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So verhalten sich die Franzosen im Berufsalltag

Von Lea, veröffentlicht am 29/09/2018 Blog > Sprachen > Französisch > Arbeiten in Frankreich: Die wichtigsten Unterschiede in der Mentalität

Viele Deutsche entscheiden sich dafür, nach Frankreich zu ziehen und dort zu arbeiten.

Und dazu haben wir viele Gelegenheiten, denn die deutsch-französische Freundschaft wird von unseren beiden Staaten gewaltig unterstützt.

Mehr als 2500 deutsche Firmen haben eine Dependance in Frankreich, die meisten davon in Paris oder Straßburg.

Aber auch in französischen oder anderen internationalen Unternehmen habt Ihr natürlich die Chance, ein Praktikum zu machen oder dort einen unbefristeten Job, auf Französisch CDI (Contrat à durée indéterminée), zu finden.

Allerdings gibt es trotz der geographischen und politischen Nähe zu Frankreich einige große Unterschiede, was den Alltag im Beruf angeht.

Mit einem Kulturschock kann es Euch in den ersten Wochen sehr schwierig fallen, Euch in das Unternehmen in Frankreich zu integrieren und dort Euren Platz zu finden.

Damit Euch das erspart bleibt, geben wir Euch jetzt einen Überblick über die französische Arbeitsphilosophie. So könnt Ihr Euch schon einmal auf den Arbeitsalltag in Frankreich einstellen.

Das französische Savoir-vivre auf der Arbeit erleben

Wir als Deutsche haben ja bekanntlich den Ruf, sehr streng und diszipliniert bei der Arbeit zu sein. In Frankreich sieht das jedoch ein bisschen anders aus …

Die Franzosen sind dafür bekannt, dass sie es sich gerne gut gehen lassen. „Leben wie Gott in Frankreich“ – gilt das auch auf der Arbeit?

Tatsächlich geht es im französischen Berufsalltag häufig eher gelassen zu. Die Franzosen lassen sich sehr gerne Zeit bei der Arbeit und bei einzelnen Aufgaben.

Darauf müsst Ihr Euch also unbedingt einstellen, bevor Ihr zum Arbeiten nach Frankreich geht.

Eine Mittagspause in Frankreich kann bis zu 1,5 Stunden dauern, die Franzosen gehen auch gerne mittags ins Restaurant.

Dafür gibt es in den meisten Betrieben die Ticket Resto, eine Art Scheck für Restaurants, mit dem Ihr einen Großteil des Mittagessens bezahlen könnt.

Mit der Arbeit geht es häufig ins Restaurant. Schon in der Mittagspause wird in Frankreich häufig reichlich gegönnt. | Quelle: Pixabay

Zudem arbeitet man in Frankreich im Durchschnitt weniger Stunden pro Woche als in Deutschland. Gesetzlich sind 35 Stunden die Woche vorgeschrieben, in Deutschland arbeiten wir meist 40 Stunden.

Der Mindestlohn in Frankreich liegt übrigens bei 9,88€ pro Stunde.

Im Gegensatz zu der eher entspannten Organisation der Arbeit können jedoch Hierarchien in Frankreich sehr wichtig sein.

Wie schon bei der Bewerbung auf Französisch ist also Respekt oberstes Gebot und der Vorgesetzte hat grundsätzlich immer Recht.

Für Deutsche kann das manchmal etwas schwierig sein, denn wir sind eher eine lockere Rangfolge und ein Arbeiten miteinander gewöhnt, bei dem jeder seine Ideen gleichwertig einbringen kann.

In Frankreich gibt der Chef eine Strategie vor, die dann auch befolgt werden muss, und auch er trifft am Ende immer die Entscheidungen.

Seid also besonders am Anfang vorsichtig und tastet Euch langsam an das Arbeitsverhältnis heran.

Vergesst außerdem nicht, mit einem Online Französischkurs Euer Business Französisch aufzufrischen.

Die größten kulturellen Unterschiede auf der Arbeit zwischen Deutschland und Frankreich

Welche Vorteile habt Ihr, wenn Ihr in Frankreich arbeitet?

Wegen der geographischen Nähe und dank unseres guten Verhältnisses zu unseren Nachbarn denken viele Deutsche, dass es keinen großen Unterschied zwischen Arbeiten in Deutschland und Arbeiten in Frankreich gibt.

Das ist leider falsch!

Tatsächlich kann es sehr gefährlich werden, wenn man die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich unterschätzt – besonders auf der Arbeit!

Eine Studie des Goethe Instituts hat ergeben, dass 50% bis 60% der Unternehmen die Unterschiede in der Arbeitseinstellung zwischen Deutschen und Franzosen zu Spannungen führen können.

Damit Ihr nicht das Opfer solcher Spannungen werdet, klären wir Euch jetzt über die wichtigsten kulturellen Unterschiede zwischen Arbeiten in Deutschland und Frankreich auf:

  • In Deutschland ist ein gesundes Privatleben eine Voraussetzung dafür, dass wir gut arbeiten können. ≠ In Frankreich hat die Arbeit Vorrang vor dem Privatleben.
  • In Deutschland schätzen wir Nützlichkeit und Rentabilität. ≠ In Frankreich wird Originalität geschätzt.
  • In Deutschland ist die Qualität der Arbeit sehr wichtig. ≠ In Frankreich wird Kreativität gefordert.
  • In Deutschland streben wir Perfektion an. ≠ Die Franzosen streben danach, dass Ihr Unternehmen gut funktioniert.
  • Arbeit in Deutschland lebt von Regelmäßigkeit und Struktur. ≠ In Frankreich gibt es öfter Veränderungen.
  • In Deutschland haben wir es gerne sicher. ≠ Unternehmen in Frankreich sind häufig experimenteller.

All das solltet Ihr in Betracht ziehen, wenn Ihr Französisch für Anfänger lernen wollt.

In Frankreich passieren häufig viele Dinge gleichzeitig. Die Franzosen haben gerne Spaß bei der Arbeit und lassen sich auch mal ablenken. | Quelle: Pixabay

Ein weiterer Unterschied ist, dass die Franzosen gerne mehrere Sachen auf einmal machen.

Während wir gerne strukturiert eine Aufgabe nach der anderen abarbeiten, passiert in Frankreich vieles auf einmal, ehe das das erste Projekt überhaupt geendet hat.

Was die Pünktlichkeit der Franzosen angeht, könnt Ihr Euch vielleicht bereits denken, dass das nicht ganz so genau genommen wird, wie bei uns.

Plant also ruhig etwas mehr Zeit für einen Termin mit einem Franzosen ein … 😉

Wie bereits erwähnt gibt es außerdem bei uns ein größeres Wir-Gefühl und Teamarbeit wird sehr geschätzt.

Das ist in Frankreich leider nicht der Fall, woran man sich vielleicht anfangs gewöhnen muss. Natürlich versteht man sich trotzdem meist sehr gut mit den Kollegen, gerade dadurch, dass man die Mittagspause immer zusammen verbringt.

Bevor Ihr Euch also zum Arbeiten nach Frankreich wagt, müsst Ihr all diese kulturellen Unterschiede verstanden haben.

Schon beim Bewerbungsgespräch auf Französisch könnt Ihr Euch dann leichter an das französische Unternehmen anpassen.

Kennt Ihr außerdem schon die besten Studentenstädte in Frankreich?

Karriere in Frankreich: Studienabschluss an der „richtigen“ Uni geht über Erfahrung

Wenn es um den Abschluss und Euer Diplom geht, dann ist Frankreich ein ganz eigener Fall. Wer auf einer der besten Universitäten in Frankreich war, dem scheinen alle Karrieretüren offen zu stehen.

Peter Gumbel, Autor des Buches „Elite Academy“, beschreibt die Situation wie folgt:

«In Frankreich hat das Diplom einen sehr hohen Stellenwert, was den Eindruck vermittelt, dass sich alles mit 22-23 Jahren abspielt. Nirgendwo sonst auf der Welt bestimmt die Frage, wo man studiert hat, so stark den Verlauf der Karriere. »

In Frankreich ist es allerdings sehr kompliziert, wenn nicht sogar unmöglich, wieder ins Bildungssystem einzusteigen.

In Deutschland ist es sehr viel einfacher und akzeptierter, ein abgebrochenes Studium fortzusetzen oder sich auch nach einigen Jahren im Berufsleben wieder einzuschreiben.

Wenn Ihr also an einer namhaften Universität studiert habt, dann solltet Ihr das in Eurem Lebenslauf hervorheben.

Für Ausländer, die in Frankreich arbeiten wollen, sind die Regeln jedoch häufig nicht ganz so streng. Ein elitärer Name kann jedoch ein wichtiger Pluspunkt bei der Bewerbung in Frankreich sein.

Wart Ihr auf einer Elite Uni? Es ist für französische Firmen sehr wichtig, wo Ihr studiert habt. | Quelle: Pixabay

Nicht ganz so wichtig wie in Deutschland, aber auch von Vorteil, sind natürlich berufliche Erfahrungen.

Französische Unternehmen schätzen:

  • Kenntnisse mehrerer Fremdsprachen – angefangen bei Französisch natürlich. Ihr solltet also in jedem Fall die wichtigsten Ausdrücke auf Französisch kennen und im Zweifel noch einen Französischkurs machen.
  • Respekt gegenüber den Hierarchien.
  • Höflichkeit ist oberstes Gebot. Das fängt schon beim Motivationsschreiben auf Französisch an …
  • Erfahrungen in Unternehmen mit großen Namen.
  • Erfahrungen in dem Bereich, für den Ihr Euch jetzt in Frankreich bewerben wollt.
  • Besonders, wenn Ihr schon einen Abschluss habt, sind berufliche Erfahrungen wie Praktika sehr gerne gesehen.

In Frankreich ist es außerdem sehr wichtig, dass keine allzu großen Lücken auf Eurem Lebenslauf entstehen.

Besonders Studenten der Grandes Écoles oder Écoles de Commerce machen häufig in ihrem letzten Semester ein Praktikum. Häufig entwickelt sich dieses Praktikum dann zum ersten festen Arbeitsplatz.

Je schneller Ihr Euch nach dem Abschluss in Frankreich bewerbt, desto höher stehen also Eure Chancen.

Sucht Euch also am besten schnell einen guten Französisch Lehrer, um Euch auf das Arbeitsleben in Frankreich vorzubereiten!

Arbeiten in Frankreich: Übt Euch in Geduld

« Zeit ist Geld » – Benjamin Franklin

Dieses Motto ist in deutschen Unternehmen allgegenwärtig. Wir wissen Effizienz und schnelles Handeln zu schätzen.

In Frankreich hingegen wird gerne mal prokrastiniert und aufgeschoben …

In Deutschland sind wir häufig sehr ehrgeizig und freuen uns über Verantwortung. In Frankreich hingegen sind besonders junge Arbeitnehmer häufig zufrieden damit, einen Job zu haben.

Viel Leidenschaft ist häufig allerdings nicht zu bemerken, was sich auch darin bemerkbar macht, dass die Franzosen sich für Aufgaben etwas mehr Zeit lassen.

Das merkt man nicht nur als Vorgesetzter, sondern auch schon unter Kollegen.

Wenn Ihr Eure französischen Mitarbeiter also um etwas bittet, dann solltet Ihr es nicht unbedingt sehr eilig haben. Die Aufgabe wird gemacht, und das auch gut, aber eben erst später.

Die Franzosen lassen sich gerne etwas mehr Zeit. Wer in Frankreich arbeiten möchte, sollte Zeit und Geduld mitbringen. | Quelle: Pixabay

Das müsst Ihr also unbedingt bedenken, wenn Ihr in Frankreich arbeitet, besonders in einem Feld, in dem Ihr Zusammenarbeit und Verlässlichkeit gewöhnt seid.

Stephanie arbeitet etwa seit mehr als 4 Jahren in Frankreich und hat diese Erfahrung im französischen Berufsalltag gemacht:

« Ein großer Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich liegt für mich im Arbeitsleben. Seit ich in Frankreich arbeite, habe ich eine Sache immer wieder bemerkt: Wenn man in Deutschland sagt „Da kümmere ich mich drum“, dann macht man das auch. Und meistens sogar sofort. Als Deutsche verlassen wir uns dann auch darauf. In Frankreich können das jedoch leere Worte sein. Es ist schon vorgekommen, dass mir jemand gesagt hat „Ich kümmere mich darum“, um mir einen Gefallen zu tun. Passiert ist dann allerdings gar nichts … »

Wer also erfolgreich in Frankreich arbeiten möchte, sollte Geduld und Offenheit für Unterschiede mitbringen und das Leben etwas leichter nehmen können.

Wir hoffen, dass Euch unsere Ratschläge bei der Vorbereitung auf das Berufsleben in Frankreich helfen können.

Am besten, Ihr informiert Euch außerdem über die besten Hochschulen in Frankreich…

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