Öl, Acryl, Aquarell oder Gouache: Jede Maltechnik hat ihren eigenen Charakter und beeinflusst, wie dein Kunstwerk am Ende wirkt. Manche Farben lassen sich lange bearbeiten und weich verblenden, andere trocknen schnell oder erzeugen besonders transparente, matte oder strukturreiche Flächen.
Welche Technik zu dir passt, hängt deshalb nicht nur vom Motiv ab, sondern auch davon, wie du gerne arbeitest. Möchtest du spontan experimentieren, feine Details ausarbeiten oder dein Material einfach mit nach draußen nehmen?
Bei uns lernst du die wichtigsten klassischen, modernen und besonderen Maltechniken kennen.
Maltechniken im schnellen Vergleich
Jede Maltechnik bringt andere Farben, Oberflächen und Arbeitsweisen mit sich. Während Ölfarbe lange formbar bleibt, trocknet Acryl besonders schnell. Aquarell lebt von transparenten Verläufen, Gouache von deckenden Flächen und Enkaustik von plastischen Wachsschichten.
Die folgende Übersicht hilft dir dabei, die passende Technik für deine Bildidee zu finden:
| Maltechnik | Typische Wirkung | Trocknung oder Arbeitsweise | Besonders geeignet für |
|---|---|---|---|
| Ölmalerei | farbtief, weich, detailreich | härtet langsam aus | Porträts, Landschaften und Schichtenmalerei |
| Aquarellmalerei | transparent, leicht, fließend | trocknet schnell | Naturstudien, Skizzen und Malen unterwegs |
| Temperamalerei | matt, klar, präzise | trocknet schnell | feine Details, Schraffuren und Tafelbilder |
| Acrylmalerei | kräftig, vielseitig, strukturreich | trocknet sehr schnell | Einsteiger*innen, abstrakte Kunst und Experimente |
| Gouachemalerei | deckend, matt, samtig | trocknet schnell und ist häufig wieder anlösbar | Illustrationen, Entwürfe und plakative Motive |
| Enkaustik | leuchtend, plastisch, reliefartig | wird warm verarbeitet; Wachs erstarrt schnell | experimentelle Oberflächen und Schichtungen |
| Pastellmalerei | weich, samtig, farbintensiv | keine Trocknung; empfindlich gegen Abrieb | Porträts, Landschaften und sanfte Farbverläufe |
| Freskomalerei | matt, monumental, fest mit der Wand verbunden | wird auf feuchtem Kalkputz verarbeitet | Wand- und Deckenmalerei |
| Digitale Malerei | flexibel, vielseitig, leicht korrigierbar | keine Trocknungszeit | Illustration, Animation, Games und Concept Art |
| Mixed Media | vielschichtig, frei, experimentell | abhängig von den kombinierten Materialien | Collagen und die Verbindung verschiedener Medien |
Klassische Maltechniken
Viele berühmte Gemälde wurden mit Techniken geschaffen, die seit Jahrhunderten verwendet werden. Öl, Aquarell und Tempera unterscheiden sich vor allem durch ihre Bindemittel, ihre Trocknungszeit und die Wirkung der Farben.
Welche davon zu deinem Bild passt, hängt auch davon ab, ob du lieber langsam und detailreich oder spontan und leicht arbeitest.
Ölmalerei
Ölfarben bestehen aus Pigmenten, die mit einem trocknenden Öl wie Lein-, Mohn- oder Walnussöl gebunden werden. Anders als Acrylfarben härten sie nur langsam aus.
Dadurch kannst du Farbtöne lange mischen, Übergänge weich verblenden und einzelne Bereiche mehrfach überarbeiten.
Die Ölmalerei bietet dir viele Möglichkeiten: Dünne Lasuren erzeugen Tiefe und Leuchtkraft, während ein dicker, pastoser Farbauftrag sichtbare Pinsel- oder Spachtelspuren hinterlässt. Als Malgrund eignen sich vor allem grundierte Leinwände oder feste Holzplatten.
Ich träume vom Malen und dann male ich meinen Traum.
Vincent van Gogh
Ölfarben wurden bereits vor dem 15. Jahrhundert verwendet. Flämische Maler wie Jan van Eyck entwickelten die Technik jedoch entscheidend weiter und machten sie für besonders detailreiche Tafelbilder nutzbar.
Wenn du in mehreren Schichten arbeitest, begegnet dir häufig die Regel „fett auf mager“. Dabei enthalten die oberen Schichten mehr Öl beziehungsweise weniger Verdünnung als die darunterliegenden. So können die Farbschichten gleichmäßiger aushärten und Risse werden vermieden.
Die lange Bearbeitungszeit ist zugleich Vor- und Nachteil: Du kannst sehr sorgfältig arbeiten, musst zwischen einzelnen Schichten aber mitunter mehrere Tage warten. Auch die Reinigung der Pinsel ist aufwendiger als bei wasserbasierten Farben.
Aquarellmalerei
Aquarellfarben bestehen aus feinen Pigmenten und einem wasserlöslichen Bindemittel. Gemalt wird meistens auf speziellem Aquarellpapier, das Feuchtigkeit aufnehmen kann, ohne sich sofort stark zu wellen.

Typisch für die Aquarellmalerei ist der transparente Farbauftrag. Das Weiß des Papiers scheint durch die Farbe hindurch und bildet meist die hellsten Stellen des Bildes. Deshalb solltest du bereits vor dem Malen überlegen, welche Bereiche frei bleiben sollen.
Zu den wichtigsten Techniken gehören das Lasieren mit transparenten Schichten, das Lavieren von Farbverläufen, Nass-in-Nass-Effekte und das Granulieren auf strukturiertem Papier.
Aquarellfarben eignen sich besonders für Landschaften, Pflanzen, schnelle Skizzen und atmosphärische Motive.
Farbe, Pinsel, Papier und ein Behälter mit Wasser lassen sich leicht transportieren. Das macht Aquarell ideal für unterwegs. Einfach zu beherrschen ist die Technik trotzdem nicht: Wasser und Farbe fließen teilweise unvorhersehbar, und Korrekturen sind nur begrenzt möglich.
Temperamalerei
Bei Temperafarben werden Pigmente mit einer Emulsion gebunden. Besonders bekannt ist die Eitempera, bei der Eigelb als Bestandteil des Bindemittels dient. Je nach Rezeptur können aber auch andere Stoffe verwendet werden.
Tempera trocknet schnell, wirkt meist matt und eignet sich gut für klare Formen, feine Linien und sorgfältige Details. Da weiche Übergänge schwieriger herzustellen sind als mit Ölfarben, arbeiteten Künstler*innen häufig mit dünnen Schichten, kleinen Strichen und Schraffuren.
Ein fester Malgrund wie eine grundierte Holztafel eignet sich besonders gut. Vor der weiten Verbreitung der Ölmalerei war Tempera eine der wichtigsten Techniken für mittelalterliche und frühneuzeitliche Tafelbilder. Richtig verarbeitet kann die Farbe sehr haltbar sein.
Gouachemalerei
Gouache ist eine wasserbasierte Farbe, die typischerweise aus Pigmenten und einem wasserlöslichen Bindemittel wie Gummi arabicum besteht. Ihre genaue Zusammensetzung kann je nach Hersteller variieren.

Anders als Aquarell wird Gouache meist deckend eingesetzt. Nach dem Trocknen wirkt die Oberfläche matt, samtig und häufig besonders gleichmäßig.
Du kannst die Farbe mit Wasser verdünnen, aber auch in kräftigen, flächigen Schichten auftragen. Getrocknete Gouache lässt sich in vielen Fällen erneut mit Wasser anlösen und weiterbearbeiten.
Als Malgrund eignen sich vor allem Papier und Karton. Wegen ihrer hohen Deckkraft und klaren Farbwirkung wird Gouache gerne für Illustrationen, Designentwürfe, Farbskizzen und plakative Motive verwendet.
Moderne Maltechniken
Moderne Farbmittel sind oft unkomplizierter zu verwenden als klassische Ölfarben und eröffnen dir viele Möglichkeiten zum Experimentieren. Besonders Acryl und Gouache eignen sich gut, wenn du schnell arbeiten, kräftige Farben einsetzen oder unterschiedliche Techniken ausprobieren möchtest.
Acrylmalerei
Acrylfarben bestehen aus Pigmenten, die in einer Acrylharzdispersion gebunden sind. Solange die Farbe feucht ist, kannst du sie meist mit Wasser verdünnen und deine Arbeitsgeräte einfach auswaschen. Nach dem Trocknen entsteht dagegen ein weitgehend wasserbeständiger Farbfilm.
Ein großer Vorteil ist die kurze Trocknungszeit. Du kannst schnell weitere Schichten auftragen und dein Bild innerhalb kurzer Zeit fertigstellen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass sich einmal getrocknete Farben kaum noch verblenden oder verändern lassen.

Acrylfarbe haftet auf vielen fettfreien Untergründen, darunter Leinwand, Papier, Holz und Malkarton. Mit Wasser oder einem geeigneten Malmittel verdünnt, kannst du transparente Lasuren erzeugen. Dick aufgetragen oder mit Strukturpaste vermischt, entstehen dagegen reliefartige Oberflächen.
Auch Techniken wie Impasto, Spachteln, Trockenpinsel, Pouring oder Collage lassen sich gut mit Acrylfarben umsetzen. Dadurch eignet sich die Acrylmalerei sowohl für erste Malversuche als auch für experimentelle und abstrakte Kunstwerke.
Digitale Malerei
Bei der digitalen Malerei malst du mit einem Grafiktablet, einem digitalen Stift und einem Zeichenprogramm. Verschiedene Pinsel können das Aussehen von Öl, Aquarell, Kreide oder Tusche nachahmen.
Ebenen, Masken und die Rückgängig-Funktion machen es leicht, Farben, Formen und Kompositionen zu verändern. Du brauchst keine Trocknungszeiten und verbrauchst keine physische Farbe.
Dafür sind geeignete Hardware, Software und eine zuverlässige Datensicherung notwendig.
Digitale Malerei verwendet zwar kein klassisches Farbmittel, greift aber viele Grundlagen der analogen Kunst auf. Sie spielt heute besonders in Illustration, Animation, Games und Concept Art eine wichtige Rolle.
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Spezielle und experimentelle Maltechniken
Nicht jede Maltechnik arbeitet mit klassischer Farbe aus der Tube. Manche Verfahren nutzen Wachs, frischen Putz oder digitale Werkzeuge. Gerade dadurch entstehen besondere Oberflächen, Effekte und Arbeitsweisen, die sich deutlich von Öl, Acryl oder Aquarell unterscheiden.
Enkaustik
Die Enkaustik, auch Wachsmalerei genannt, ist bereits seit der Antike bekannt. Dabei werden Farbpigmente in erhitztem Wachs gebunden und anschließend warm auf einen festen Malgrund aufgetragen. Gut geeignet sind beispielsweise Holzplatten, Malkarton oder speziell vorbereitete Leinwände.
Das Besondere an dieser Technik ist die Oberfläche: Die Farben können sehr leuchtend wirken und lassen sich in mehreren Schichten aufbauen. Du kannst das Wachs glätten, einritzen, erneut erwärmen oder mit Werkzeugen strukturieren. So entstehen sowohl ebene Flächen als auch fast reliefartige Bilder.
Da heißes Wachs und Wärmegeräte zum Einsatz kommen, brauchst du allerdings einen sicheren, gut belüfteten Arbeitsplatz und geeignete Materialien. Für erste Versuche lohnt es sich, die Technik unter Anleitung kennenzulernen.
Pastellmalerei
Die Pastellmalerei liegt an der Grenze zwischen Zeichnung und Malerei. Pastellkreiden bestehen überwiegend aus Farbpigmenten und nur wenig Bindemittel.
Dadurch wirken die Farben besonders intensiv, weich und samtig. Aufgetragen werden sie meist auf raues Papier oder speziellen Pastellkarton, dessen Oberfläche die Pigmente festhält.
Du kannst die Farben direkt übereinanderschichten, mit den Fingern oder einem Papierwischer verwischen und zu sanften Übergängen verbinden. Dadurch eignet sich Pastell besonders gut für Porträts, Landschaften, Himmel und Motive mit weichen Licht- und Schattenverläufen.
Neben trockenen Pastellkreiden gibt es auch Öl- und Wachspastelle. Diese enthalten fetthaltige beziehungsweise wachsartige Bindemittel, fühlen sich cremiger an und lassen sich anders verarbeiten als trockene Pastelle.
Da trockene Pigmente nur locker auf dem Papier liegen, bleiben Pastellbilder empfindlich gegenüber Berührung und Abrieb.
Ein Fixativ kann die Oberfläche schützen, möglicherweise aber auch die Farbwirkung etwas verändern. Fertige Werke sollten deshalb möglichst unter Glas aufbewahrt werden.
Freskomalerei

Die Freskomalerei gehört zu den ältesten Techniken der Wandmalerei. Dabei werden mit Wasser angerührte Pigmente direkt auf frischen Kalkputz aufgetragen. Während der Putz trocknet, verbinden sich die Farben dauerhaft mit dem Untergrund.
Fresken eignen sich vor allem für große Wand- und Deckenbilder. Die Technik ist sehr haltbar, verlangt aber eine genaue Planung. Künstler*innen bearbeiten immer nur so viel frischen Putz, wie sie an einem Tag bemalen können.
Weil die Farbe schnell Teil der Wand wird, sind nachträgliche Korrekturen nur eingeschränkt möglich.
Techniken des Farbauftrags
Öl, Acryl oder Aquarell bezeichnen zunächst das verwendete Farbmittel. Wie dein Bild am Ende wirkt, hängt aber ebenso davon ab, wie du die Farbe aufträgst. Viele Techniken lassen sich mit mehreren Farbarten umsetzen – allerdings reagiert jedes Material anders.
- Lasur: Mehrere dünne, durchscheinende Farbschichten werden übereinandergelegt. Dadurch entstehen Tiefe und leuchtende Farbtöne.
- Nass-in-Nass: Du malst neue Farbe direkt in eine noch feuchte Schicht. So lassen sich besonders weiche Übergänge und fließende Farbverläufe erzeugen.
- Impasto: Die Farbe wird so dick aufgetragen, dass Pinsel- oder Spachtelspuren nach dem Trocknen sichtbar bleiben. Die Bildoberfläche erhält eine reliefartige Struktur.
- Trockenpinsel: Mit einem fast trockenen Pinsel und wenig Farbe hebst du Unebenheiten, Papierstrukturen oder raue Oberflächen hervor.
- Spachteltechnik: Statt eines Pinsels verwendest du ein Malmesser oder einen Spachtel. Damit kannst du Farbe verteilen, abziehen und plastische Strukturen gestalten.
- Alla prima: Das Bild entsteht weitgehend in einer einzigen Sitzung, ohne einen langwierigen Aufbau aus getrockneten Schichten.
Welche Technik sich anbietet, hängt stark von der Farbe ab: Öl bleibt lange formbar und eignet sich gut für weiche Übergänge, während Acryl schnell trocknet und zügiges Arbeiten verlangt.
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Die passende Maltechnik auswählen
Welche Maltechnik am besten zu dir passt, hängt weniger davon ab, welche allgemein als besonders anspruchsvoll oder hochwertig gilt. Entscheidend ist vielmehr, welche Wirkung du erzielen möchtest und wie du am liebsten arbeitest.
Du musst dich nicht dauerhaft auf ein einziges Farbmittel festlegen. Bei einer Mischtechnik oder Mixed Media werden verschiedene Farben, Zeichenmaterialien und Collageelemente in einem Kunstwerk kombiniert.
Du kannst beispielsweise eine Acryluntermalung mit Kohle, Pastellfarben, Stoff oder Papier ergänzen.
Achte jedoch auf die richtige Reihenfolge, denn nicht alle Materialien haften aufeinander. Ölfarbe kann auf eine vollständig getrocknete Acrylschicht aufgetragen werden. Acrylfarbe eignet sich dagegen nicht für einen ölhaltigen Untergrund, da sie dort schlecht haftet und sich später ablösen kann.
Stelle dir deshalb vor dem Malen einige Fragen:
- Soll dein Bild transparent, deckend, glatt oder stark strukturiert wirken?
- Möchtest du die Farben lange mischen und verändern können?
- Arbeitest du lieber langsam und detailreich oder spontan und zügig?
- Welcher Malgrund steht dir zur Verfügung?
- Möchtest du zu Hause, im Atelier oder unterwegs malen?
- Wie viel Platz und Aufwand sind für Materialien und Reinigung möglich?
Für einen unkomplizierten Einstieg eignet sich beispielsweise Acryl, da die Farbe vielseitig einsetzbar ist und schnell trocknet. Aquarell ist praktisch für unterwegs und ermöglicht leichte, transparente Bilder, erfordert aber einen kontrollierten Umgang mit Wasser.
Möchtest du lange an weichen Übergängen und feinen Details arbeiten, könnte Öl die richtige Wahl sein. Gouache bietet sich dagegen für deckende, matte Illustrationen und Farbskizzen an.
Referenzen
- Ergott, H. (2026, March 2). Maltechniken: Die Sprache der Farben und Formen. Harry Ergott. https://www.harryergott.com/blogs/ratgeber/maltechniken-klassisch-modern?srsltid=AfmBOorQyaYLCi9vnto8Q8pduBK4oxZ5Ejs96Cu6q7J2EdLaj7NzfSxg
- Darmstadt, R. D. S. (2024, September 25). Welche Maltechniken gibt es?https://www.sgd.de/magazin/leben-lernen/ratgeber/hobbies/welche-maltechniken-gibt-es.html
- Doerner, M. (2006). Malmaterial und seine Verwendung im Bilde.
- Honour, H., & Fleming, J. (1992). Weltgeschichte der Kunst.
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