Das Römische Reich war eine polytheistische Zivilisation, was bedeutet, dass die Menschen mehrere Götter und Göttinnen verehrten, trotz der späteren Präsenz monotheistischer Religionen im Reich wie Judentum und frühes Christentum.

Die Römer glaubten, dass diese Gottheiten eine Rolle bei der Gründung der römischen Zivilisation spielten und dass sie die Ereignisse im Leben der Menschen täglich mitgestalteten. Die Römer verehrten ihre Götter sowohl im öffentlichen Raum als auch in Privathäusern. Während der römische Staat den wichtigsten Göttern und Göttinnen huldigte, indem er öffentliche Gebäude und Brunnen mit ihren Bildern schmückte und ihnen Tempel baute, verehrten Familien zu Hause die Gottheiten ihrer Wahl.

Die Götter und Göttinnen der griechischen Kultur haben die Entwicklung der römischen Gottheiten und der Mythologie maßgeblich beeinflusst. Aufgrund der geografischen Lage Roms hatten die Bürger häufigen Kontakt zu den griechischen Völkern, die ihr Territorium auf die italienische Halbinsel und Sizilien ausgedehnt hatten.

Die Römischen Götter wurden stark von den Griechen beeinflusst
Die Griechen haben die Römer maßgeblich beeinflusst. | Quelle: Unsplash

Als die Republik und das römische Imperium an Bedeutung gewannen, besetzten die Römer griechische Gebiete und unterstellten sie der Verwaltung des römischen Staates. Die Römer übernahmen viele Aspekte der griechischen Kultur und passten sie leicht an ihre eigenen Bedürfnisse an. Zum Beispiel haben viele der Götter und Göttinnen der griechischen und römischen Kultur ähnliche Eigenschaften. Die Gottheiten wurden, wenig kreativ, lediglich umbenannt. Erst in den letzten Jahren des Imperiums wandten sie sich schließlich dem Christentum zu. Obwohl sie nach damaligen Maßstäben zutiefst religiös waren, näherten sich die alten Römer der Spiritualität und dem Glauben auf andere Weise als die meisten modernen Gläubigen. Im Gegensatz zu vielen monotheistischen Religionen, kümmerten sich die römischen Götter wenig um die Moral des römischen Volkes und erwarteten auch kein moralisches Verhalten von ihren Göttern. Bei den römischen Göttern ging es zu wie in Sodom und Gomora - Unordnung, Unmoral und Ausschweifung gehörten zur Tagesordnung. Deine Aufmerksamkeit ist geweckt? Hier sind sie also:

Die wichtigsten Götter der Römer

Der wichtigste Gott und die wichtigsten Göttinnen der römischen Kultur waren Jupiter, Juno und Minerva.

Jupiter stammt vom griechischen Gott Zeus ab. Er ist der oberste König aller Götter, Gott des Himmels und des Donners und der Schutzgott Roms. Jupiter war ein Sohn des Saturn; Bruder von Neptun, Pluto und Juno, deren Ehemann er gleichzeitig war. Die Römer glaubten, Jupiter überwache alle Aspekte des Lebens. Militärkommandanten huldigten Jupiter in seinem Tempel, nachdem sie einen Kampf gewonnen hatten.

Juno ähnelt der griechischen Göttin Hera insofern, als dass sie Frauen und alle Aspekte ihres Lebens besondere Aufmerksamkeit schenkt. Sie ist die Königin der Götter, Saturns Tochter, Frau und Schwester von Jupiter und die Schwester von Neptun und Pluto. Sie ist die Mutter von Juventas, Mars und Vulcan. Juno war die Schutzgöttin von Rom, wurde aber auch mit mehreren Beinamen zugeschrieben; unter ihnen Juno Sospita, Beschützer derer, die auf die Geburt warten; Juno Lucina, Göttin der Geburt; und Juno Moneta, die die Gelder Roms schützt. Die ersten römischen Münzen sollen im Tempel von Juno Moneta geprägt worden sein.

Minerva war die Göttin der Weisheit und des Handwerks. Sie wachte über Schulkinder und Handwerker wie Tischler und Steinmetze. Minerva ist das Äquivalent der Göttin Athena, der griechischen Göttin der Weisheit. Minerva wurde aus dem Kopf des Jupiter geboren, nachdem er ihre schwangere Mutter Metis verschluckt hatte, nachdem ihm gesagt worden war, dass das Kind, mit dem er sie geschwängert hatte, mächtiger sein könnte als er. Metis stellte in Jupiter Rüstungen und Waffen für ihre Tochter her, sodass der Gott verlangte, dass sein Kopf aufgespalten werde, um den Lärm zu beenden. 

Neptun (griechisch Poseidon) ist der Bruder von Jupiter, Pluto und Juno. Er ist der Gott des Wassers und der Meere, aber sich der Erdbeben, Hurrikane und Pferde. Neptun wird oft als alter Mann mit einem Dreizack dargestellt, der manchmal in einem von Pferden gezogenen Streitwagen über das Meer zieht.

Welche waren die wichtigsten Götter der Römer?
Neptun erkennt man immer: Er ist der Gott des Wassers und der Meere. | Quelle: Unsplash

Venus ist die Mutter des römischen Volkes, die Göttin der Liebe, der Schönheit, der Fruchtbarkeit, des Verlangens und des Wohlstands, genau wie ihr griechisches Gegenstück Aphrodite. Sie war jedoch auch die Göttin des Sieges und sogar der Prostitution und Patronin des Weins. Venus wurde aus dem Schaum des Meeres geboren, nachdem Saturn ihren Vater Uranus darin mit einer Sichel kastriert hatte. Der Samen aus dem abgeschnittenen Geschlechtsteil fiel ins Meer, dem bald darauf Venus entstieg. Venus hatte zwei Hauptliebhaber: Vulcanus, ihren Ehemann und Gott des Feuers und Mars. (Aber auch mit Adonis hatte sie eine Affäre, obwohl der als Sterblicher eigentlich unter ihrer göttlichen Würde war.)

Mars (Ares) ist der Sohn von Juno. Der berühmte römische Kriegsgott war auch Hüter der Landwirtschaft und Verkörperung von Männlichkeit und Aggression. Er war der Liebhaber vom Venus, die ihren Mann Vulcanus mit Mars betrug. Er ist der Vater von Romulus und Remus.

Apollo, der Bogenschütze, ist der Sohn von Jupiter und Latona, der Zwilling von Diana. Apollo war der Gott der Musik, der Heilung, des Lichts und der WahrheitApollo ist einer der wenigen römischen Götter, die den gleichen Namen wie sein griechisches Gegenstück behalten hatten. Kaiser Konstantin soll Apollo in einer Vision begegnet sein. Der Kaiser benutzte den Gott bis zu seiner Bekehrung zum Christentum als eines seiner Schlüsselsymbole.

Diana, griechisch Artemis, ist die Tochter von Jupiter und Latona und Zwilling von Apollo. Diana ist die Göttin der Jagd, des Mondes und der Geburt. Für einige galt Diana auch als Göttin der unteren Klassen, insbesondere der Sklaven.

Vulcanus (gr. Hephaistos) ist der  Gott des Feuers, der Vulkane, der Metallarbeiten und der Schmiede und Hersteller der Waffen der Götter. Vulcanus war ein hässliches Baby und weil er außerdem die ganze Zeit schrie, warf ihn seine Mutter Juno wütend vom Himmel auf die Erde. Versteckt am Fuße eines Vulkans lernte er sein Handwerk und den Umgang mit Feuer und Metall. Für seine Mutter fertigte er einen goldenen Thron, in den jedoch eine Falle eingebaut war: Sobald sich Juno auf den Thron setzte, wurde sie von unsichtbaren Fesseln umwickelt. Erst als sie Vulcanus versprach, dass er wieder in den Kreis der Götter aufgenommen würde, befreite er sie. Sein Vater Jupiter bot ihm ausserdem Venus als Ehefrau an, als Gegenleistung für Junos Freiheit. Wie bereits erwähnt, betrog Venus Vulcanus häufig, unter anderem mit Mars. Es wird gesagt, dass Vulcanus eine Schmiede unter dem Ätna hatte und dass der Vulkan immer dann ausbrach, wenn seine Frau untreu war. (Allerdings hatte auch Vulcanus mindestens vier Kinder mit anderen Frauen.) Deshalb befanden sich die Tempel von Vulcan auch im Allgemeinen außerhalb der Städte.

Eine weitere wichtige Göttin ist die keusche Vesta (griechisch Hestia), die Göttin des Herdes, des Hauses und häuslichen Lebens. Sie ist eine Tochter von Saturn und Ops und eine Schwester von Jupiter, Juno, Neptun und Pluto.

Diana war bei den Römern die Göttin der Jagd
Diana, Göttin der Jagd. | Quelle: Unsplash

Merkur (Hermes) ist der Sohn von Maia und Jupiter, der Gott des Profits, des Handels, der Beredsamkeit, der Kommunikation, des Reisens, des Betrugs und der Diebe.

Ceres (Demeter) ist die ewige Mutter. Sie ist die Tochter von Saturn und Ops und Göttin der Landwirtschaft und des Getreides. Es wird vermutet, dass der Zyklus der Jahreszeiten mit Ceres' Stimmung zusammenfiel. Die Wintermonate waren die Zeit, in der ihre Tochter Proserpina gezwungen war, mit Pluto in der Unterwelt zu leben, nachdem sie vom Granatapfel, der Frucht der Unterwelt, gegessen hatte. Ceres' Glück über die Rückkehr ihrer Tochter ließ Pflanzen im Frühling und Sommer spriessen.

So wie die Griechen die römische Kultur beeinflussten, inspirierten die Römer die kulturelle Entwicklung späterer Zivilisationen. Sicher ist Dir schon aufgefallen, dass viele der Planeten in unserem Sonnensystem nach römischen Gottheiten benannt sind?

Rom hatte aber auch einige eigene Götter und Göttinnen, deren Ursprünge nicht auf die griechische Kultur zurückführen. Zum Beispiel war Janus ein Gott mit zwei Gesichtern, der den Geist von Passagen wie Türen und Toren repräsentierte. Es wird angenommen, dass der Monat Januar nach Janus benannt ist. Janus' Sohn war Tiberinus, der Gott des Tiber, der durch die Stadt Rom fließt.

Wusstest Du übrigens, dass wir wir viele geniale Erfindungen der Römer bis heute in unserem Alltag verwenden?

Die Erschaffung der Stadt Rom

Nach der römischen Mythologie waren die Götter an der Gründung der Stadt Rom selbst beteiligt. Mars, der Kriegsgott, und eine Vestalin namens Rhea Silvia waren die Eltern der Zwillinge Romulus und Remus. Vestalinnen wäre Priesterinnen, die nicht heiraten oder Kinder gebären durften, sondern ihr Leben dem Dienst an Vesta, der Göttin von Heim und Herd, zu widmen hatten.

Es wird gesagt, dass König Amulius befahl, die Zwillinge in den Tiber zu werfen, um Rhea Silvia dafür zu bestrafen, dass sie ihr Zölibatsgelübde gebrochen hatte. Zum Glück wurden die Jungen von einer Wolfsmutter aus dem Fluss gerettet. Sie half, sie aufzuziehen, bis ein Paar sie adoptierte.

Als die Jungen erwachsen waren, entthronten sie König Amulius und gründeten eine neue Stadt. In einem späteren Streit über die Stadt tötete Romulus jedoch seinen Bruder Remus. Romulus, wenig bescheiden,  benannte die Stadt nach sich selbst: Rom.

Die Anwesenheit und der Einfluss von Göttern und Göttinnen waren integraler Bestandteil des Alltags im Römischen Reich. Die Römer bauten ihren Göttern Tempel und organisierten neben den bekannten Gladiatorenspielen Rituale und Feste, um sie zu ehren und zu feiern. Jegliche günstigen oder ungünstigen Vorkommnisse des Lebens wurden auf die Stimmung der Götter zurückgeführt, so dass die Menschen den Göttern ebenfalls zum Dank oder zum Versuch, ihre Gemüter zu besänftigen, Opfer darbrachten.

Heute können wir noch immer Spuren der römischen Götter und Göttinnen in den Artefakten und der Kunst der römischen Zivilisation erkennen. Die Schnitzereien von Janus sind noch erhalten, und Wasser sprudelt aus Statuen von Neptun in den Stadtbrunnen. Die Mythologien um diese Gottheiten bieten uns Einblicke in das Leben der alten Römer vor über 2.700 Jahren.

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Bertine

Ich bin studierte Ethnologin und Politikwissenschaftlerin, schreibe leidenschaftlich gerne und interessiere mich besonders für Sprachen, fremde Kulturen, Geschichte und Handwerk.