Wenn Du in Deutschland zur Schule gehst, musst Du in den gut 10-13 Jahre immer wieder Aufsätze im Fach Deutsch schreiben. kommst Du in der Mittelstufe und wahrscheinlich auch noch mal in der Oberstufe im Fach Deutsch mit der Aufsatzart der Erörterung in Kontakt.

Diese Aufsatzform ist besonders beliebt, da es viele mögliche Themen zu erörtern gibt, wobei man auch immer auf aktuelle gesellschaftliche Themen zurückgreifen kann. Außerdem gibt es viele solcher Themen, die auch Jugendliche direkt betreffen, z.B.:

  • "Sollten Handys in der Schule erlaubt sein?"
  • "Sollte auch niedrigprozentiger Alkohol wie Wein und Bier erst ab 18 ausgeschenkt werden?"
  • "Sollte das Wahlalter auf 16 herabgesetzt werden?"
  • uvm.

Gute Eröterungen schreiben zu können, ist auch fürs spätere Leben wichtig, und zwar nicht nur, wenn man studiert und eine akademische Laufbahn verfolgt. Denn im Alltag kommt es ständig vor, dass Du andere von Deiner Meinung überzeugen musst – sei es im Privatleben oder bei der Arbeit.

Klar, dann musst Du meistens keine schriftliche Erörterung abgeben, aber schon allein durch die Vorbereitung für diese Aufsatzart lernst Du das Handwerk der guten Argumentation, die Dir auch im weiteren Leben extrem viel bringen wird!

Schauen wir uns also gemeinsam an, was man alles können und beachten muss, um eine gute Erörterung aufs Papier zu bringen.

Deutsch Nachhilfe kann Dir dabei helfen.

Erörterung – Definition

Doch vielleicht sollten wir erst einmal die Frage klären: Was ist eine Erörterung eigentlich?

Dabei handelt es sich um die intensive Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema, wobei verschiedene Argumente dafür oder dagegen vorgebracht oder – je nach Art der Erörterung – gegeneinander abgewägt werden.

Welche Arten von Erörterung gibt es?

Es gibt zwei Überkategorien der Erörterung: die freie Erörterung und die textgebundene Erörterung. Die freie Erörterung ist wiederum in die lineare und die dialektische Erörterung untergliedert.

Was ist eine Erörterung?
Es gibt verschiedene Arten von Erörterungen. | Quelle: Unsplash

Und was heißt das jetzt genau?

Bei der freien Erörterung bekommst Du ein Thema oder meist schon eine konkrete Fragestellung vorgegeben, die Du dann erörtern sollst.

Dabei argumentierst Du bei der linearen Erörterung nur einseitig, bringst also lauter Argumente hervor, die Deine These bzw. Meinung bestätigen.

Bei der dialektischen Erörterung betrachtest Du die Thematik von zwei Seiten, bringst also sowohl Pro- als auch Kontra-Argumente (alternative Schreibweise: Contra-Argumente) hervor. Wie Du diese am besten anordnest, erfährst Du im Kapitel zum Erörterungsaufbau.

Nun fehlt noch die textgebundene Erörterung. Diese ist etwas komplexer. Zugrunde liegt – wie der Name erahnen lässt – ein Text. Diesen gilt es auf seine Argumentationsstruktur hin zu analysieren. Je nach Aufgabenstellung sollst Du im Anschluss noch Deine eigene Meinung dazu abgeben (mit eigenen Argumenten und Beispielen). Dazu weiter unten mehr.

Bei dem Text handelt es sich meistens um einen Sachtext oder einen Artikel, oft zu einem aktuellen Thema.

Wie kann ich eine Erörterung vorbereiten?

Doch wie bei anderen Aufsatzarten (wie z.B. der Gedichtanalyse) auch schreibt man nicht einfach drauf los, sondern muss zunächst gut vorbereiten, was man im Anschluss aufs Papier bringen möchte.

Wenn man einfach drauf loskritzelt, kommt nämlich meistens nichts Gutes dabei raus – egal, ob beim Essay oder der Erörterung. Schließlich willst Du ja einen qualitativ hochwertigen Text abliefern, und nicht etwas, das auch für einen Grundschulaufsatz gehalten werden könnte.

Was also kannst Du tun, damit Du Deine Erörterung im Anschluss nur noch "runterschreiben" musst?

Wenn es sich um eine textgebundene Erörterung handelt, ist wie bei anderen Aufsatzarten, die sich auf einen Ausgangstext beziehen (also wie z.B. bei der Inhaltsangabe) das Wichtigste, den Text gründlich (und wenn möglich mehrmals) zu lesen.

Am besten legst Du Dir gleich bunte Textmarker und einen Bleistift zurecht, damit Du die wichtigsten Argumente, Begründungen und Beispiele (s. unten) markieren und Dir am Rand des Textes Notizen machen kannst.

Wie kann ich eine Erörterung vorbereiten?
Am besten Du suchst Dir schöne Redemittel und Satzanfänge für Deine Erörterung heraus. | Quelle: Unsplash

Stelle Dir dabei die folgenden Fragen:

  • Welche These wird durch den Autor/die Autorin vertreten?
  • Welche Art von Argumenten nutzt die Autorin/der Autor (z.B. normative Argumente, analogisierende Argumente, Faktenargumente, Autoritätsargumente usw.)?
  • In welchem Schreibstil ist der Text geschrieben (sachlich/objektiv, subjektiv, parodierend, ironisch, polemisch, aggressiv, manipulativ usw.)?
  • Welche rhetorischen Mittel verwendet er/sie, um die eigene Meinung zu untermauern?
  • Was ist die Intention, also Absicht des Autors resp. der Autorin?
  • Gibt es sonstige Besonderheiten oder Auffälligkeiten im Text?

Auch wenn Du erst beim eigentlichen Schreiben der Erörterung auf diese Punkte genau eingehst, lohnt es sich doch, diese Fragen beim Durchlesen des Textes bereits im Hinterkopf zu haben. Wenn Dir etwas dazu auffällt, kannst Du die entsprechende Stelle gleich markieren und den Aspekt stichpunktartig auf einen extra Zettel notieren.

Wenn es sich dagegen um eine freie Erörterung handelt, empfiehlt es sich, zunächst einmal ein Brainstorming zu machen, also alle Argumente, die Dir zum Thema einfallen, aufzuschreiben. Bei der linearen Erörterung sind das nur Pro-Argumente, die Deine These stützen, bei der dialektischen solltest Du natürlich sowohl Pro- als auch Kontra-Argumente sammeln.

Wenn Du genügend Argumente hast, musst Du sie noch priorisieren. Welche sind besonders stark, welche eher schwach? Wenn Du mehr Argumente hast, als Du brauchst (das gibt in der Regel der Lehrer/die Lehrerin vor), sortiere die schwächsten aus. Die übrigen nummerierst Du durch, sodass Du genau weißt, welches das stärkste und welches das schwächste Argument ist (und welche dazwischen liegen).

Der nächste Schritt ist dann, Dir zu den Argumenten, die Du verwenden willst, eine jeweils passende Begründung und ein passendes Beispiel zu überlegen.

Besonders hilfreich ist es dabei, eine Tabelle zur besseren Übersicht zu verwenden, z.B. so:

PrioritätPro-ArgumentBegründungBeispielKontra-ArgumentBegründungBeispiel
1Jugendliche trinken weniger, wenn niedrigprozentiger Alkohol schon ab 16 erlaubt ist.Jugendliche werden so verantwortungsbewusst an den Alkoholkonsum herangeführt.In Deutschland gibt es weniger Probleme mit Alkoholexzessen bei Jugendlichen als in den USA, wo Alkohol erst ab 21 erlaubt ist.Jugendliche fangen früher mit dem Trinken an, wenn niedrigprozentiger Alkohol schon ab 16 erlaubt ist.So kommen Jugendliche früher mit Alkohol in Kontakt und es wird schon früher normal zu trinken.Viele meiner Freunde hatten ihren ersten Vollrausch schon mit 16.
2Pro-Argument 2Begründung 2Beispiel 2Kontra-Argument 2Begründung 2Beispiel 2
3..................
4..................

Egal, welche Art von Erörterung Du schreiben können musst, weißt Du jetzt also, wie Du Dich am besten darauf vorbereiten kannst.

Finde am besten auch gleich heraus, wie Du eine Charakterisierung besonders effektiv vorbereiten kannst!

Im Nächsten Kapitel schauen wir uns an, wie Du Deinen Aufsatz am besten aufbaust, sodass Du mit Deiner Argumentation überzeugen kannst.

Erörterung schreiben – der Aufbau

Wie Deine Erörterung genau aufgebaut ist, hängt natürlich ganz stark von der Art der Erörterung ab. Schauen wir uns also zunächst einmal die Einleitung für die verschiedenen Erörterungsarten an.

Einleitung

Freie Erörterung (lineare & dialektische)

Bei der freien Erörterung (also der linearen oder dialektischen Erörterung) stellst Du nur kurz den Sachverhalt vor, also erklärst, was die Frage ist und warum diese aktuell ist.

Beispiel: "Jedes Jahr verunglücken mehrere Hundert Menschen bei Unfällen im Strassenverkehr. Aktuell wird in Politik und Gesellschaft wieder diskutiert, ob es eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen geben soll. Im Folgenden soll erörtert werden, ob eine solche Maßnahme sinnvoll wäre."

Textgebundene Erörterung

Bei der textgebundenen Erörterung dagegen sieht die Einleitung eher wie bei der Interpretation eines Textes aus, denn es gibt ja einen Originaltext, den es einzuführen gilt. Das heißt, Du solltest darauf achten, dass die TATTE enthalten sind: Textgattung, Autor*in, Titel, Thema und Erscheinungsjahr.

Anschließend folgt eine kurze Zusammenfassung des Textes (dabei nicht zu stark auf die Argumente eingehen, denn das folgt ja im Hauptteil!). Und schließlich erwähnst Du noch, warum das Thema relevant ist.

Hauptteil

Und damit wären wir auch schon beim Hauptteil, dem eigentlichen Kernstück Deiner Arbeit!

Lineare Erörterung

Die lineare Erörterung gilt als die einfachste Form dieses Argumentationsaufsatzes, denn Du musst lediglich Argumente präsentieren, die Deine These stützen.

Wenn Deine Meinung also ist, dass Handys in der Schule erlaubt sein sollten, musst Du nichts weiter tun, als Dir zu überlegen warum, und passende Beispiele dazu finden.

Im Anschluss präsentierst Du Deine Argumente vom schwächsten zum stärksten hin, weil die letzten immer am ehesten im Gedächtnis bleiben und Du Deine Leser*innen ja von Deiner Meinung überzeugen willst.

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Dialektische Erörterung

Bei der dialektischen Erörterung wird es schon etwas komplexer. Hier musst Du ein Thema von beiden Seiten betrachten, also Pro- und Contra-Argumente vorbringen.

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, Deinen Hauptteil aufzubauen:

  1. Die Sanduhrmethode
  2. Die abwechselnde Methode

Bei der ersten gehst Du so vor, dass Du erst alle Gegenargumente präsentierst und dann alle Fürargumente. Bei den Kontra-Argumenten beginnst Du mit dem stärksten und endest mit dem schwächsten, bei den Pro-Argumenten (die ja Deine These stützen) machst Du es genau umgekehrt: vom schwächsten zum stärksten, denn wie gesagt, was man als letztes gelesen hat, bleibt eher in Erinnerung.

Wie ist eine Erörterung aufgebaut?
Ein möglicher Aufbau ist die Sanduhrmethode. | Quelle: Unsplash

Diese Stark-Stark-Schwach-Schwach-Schwach-Schwach-Stark-Stark-Form sieht visualisiert aus wie eine Sanduhr  –daher der Name.

Die andere Möglichkeit ist, immer erst ein Gegenargument zu bringen, dem Du dann direkt ein (Deiner Meinung nach) stärkeres Pro-Argument entgegensetzt, um es gleich wieder zu entkräften. Auf diese Art und Weise haben schon die alten Griechen debattiert!

Das ist auch noch etwas schwieriger, weil Du Dir vorher überlegen musst, was Kritiker Deiner Argumentation entgegenbringen können, um ihr Argument dann gleich auseinanderzunehmen. Contra- und Pro-Argument sollten also mehr oder weniger zusammenpassen.

Wenn Du zu einem Thema mehr Pro- oder mehr Kontra-Argumente hast, ist das nicht schlimm, aber Du solltest in der Erörterung ausgewogen bleiben, also die gleiche Anzahl an Argumenten pro Seite hervorbringen. Teil der Vorbereitung ist dann, zu überlegen, welche Argumente du kickst (Priorisierung).

Textgebundene Erörterung

Und schließlich zur textgebundenen Erörterung. Hier ist der Aufbau etwas anders, da Du ja zunächst nicht Deine eigenen Argumente vorbringst, sondern die Argumentationsstruktur eines/einer anderen nachvollziehst und analysierst.

Der Aufbau des Hauptteils Deiner textgebundenen Erörterung könnte wie folgt aussehen:

  • These/Hauptaussage des Textes
  • Zusammenfassung des Textes
  • Analyse der Argumentationsstruktur
  • Analyse der Sprache
  • Kritische Stellungnahme

Denke bei der Analyse des Ausgangstextes an die Fragen aus dem Kapitel zur Vorbereitung und vergiss nicht, Deine Aussagen mit Textstellen zu belegen!

Je nach Vorgaben Deiner Lehrerin kann es auch sein, dass Du nicht im Hauptteil Stellung nehmen sollst, sondern erst im Schluss "Deinen Senf kurz dazugeben". Deshalb (und nicht nur deshalb :) ) ist es wichtig, bei der Besprechung im Unterricht aufzupassen und die Aufgabenstellung genau zu lesen!

Schluss

Freie Erörterung (lineare & dialektische)

Bei der freien Erörterung ziehst Du noch mal ein Fazit, was das Ergebnis Deiner Erörterung ist. Immer gut ist es, wenn sich Einleitung und Schluss wie eine Klammer um den Hauptteil legen, also ein roter Faden vorhanden ist.

Abschließend kannst Du auch noch einen Ausblick geben und das Thema in einen größeren Kontext einordnen.

Textgebundene Erörterung

Bei der textgebundenen Erörterung fasst Du im Schluss ebenfalls noch einmal Deine Ergebnisse zusammen und kannst auch (nochmal) kurz auf die mögliche Intention des Autors/der Autorin eingehen. Im Gegensatz zu neutraleren Aufsatzformen wie dem Bericht kannst Du hier auch Deine eigene Meinung äussern, den Text kritisieren bzw. erklären, warum Du anderer Meinung bist.

Dabei ist es aber wichtig, auf die Aufgabenstellung und Anweisungen des Lehrers zu achten, denn Dein Schluss soll ja auch nicht zu lang werden.

Was ist eine Erorterung?
Die alten Griechen haben die Dialektik erfunden. | Quelle: Unsplash

Du gehst in die Oberstufe oder kommst bald in die 10. Klasse? Dann kommst Du im Fach Deutsch früher oder später auch mit der Aufsatzform Essay in Kontakt!

Tipps & Tricks rund um die Erörterung

Hier noch einmal ein Überblick, worauf Du beim Schreiben einer Erörterung achten solltest:

  • Zeitform: Präsenz (außer vielleicht für die kleine Einführung, wenn dort Geschehnisse aus der Vergangenheit vorkommen)
  • Sprachstil: sachlich, aber trotzdem schönes Deutsch (Du willst Deine Leser*innen ja von Deiner Meinung überzeugen), d.h., schöne Formulierungen, keine Wiederholungen, gute Übergänge usw.
  • Aufgabenstellung (und evtl. Text) gründlich lesen!
  • Bei der textgebundenen Erörterung die Textbelege nicht vergessen!
  • Argumentationsaufbau: Ein starkes Argument besteht immer aus einer Behauptung, einer Begründung und einem Beispiel. Die Beispiele können faktenbasiert oder anekdotisch sein. Wenn es etwas aus Deiner eigenen Erfahrung ist, darf es auch erfunden sein!
  • Die Meinung, die Du in der Erörterung vertrittst, muss nicht wirklich Deine Meinung sein! Du musst sie einfach nur gut begründen können.
  • Bei der dialektischen Erörterung: Aufbau beachten und für eine Methode entscheiden (Sanduhr oder abwechselnd)
  • Bei der dialektischen Erörterung: Pro- und Kontra-Argumente sollten ausgewogen sein (ggf. bei der Vorbereitung priorisieren und aussortieren)

Die Liste könnte noch eine Weile so weitergehen, aber das sind erstmal die wichtigsten Tipps. Dann also ran an die Stifte, Textmarker und Mindmaps und los geht's!

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Anna

Man lernt nie aus ...