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So könnt Ihr als Deutsche in Frankreich Arbeit finden

Von Tobias, veröffentlicht am 14/09/2018 Blog > Sprachen > Französisch > Arbeiten in Frankreich: Was Ihr als Deutsche wissen müsst

Als Deutsche/r müsst Ihr einige administrative Schritte durchlaufen, damit Ihr nach Frankreich ziehen und dort eine Arbeit finden könnt.

Da Deutschland genau wie Frankreich Mitglied der EU ist, werdet Ihr dabei aber vor keine größeren Probleme gestellt!

Natürlich ist eine Grundvoraussetzung, dass Ihr ein einigermaßen sicheres Französisch-Niveau vorzuweisen habt.

Und es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Arbeitsmarktsituation in Frankreich aktuell weniger attraktiv ist als die in Deutschland.

Mit einer Arbeitslosenquote von ca. 9% ist die Jobsuche in unserem Nachbarland etwas angespannter als hierzulande.

Dennoch bleibt Frankreich ein tolles Land und gerade für Menschen wie Euch, die eine andere Sprache sprechen, gibt es immer wieder Mittel und Wege, um in Frankreich eine lukrative Anstellung zu bekommen.

Wir zeigen Euch in diesem Artikel, was Ihr beachten müsst, wenn Ihr in Frankreich einen Job finden wollt!

Als Deutscher in Frankreich arbeiten – so geht’s!

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) ist eine vertiefte Freihandelszone zwischen der Europäischen Union und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA).

Ingesamt umfasst er 31 Staaten:

  • Die 28 EU-Mitgliedsstaaten
  • Island
  • Norwegen
  • Liechtenstein

Dieses wirtschaftliche Bündnis zielt darauf ab, die Zirkulation von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen innerhalb der Mitgliedsstaaten zu vereinfachen.

Auch für Euch als Deutsche gilt damit also absolute Freizügigkeit innerhalb der 31 Staaten! Das bedeutet auch, dass Ihr freien Zugang zum französischen Arbeitsmarkt habt.

Egal, ob als Angestellte/r oder in  einer selbstständigen Tätigkeit: Ihr habt als Deutsche in Frankreich die gleichen Voraussetzungen wie die Franzosen selbst.

Macht Euch keine Sorgen, in Frankreich gibt es keine Barrieren im Arbeitsmarkt! In Frankreich seid Ihr als Deutscher mit den Franzosen gleichgestellt! | Quelle: Pixabay

Einige Bedingungen betreffend öffentlicher Stellen oder reglementierter Posten müssen dennoch beachtet werden. So könnt Ihr als Deutscher natürlich nicht französischer Staatspräsident werden. 😉

Um in Frankreich zu arbeiten, benötigt Ihr zunächst nur Euren gültigen Ausweis oder Reisepass.

CAF / Wohngeld in Frankreich

Wer in Frankreich eine Wohnung sucht, der wird, besonders in den großen Städten wie Paris, ein wenig überrascht von den relativ hohen Mietpreisen sein.

In Paris kostet eine 1-Zimmer-Wohnung (rund 20-25 qm) schon mal 800-1000 Euro! Gerade für Geringverdiener ist das keine Selbstverständlichkeit!

Aber keine Angst, denn Ihr bekommt Unterstützung vom französischen Staat.

Und zwar in Form der „Caisse d’allocations familiales“ (CAF), der französischen Familienkasse. Diese staatliche Einrichtung ist Teil des französischen Sozialsystems und unterstützt Menschen mit geringem Einkommen.

Die Chancen auf Wohngeld stehen selbst für Nicht-Franzosen gut. Da wird kein Unterschied gemacht. Es kommt eigentlich nur auf Deine Einnahmen und die Höhe Eurer Miete an.

Die auszufüllenden Formulare sind teilweise etwas unübersichtlich, Ihr braucht allerlei Dokumente wie z.B.:

  • Den Nachweis einer Krankenversicherung,
  • Eure internationale (!) Geburtsurkunde (gibt es in Deutschland glücklicherweise für wenig Geld, einfach beim Standesamt Eures Geburtsorts nachfragen),
  • Eine Mietbestätigung Eures Vermieters,
  • Euren Arbeitsvertrag,
  • etc.

Jede Stadt in Frankreich hat seine eigene CAF, daher solltet Ihr Euch am besten vor Ort einmal vorab informieren, damit Eure Unterlagen nicht unvollständig eintreffen!

Krankenversicherung in Frankreich

Die Krankenversicherung gehört in Frankreich zu den Pflichtversicherungen. Dies gilt sowohl für Arbeitnehmer wie auch für Selbstständige.

Wer eine Arbeitsstelle antritt, wird durch seinen Arbeitgeber automatisch bei der nationalen Krankenversicherung angemeldet.

Daneben gibt es noch spezielle Krankenkassen für Selbstständige, Landwirte oder Eisenbahner.

Im Unterschied zu Deutschland werden ärztliche Leistungen nicht direkt von der Krankenversicherung übernommen.

Es gilt das sogenannte „Kostenerstattungsprinzip„. Man legt die Leistung aus und fordert das Geld dann im Nachhinein von der Krankenkasse zurück.

Dabei sind die Selbstbeteiligungsraten im Vergleich zu Deutschland sehr hoch! In vielen Fällen werden nur rund 75 Prozent der Kosten von der Kasse übernommen. Viele Franzosen legen sich deshalb noch ein zweite, private Krankenversicherung (sog. „mutuelle“) zu.

Mittlerweile ist es für Unternehmen übrigens Pflicht, ihren Mitarbeitern eine „mutuelle“ (Zusatzversicherung) anzubieten, wobei die Hälfte des monatlichen Beitrags vom Arbeitgeber und die andere Hälfte von Euch als Arbeitnehmer getragen wird.

Eine „mutuelle“ kann sehr interessant sein, da diese (im Vergleich etwa zu deutschen Zusatzversicherungen) eine ganze Menge Leistungen übernehmen!

Französisches Arbeitsrecht

Das französische Arbeitsrecht gewährt dem Arbeitnehmer einen noch höheren Schutz als das deutsche Recht. Das liegt unter anderem an der Stärke der französischen Gewerkschaften.

Wer in Frankreich einen Arbeitsvertrag unterschreibt, sei er Franzose oder nicht, für den gelten zwingend die französischen unabdingbaren Schutzvorschriften (ordre public), wie z.B. die Vorschriften über die Arbeitszeit oder den Kündigungsschutz zugunsten des Arbeitnehmers.

In Frankreich wird unterschieden zwischen dem unbefristeten Arbeitsvertrag (CDI) und dem befristeten Arbeitsvertrag (CDD).

Aufgrund der brisanten Wirtschaftslage versuchen heute immer mehr Unternehmen, CDDs zu unterschrieben, da sie so die äußerst strengen Auflagen des Kündigungsschutzes für unbefristete CDIs umgehen können. Das ist aber nur unter bestimmten Auflagen möglich!

Es gibt verschiedene Vertragsformen in Frankreich Welche Art von Vertrag Ihr unterschreibt, solltet Ihr Euch vorher gut überlegen! | Quelle: Pixabay

Urlaubstage sind entweder tariflich geregelt, oder summieren sich auf 25 Tage.

In Frankreich gilt zudem die 35-Stunden Woche! Diese Regelung gilt für alle Arbeitnehmer in Frankreich, außer für Arbeitnehmer mit besonderen Arbeitsbedingungen, bzw. leitende Angestellte oder Arbeitnehmer in besonderen Berufen.

Der Mindestlohn (SMIC) liegt in Frankreich bei knapp 10 Euro pro Stunde, also über dem deutschen Pendant. Mit 2.864 € / Monat liegt das durchschnittliche Brutto-Einkommen jedoch unter dem deutschen.

Ihr seht schon, das französische Arbeitsrecht weicht recht stark vom deutschen ab. Am besten informiert Ihr Euch noch einmal ausführlicher, bevor Ihr Euch für eine Stelle in Frankreich entscheidet!

Als Student in Frankreich arbeiten

Wenn Ihr in Frankreich studiert, dann könnt Ihr als Deutscher Arbeit und Studium vereinen. Als deutscher Student habt Ihr freien Zugang zum französischen Arbeitsmarkt!

Ihr seid beschränkt auf 884 Stunden pro Jahr, könnt aber in den Semesterferien durchaus Vollzeit arbeiten.

Warum nicht in einem kleinen Café in Paris oder Lyon jobben?

Die Tatsache, dass Ihr Deutsch (und wahrscheinlich Englisch) sprecht, ist ein gutes Verkaufsargument! Denn jedes Jahr kommen rund 13 Millionen Deutsche Touristen ins westliche Nachbarland!

Wer in Frankreich als Kellner arbeitet, der kann seine Sprachkenntnisse für Touristen einsetzen Als Kellner oder in einem Hotel kommen Eure Deutsch-Kenntnisse ideal zur Geltung! | Quelle: Pixabay

Ein Praktikum in Frankreich absolvieren

Heutzutage ist es ja schon fast Normalität, im Zuge seines Studiums auch ein oder mehrere Praktika mit einzubauen.

Gerade in Frankreich sind Praktikanten sehr geschätzt, da Unternehmen so das strenge französische Arbeitsrecht umgehen können und gleichzeitig einen motivierten und günstigen Mitarbeiter gewinnen.

In Frankreich gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, ein Praktikum zu absolvieren:

  • Im Rahmen einer Ausbildung
  • Als Pflichtpraktikum während des Studiums
  • In einem öffentlichen Krankenhaus

Bei der Suche nach einem Praktikum in Frankreich gibt es nicht nur organisatorische Hürden zu meistern.

Vor allem die bürokratischen Regeln und rechtlichen Bedingungen sind im Nachbarland in vielerlei Hinsicht andere als in Deutschland, wenn es beispielsweise um das Abschließen einer Praktikumsvereinbarung oder die Vergütung geht.

Um in Frankreich ein Praktikum absolvieren zu können, benötigt Ihr eine „Convention de Stage„, die Ihr von Eurem Ausbilder oder Eurer Universität ausgestellt bekommt.

Diese wird von den drei Parteien (Euch, dem Arbeitgeber und der Uni) unterschrieben und dient dann gewissermaßen als Praktikumsvertrag.

Was aber, wenn Ihr auf keiner Universität eingeschrieben seid und keine Ausbildung durchlauft?

Auch dann ist ein Praktikum in Frankreich möglich! Wendet Euch hierfür an das Deutsch-Französische Jugendwerk.

Das Programm PRAXES richtet sich an junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland, die unabhängig von ihrer Ausbildung oder von ihrem Arbeitsverhältnis ein freiwilliges Auslandspraktikum in Frankreich absolvieren möchten.

Alle Praktika, die länger als 2 Monate dauern, müssen in Frankreich monatlich vergütet werden. Die Minimalvergütung liegt bei 3,60€ pro Stunde.

Als Deutscher in Frankreich ein Unternehmen gründen

Selbst den Franzosen graut es vor der umständlichen Bürokratie in ihrem Land. Als Deutscher ist das dann natürlich noch einmal eine Stufe schwieriger.

Ohne auf die Strenge, Langsamkeit oder Freundlichkeit, die manchmal an die einer Gefängnistür grenzt, einzugehen, ist es in Frankreich wirklich kein Zuckerschlecken, ein Unternehmen zu gründen.

Zunächst einmal sollte man wissen, dass man als Firmengründer in Frankreich einen besonderes Status erhält, der von dem einen Investoren abweicht.

Denn als ausländischer Geldgeber wird man in Frankreich aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise mit offenen Armen empfangen.

Als ausländischer Investor kann man in Frankreich in verschiedene Rechtsformen / Kapitalgesellschaften einsteigen:

  • SAS
  • SASU
  • SARL
  • oder EURL

Auch wenn die Europäische Union in Frankreich immer wieder im Zentrum der Kritik steht, so hilft sie Euch als Deutschen doch dabei, Euch im Land des Käses und des Weins mit einer selbstständigen Aktivität niederzulassen.

Als Selbstständiger hat man in Frankreich keinen leichten Stand Habt Ihr ein spannendes Projekt geplant? Warum es nicht mal in Frankreich versuchen? | Quelle: Pixabay

Als Angehöriger eines Mitgliedslandes des ERWs habt Ihr gewissermaßen die gleichen Voraussetzungen wie ein Franzose.

Erste Anlaufstelle sind die „Centres de Formalités des Entreprises“, kurz CFE. So heißen die Gründungszentren an den französischen Handelskammern.

Hier muss jeder Unternehmer seinen Betrieb anmelden.

Die CFE sind gleichzeitig auch eine gute Anlaufstelle für alle individuellen Fragen zur Unternehmensgründung. Dafür benötigt Ihr zunächst nur Euren Personalausweis!

Da jede Gründung ein Fall für sich ist, möchten wir hier nicht näher auf alle Einzelheiten eingehen. Lasst Euch vor Ort beraten und Euch vom bürokratischen Dschungel Frankreichs nicht entmutigen!

Wir hoffen, dass Euch unser Überblick über die Möglichkeiten, in Frankreich eine Arbeit zu finden, behilflich sein konnte!

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