas Besonderes beachten musst.

Bevor Du zum Stift greifst und loslegst, solltest Du Dir allerdings einen Plan machen, was Du in welcher Reihenfolge schreiben willst. Manche Schüler*innen arbeiten dabei gerne mit einer Mindmap, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen.

Ich persönlich fand es immer am hilfreichsten, mir auf einem extra Blatt Stichpunkte zu notieren. Dabei kannst Du die verschiedenen Aspekte und Fragen, die es zu analysieren gilt (s. Kapitel zum Aufbau), als Unterüberschriften aufschreiben und passende Textpassagen (Seitenzahl, wichtige Aussage) dazu notieren.

Wenn Du dieses Blatt schon während der Lektüre anlegst, kannst Du ganz einfach die jeweiligen Punkte dem entsprechenden Thema zuordnen, auch wenn sie nicht in dieser Reihenfolge im Text vorkommen. Achte dabei darauf, dass Du neben den formalen Aspekten auch Deine eigene Deutung einfließen lassen solltest, d.h., Du musst teilweise "zwischen den Zeilen lesen" können.

Wie ist eine Interpretation aufgebaut?

Wie die allermeisten Aufsatzarten besteht auch der Aufbau einer Textinterpretation aus Einleitung, Hauptteil und Schluss. Das ist schonmal die erste große Hilfe für Dich, denn durch die klare Aufteilung, was in welchen Teil gehört, hast Du ein solides Grundgerüst, an das Du Dich halten und an dem Du Dich entlanghangeln kannst.

Und genau darin liegt der Schlüssel für eine gute Textdeutung. Denn das Arbeiten mit einem Originaltext kann auf den ersten Blick leicht überwältigend wirken, aber wenn man sich an die Regeln hält und nach und nach die verschiedenen Schritte ausarbeitet, kann man eigentlich nicht viel falsch machen und eine einigermaßen gute Note rausschlagen.

Entscheidend ist, zu verstehen, dass die Hauptarbeit vor dem eigentlichen Schreiben passiert, man sich also gut überlegt, was in welchen Teil kommt. Wenn man ein solides Gerüst mit den richtigen Stichpunkten hat, muss man den Fließtext danach nur noch ausformulieren, kann ihn also regelrecht in einem Guss "runterschreiben".

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Einleitung

Die Einleitung bietet einen Einstieg ins Thema und soll vermitteln, was der Sinn und Zweck des Aufsatzes ist.

Wie auch bei der Inhaltsangabe ist ein Akronym, das Du Dir dafür merken kannst, TATTE. Mit diesen Elementen sollte Deine Einleitung beginnen:

  • Textsorte
  • Autor
  • Titel
  • Thema
  • Erscheinungsjahr

Zusätzlich gibst Du bei der Interpretation zu Beginn noch eine kurze Inhaltsangabe und die wichtigsten Infos zur Hauptperson. Sollte es sich bei dem zu deutenden Text um einen Ausschnitt handeln, kannst Du diesen noch kurz ins Gesamtwerk einbetten: Was geschieht vorher, was nachher?

Achte aber darauf, dass die Inhaltsangabe nicht zu lang wird (höchstens ein bis zwei Sätze), denn die ausführlichere Inhaltsangabe ist Bestandteil des Hauptteils.

Je nach Vorliebe und Vorgabe der Lehrerin kann in der Einleitung auch schon kurz die Hypothese angerissen werden, Du kannst also andeuten, was der Text Deiner Meinung nach aussagen soll, und dass Du dies im Folgenden belegen (oder manchmal vielleicht auch widerlegen) wirst.

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Hauptteil

Der Hauptteil ist das Herzstück Deines Aufsatzes, hier passiert die eigentliche Textanalyse. Im Gegensatz zu einem Essay, bei dem Du Deine Leser*innen mit auf eine Gedankenreise nimmst, ist eine Textinterpretation formaler und an einen recht klaren Aufbau geknüpft.

Dabei sollte Dein Hauptteil drei Absätze enthalten:

  1. Inhaltsangabe
  2. Deutungshypothese
  3. Interpretation

Nach der Einleitung bietest Du also erst einmal eine Inhaltsangabe, denn es kann ja sein, dass der/die Leser*in den Originaltext (noch) nicht gelesen hat.

Wie bei der Aufsatzart Inhaltsangabe gehst Du dabei chronologisch auf die wichtigsten Handlungsschritte ein. Pass auf, dass dieser Teil nicht zu lang wird. Details haben hier nichts verloren, es geht wirklich nur um die grobe Handlung.

Die Deutungshypothese ist die Kernaussage Deiner Deutung, die dann im Folgenden belegt werden soll. Schreibe also, wie Du den Text verstehst, also was der Autor Deiner Meinung nach damit aussagen möchte, und weise darauf hin, dass Du diese Hypothese im Folgenden belegen wirst (mithilfe von passenden Textstellen).

Beispiel: "Mit seinem Drama 'Maria Stuart' will Schiller uns aufzeigen, dass man im Geiste frei sein kann, selbst wenn man körperlich gefangen ist, und umgekehrt."

Diese Aussage (oder was auch immer Deine These sein mag) belegst Du anschließend im dritten Abschnitt Deines Hauptteils, der eigentlichen Interpretation.

Mit Deutsch Nachhilfe Grundschule kannst Du Deine Kenntnisse verbessern.

Dabei solltest Du folgende Aspekte untersuchen:

1.  Inhaltliche und formale Aspekte

  • Inhalt: Worum geht es in der Geschichte?
  • Personen/Figurengestaltung: Wie werden die Figuren des Werks beschrieben? Wie verhalten sie sich (zueinander)? Welche Entwicklung machen sie im Laufe der Geschichte durch?
  • Raum: Wo spielt die Handlung? Wie werden Ort und Raum beschrieben? Sind dabei bestimmte Details entscheidend?
  • Zeit: Wann spielt die Handlung? Wie wird diese Zeit/Epoche vom Autor beschrieben?
  • Textgliederung: Wie ist der Text gegliedert? (z.B. Ortswechsel, wechselnde Erzählperspektive usw.)
  • Erzählperspektive: auktorial, personal, neutral, Ich-Erzählung?
Wie ist der Interpretation Aufbau?
Eine Interpretation ist wie jeder andere klassische Aufsatz aufgebaut: Einleitung, Hauptteil und Schluss. | Quelle: Unsplash

2. Sprache und Stilmittel

  • Welche rhetorischen Mittel werden verwendet und warum? Welche Wirkung erzielt das?
  • Wie ist die Sprache allgemein (veraltet, modern, Umgangssprache ...)?
  • Schreibt der Autor/die Autorin sachlich oder lässt er/sie die eigene Meinung durchschimmern?
  • Schreibt er/sie ernst, ironisch, humoristisch...?
  • Schreibt er in einfachen Sätzen (Parataxe) oder verschachtelten Sätzen (Hypotaxe)? Welche Wirkung hat das?

3. Zeit und Epoche des Werks

  • Wann wurde der Text verfasst? Wie war die Situation zu dieser Zeit (und im Land des Autors)?
  • Gibt es wahre geschichtliche Begebenheiten (wie z.B. in "Maria Stuart" aus der englischen Geschichte)?
  • Wie kann das Werk mit Blick auf die geschichtliche und epochale Situation eingeordnet werden? Ist der Autor/die Autorin bzw. dieses bestimmte Werk typisch für diese Epoche?

4. Eigene Deutung des Textes

  • Fließen autobiografische Aspekte aus dem Leben des Autors/der Autorin ein (z.B. Herkunft, Kriegserfahrung, sexuelle Orientierung usw.)? Inwiefern sind diese wichtig für die Aussage des Textes?
  • Was soll der Leser/die Leserin empfinden (z.B. Trauer, Entsetzen, Belustigung, Scham)? Gibt es eine Art Appell oder "Moral von der Geschicht", die man daraus mitnehmen soll (kleiner Tipp: Meistens lautet die Antwort darauf Ja :) )
  • Kommt einem das Thema irgendwie bekannt vor? Wird Bezug auf ein anderes Werk genommen (z.B. "Die neuen Leiden des jungen W." von Ulrich Plenzdorf > Anspielung auf Goethes "Die Leiden des jungen Werthers")?
  • Was will/wollte der Autor/die Autorin mit dem Werk ausdrücken (bzw. was soll in der Textpassage ausgedrückt werden)?
  • Ist die Thematik, die Aussage auch noch heute gültig?

Schluss

Der Schluss soll Deinen Aufsatz abrunden. In diesem Teil werden keine neuen Fakten und Inhalte präsentiert, sondern noch einmal kurz zusammengefasst, was Du während des Hauptteils herausgearbeitet hast, also ob Deine Hypothese belegt oder widerlegt werden konnte.

Eine meiner Deutschlehrerinnen, die mich im Schreiben von Aufsätzen stark geprägt hat, pflegte immer zu sagen: "Erst im Schluss zeigen sich die Intelligenz und das Können eines Schülers/einer Schülerin." Mit Deutsch Nachhilfe lernst Du den perfekten Schluss zu schreiben.

Das bedeutet, dass sich in diesem Teil zeigt, ob Du über den Tellerrand des Textes hinausblicken und seine weitere Bedeutung einordnen kannst. Du kannst Das Thema z.B. auf unsere heutige Gesellschaft übertragen. Welche Relevanz hat es noch? Warum ist es immer noch aktuell, wenn vielleicht auch mit einem anderen Fokus?

Oder Du gibst noch Deine eigene Meinung zum Text ab. Warum hat er Dich angesprochen, zum Nachdenken angeregt, oder warum stimmst Du nicht mit der Meinung des Autors/der Autorin überein?

Scheu Dich zum Abschluss nicht, ein paar hochtrabende Sätze rauszuhauen und philosophische Überlegungen zu Moral, Gut/Böse usw. anzustellen – glaub mir, Dein Deutschlehrer wird es lieben!

Unsere Tipps & Tricks zum Thema Textinterpretation

Zum Abschluss noch eine kleine Checkliste, was Du bei Textinterpretationen beachten solltest.

  • Form: Fließtext
  • Zeitform: Präsenz
  • Einleitung: führt zum Thema hin, sollte TATTE (s. oben) enthalten, Minizusammenfassung des Textes, erstes Andeuten einer Hypothese
  • Hauptteil: Zusammenfassung des Werks, Hypothese aufstellen, Deutung des Textes (Hypothese belegen); Angabe von Textstellen und relevanten Zitaten nicht vergessen!
  • Schluss: Fazit, eigene Meinung: z.B. Wertung der Figur, Einbettung in die heutige Zeit, Ausblick; hier kann man in die Allgemeinplatzkiste greifen und seine Intelligenz zeigen ;)
Wie sieht der Schluss einer Textinterpretation aus?
Im Schluss kannst Du Dein ganzes Wissen und Können auspacken und richtig Eindruck schinden. | Quelle: Unsplash

Wie Du siehst, ist das ein ganz schöner Batzen und weit entfernt von den einfachen Aufsätzen, die man in der Grundschule schreiben können muss. Aber das ist ja auch logisch, denn in der Regel widmet man sich solchen ausführlichen Textinterpretationen erst ab der 10. Klasse.

Doch keine Angst, ihr besprecht ja auch vorher im Unterricht, was erwartet wird, und welche rhetorischen Mittel, Erzählperspektiven usw. es gibt. Du wirst also Schritt für Schritt herangeführt, und wenn Du Dich an die Vorgaben und Tipps & Tricks hältst, bekommst Du sicher gute Textinterpretationen hin!

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Anna

Man lernt nie aus ...