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Die antiken Sprachen – die Wiege der Sprache Frankreichs

Von Anna, veröffentlicht am 24/09/2018 Blog > Sprachen > Französisch > Die Einflüsse von Latein & Griechisch auf die Französische Sprache

Spricht man über Latein oder Griechisch, hört man oft von „toten“ oder „ausgestorbenen“ Sprachen, da sie nicht mehr aktiv gesprochen werden.

Doch an deutschen Gymnasien wird Latein noch unterrichtet, je nach Zweig (und falls man es überhaupt wählt) ab der 5., der 7. oder der 9. Klasse (wobei der mögliche Beginn auch stark nach Bundesland und G8/G9 variiert).

Für ganz begeisterte Lateiner gibt es die tote Sprache in der Oberstufe auch als Leistungskurs/Profilfach (oder sonst weiterhin als „normales“ Fach), wenn sich genügend Schüler dafür einschreiben.

In Deutschland ist Latein noch die Fremdsprache, die am dritthäufigsten unterrichtet wird: 2014 lernten noch 773.000 Schüler in Deutschland Latein!

Mit Altgriechisch sieht es da schon etwas anders aus: Im Jahr 2014 waren es deutschlandweit nicht einmal mehr 13.000 Schüler.

Der allgemeine Trend ist klar: Die antiken Sprachen werden tendenziell eher unbeliebter und deutsche Schülerinnen und Schüler lernen in Ergänzung zur Standardfremdsprache Englisch häufig lieber direkt Französisch, Spanisch oder Italienisch.

Doch dürfen die antiken Sprachen nicht unterschätzt werden, denn sie bilden eine wichtige Grundlage für viele andere Sprachen.

Insbesondere denkt man dabei natürlich an Latein als Basis für die romanischen Sprachen und damit auch für das Französische.

An dieser Stelle fällt mir meine Mutter ein, die unbedingt wollte, dass ich in der 7. Klasse Latein und nicht Französisch wähle, mit der Begründung: „Wenn Du Latein kannst, ist das Französischlernen danach ein Kinderspiel!“

Der Einfluss von Latein auf die französische Sprache

Der Einzug des Lateinischen in die Region des heutigen Staatsgebiets Frankreichs ist auf die Invasion Galliens durch römische Streitmächte ab 120 v. Chr. und unter Julius Cäsar gegen 58 v. Chr. zurückzuführen (Du kennst sicherlich unsere gallischen Freunde Asterix & Obelix und ihre Probleme mit den Römern).

Die vorherrschende Sprache zu der Zeit war Gallisch, ein mündlicher Dialekt ohne jegliche schriftliche Form.

Das Lateinische füllte diese Lücke und so wurde es zur Sprache für Schriftliches, die im Handel und der Verwaltung genutzt wurde. Und darauf ist dann letztlich auch die französische Sprache zurückzuführen.

Es ist wichtig, zwischen Vulgärlatein (auch „Sprechlatein“ genannt) und dem klassischen Latein der Literaten der damaligen Zeit zu unterscheiden. Vulgärlatein wurde von Händlern und Beamten gesprochen, Soldaten und Entdecker sprachen Dialekte und noch stärker ausgeprägte Umgangssprache.

Das Französische stammt von dieser gesprochenen Sprache des Volkes ab („vulgaris“ bedeutet „zum Volke gehörig, gemein“).

Die Invasion durch die Römer war also nicht nur eine militärische, sondern auch eine kulturelle und sprachliche – mit lateinischen Wörtern, die in die Sprache des Volksmunds eingegangen sind.

Hier einige Beispiele lateinischer Wörter, die ihren Weg ins Französische sowie Deutsche gefunden haben: templum (le temple, der Tempel), museum (le musée, das Museum), rosa (la rose, die Rose), tempus (le temps, das Tempo). Um nur einige wenige zu nennen.

Jedes Wort hat dabei eine Veränderung in Aussprache und Schreibweise durchlaufen, die im Französischen oft noch stärker ausgeprägt ist, wie z. B. bei Augustus > l’août (der August).

Warum verdrängte Latein das Gallische? Latein hatte eine schriftliche Form und setzte sich deshalb durch. | Quelle: Pexels

Die lateinische Sprache hat viele Stadien durchlaufen und sich stetig weiterentwickelt: Von der klassischen Version der Autoren wie Cicero oder Seneca über Spätlatein hin zum Galloromanischen, um dann ins Altfranzösische überzugehen.

Der Einfluss von Altgriechisch auf die französische Sprache

Auch wenn der Einfluss des Lateinischen auf die französische Sprache mit seinen Präfixen, Suffixen und ganzen Wörtern direkter ist, hat auch das Altgriechische seine Spuren hinterlassen.

Übrigens: Latein wird oft eher mit literarischen (sprachlichen) Studiengängen in Verbindung gebracht und Altgriechisch mit naturwissenschaftlichen.

Warum das so ist?

Altgriechisch wurde von den großen Vordenkern in den Naturwissenschaften gesprochen: Thales, Pythagoras, Sokrates und Platon. Und spätestens aus dem Matheunterricht kennen wir alle die ersten Buchstaben des griechischen Alphabets: Alpha, Beta, Gamma, Delta, Epsilon.

Wörter wie „Biologie“, „Chemie“ und „Arithmetik“ stammen aus dem Griechischen, genauso wie mathematische Symbole wie das Pi.

Griechischkenntnisse sind auch für Mediziner und Apotheker von Vorteil, denn daher kommen Vorsilben wie „bio-„ (= „Leben“), „neuro-“ (= „Nerv“) und „kardio-„ (= „Herz“).

Doch viele altgriechische Wörter und Vorsilben sind inzwischen auch so gebräuchlich, dass man sich gar nicht mehr bewusst macht, dass sie ihren Ursprung im alten Athen haben.

Das gilt für das Französische wie fürs Deutsche und viele weitere Sprachen: „mono-“, „auto-“, „Politik“ und „Demokratie“ sind nur eine kleine Auswahl solcher Präfixe und Wörter.

Woran erkennt man altgriechische Wörter? Viele Wörter aus dem Altgriechischen sind heute so gebräuchlich, dass man sie kaum noch als solche erkennt. | Quelle: Pexels

Wie kann man die antiken Sprachen lernen?

Heutzutage sind die antiken Sprachen (und vor allem das Altgriechische) in Deutschland mehr eine Option als fester Bestandteil der Bildung, die nicht mehr wirklich notwendig sind, außer vielleicht, um sich von der Masse abzuheben oder zu bestimmten Studiengängen zugelassen zu werden  (dazu weiter unten mehr).

Latein wird an den meisten klassischen Gymnasien (im Vergleich zu Wirtschaftsgymnasien o. ä.) noch als Option angeboten.

Um Altgriechisch zu lernen, muss man an ein spezielles „humanistisches Gymnasium“ gehen oder zumindest an eine Schule mit „altsprachlichem Zweig“ (und diese sind nicht mehr sehr weit verbreitet).

Eine Alternative bleibt natürlich immer Privatunterricht.

Wenn man dann eine oder beide antiken Sprachen lernt, können folgende Tipps beim Lernen helfen (und einige davon helfen sicher auch im Fach Französisch):

  1. Regelmäßiges Lernen

Wie für jedes andere Fach muss man auch für Altgriechisch und Latein zu Hause Zeit aufwenden und lernen.

Latein kann dabei helfen, auch in anderen Sprachen grammatikalische Phänomene und Gesetzmäßigkeiten besser zu verstehen. Deshalb ist es wichtig, die Deklinationen sicher zu beherrschen und diese müssen leider auswendig gelernt werden. (genau wie die Konjugationen im Französischunterricht).

  1. Sich für die lateinische (römische) und griechische Kultur interessieren

Aller Anfang ist schwer und besonders in Latein und Altgriechisch kann sich das zu Beginn der Lernzeit in schlechte Noten niederschlagen.

Oft fordern Lehrer aber auch Referate über die lateinische oder griechische Kultur und das sind potentiell wertvolle Punkte, mit denen man die ein oder andere versemmelte Übersetzung wieder ausgleichen kann.

Die Antike ist ein langes und ergiebiges Zeitalter: Man kann also Referate über verschiedene Autoren von damals halten, über die Bräuche und Lebensart, das Bildungssystem, die Religion, Kriege oder Politik. usw.

Kenntnisse darüber helfen nicht nur bei Prüfungen und im Geschichtsunterricht, sondern bereichern auch die Allgemeinbildung!

Worüber kann man in Latein ein Referat halten? Warum nicht ein Referat über Asterix & Obelix halten? | Quelle: flickr

  1. Übersetzungen üben

Übersetzungen sind im Lateinunterricht oft die größte Herausforderung für Schüler. Denn wenn man nur Wort für Wort übersetzt, ist das, was dabei herauskommt, oft nur wenig verständlich.

Es gilt also, den Sinn und nicht nur die Wörter zu übertragen. (Das gilt für Übersetzungen moderner Sprachen übrigens genauso wie für die antiken Sprachen!)

Dafür ist es wichtig, den Text als Ganzes zu verstehen und sich in seiner Muttersprache gut ausdrücken zu können. Regelmäßiges Üben und Vergleichen mit Klassenkameraden und offiziellen Übersetzungen kann dabei helfen.

Außerdem lernt man so die gängigsten Wörter dieser Textsorte kennen und muss nicht mehr jedes einzelne Wort im Stowasser (Wörterbuch Latein-Deutsch) nachschlagen – das kostet sonst wertvolle Zeit!

Die Lieblingsautoren für Schulübersetzungen sind übrigens Cicero, Cäsar, Ovid, Augustus, Horaz und Vergil.

  1. Nachhilfe nehmen

Die Fächer Latein und Altgriechisch sind ganz schön heftig, was den Stoff angeht. Es kann gut sein, dass man aufgrund der Komplexität erstmal Probleme damit hat.

Gerade am Anfang kann private Nachhilfe deswegen eine gute Möglichkeit sein, den Einstieg zu erleichtern.

Wenn man einen Latein-Nachhilfelehrer hat, der auch Französisch kann, werden vielleicht sogar manche Verbindungen noch klarer und man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe.

Latein und Altgriechisch: Welchen Einfluss haben die Sprachen heutzutage noch?

Latein ist eine der vier offiziellen Sprachen des Vatikan. In der katholischen Kirche werden auch Messen auf Latein gelesen. Nur Kardinäle und der Papst verwenden die Sprache regelmäßig in gesprochener Form und sprechen sie fließend.

In der Botanik hat Latein auch noch einen starken Einfluss, so sehr, dass man manchmal sogar vom „botanischen Latein“ spricht. Bis 2012 waren Botanisten sogar verpflichtet, deskriptive Studien über Algen, Pilze, Pflanzen usw. auf Lateinisch zu verfassen und zu veröffentlichen. Heutzutage dürfen sie stattdessen aber auch auf Englisch schreiben.

Latein genießt an Eliteschulen einen guten Ruf. Oft wird dem Lateinunterricht auch vorgeworfen, zu elitär zu sein.

Aber für manche Studiengänge braucht man zur Zulassung zwingend das Latein-Examen, also das kleine oder große Latinum.

Solche Fächer sind beispielsweise Theologie, klassische Philologie, klassische Archäologie und sogar für manche Lehramtsstudiengänge, wenn man Gymnasiallehrer für Englisch, Geschichte, Religion, Französisch oder eine andere romanische Sprache werden will (auch abhängig vom Bundesland).

Welchen Stellenwert haben Griechisch und Latein heute? Im theologischen Kontext spielen Latein und Altgriechisch noch eine wichtige Rolle. | Quelle: Visualhunt

Übrigens: Es wurden auch einige zeitgenössische Werke ins Lateinische übersetzt, wie beispielsweise einige Bände von Asterix und Obelix und die ersten zwei Bände von Harry Potter.

Sicherlich kann man diese auch gut im Schulunterricht nutzen, wobei man Asterix vielleicht auch in der Originalversion im Französischunterricht anschaut.

Altgriechisch wird vor allem noch in Griechenland gelehrt und gelernt, auch wenn es aufgrund der vielen Dialekte und Variationen (Äolisch, Dorisch, Ionisch, Attisch) einige Veränderungen durchlaufen hat (vor allem, was das Mündliche angeht), bis es schließlich zur neugriechischen Sprache wurde.

An manchen deutschen Universitäten ist das Altgriechisch-Examen (auch Graecum genannt) außerdem Voraussetzung für manche Studiengänge, wie beispielsweise Latinistik, Theologie, klassische Archäologie, alte Geschichte und Philosophie.

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