„Einst bestimmte es (das römische Volk) über alles, die Herrschaft, die Ämter und die Legionen. Doch nun wünscht sich das Volk, um zufrieden zu sein, nur noch zwei Dinge: Brot und Spiele."

– Juvenal, römischer Dichter –

Eine der berühmtesten Figuren des alten Rom ist der Gladiator, und das nicht erst seit dem gleichnamigen Film von Ridley Scott mit Russel Crowe. Muskulöse Krieger, die in gigantischen Amphitheatern bis zum Tod kämpfen, um eine jubelnde Menge zu unterhalten - hier erfahrt Ihr mehr über den Ursprung der Gladiatorenkämpfe, ein fester Bestandteil des alten Roms.

Gladiatoren waren Sklaven und Helden in einem
Gladiatoren waren teils Sklaven, teils gefeierte Helden.

Unterhaltung im alten Rom

Die Römer mochten spektakuläre öffentliche Unterhaltungen, und Gladiatorenspiele waren eine davon. Im alten Rom hatte es Tradition, dass der Staat dafür sorgte, dass die Bevölkerung ausreichend Nahrung hatte und unterhalten wurde (aus politischen Gründen sollte das Volk bei Laune gehalten werden, um Aufstände zu vermeiden) und dafür gab es zwei Kategorien von Ludi ("Spiele"): Theateraufführungen, Tänze und Wagenrennen oder Spektakel wie Gladiatorenkämpfe und Wildtiershows. Die meisten dieser Veranstaltungen hatten auch eine religiöse Komponente. Sie wurden an religiösen Feiertagen abgehalten, begleitet von Gebeten und Opfern, also eine Art, den Göttern zu huldigen.

Der Ursprung der Gladiatorenkämpfe

Einige Forscher gehen davon aus, dass die Gladiatoren ursprünglich von den Etruskern abstammen, die den Römern in Mittelitalien vorausgingen. Wenn ein Anführer der Etrusker starb, kämpften im Rahmen der Trauerfeier zwei Krieger manchmal bis zum Tod, um seinen kriegerischen Geist zu ehren. Im Laufe der Zeit wurde die Praxis institutionalisiert und später von den Römern nachgeahmt. Die Römer bedienten sich regelmässig aus den Traditionen der Kulturen eroberter Völker. Aber schließlich beruht selbst der Mythos um die Entstehung Roms auf einem Kampf bis zum Tod: Romulus und Remus stritten sich darum, wo sie ihre Stadt bauen sollten, und Romulus tötete seinen Bruder.

Während der nächsten 800 Jahre der Römischen Republik fanden Gladiatorenkämpfe jedenfalls eher im kleinen Rahmen statt, oft im Rahmen einer Trauerfeier und nur vergleichsweise selten.

Diese Praxis änderte sich langsam in der späten Republik. Julius Caesar veranstaltete eine Gladiatorenshow mit 320 Gladiatorenpaaren zu Ehren seines Vaters, obwohl der bereits seit über 20 Jahren tot war. Diese Spiele machten den Kaiser bei den Menschen in Rom beliebt. Während des Imperiums konnte der Senat per Gesetz nicht mehr als zwei Gladiatorenkämpfe pro Jahr sponsern. Der Kaiser konnte allerdings so viele veranstalten, wie er wollte. Dennoch blieben sie immer seltene und ungewöhnliche Ereignisse. Kaiser Augustus hat beispielsweise im Laufe seiner über 60-jährigen Regierungszeit nur acht Mal Gladiatorenkämpfe veranstaltet.

Der Aufstieg der Gladiatorenkämpfe

Sowohl die Anzahl der in Rom abgehaltenen Spieltage als auch die regelmäßig geplanten Gladiatorenspiele nahmen stetig zu. Um 354 v. Chr. fanden das halbe Jahr spektakuläre Spiele statt, darunter 102 Tage mit Theaterunterhaltung, 64 mit Wagenrennen, 10 mit Gladiatorenkämpfen und wilden Tieren.

Es gab drei Quellen für Gladiatoren:

  • Sklaven, die als Gladiatoren eingesetzt wurden, wenn sie stark waren und gute Kämpfer zu sein schienen.
  • Kriegsgefangene, die in Roms Feldzügen gefangengenommen wurden oder Kriminelle,  die manchmal dazu verurteilt wurden, Gladiatoren zu werden.
  • Freie Menschen, die sich freiwillig bereit erklärten, Gladiatoren für Ruhm und Geld zu werden. 

Die dritte Gruppe stellte allerdings die kleinste unter den Gladiatoren dar...

Gladiatoren kämpften gegen wilde Tiere
Manchmal kämpften Gladiatoren auch gegen wilde Tiere.

Die Ausbildung zum Gladiator

Jemand, der Gladiator werden wollte oder musste, wurde in die Ausbildungsschule geschickt, wo viele Künstlernamen annahmen, die besonders bedrohlich klangen oder etwas über die Kampfkünste des Gladiators aussagten. Während der Republik, befanden sich die meisten Schulen in Privatbesitz, standen jedoch unter der Kontrolle des Kaisers und des Staates.

Im ganzen Reich gab es über 100 Gladiatorenschulen. Die meisten Schulen waren um das Kolosseum gruppiert. Die größte Schule, Ludus Magnus, war durch einen Tunnel mit dem Kolosseum verbunden.

Zu den Mitarbeitern gehörten Waffenhersteller, Wachen, Masseure, Ärzte und vor allem ein Trainer. Ein angehender Gladiator absolvierte zunächst eine allgemeine Ausbildung mit Holzwaffen, bis er mit den grundlegenden Kampftechniken vertraut war. Der Trainer wies jeden Gladiator je nach seinen Fähigkeiten einem speziellen Unterrichtsprogramm zu. Es gab Dutzende Arten von Gladiatoren, die nach Waffen und Taktiken aufgeteilt waren: Ein Samnit trug ein kurzes Schwert und einen Schild, ein Murmillo kämpfte mit einem längeren Schwert, einem Schild und einem Helm mit einem Fisch auf dem Kamm...

In der letzten Phase der Ausbildung wechselte der Gladiator von Holzwaffen zu echten Stahlwaffen. Die Übungswaffen waren allerdings doppelt so schwer wie die echten, um Muskelmasse und Ausdauer zu erhöhen.

Gladiatoren aßen eine kohlenhydratreiche Diät, weshalb sie auch „Gerstenjungen“ genannt wurden. Sie ernährten sich hauptsächlich vegetarisch, laut einer Analyse der Knochen von einem Friedhof, auf dem die Kämpfer der Arena begraben waren. Der Grund für den Aufbau von Fett- und Muskelschichten war der zusätzliche Schutz des Körpers. Mehr Fett zu haben, bedeutete größere Überlebenschancen in der Arena. Eine zusätzliche Fettschicht bildete eine Schutzschicht für Nerven und Muskeln. Folglich waren Schnittwunden weniger tödlich.

Gladiatoren trugen wenig oder fast keine Körperschutzkleidung und kämpften mit sehr scharfen Waffen. Kein Trainer war begeistert, wenn "sein" Gladiator nach monatelangem Training schnell getötet wurde, deshalb sorgten sie für zusätzlichen Schutz, nämlich Fett.

Die Gladiatoren sahen also nicht ganz so aus wie die muskulösen Männer mit Six Pack, die wir uns vorstellen...

Wie sah die Ausbildung zum Gladiator aus?
Zum Schutz hatten die Gladiatoren eine Schicht Fett auf ihren Muskeln.

Kampf der Kontraste

Die Römer mochten ungleiche Kämpfe und stellten oft einen schwer bewaffneten und gepanzerten Mann, der gut geschützt, aber langsam war einem leicht ausgerüsteten und beweglicheren Gegner gegenüber. Zu den bekanntesten leichter bewaffneten, agileren Gladiatoren gehörte der Thraker. Er trug wenig oder keine Rüstung, hielt in der einen Hand einen kleinen Schild aus Holz oder Weide und in der anderen ein kurzes, gebogenes Schwert. Der Thraker schoss hin und her und suchte nach einer Lücke in der Verteidigung seines Feindes. Sein schwer bewaffneter Feind verfolgte ihn und versuchte ihn gegen eine Wand zu fangen, wo er seine größere Wendigkeit nicht nutzen konnte, um zu entkommen.

Ein anderer berühmter, weniger bewaffneter war der Retiarius, der bis auf einen Lendenschurz nackt war und ein Netz mit Gewichten an den Ecken in der einen und einen Dreizack in der anderen Hand hielt. Seine Ziel war es, um einen Gegner herum zu tanzen, ihn im Netz zu verwickeln und dann mit dem Dreizack aufzuspiessen. Zu den exotischeren Arten von Gladiatoren gehörten Männer, die mit Lassos kämpften, andere, die in leichten Streitwagen durch die Arena fuhren, und ein Kämpfer namens Schere, dessen Arm in einem Metallrohr mit einer halbkreisförmigen Schneideklinge steckte...

Manchmal kämpften Gladiatoren gegeneinander, manchmal kämpften sie gegen wilde Tiere. Gelegentlich wurde eine Arena mit Wasser gefüllt und eine Miniatur-Seeschlacht durchgeführt.

Kennt ihr die wichtigen Erfindungen der Römer, die bis heute eine große Rolle spielen?

Der Aufstand der Gladiatoren

73 v. Chr. überredete Spartacus, der unter den Römern als Soldat gedient und unter nicht geklärten Bedingungen versklavt und schließlich zum Gladiator ausgebildet wurde, 70 seiner Kameraden, aus der Ausbildungsschule auszubrechen: Sie attackierten die Wachen, konnten entkommen und lagerten auf dem Vesuv. Andere Sklaven und einige freie Männer gesellten sich zu ihnen. Bald führte Spartacus etwa 70.000 Männer. Er blieb drei Jahre lang auf freiem Fuß - eine Schmach für die Römer, deren besten Truppen von einer Gruppe von Sklaven und Armen geschlagen wurden. Schließlich schlugen die Römer Spartacus' Armee. Spartacus wurde getötet und etwa 6.000 Männer entlang der Straße zwischen Rom und Papua gekreuzigt - eine Mahnung für andere mutmaßliche Rebellen. 

Weibliche Gladiatoren

Die überwiegende Mehrheit der Gladiatoren waren Männer. Gladiatorinnen waren selten, aber es gab sie. Einige waren als Göttin Venus verkleidet und andere kämpften unter dem Deckmantel berühmter Kriegsfrauen aus Mythen wie den Amazonen. Eine Gladiatorin nannte sich Achillia, eine weibliche Version des größten griechischen Kriegers Achilles. Das Bild von Frauen, die in der Arena kämpften hatte eindeutig eine erotische Komponente, nicht zuletzt, weil weibliche Gladiatoren oben ohne kämpften. 

Gladiator zu vermieten

Jemand, der einen Gladiatorenkampf veranstalten wollte, konnte sich dafür Gladiatoren bei einer der Schulen mieten. Die Preise reichten von 1.000 Sesterzen für einen erstmaligen oder nicht sehr talentierten Gladiator bis zu rund 15.000 für einen erfahrenen Kampfveteranen. Für die berühmtesten Gladiatoren wurden gigantische Gebühren gezahlt, von denen angenommen wurde, dass sie 100.000 Sesterzen pro Auftritt betrugen. Ein seltsames Ritual war, dass in der Nacht vor dem Kampf alle gegnerischen Gladiatoren zusammen zu Abend aßen. Neugierige (oder sadistische) Fans bezahlten, um Zuschauer dieser Mahlzeiten zu sein.

Gladiatoren haben mit der Zeit nichts von ihrer Faszination verloren. Die Inkarnation der Gladiatoren im 21. Jahrhundert sind in "Die Tribute von Panem" zu sehen, wo junge Menschen gegeneinander antreten und bis zum Tod kämpfen. Wie ihr Lehrer erklärt: „Das Leben ist ein Spiel.“

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Bertine

Ich bin studierte Ethnologin und Politikwissenschaftlerin, schreibe leidenschaftlich gerne und interessiere mich besonders für Sprachen, fremde Kulturen, Geschichte und Handwerk.