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Nähen lernen: So fertigst Du Dein eigenes Schnittmuster an

Von Florence, veröffentlicht am 27/09/2019 Blog > Kunst & Freizeit > Nähen und Stricken > Nähen für Anfänger: Wie erstellt man ein Schnittmuster?

Eine Studie über das deutsche Konsumverhalten hat ergeben: “Fast drei Millionen Menschen in Deutschland stricken, häkeln oder nähen mehrmals in der Woche, rund 6,7 Millionen mehrmals im Monat.”

Eins ist klar: Bisher sind es immer noch mehr Frauen als Männer, die nähen. Nähen wird als sehr feminin gesehen.

Dabei ist Nähen eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die es lohnt gelernt zu werden, egal ob Du ein Mann oder eine Frau bist!

Das Zukunftsinstitut hat herausgefunden: Die Motivation für das Nähen speist sich nicht mehr aus der gleichen Quelle. Früher ging es um Subsistenz und Notwendigkeit. Heute geht es um Individualität. Der Soziologe Christian Rauch nennt das „Selfmade Luxus“ .

Wenn Du Übung hast und schon einige Jahre mit dabei bist, fällt Dir das Nähen sicherlich nicht mehr allzu schwer. Für Anfänger/innen ist das schon wieder ganz anders.

Du hast nun schon eine Hose gekürzt und einige Dinge genäht, ein Sommerkleid, kleine Tops, einen Strandsack, einen Rock… Dank des Nähunterrichts online hast Du viel gelernt. Nun möchtest Du aber einen Schritt weiter gehen.

Du kannst nämlich noch mehr dazu lernen und wer weiß, vielleicht wirst Du ja Schneider/in!

Wenn du mit dem Nähen anfängst, machst Du Deine ersten Schritte meist mit Näh-Kits, dann reicherst Du Deine Nähbox nach und nach mit neuem Material und Zubehör an, Du lernst Stoffe kennen und wie man mit einer Nähmaschine umgeht.

Ein wichtiger Schritt nach vorne ist es, wenn Du Dein eigenes Schnittmuster anfertigst.

Kennst Du Schnittmusterbogen? So sah ein Schnittmusterbogen für Mädchenwäsche um 1900 aus. | Quelle: Wikimedia Commons

Ob Du nun ein Kleid für deine kleine Nichte oder eins für Deine beste Freundin schneidern willst, eine Hose für Dich selbst oder einen Kopfkissenbezug entwerfen willst… In jedem Fall brauchst Du eins: das Schnittmuster!

Ohne Schnittmuster kannst Du weder Kleid, noch Rock, noch Shorts oder weitere schöne Kleiderträume entwerfen.

In diesem Artikel werde ich Dir erklären, wie Du Dein eigenes Schnittmuster anfertigst und so Deine Traumkleidung nähen kannst.

Dieses Material brauchst Du für ein Schnittmuster

Wenn Du Dein eigenes kostenloses und individuelles Schnittmuster entwerfen willst, brauchst Du unterschiedliche Tools, die ich Dir hier vorstellen werde.

Wer sein eigenes Schnittmuster herstellen will, muss nicht nur präzise und detailverliebt, sondern auch gut ausgestattet sein!

Weißt Du, welches Material Du zum Nähen brauchst? Maßband, Schere, Faden und Stoff, alles was Du zum Nähen brauchst! | Quelle: Pexels

Fangen wir mit den Grundlagen an. Es gibt fünf Basis-Tools:

  • Ein Lineal,
  • Ein Stift,
  • Tesafilm,
  • Ein Druckbleistift (feine Mine),
  • Eine Papierschere.

Hier erfährst Du, wie Du Deine Nähnadeln aussuchst.

Vom Papier zum Schnittmuster

Um es Dir einfacher zu machen, solltest Du Dein Muster erst einmal auf Papier zeichnen.

Schnittmusterpapier kannst Du bei allen Näh- oder Stoffläden kaufen. Falls es bei Dir in der Nähe keine gibt, kannst Du es Dir auch im Internet bestellen.

Das Papier wird in Rollen verkauft, die etwa 10 bis 15 Meter lang sind und die abhängig von den Händlern (mtstofferie.de, buttinette.com, stoffe.de, stoffkontor.eu z.B.) zwischen 4,90 € und 9,90 € kosten.

Das Papier kann aus unterschiedlichen Materialien bestehen: weißes Papier, kariertes Papier, Seidenpapier, Kraftpapier… Aber ganz egal aus welchem Material das Papier ist, es sollte in jedem Fall durchsichtig genug sein, um nachher damit durchpausen zu können.

Das japanische Schneiderlineal

Dieses Lineal ist sehr biegsam und praktisch. Du kannst damit jeden Millimeter Deines Stoffumrisses nachzeichnen und es passt sich auch in die Kurven des Stoffes ein.

So ein Lineal ist in der Regel 50cm mal 5cm groß, und ist auf seiner gesamten Oberfläche quadriert. So kannst Du Deine Stoffe millimetergenau nachmessen.

Der Zirkel

Wie im Matheunterricht auch, ist es beim Nähen wichtig gute rechte Winkel hinzubekommen. Das lernst Du auch in jedem Nähkurs Berlin!

Das Kurvenlineal

Mit solch einem Lineal kannst Du die natürlichen Kurven und Rundungen des menschlichen Körpers nachzeichnen. Frei Hand ist das nämlich gar nicht so einfach!

Kennst Du Burmester-Schablonen? Die Burmester Schablonen erleichtern jedem/r Schneider/in das Leben. | Quelle: Wikimedia Commons

Für den oder die Schneiderin ist solch ein Kurvenlineal unabdinglich. Nur so kann er/sie schnell und präzise arbeiten.

Wie viel kostet das?

Auf Amazon kannst Du ein komplettes Burmester Kurven-Set (mehrere Kurvenlineale) für ca 7 € kaufen. Es gibt teurere Investitionen!

Das Kopierrädchen

Das Kopierrädchen ist ein Zahnrädchen mit spitzen Zacken, das durch eine Metallgabel an einem Holzgriff befestigt ist. Mit diesem Werkzeug kannst Du Dein Schnittmuster auf neutrales Papier übertragen.

Mit diesem Rädchen fährst Du die Konturen Deines Schnittmusters ab. Auf dem darunter gelegten Papier erscheint dann die Kontur als Perforation.

Wofür braucht man das überhaupt? Auf Schnittmusterbögen sind aus Platzgründen meist mehrere Schnitte untergebracht. Damit man mit einem einzelnen Schnittmuster arbeiten kann, muss es also erst einmal auf ein anderes Papier übertragen werden.

Es gibt mehrere Modelle, die Kosten betragen in der Regel zwischen 1,90 € und 9,90 €.

So. Nun hast Du alles, um mit Deinem Schnittmuster anzufangen.

Wie nimmst Du die Maße?

Du arbeitest nicht mit einem alten Schnittmuster und hast auch kein Kleidungsstück, das noch getragen wird? Bevor Du Dein neues Schnittmuster zeichnen kannst, musst Du also erst einmal die Maße nehmen!

Weißt Du wie man Körpermaße misst? Was sollen die Maße Deines Kleides werden? | Quelle: Pexels

Ihr müsst zu zweit sein: Eine Person misst die andere. Die Person, die gemessen wird, sollte gerade stehen, barfuß sein und die Arme entlang des Körpers hängen lassen.

So nimmt Du die Maße einer Frau:

  1. Markiere die Taille mit einem Geschenkband,
  2. Mache das gleiche beim Becken (unter den Hüften),
  3. Halte Dich auf Schulterhöhe der Frau,
  4. Male mit einem Stift eine kleine Markierung am Halsbeginn (unten) und am äußeren Rand der Schulter,
  5. Halte das Maßband schön gerade wenn Du den Umfang der Brust, Taille und des Beckens mißt,
  6. Miss nun von der Taillenmarkierung bis zur Beckenmarkierung,
  7. Miss den Abstand vom Hals bis zur Taille auf der vorderen und auf der hinteren Körperseite,
  8. Miss die Rückenbreite auf Höhe der Schulterblätter und auf Höhe der Brust,
  9. Miss die Tiefe des Ausschnitts, die Höhe der Arme (von den Achseln bis zur Taille).

Bei einem Mann funktioniert das Messen genauso!

So, da wären wir: Nun kannst Du das Schnittmuster für Deinen Rock, Kleid, Deine Hose oder Deine Traumhandtasche selbst anfertigen.

Mit diesen Techniken fertigst Du ein Schnittmuster an

Sein eigenes Schnittmuster herzustellen, ist eine knifflige Angelegenheit. Wenn Du der richtigen Methode folgst, ist es jedoch möglich.

Also, Du hast das Material und Du hast die Maße. Wie fertigst Du nun Dein Schnittmuster an?

Nutze ein schon fertiges Schnittmuster als Grundmodell

Wenn Du gerade erst mit dem Nähen anfängst, kannst Du ein Schnittmuster benutzen, das schon fertig ist. Das ist einfacher!

Du brauchst dieses Schnittmuster dann nur an Deine Maße anzupassen: Adaptiere die Längen, vergrößere oder verkleinere die Rückenbreite, füge einen Ausschnitt hinzu, vergrößere die Taille…

Nimm ein Kleidungsstück und kopiere es

Fast jeder Mensch hat ein oder zwei Kleidungsstücke im Schrank hängen, die er andauernd anzieht. Diese Lieblingsstücke, ob es nun ein Pulli oder eine Hose, oder auch ein Kleid ist, kannst Du kopieren.

Hast Du schon einmal Stoffmuster geschnitten? So schneidet man den Stoff mit Hilfe der Schnittmuster. | Quelle: Wikimedia Commons

Das machst Sinn, denn das viele tragen wird diese Kleidungsstücke wahrscheinlich schneller abnutzen. Und wer will schon seine Lieblingsjeans missen?

Und so funktioniert das: Du legst Dein Top, Deinen Rock oder T-Shirt flach auf Schnittpapier und klemmst die Extremitäten des Stückes am Papier fest.

Dein Nr.1 Feind in dieser Phase: Die Falten! Versuche jegliche Falte zu glätten.

Nun brauchst Du nur noch die Konturen Deines Kleidungsstück auf das Schnittpapier einzuzeichnen.

Mach ein Schnittmuster nach Maß

Wie geht das?

In dem Du die vorher gemessenen Maße auf das Schnittpapier überträgst. So erhält der/die Schneider/in ein personalisiertes Schnittmuster, das genau auf die Maße einer bestimmten Person zutrifft.

Das verlangt jetzt eine wahre Präzisionstechnik. Denn der kleinste Fehler wird sich stark auf das Endresultat auswirken und zu einem suboptimal passenden Kleidungsstück führen.

Nutze eine personalisierte Schneiderbüste

Es gibt eine Methode, die etwas komplexer ist und eher etwas für erfahrenere Näher/innen ist: direkt auf der Schneiderbüste nähen. Das befreit die Kreativität!

Zuerst wird dank 3D-Body-Scan eine Schneiderbüste nach den Maßen einer bestimmten Person angefertigt. Natürlich der Person, die später das Kleidungsstück tragen soll! Diese Methode wird oft bei maßgeschneiderten Männeranzügen genutzt.

Dein Nähniveau muss hier schon ziemlich gut sein. Denn Du legst Stoff direkt auf die Büste und passt ihn so den Formen eines bestimmten Individuums an. Das Schneiden und Feststecken, alles passiert direkt auf Schneiderbüste.

Wenn die maßgeschneiderte Puppe gut war, wird der/die Schneider/in mit dem markierten Stoff die Maße auf Schnittmusterpapier übertragen können und so ein finales Schnittmuster erhalten.

Allerdings: Nicht jede/r hat die nötigen Tools um einen Body-Scan zu machen und eine Schneiderpuppe anzufertigen. Man kann sie sich auch bestellen (das kostet jedoch um die 140 € bis 150 €).

Darauf solltest Du bei der Schnittmuster Anfertigung achten

Ein Schnittmuster für eine Tasche ist nicht das gleiche wie ein Schnittmuster für ein Portemonnaie oder ein Korsett. Die Grundprinzipien sind jedoch die gleichen. Wenn Du sie gut beachtest, wird das Nähen nachher leichter.

Hast Du schon eine Näh-Box? Desto länger die Näh-Leidenschaft währt, desto mehr Material wirst Du haben! | Quelle: Visualhunt

Bevor Du mit Deiner Nähschere die Umrisse Deines zukünftigen Schnittmusters genau ausschneidest, solltest Du einen 1cm Rand lassen.

Warum?

So rechnest Du den Platz für die Nähte ein. Denn die Nähmaschine soll beim Nähen ja nicht die gedachte Oberfläche des Kleidungsstückes verkleinern.

Anschließend überprüfst Du die geraden Winkel.

Schnittmuster haben meist viele gerade Winkel: Die Winkel am unteren Hosensaum, an der Taille oder am Armausschnitt…

Wenn die Winkel nicht gerade sind, werden die geraden Linien des Kleidungsstückes verbogen, was zu einer eigenartigen Sitzweise führen kann.

Du solltest auch darauf achten, dass Du die Spitzen und die Falten gut markiert hast.

Damit Du Dich auch nicht verzettelst, solltest Du den Namen der Person auf das Schnittmuster schreiben, am besten auf dem Rückenteil, dem Oberkörper- und Beckenteil.

Wir raten Dir, das Schnittmuster gleich irgendwo aufzuhängen, auf einer Stuhllehne oder an die Wand, damit Du auch schön organisiert bleibst.

Geschafft! So schwierig war das doch gar nicht. Und nun kannst Du Dich nach weiteren Nähkursen in Frankfurt, oder Schnittmusterkursen in Hamburg umschauen!

Hier erfährst Du auch was Du mit Deinen Stoffresten machen kannst…

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