„Mathematik ist die Wissenschaft der Beschreibung, Beweisführung und Berechnung.“

– Ronald Brown (Mathematiker)

Mathematik begegnet uns jeden Tag – beim Einkaufen, Kochen, Bauen oder Planen. Doch wer hat Mathe eigentlich erfunden? Und wie wurde aus dem einfachen Zählen und Messen eine komplexe Wissenschaft?

Mathematik wurde nicht von einer einzelnen Person erfunden. Sie entstand vor über 4.000 Jahren unabhängig in verschiedenen Hochkulturen wie Babylon, Ägypten, China und später Griechenland. Prägend waren Mathematiker wie Pythagoras, Euklid, Al-Chwarizmi und Newton – sie entwickelten bestehendes Wissen weiter, statt es zu „erfinden“.

Unser Mathe-Überblick nimmt Dich mit von den ersten Zahlensystemen über Null, Algebra und Geometrie bis hin zu Computern und Künstlicher Intelligenz. Erfahre, wie sich Mathematik über Jahrtausende entwickelt hat und warum sie heute wichtiger ist denn je.

ca. 20.000 v. Chr.

Erste Zählspuren

Der Ishango-Knochen mit Kerben gilt als frühes Zeugnis für das Erfassen und möglicherweise Zählen von Mengen.

ca. 3000 v. Chr.

Erste Hochkulturen

In Mesopotamien und Ägypten entstehen systematische Rechenverfahren für Handel, Landvermessung, Bauwesen und Verwaltung.

ca. 600–300 v. Chr.

Griechische Mathematik

Thales, Pythagoras und Euklid entwickeln die Mathematik zu einer stärker theoretischen Wissenschaft mit systematischen Beweisen weiter.

7.–9. Jh.

Null und Algebra

In Indien entwickelt sich die Null als Zahl. In der islamischen Welt wird das indische Zahlensystem weiterverbreitet und durch Al-Chwarizmi die Algebra geprägt.

1202

Fibonacci in Europa

Fibonacci stellt im Liber Abaci das indisch-arabische Zahlensystem und neue Rechenmethoden in Europa vor.

17. Jh.

Die moderne Mathematik

Logarithmen, analytische Geometrie, Wahrscheinlichkeitstheorie sowie Differential- und Integralrechnung entstehen bzw. werden entscheidend weiterentwickelt.

20.–21. Jh.

Computer, Informatik und KI

Mathematik verbindet sich zunehmend mit Logik, Informatik und Künstlicher Intelligenz und bildet die Grundlage für Algorithmen und maschinelles Lernen.

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Und los geht's

Wann wurde Mathe erfunden?

Eine genaue Geburtsstunde der Mathematik gibt es nicht. Obwohl die Menschen schon seit einigen Jahrtausenden angefangen hatten zu zählen und zu messen, fängt die eigentliche Geschichte der Mathematik erst mit den ersten Hochkulturen an.

Erste Spuren mathematischen Denkens reichen jedoch deutlich weiter zurück. Der Ishango-Knochen aus Zentralafrika ist etwa 20.000 Jahre alt und trägt mehrere Kerben, die möglicherweise zum Zählen oder Erfassen von Mengen dienten. Ihre genaue Bedeutung ist allerdings nicht eindeutig geklärt.

Die Mathematik entstand vermutlich aus praktischen Problemen: Menschen mussten Tiere zählen, Vorräte verwalten, Land vermessen und Entfernungen oder Mengen berechnen. Mit dem Entstehen größerer Siedlungen und Hochkulturen wurden solche Aufgaben immer wichtiger. Zum Beispiel in der Architektur – auch Mathematik und Kunst stehen in einem engen Zusammenhang.

Alle frühen Hochkulturen kannten bereits komplexe Zählsysteme, die das Bilden großer Zahlen erlaubten. Die frühesten umfangreicheren schriftlichen mathematischen Zeugnisse stammen vor allem aus Mesopotamien und Ägypten und reichen bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurück.

Die ausführlichsten Quellen zu mathematischen Überlegungen stammen aus Ägypten und Mesopotamien. Aus diesem Grund wird die Geburtsstunde der Mathematik von der Forschung häufig in diesen beiden Hochkulturen verortet.

Wer hat Mathematik erfunden – oder besser: Wer hat sie geprägt?

Wer die Mathematik erfunden hat, lässt sich nicht auf eine einzelne Person oder ein bestimmtes Volk zurückführen. Schon lange vor den berühmten griechischen Mathematikern nutzten Menschen mathematische Verfahren, um ihren Alltag zu organisieren. Ob es darum ging,

  • Vieh zu zählen,
  • Löhne zu verteilen,
  • Land zu vermessen,
  • Flächen zu berechnen oder
  • Bauwerke zu planen.

Die ersten mathematischen Zeugnisse reichen mehrere Jahrtausende vor Christus zurück. Besonders bedeutend waren die Entwicklungen in Mesopotamien und im Alten Ägypten. Erst später verlegte sich das wissenschaftliche Zentrum der antiken Welt in den Mittelmeerraum.

Die Griechen entwickelten die Mathematik schließlich von einer Sammlung praktischer Rechenverfahren zu einer stärker theoretischen Wissenschaft, in der logische Beweise eine zentrale Rolle spielten.

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Babylonier – Die ersten Zahlensysteme

Die ersten Versuche des mathematischen Denkens lassen sich in Mesopotamien bis etwa 3000 v. Chr. zurückverfolgen. Mit der Entwicklung der babylonischen Kultur wurde dieses mathematische Wissen weiter ausgebaut. Es stammt von ungefähr 400 Tontafeln, die seit dem 19. Jahrhundert bei Ausgrabungen gefunden wurden.

Darauf lässt sich erkennen, dass die Babylonier bereits in der Lage waren, quadratische und teilweise auch kubische Gleichungen zu lösen, mit Brüchen umzugehen und Regeln zur Flächen- und Volumenberechnung zu kennen. Auch Gleichungssysteme mit zwei Unbekannten waren ihnen bekannt.

beenhere
Mathematik auf Tontafeln

Die Tontafeln zeigen, dass Mathematik schon lange vor den Griechen weit mehr war als einfaches Zählen. Die Menschen konnten bereits komplexe Rechenaufgaben lösen und mathematische Probleme systematisch bearbeiten.

Die Babylonier verwendeten ein Sexagesimalsystem, also ein Zahlensystem zur Basis 60. Noch heute erinnert beispielsweise die Einteilung einer Stunde in 60 Minuten oder eines Kreises in 360 Grad an diese Tradition.

Auch geometrische Berechnungen waren weit entwickelt. Die Babylonier kannten Näherungswerte für die Kreiszahl π und konnten Flächen und Volumen berechnen. Sie kannten außerdem Beziehungen, die dem heute als Satz des Pythagoras bekannten Zusammenhang entsprechen – allerdings ohne den für die griechische Mathematik typischen systematischen Beweis.

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Die alten Ägypter – Geometrie für die Pyramiden

Aus dem Alten Ägypten stehen uns weniger Primärquellen zur Verfügung, da hauptsächlich auf empfindlichen Papyrus geschrieben wurde. Ein noch erhaltenes Dokumente (Papyrus Rhind) aus dem 17. Jahrhundert v. Chr. behandelt zahlreiche mathematische Aufgaben und Verfahren, darunter:

  • Arithmetik,
  • Bruchrechnung,
  • Geometrie und
  • das Lösen praktischer Rechenprobleme.

Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass sich die ägyptische Mathematik bereits sehr früh entwickelte. Es gilt als gesichert, dass der Bau der großen Pyramiden ohne weitreichende mathematische Kenntnisse nicht möglich gewesen wäre. Besonders wichtig waren Kenntnisse über Längen, Flächen, Winkel und Proportionen.

Pyramiden in Ägypten
Mathematik spielte im alten Ägypten eine wichtige Rolle (Credits: Andrés Dallimonti – Ägypten – 2019)

Auch die alten Ägypter kannten neben den vier Grundrechenarten verschiedene Verfahren zur Berechnung von Flächen und Volumen. Dazu gehörten beispielsweise Regeln für Rechtecke, Dreiecke, Trapeze und Kreise. Für die Fläche eines Kreises verwendeten sie eine Näherungsregel, die einem Wert von etwa π = 3,16 entspricht.

Anders als die Babylonier verwendeten die Ägypter ein additives Zahlensystem, bei dem eigene Zeichen für Zehnerpotenzen verwendet wurden. Auch Brüche wurden auf besondere Weise dargestellt, vor allem als Summen von Stammbrüchen.

Die Griechen – Geburt der theoretischen Mathematik

Die Griechen übernahmen dabei mathematisches Wissen aus älteren Kulturen und entwickelten es weiter. Statt Anweisungen zum Rechnen, um ein möglichst genaues Ergebnis erhalten, suchte die griechische Antike nun vermehrt nach exakten Berechnungsmethoden, die mit einer ausführlichen Beweisführung belegt werden konnten.

Damit wurde Mathematik zunehmend zu einer theoretischen Wissenschaft. Viele der heute noch verwendeten mathematischen Grundbegriffe und geometrischen Sätze wurden in dieser Zeit entwickelt, systematisiert oder weitergegeben.

Zu den bekannten griechischen Mathematikern und Philosophen gehören:

Thales von Milet (um 624–546 v. Chr.)

Ihm werden mehrere grundlegende geometrische Erkenntnisse zugeschrieben, darunter der Satz des Thales sowie Aussagen über gleichschenklige Dreiecke und Scheitelwinkel. Der Überlieferung nach soll er außerdem die Höhe der Pyramiden anhand ihrer Schatten bestimmt haben.

Pythagoras von Samos (um 570–510 v. Chr.)

Der nach ihm benannte Satz des Pythagoras (a² + b² = c²) beschreibt den Zusammenhang zwischen den Seitenlängen eines rechtwinkligen Dreiecks. Die zugrunde liegende Beziehung war allerdings bereits in älteren Kulturen bekannt.

Platon von Athen (um 428–347 v. Chr.)

Der bedeutende Philosoph räumte der Mathematik einen hohen Stellenwert ein und beeinflusste damit die griechische Wissenschaft. Nach ihm sind die platonischen Körper benannt, die in seinen Schriften eine wichtige Rolle spielen.

In den darauffolgenden Jahrhunderten verlagerte sich das wissenschaftliche Zentrum der antiken Welt nach Alexandria in Ägypten, das 331 v. Chr. gegründet wurde. Hier lebte und arbeitete der griechische Mathematiker Euklid. Sein bekanntestes Werk sind die Elemente: es umfasst 13 Bücher und fasst große Teile des mathematischen Wissens seiner Zeit systematisch zusammen. Dabei werden Definitionen, Axiome, Sätze und Beweise logisch aufeinander aufgebaut.

Bekannt ist beispielsweise das Parallelenpostulat, das als Fünftes Postulat von Euklid bezeichnet wird. Es bildet die Grundlage der klassischen euklidischen Geometrie. Im 9. Buch findet sich außerdem der Satz des Euklid, nach dem es unendlich viele Primzahlen gibt.

beenhere
Warum waren die Griechen so wichtig?

Der entscheidende Unterschied lag weniger darin, dass die Griechen plötzlich völlig neue Mathematik erfanden. Ihre besondere Leistung bestand darin, mathematische Aussagen systematisch zu begründen und zu beweisen. Aus einzelnen Rechenregeln wurde dadurch zunehmend ein logisch aufgebautes System.

Apollonius von Perge, der ebenfalls in Alexandria wirkte, beschäftigte sich neben der Mathematik auch mit der Astronomie. Sein bedeutendstes mathematisches Werk ist Konika (über Kegelschnitte), in dem er die Theorie der Kegelschnitte systematisch untersuchte.

Er führte dabei auch die Begriffe für die Kegelschnitte ein, die wir bis heute verwenden: Ellipse, Parabel und Hyperbel. Der Kreis wird dabei als Sonderfall eines Kegelschnitts betrachtet.

Auch bedeutend: Archimedes von Syrakus. Ihm verdanken wir insbesondere wichtige Erkenntnisse in Geometrie, Mechanik und mathematischer Physik:

  • Kreiszahl π: Näherungsverfahren
  • Geometrie: Kreis, Flächen und Volumen
  • Zahlensystem: Darstellung sehr großer Zahlen
  • Archimedische Schraube: Wasserförderung
  • Physik: Hebelgesetz und Auftriebsprinzip
  • Technik: Entwicklung von Kriegsmaschinen

In der Zeit zwischen etwa 100 v. Chr. und 350 n. Chr. lebte Diophantos von Alexandria. Er gilt als wichtiger Wegbereiter der Algebra und Zahlentheorie. Nach ihm sind die diophantischen Gleichungen und die diophantische Approximation benannt.

Um die Zeitenwende herum beschäftigten sich außerdem Astronomen wie Hipparchos und Ptolemäus mit den Beziehungen zwischen Entfernungen und Winkeln in Dreiecken. Diese Erkenntnisse trugen wesentlich zur Entwicklung der Trigonometrie bei.

Übrigens: Die Verknüpfung von Mathematik und Physik ist eng. Entdecke auch unseren Artikel über den Einfluss von Albert Einstein auf die Mathematik.

Ein Blick nach China

Parallel zu den Entwicklungen im Mittelmeerraum beschäftigten sich auch in China Mathematiker mit Geometrie, Arithmetik und Algebra. Eine zentrale Sammlung ist das Werk Neun Kapitel der Rechenkunst, das über längere Zeit entstanden und spätestens in der Han-Zeit in seiner überlieferten Form etabliert war.

Die chinesische Mathematik arbeitete mit einem dezimalen Stellenwertsystem und entwickelte eigenständige Verfahren zum Lösen von Gleichungen. Auch mathematische Näherungen für π wurden früh entwickelt.

Ein bedeutender Mathematiker der späteren chinesischen Tradition war Zhu Shijie (um 1260–1320). Sein Werk "Kostbarer Spiegel der vier Elemente" beschäftigte sich unter anderem mit algebraischen Gleichungen und Gleichungssystemen.

Damit zeigt sich: Die Geschichte der Mathematik ist keine rein europäische Geschichte. Neben Mesopotamien, Ägypten und Griechenland entwickelten auch China, Indien und später die islamische Welt bedeutende mathematische Methoden weiter.

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Die Mathematik im Mittelalter – Wer entwickelte sie weiter?

Gang eines Klosters
Antikes Wissen wurde zunächst an Klosterschulen bewahrt (Credits: Luís Feliciano – Portugal – 2020)

Das Mittelalter war keineswegs eine Zeit des mathematischen Stillstands. Während in Europa zunächst vor allem Klosterschulen das antike Wissen bewahrten, entstanden ab dem 11. und 12. Jahrhundert neue Bildungszentren und später die ersten Universitäten.

Gleichzeitig entwickelte sich die Mathematik in anderen Teilen der Welt weiter. Im mittelalterlichen Europa sind der Aufstieg der Klosterschulen und später die Gründung der ersten Universitäten für die Geschichte der Mathematik von großer Bedeutung.

Damit entstanden nicht nur Räume, in denen viele Menschen unterrichtet werden konnten, sondern auch Zentren des wissenschaftlichen Austauschs.

Besonders bedeutende mathematische Entwicklungen fanden zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert in Indien und der islamischen Welt statt. Dort wurden mathematische Kenntnisse aus verschiedenen Kulturen gesammelt, weiterentwickelt und schließlich über Übersetzungen und Handelswege auch nach Europa vermittelt.

Indien – Die Erfindung der Null

Eine der bedeutendsten Entwicklungen der indischen Mathematik war die Einführung der Null als Zahl und als Platzhalter im Stellenwertsystem. Bereits in der Antike verwendeten indische Mathematiker ein dezimales Stellenwertsystem, bei dem die Position einer Ziffer ihren Wert bestimmt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus auch die Null als eigenständige Zahl.

beenhere
Warum ist die Null so wichtig?

Ohne die Null wäre unser heutiges Stellenwertsystem kaum denkbar. Sie zeigt beispielsweise in der Zahl 205, dass an der Zehnerstelle kein Wert steht, und ermöglicht gleichzeitig Rechenoperationen mit positiven und negativen Zahlen.

Der indische Mathematiker Brahmagupta beschrieb im 7. Jahrhundert Regeln für das Rechnen mit der Null und mit negativen Zahlen. Damit legte die indische Mathematik wichtige Grundlagen für unser heutiges Zahlensystem.

Die indischen Zahlzeichen und das Dezimalsystem gelangten später über die islamische Welt nach Europa. Deshalb sprechen wir heute häufig vom indisch-arabischen Zahlensystem.

Islamische Welt – Al-Chwarizmi und Algebra

Ungefähr zeitgleich, ab dem 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, fanden einige der wichtigsten Entwicklungen in Bagdad statt. Mathematiker sammelten und kombinierten dort griechisches, indisches und persisches Wissen und entwickelten es weiter.

Zu den bedeutendsten Mathematikern dieser Zeit gehört Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi (um 780–850). Er beschäftigte sich intensiv mit dem indischen Zahlensystem und der Algebra. Sein Werk „Hisab al-dschabr wa-l-muqabala“ gab der Algebra ihren Namen.

Al-Chwarizmi beschrieb systematische Verfahren zum Lösen von Gleichungen und trug zur Verbreitung des indischen Dezimalsystems bei. Auch der Begriff Algorithmus geht auf die lateinische Form seines Namens zurück. Über Spanien und Süditalien gelangte dieses Wissen schließlich nach Europa und prägte dort die weitere Entwicklung der Mathematik.

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Europa – Fibonacci und die Verbreitung der Zahlen

In Mitteleuropa kam es erst gegen 1100 n. Chr. zu einer verstärkten Beschäftigung mit mathematischen Fragestellungen. Einen wichtigen Beitrag leisteten Übersetzungen arabischer und griechischer Werke, aber auch islamisches Wissen. Die Verbreitung des indisch-arabischen Zahlensystems erfolgte schrittweise über mehrere Jahrhunderte.

Eine der herausragenden Figuren dieser Entwicklung war um 1200 der italienische Rechenmeister Leonardo von Pisa, genannt Fibonacci. Er lernte die arabischen Rechenmethoden kennen und stellte sie in seinem berühmten Werk Liber Abaci einem europäischen Publikum vor. Heute ist Fibonacci vor allem für die Fibonacci-Folge bekannt.

beenhere
Was besagt die Fibonacci-Regel?

Dabei beginnt eine Zahlenfolge beispielsweise mit 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13 … Jede Zahl ergibt sich aus der Addition der beiden vorherigen Zahlen. Das Verhältnis aufeinanderfolgender Zahlen nähert sich dem Goldenen Schnitt an.

Im 15. Jahrhundert benutzte der Mathematiker Johannes Widmann aus Eger zum ersten Mal die Zeichen + und – zur Kennzeichnung von Überschuss und Mangel. Als Rechenzeichen für Addition und Subtraktion setzten sie sich anschließend zunehmend durch.

Im 16. Jahrhundert veränderte der französische Mathematiker François Viète die Algebra grundlegend. Er verwendete Buchstaben systematisch als Platzhalter für bekannte und unbekannte Größen und gilt deshalb als einer der Begründer der modernen algebraischen Schreibweise.

Der Satz von Vieta wird bis heute zum Lösen quadratischer Gleichungen genutzt. Viète leistete außerdem wichtige Beiträge zur Trigonometrie und beschäftigte sich mit der Kreiszahl π.

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Die Neuzeit – Wann wurde Mathematik zur modernen Wissenschaft?

Mit der Neuzeit ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich die Mathematik rasant weiter. Neue Entdeckungen in Naturwissenschaften und Astronomie stellten immer komplexere Anforderungen an mathematische Berechnungen.

Mathematiker wie François Viète, René Descartes, Isaac Newton und Gottfried Wilhelm Leibniz entwickelten neue Methoden und legten wichtige Grundlagen für Algebra, analytische Geometrie und Analysis. Damit wurde Mathematik zunehmend zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Wissenschaft und Technik.

17. Jahrhundert – Newton & Leibniz

Das 17. Jahrhundert gilt als eine der bedeutendsten Epochen der Mathematik und Physik. Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Apfel, der auf Newtons Kopf fällt und ihn so auf die Idee der Anziehungskraft der Erde gebracht haben soll? Die berühmte Geschichte ist allerdings nicht historisch gesichert und vereinfacht Newtons tatsächliche Arbeit zur Gravitation stark.

In dieser Zeit entstanden zahlreiche mathematische Methoden und Konzepte, die bis heute eine wichtige Rolle spielen. Zu den wichtigsten Meilensteinen gehören:

JahrEntwicklungBedeutung
1614John Napier veröffentlicht LogarithmentafelnVereinfachung aufwendiger Multiplikationen und Divisionen
1620Jost Bürgi veröffentlicht seine LogarithmentafelnEntwicklung eines weiteren eigenständigen Logarithmensystems
1637René Descartes veröffentlicht La GéométrieVerbindung von Algebra und Geometrie
1654Blaise Pascal und Pierre de Fermat entwickeln Grundlagen der WahrscheinlichkeitstheorieMathematische Beschreibung von Zufall und Wahrscheinlichkeit
ab 1660er/1670erNewton und Leibniz entwickeln unabhängig voneinander die InfinitesimalrechnungGrundlage der Differential- und Integralrechnung

Zu den wichtigsten mathematischen Entwicklungen des 17. Jahrhunderts gehörten die Logarithmen, die analytische Geometrie, die Wahrscheinlichkeitstheorie sowie die Infinitesimalrechnung.

  • Der Schotte John Napier gilt als einer der Begründer der Logarithmen. 1614 veröffentlichte er seine ersten Logarithmentafeln, die aufwendige Multiplikationen und Divisionen vereinfachten.
  • Jost Bürgi entwickelte unabhängig davon ein eigenes Logarithmensystem und veröffentlichte seine Tafeln 1620.
  • Die analytische Geometrie von René Descartes verband Algebra und Geometrie. In "La Géométrie" (1637) zeigte er, wie sich geometrische Figuren durch Koordinaten und Gleichungen beschreiben lassen.
  • Blaise Pascal und Pierre de Fermat legten 1654 wichtige Grundlagen der Wahrscheinlichkeitstheorie, ausgehend von einem Problem rund um das Glücksspiel.
  • Isaac Newton und Gottfried Wilhelm Leibniz legten den Grundstein für die Infinitesimalrechnung. Unabhängig voneinander entwickelten sie Methoden, die zur Grundlage der heutigen Differential- und Integralrechnung wurden.

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18.–19. Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert wurde dominiert durch das Wirken des Mathematikers Leonhard Euler, der sich intensiv mit Funktionen und der Infinitesimalrechnung beschäftigte. Euler prägte die Analysis entscheidend und führte unter anderem die heute gebräuchliche Schreibweise (f(x)) für mathematische Funktionen ein.

Eine weitere bedeutende Figur des 18. Jahrhunderts war Joseph-Louis Lagrange. Er leistete wichtige Beiträge zur Analysis und zur Variationsrechnung. Der nach ihm benannte Lagrange-Multiplikator wird bis heute verwendet, um Optimierungsprobleme mit Nebenbedingungen zu lösen.

Im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche neue mathematische Theorien. Die Wissenschaft dieser Zeit war unter anderem dadurch geprägt, dass bisherige Grundsätze aus der Antike hinterfragt wurden. Gleichzeitig entwickelten sich bestehende mathematische Gebiete weiter und es entstanden neue Teilgebiete.

Besonders wichtig waren dabei drei Entwicklungen:

Analysis:

Die Arbeiten von Euler, Lagrange und später zahlreichen weiteren Mathematikern führten die im 17. Jahrhundert begonnene Analysis weiter. Im 19. Jahrhundert wurden ihre Grundlagen zunehmend präzisiert, etwa durch die Entwicklung des Grenzwertbegriffs und die strenge Definition von Stetigkeit und Ableitung.

Wahrscheinlichkeit und Statistik:

Die im 17. Jahrhundert von Pascal und Fermat begründete Wahrscheinlichkeitstheorie wurde weiterentwickelt. Carl Friedrich Gauß beschäftigte sich unter anderem mit der statistischen Auswertung von Messfehlern; die nach ihm benannte Gaußsche Normalverteilung spielt bis heute eine zentrale Rolle in Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Nicht-euklidische Geometrie:

Im 19. Jahrhundert wurde die Vorstellung infrage gestellt, dass die Geometrie des antiken Mathematikers Euklid die einzig mögliche Geometrie sei. Mathematiker wie Carl Friedrich Gauß, Nikolai Lobatschewski und János Bolyai entwickelten unabhängig voneinander Geometrien, in denen das Parallelenpostulat nicht gilt.

Carl Friedrich Gauß wurde bereits zu Lebzeiten als „Fürst der Mathematiker“ bezeichnet. 1801 veröffentlichte er seine "Disquisitiones Arithmeticae", ein grundlegendes Werk der modernen Zahlentheorie, in dem er unter anderem den Satz über die quadratische Reziprozität bewies.

Mitte des 19. Jahrhunderts begründete Hermann Graßmann ein neues Teilgebiet der Mathematik. Seine Ausdehnungslehre bildete eine wichtige Grundlage für die spätere Vektor- und lineare Algebra. Sie ermöglicht es, geometrische Größen mithilfe algebraischer Strukturen zu beschreiben.

Die Wissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts ist dadurch geprägt, dass die Grundsätze aus der Antike in Frage gestellt werden, aber auch durch zahlreiche Neuentdeckungen und die Entwicklung der allgemeinen Mathematik.

20. Jahrhundert

Die Geschichte der Mathematik im 20. Jahrhundert wird mit David Hilberts Liste von 23 mathematischen Problemen eingeläutet. Hilbert stellte sie 1900 vor und gab damit wichtige Impulse für die Mathematik des folgenden Jahrhunderts. Viele der Probleme wurden inzwischen gelöst, andere sind bis heute ungelöst.

Eine besonders wichtige Entwicklung war die mathematische Logik. Kurt Gödel zeigte 1931 mit seinen Unvollständigkeitssätzen, dass es in hinreichend komplexen formalen Systemen Aussagen gibt, die innerhalb des Systems weder bewiesen noch widerlegt werden können. Damit zeigte er grundlegende Grenzen formaler mathematischer Systeme auf.

Auch in anderen Bereichen gelangen bedeutende Fortschritte:

  • Vier-Farben-Satz: Er besagt, dass vier Farben ausreichen, um jede Landkarte in der Ebene so einzufärben, dass benachbarte Flächen unterschiedliche Farben haben. Der Beweis gelang 1976 mit umfangreicher Unterstützung durch Computer.
  • Modularitätssatz und Fermats letzter Satz: Andrew Wiles bewies in den 1990er-Jahren den großen Fermatschen Satz. Dabei spielte der Zusammenhang zwischen elliptischen Kurven und Modulformen eine entscheidende Rolle.
  • Weil-Vermutungen: Die von André Weil aufgestellten Vermutungen wurden 1974 von Pierre Deligne bewiesen und waren ein wichtiger Meilenstein der modernen Zahlentheorie und algebraischen Geometrie.

21. Jahrhundert: KI in der Mathematik

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts eröffnete das Aufkommen von Computern neue Möglichkeiten für komplizierte Berechnungen. Gleichzeitig entstand mit der Informatik ein neues Fachgebiet, das eng mit der Mathematik verbunden ist. Und das ermöglicht auch neue berufliche Chancen.

Die Arbeiten von Wissenschaftlern wie Alan Turing und John von Neumann sowie die mathematische Logik legten wichtige Grundlagen für die theoretische Informatik und moderne Computer. Auch mathematische Beweise konnten zunehmend mithilfe von Computern überprüft werden, wie etwa beim Vier-Farben-Satz.

Aus der Verbindung von Mathematik und Informatik entwickelten sich außerdem wichtige Grundlagen für die Künstliche Intelligenz (KI). Bereits im 20. Jahrhundert beschäftigten sich Forscher damit, ob Maschinen Aufgaben lösen und menschliches Denken nachahmen können.

Heute bilden Wahrscheinlichkeitsrechnung, Statistik, lineare Algebra und Optimierung wichtige Grundlagen für maschinelles Lernen und neuronale Netze. Damit ist Mathematik nicht mehr nur ein Werkzeug zur Beschreibung der Welt, sondern auch eine Grundlage für Technologien, die aus Daten lernen und komplexe Aufgaben lösen können.

Heute bilden Wahrscheinlichkeitsrechnung, Statistik, lineare Algebra und Optimierung wichtige Grundlagen für maschinelles Lernen und neuronale Netze. Mathematik spielt zudem eine wichtige Rolle bei der Beschreibung komplexer Vorgänge in der Physik.

Ein bekanntes Beispiel ist der Higgs-Mechanismus: Für seine theoretische Entdeckung erhielten François Englert und Peter Higgs 2013 den Nobelpreis für Physik. Der Mechanismus erklärt, wie Elementarteilchen ihre Masse erhalten. Damit zeigt sich, wie mathematisch formulierte Theorien zu wichtigen Erkenntnissen über die Natur beitragen können.

Quellen

  1. Vgl. Michael, "Die Geschichte der Mathematik im Überblick", in: learnattack.de, 2026, https://learnattack.de/journal/geschichte-mathematik-ueberblick/
  2. Vgl. "Geschichte der Mathematik: Zeittafeln Algebra, Geometrie, Analysis", in: mathematik.ch, 2026, https://www.mathematik.ch/geschichte

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Chantal - Editorial Manager Superprof DE

Sprachen, Literatur, Theater und Musik prägen meinen schulischen, beruflichen und privaten Werdegang – und sind bis heute die Leidenschaft, die meine Arbeit antreibt.