Das prestigeträchtige Studium der Rechtswissenschaften ist einer der ältesten Studiengänge überhaupt und ist heutzutage an deutschen Universitäten gar nicht mehr wegzudenken. Hinter dem Studium und der Ausbildung zum Juristen steht eine lange Geschichte und Tradition.

Allerdings gilt das Jurastudium neben dem Medizinstudium auch als einer der schwersten Studiengänge an deutschen Universitäten. In Bayern schaffen jährlich rund 25-35% der Studierenden den juristischen Abschluss nicht, weil sie durch das erste juristische Staatsexamen fallen. Im Jahr 2007 waren es in Mecklenburg-Vorpommern sogar fast 50%.

Da ist es kein Wunder, dass Dir beim Gedanken an ein Studium der Rechtswissenschaft zunächst einmal nur negative Assoziationen in den Kopf schießen: schwer, trocken, Leistungsdruck, langweiliges Auswendiglernen, Lernmarathon, hohe Durchfallquote, langes Studium, Burn-Out, kaum Schlaf und wenig Freizeit etc.

Tatsächlich hinterfragt jede/r Student/in im Laufe seines/ihres Jurastudiums seine/ihre Entscheidung für die juristische Ausbildung mindestens einmal. Warum habe ich mich ausgerechnet für Jura entschieden? Warum tue ich mir das nur an? Soll ich wirklich weitermachen?

Dementsprechend ist es auch wenig überraschen, dass viele Jurastudent/innen das Studium der Rechtswissenschaften bereits in den ersten Semestern (meistens nach dem 2. Semester) wieder abbrechen.

Wir von Superprof behaupten dennoch, dass so ein Jurastudium durchaus keine schlechte Wahl ist, ganz im Gegenteil. Hast Du gerade Dein Abitur gemacht und denkst nun selbst über ein Jurastudium nach, zögerst aber noch aufgrund des negativen Rufs des Studiums, solltest Du jetzt unbedingt weiterlesen. In diesem Artikel geben wir Dir gleich mehrere Gründe, warum sich die Ausbildung zum/zur Jurist/in lohnt.

Glaube nicht immer alles, was Du hörst

Als erstes möchten wir an dieser Stelle mal mit ein paar Vorurteilen bezüglich der Rechtswissenschaften aufräumen:

  • Das Jurastudium ist trocken und langweilig.
  • Beim Jura studieren muss ich alle möglichen Gesetze auswendig lernen.
  • Das Jurastudium geht soooo lang.
  • Jura studieren bedeutet monotones Auswendiglernen.
  • Jurastudent/innen haben keine Freizeit, da sie nur am Schreibtisch sitzen.
  • Jura studieren ist schwer.
  • ...

Das sind nur ein paar der Vorurteile, mit denen der juristische Studiengang nun schon lange zu kämpfen hat. Tatsächlich solltest Du aber nicht immer alles glauben, was Du hörst.

Selbstverständlich musst Du im Jurastudium auch den ein oder anderen Gesetztestext lesen.
Im Gegensatz zu Bachelor-oder Master-Studiengängen gilt das Jurastudium als theoretisch und lebensfern. | Quelle: Unsplash

Während manche Vorurteile tatsächlich wahr sein mögen, sind die meisten schlichtweg falsch. Ich selbst habe die Rechtswissenschaft studiert und obwohl ich mich nach dem ersten juristischen Staatsexamen für einen anderen Weg entschieden habe, möchte ich den Ruf des Studiums an dieser Stelle ein wenig verteidigen.

Ja, das Jurastudium geht lang, aber nicht unbedingt länger als andere Studiengänge auch. Effektiv an der Uni studieren musst Du 8 Semester. Danach nehmen sich die meisten Studierenden ein Jahr Zeit, um sich auf das erste juristische Staatsexamen vorzubereiten. Du kannst das Examen aber auch direkt nach dem 8. Semester schreiben. Hast Du das erste Examen bestanden, geht es für ca. 2 Jahre ins Referendariat, wo Du bereits als Jurist bzw. Juristin arbeiten wirst. Im Anschluss schreibst Du das zweite Staatsexamen und bist fertig. Ziehst Du das Studium also ohne größere Lernpausen durch, kannst Du in nur rund 6,5 Jahren fertig sein, wobei Du zwei davon bereits arbeiten wirst. Machst Du in einem anderen Studiengang einen Bachelor und anschließend einen Master, bist Du bis zum Master-Abschluss auch 6-6,5 Jahre mit Studieren beschäftigt.

Möchtest Du noch mehr zum Ablauf des Jurastudiums erfahren, lies unseren Artikel rund ums Jurastudium.

Zugegeben das Jurastudium ist nicht unbedingt leicht, aber definitiv auch nicht schwerer als ein Master-Studium. Bist Du motiviert und interessierst Du Dich für die Materie, sollten Dir die Inhalte des Studiums relativ leicht von der Hand gehen. Natürlich ist der Stoff relativ umfangreich, weshalb Du unbedingt konsequent am Ball bleiben solltest, das gilt aber für jedes Studium und heißt noch lange nicht, dass Du Tag und Nacht am Schreibtisch sitzen musst.

Tatsächlich sind Jurastudent/innen in jeder Studentenstadt (ob Würzburg, Berlin oder München) für ihre ausgiebige Feierlaune bekannt!

Und weißt Du was? Während meines gesamten Jurastudiums musste ich kein einziges Gesetz auswendig lernen! Wieso auch? Bei jeder Prüfung hast Du Deine Gesetzestexte zur Hand und kannst die Gesetze ganz einfach nachschlagen. Natürlich gibt es auch das ein oder andere, das Du mal auswendig lernen musst, wie beispielsweise verschiedene Definitionen im Strafrecht. Aber muss man das nicht in jedem anderen Studiengang auch?!

Auch das Argument "trocken und langweilig" kann ich so nicht bestätigen. Was ist denn an Mord und Totschlag bitte langweilig??

Im Strafrecht geht es um Mord und Totschlag! Das ist alles andere als langweilig.
Besonders das Strafrecht ist bei vielen Jurastudenten und -studentinnen beliebt! | Quelle: Unsplash

Willst Du wirklich wissen, wie es ist, Jura zu studieren, bleibt Dir also nicht anderes übrig, als es selbst auszuprobieren. Und wenn Du in den ersten Semestern merkst, dass es nicht Deins ist, hör einfach wieder auf. Du hast Angst, dass Du dadurch unnötig wertvolle Zeit vergeudest? Keine Sorge, die Zeit war alles andere als vergeudet. Mehr dazu erfährst Du im nächsten Abschnitt.

Lernen fürs Leben

Das Jurastudium wird oft als sehr trocken, theoretisch und wenig lebensnah eingeschätzt. Tatsächlich aber findet das Studium sehr nah am Leben statt. Das liegt nicht nur an den vielen Sachverhalten, die mitten aus dem Leben stammen. Studierst Du Jura, bekommst Du nicht nur das nötige Werkzeug an die Hand, um Anwalt/Anwältin oder Richter/in zu werden. Tatsächlich wirst Du in Deiner Uni-Laufbahn so einiges lernen, dass Dir auch außerhalb von Klausuren und Deines Juristen-Alltags von großem Nutzen sein wird.

Allgemeinwissen und juristische Grundkenntnisse für den Alltag

Bereits in den ersten beiden Semestern des Jurastudiums lernst Du Grundlagen, die Dir nicht nur bei den Klausuren und der großen Prüfung am Ende, sondern auch so im Alltag weiterhelfen können. Du lernst beispielsweise nicht nur die rechtliche Seite eines Kaufvertrages kennen (was im Alltag sehr nützlich sein kann), sondern eignest Dir gerade im öffentliche Recht auch einiges an politisch-gesellschaftlichem Allgemeinwissen an. Jura studieren bedeutet auch in Politik und Wirtschaft stets einen guten Überblick zu haben.

Hast Du eine Ausbildung zum Juristen abgeschlossen, stehen Dir beruflich alle Türen offen.
Viele Politiker/innen sind studierte Jurist/innen. | Quelle: Unsplash

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Jurastudium sind also zunächst einmal die Grundlagen der deutschen Justiz-, Verwaltungs- und Staatsorganisation. Wie ist das europäische Rechtssystem aufgebaut? Wie funktioniert unser Rechtsstaat eigentlich? Und vieles mehr ...

Gehirnjogging – Analytisches Denken

Darüber hinaus beschäftigst Du Dich während des Jurastudiums mit komplizierten Gesetzestexten und komplexen Sachverhalten, die Dein analytisches Denkvermögen trainieren. Du lernst Sachverhalte schnell zu erfassen und wichtige Informationen in Nullkommanix herauszufiltern. Eine Fähigkeit, die mir in meinem Zweitstudium von sehr großem Nutzen war. Während sich andere Student/innen noch mit den komplexen kulturwissenschaftlichen Texten rumgeschlagen haben, hatte ich die zentralen Thesen und Informationen meist schon nach dem ersten Überfliegen parat.

Zusätzlich zum logischen Denken, wirst Du im Studium der Rechte bestens darin ausgebildet, schlüssig und überzeugend zu argumentieren. Eine Fähigkeit, die Dir in jeder Hausarbeit, aber auch in vielen alltäglichen Lebenslagen weiterhelfen kann.

Auch diverse Unternehmen, für die ich neben meiner Ausbildung an der Universität gearbeitet habe, haben diese Kompetenzen und Fähigkeiten stets an mir geschätzt.

Gehalt und Prestige

Gerade zu Beginn meines Jurastudiums habe ich die Reaktionen sehr genossen, wenn ich verkündet habe, dass mein Hauptstudium Jura ist.

Wow, Jura! Das ist doch bestimmt schwer? Dann musst Du unheimlich schlau sein! Du wirst später Karriere machen und viel verdienen!

Tatsächlich ist der Titel des Volljuristen bzw. der Volljuristin nach wie vor mit viel Ansehen und Prestige verbunden, sodass Dir jeder mit viel Ehrfurcht und Anerkennung begegnen wird. Das gilt besonders, wenn Du eine Karriere als Notar/in, Staatsanwalt/-anwältin oder Richter/in einschlägst!

Dementsprechend vielversprechend sind auch die Gehaltsaussichten, denn als Anwalt bzw. Anwältin kannst Du richtig viel Geld verdienen. Selbstverständlich ist das Gehalt aber von Deiner konkreten Berufswahl abhängig. Ein Top-Anwalt für Wirtschaftsrecht an einer der großen internationalen Kanzleien in Berlin oder Frankfurt am Main verdient selbstverständlich mehr als ein Anwalt für Familien- oder Erbrecht in einer kleinen Kanzlei in Würzburg. Aber hey, Scheidungen und Todesfälle gibt es immer. Die Arbeit geht Dir so schnell also nicht aus. :D

Du musst also nicht unbedingt eine/r der Besten sein und im Wirtschaftsrecht arbeiten, um eine stabile Karriere mit gutem Gehalt hinlegen zu können.

Vielseitige Berufsaussichten

Hast Du das Jurastudium erst einmal geschafft, stehen Dir außerdem zahlreiche Türen offen. Deine Berufswahl ist also keinesfalls auf die klassischen Berufe wie Anwalt, Richter oder Staatsanwalt beschränkt.

Mit dem bestandenen Jurastudium hast Du Durchhaltevermögen bewiesen und gezeigt, dass Du auch schwierige Aufgaben meistern kannst. Diese Eigenschaft ist in vielen Bereichen gefragt, die oftmals nur am Rande etwas mit Jura zu tun haben.

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Karriere in der Politik, der Polizeiverwaltung oder Bundeswehr? Auch die Europäische Kommission, der Diplomatische Dienst oder ein Wirtschaft-Unternehmen sind beliebte Anlaufstellen für fertige Juristen und Juristinnen.

Darüber hinaus sind juristische Expertise und Fachwissen, ebenso wie medizinische Versorgung, immer gefragt. An beruflichen Möglichkeiten wird es Dir als Jurist/in also nie fehlen. 

Das Jurastudium entspricht quasi einem Bachelor und Master zusammen.
Nach dem Jurastudium musst Du nicht Anwalt oder Richter werden. Dir stehen alle Türen offen! | Quelle: Unsplash

Je nachdem, für welche Karriere Du Dich letztendlich entscheidest, ist der Weg des Juristen auch eine gute Möglichkeit, um Menschen helfen zu können – sei es im Arbeits- und Sozialrecht, bei der Sicherung von Menschenrechten oder der Arbeit in einem sozialen Unternehmen. Dir stehen wirklich alle Wege offen.

Zum Schluss noch ein kleiner Extrabonus, der zumindest für mich sehr wichtig war: Du brauchst kein Mathe! ;D

Du siehst also, das Studium der Rechte bringt sehr viele Vorteile mit sich und ist nicht unbedingt schwerer als andere Studiengänge auch. Voraussetzungen für ein erfolgreiches Jurastudium sind, neben dem Abitur für die Zulassung zur Hochschule natürlich, vor allem Motivation und Durchhaltevermögen. Erfüllst Du diese beiden Vorraussetzungen steht einer Karriere als Jurist/in absolut nichts im Weg!

Lies auch unseren Artikel mit den besten Tipps für den Studienstart!

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Jana

Hoffnungslose Träumerin mit einer großen Liebe zum geschriebenen Wort, gutem Essen und Musik.