Die deutsche Grammatik ist nicht gerade für ihre Einfachheit bekannt. Das Deutsche verfügt über drei Artikel (der, die, das), Kilometer lange Wörter, und, als ob das nicht schon genug wäre, vier Fälle. Vier Fälle, die den Deutsch-Lernern oft Kopfzerbrechen bereiten, denn je nach Fall müssen Nomen, Adjektive und andere Wortarten dekliniert werden.

Doch was bedeutet „Deklination“? „Deklination“ heißt, dass sich die Wörter „beugen“ oder verändern. Wörter eines Satzes verändern ihre Form je nach Kasus, Zahl (Singular oder Plural) und Geschlecht (Artikel). Doch hier soll es nur um die vier Fälle gehen und wie sich die deutschen Artikel je nach Fall verändern, wie man sie dekliniert.

In den indogermanischen Sprachen, zu denen auch Deutsch gehört, gab es ursprünglich acht Kasus. Ein Glück für Dich als Deutsch-Lerner also, dass Du nur vier zu lernen brauchst!

Fälle haben die Funktion, den Satz verständlicher zu machen. Stelle Dir vor, Du liest folgendes:

Der Affe geben das Baby der Bruder die Banane.

Unverständlich, oder? Um den Satz verständlich zu machen, müssen die Satzglieder dekliniert werden:

Der Affe gibt dem Baby des Bruders die Banane.

Jetzt ist alles klar! Du siehst, die vier Kasus haben durchaus ihren Sinn.

In welchem Fall steht die Banane?
Kein Fall, keine Banane! | Quelle: unsplash

Wie werden Artikel im Akkusativ dekliniert? Wie im Nominativ, Dativ und Genitiv? Welche Bedeutung haben diese vier Kasus überhaupt?

Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns in diesem Artikel.

Der 1. Fall: Nominativ

In diesem Kasus stellt man die Frage: „Wer oder was?“ Deswegen wird der 1. Fall auch als „Wer-Fall“ bezeichnet.

Beispiel: „Der Affe gibt dem Baby des Bruders die Banane.“

Hier fragt man: „Wer gibt dem Baby die Banane?“ Antwort: „Der Affe gibt ihm die Banane.“ Der Affe steht also im Nominativ.

Der Nominativ ist die Grundform der Substantive. Wenn Du also deutsche Nomen lernst, lernst Du sie immer im 1. Fall, das heißt nicht dekliniert.

Der 2. Fall: Genitiv

In diesem Fall muss man fragen: „Wessen?“ Deswegen wird der 2. Fall auch als „Wes/Wessen-Fall“ bezeichnet. Der Genitiv drückt eine Zugehörigkeit oder Herkunft aus.

Beispiel: „Der Affe gibt dem Baby des Bruders die Banane.“

Hier stellt man die Frage: „Wessen Baby gibt der Affe die Banane?“ Die Antwort lautet: „Dem Baby des Bruders gibt er die Banane.“ Der Bruder steht also im 2. Fall.

Ansonsten gibt es auch Präpositionen, also Verhältniswörter, die den Genitiv verlangen, wie zum Beispiel aufgrund, wegen, trotz, statt, entlang,außerhalb, innerhalb, unweit, während, anlässlich und dank.

Beispiel: „Ich gehe trotz meiner Müdigkeit in die Schule.“

Die Müdigkeit steht im Genitiv, da die Präposition trotz davor steht.

Bist Du müde vom Lernen?
Ein kleines Nickerchen, und weiter geht´s mit Deutsch lernen! | Quelle: unsplash

Der 3. Fall: Dativ

In diesem Kasus fragt man: „Wem oder was?“ So ist der Dativ der „Wem-Fall“. Im Dativ stehen Objekte eines Satzes, nach denen man mit „wem oder was“ fragt.

Beispiel: „Der Affe gibt dem Baby des Bruders die Banane.“

Die Frage lautet: „Wem gibt er die Banane?“ Antwort: „Er gibt dem Baby die Banane.“ Hier steht das Baby im 3. Fall.

Nach diesen Verben (die Liste ist natürlich unvollständig) steht der Dativ: antworten, gehören, gratulieren, helfen, schmecken, danken, folgen, ähneln, glauben

Auch der Dativ wird nach bestimmten Präpositionen verwendet, wie auch nach mit, nach, von, seit, aus, zu, bei, zuliebe und gegenüber.

Beispiel: „Seit letztem Jahr trage ich eine Brille.“

„Letztes Jahr“ steht wegen seit im 3. Fall.

Der 4. Fall: Akkusativ

Im Akkusativ muss man fragen: „Wen oder was?“ So wird er auch als „Wen-Fall“ bezeichnet. Im 4. Fall stehen Objekte, nach denen man mit „wen oder was“ fragt.

Beispiel: „Der Affe gibt dem Baby des Bruders die Banane.“

Hier fragt man: „Wen oder was gibt er dem Baby?“ Und die Antwort lautet: „Er gibt ihm die Banane.“ Die Banane steht also im Akkusativ.

Der Akkusativ hat immer direkten Kontakt zum Nominativ. Hier hält der Nominativ ihn in der Hand und wird dem Dativ (dem Baby) gegeben.

Verstehst Du die Bedeutung des Akkusativs?
Die Hand berührt das Wasser, wie der Nominativ den Akkusativ berührt. | Quelle: unsplash

Nach diesen Verben steht unter anderem der Akkusativ: sehen, lieben, besuchen, kaufen, lesen, backen, essen, trinken

Woher weiß man, nach welchen Verben welcher Fall kommt? Man muss es einfach auswendig lernen und Übungen machen!

Präpositionen, nach denen der 4. Fall benutzt wird, sind zum Beispiel für, um, gegen, durch, ohne, bis.

Beispiel: „Der Weg führt durch den Wald.“

Durch leitet den Akkusativ ein, so dass „der Wald“ im 4. Fall steht.

Zusammenfassung:

In unserem Beispielsatz „Der Affe gibt dem Baby des Bruders die Banane“ steht der Affe also im Nominativ, das Baby im Dativ, der Bruder im Genitiv und die Banane im Akkusativ.

Ein kleiner Merksatz, damit Du Dir die vier Fälle im Deutschen besser einprägen kannst:

„Der Gnom des Genies gibt David den Akku“

„Gnom steht für Nominativ, „Genies“ für Genitiv, „David“ für Dativ und „Akku“ für Akkusativ!

Und zur Veranschaulichung eine Tabelle mit den Artikeln in den vier Fällen:

Fall / Singularder Affedie Bananedas BabyPlural
Nomein Affe
der Affe
eine Banane
die Banane
ein Baby
das Baby
Tiere
die Tiere
Geneines Affen
des Affen
einer Banane
der Banane
eines Babys
des Babys
Tiere
der Tiere
Dateinem Affen
dem Affen
einer Banane
der Banane
einem Baby
dem Baby
Tieren
den Tieren
Akkeinen Affen
den Affen
eine Banane
die Banane
ein Baby
das Baby
Tiere
die Tiere

Du weißt nun, wie die deutschen Artikel (bestimmt und unbestimmt) in den vier Kasus dekliniert werden und nach welchen Verben und Präpositionen welche Fälle verwendet werden.

Möchtest Du Deutsch und die vier Fälle lernen?
Zeig uns, was für ein Musterschüler Du bist! | Quelle: unsplash

Wie wäre es jetzt mit einer kleinen Fall-Übung? Die Lösungen findest Du am Ende des Artikels!

  1. Welche Wörter stehen im Nom und Akk?„Das Flugzeug fliegt durch den Himmel.“
  2. Welche Wörter stehen im Nom, Dat und Gen?„Die Milch schmeckt dem Kind des Königs.“
  3. „Während der Ferien verreisen wir nach Spanien.“In welchem Fall stehen „die Ferien“ und warum?
  4. Schreibe einen Satz mit „die Frau“ im Nom, „essen“ und „der Kuchen“ im Akk.
  5. Schreibe einen Satz mit „das Kind“, „ähneln“ und „die Katze“.

Lösungen:

  1. das Flugzeug“: Nom, „der Himmel“: Akk
  2. die Milch“: Nom, „das Kind“: Dat, „der König“: Gen
  3. die Ferien“ stehen im Genitiv, da nach während dieser Fall benutzt wird.
  4. Die Frau isst den Kuchen.“
  5. Das Kind ähnelt der Katze.“
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Christiane

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