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Die große Geschichte des Boxsports

Von Stefanie, veröffentlicht am 30/04/2019 Blog > Sport > Boxen > Die große Geschichte des Boxsports

„Disziplin heißt, etwas, das man hasst, so zu tun, als liebte man es.“ Mike Tyson (geboren 1966)

Nahkampfsportarten werden von unerfahrenen Neueinsteigern oft als brutale, gewalttätige Sportarten dargestellt, die nur dazu dienen, sich abzureagieren, oder sogar als Markenzeichen der bösen Jungs aus armen Vierteln angesehen werden, in denen Bandengewalt und Kriminalität über dem Gesetz stehen.

Dieses Bild hätten wir auch im Kopf, wenn wir die Presseartikel über Boxer wie Mohamed Dridi (1968-2016) lesen würden, ehemaliger Boxmeister und Journalist, der im Dezember 2016 erschossen in seiner Wohnung in Palavas-les-Flots (34) aufgefunden wurde, oder Tyson Fury, der im September 2016 vor einem Kampf gegen Wladimir Klitschko positiv auf Kokain getestet wurde.

Boxer zu sein hieße demnach nur, hart zuschlagen und zutreten zu können, eine gute Beinarbeit zu haben, um den Schlägen auszuweichen und den Gegner zu provozieren, mit dem einzigen Ziel zu gewinnen.

Das ist jedoch ein Vorurteil gegenüber Boxern – sei es vom klassischen Boxen, vom französischen Savate-Boxen, Kickboxen oder Thaiboxen – und gegenüber anderen Disziplinen wie Karate oder Full Contact. Die Sportler sind zum einen weder alle straffällig, noch Konkurrenten, die im Ring um den Weltmeistertitel kämpfen.

Zum anderen entsprechen die in der Boxhalle propagierten Werte dem Gegenteil von reiner Brutalität: Respekt, Schutz, Selbstverteidigung, Weitsichtigkeit, Taktik, Mut, Kampfgeist…

Tatsächlich haben die größten Boxer aller Zeiten, von Mike Tyson über Floyd Mayweather bis hin zu Muhammad Ali, mehr Positives als Negatives zum Boxen beigetragen.

Aber woher kommt dieser Sport und wie ist er entstanden? Was hat aus dem Boxen eine der beliebtesten Sportarten gemacht?

Für unsere interessierten Leser haben wir hier eine Kurzfassung der Geschichte des Boxens.

Boxen, eine Sportart mit antikem Ursprung

Die ersten Spuren einer primitiven Form des Boxens gehen auf die Antike zurück, als die Menschen anfingen, die Faust als natürliche Waffe zu verwenden: es handelte sich um das Pankration und den Faustkampf.

Damals gab es noch keine Regeln für den Boxsport Vor 2500 Jahren endeten die Kämpfe im antiken Griechenland und im römischen Reich bis zum vierten Jahrhundert oftmals tödlich… | Quelle: Pexels

Archäologische Untersuchungen von antiken Texten (darunter die von Gilgamesh) haben belegt, dass es Boxen bereits im II. Jahrhundert vor unserer Zeit gab, und zwar in Mesopotamien (heutiges Irak), in Nordafrika und in Griechenland.

Tatsächlich gab es Entdeckungen antiker Werke, die aus dem Jahr 2000 vor Christus stammen und auf denen Faustkämpfer mit Boxhandschuhen und einem Schutzhelm auf dem Kopf zu sehen sind.

Es ist bekannt, dass im Gebiet des heutigen Äthiopiens, in Nubien, Menschen bereits im I. Jahrhundert vor Christus Boxkämpfe ausgetragen haben.

Während der ägyptischen Besetzung im 5. Jahrhundert vor Christus wurden die Nilufer ein Ort, an dem die Soldaten sich gegenseitig zur Belustigung der Könige und Pharaonen im Vollkontakt bekämpften.

Später wurden im Faustkampf, der im antiken Griechenland und anschließend im römischen Reich praktiziert wurde, die Schläge nur noch auf den Kopf gerichtet, während der Gegner seine Deckung mithilfe seiner Fäuste halten musste. Der Kampf endete für einen der beiden Gegner oftmals mit dem Tod.

Der erste olympische Sieger im Faustkampf war Onomastus aus Smyrna während der 23. Olympischen Spiele im Jahr 688 vor Christus.

Zur Zeit des antiken Roms – viele römische Kaiser wie Caligula liebten Spiele, um die Menge zu unterhalten, vor allem in der Arena und später im Kolosseum – wurde der Sport mit der Zeit immer brutaler: Im Gegensatz zum Faustkampf waren beim Pankration alle Schläge erlaubt.

Die Pankration-Kämpfer, durchtrainierte Soldaten und Gladiatoren, mussten nackt, aufrecht stehend und am Boden, bis zur vollständigen Erschöpfung kämpfen und so hart zuschlagen wie nur möglich. Der Kampf endete erst, wenn der Gegner sich ergab oder seinen Verletzungen erlag.

Die Geschichte des Boxens zeigt, dass die Sportler sich mit der Zeit mit Helmen geschützt haben und inwiefern Boxen für Anhänger des antiken Sports immer wichtiger wurde.

Die Römer rekrutierten aus Gruppen von Gefangenen und Sklaven Gladiatoren, die mit Lederbandagen (dem Cestus) kämpften, die laut Homer und Virgil (-70; -19) schwere Verletzungen verursachten, indem sie dazu führten, dass die Haut aufplatzte.

Die Gladiatorenspiele wurden 392 n. Chr. von Kaiser Theodosius I. verboten, was auch dem Boxen für über tausend Jahre lang ein Ende setzte.

Und Du fragst dich immer noch, weshalb Du mit dem Boxen beginnen solltest?

Das klassische Boxen

Aufgrund fehlender Quellen können Historiker derzeit nicht abschätzen, ob das Boxen vollständig verschwunden ist oder ob es im Geheimen stattgefunden hat.

Früher wurde Boxen oft illegal ausgeübt Vor dem 20. Jahrhundert wurde in London illegal in Boxclubs geboxt. |Quelle: Pixabay

Es ist jedoch bekannt, dass der englische Adel im 17. Jahrhundert begann, auf illegale Faustkämpfe zu wetten. In Frankreich wurde gleichzeitig Savate-Boxen praktiziert: ein Nahkampf, bei dem auch die Füße eingesetzt werden.

Während der napoleonischen Kriege entdeckten die französischen Gefangenen in London durch illegale Kämpfe um Geld die Verwendung der bloßen Faust beim Boxen. Erst durch das englische Boxen wurde das französische Boxen zum Kickboxen.

James Figg, der „Urvater des modernen Boxens“

Der erste Boxer, der auch Fechter war und mit der bloßen Faust gekämpft hat, war James Figg (1695-1734).  Er ist als Urvater des modernen Boxens bekannt. Dabei handelte es sich um eine Mischung aus Bare-Knuckle-Boxen, Ringen und Fechten.

James Figg hat im Jahr 1719 die erste Boxschule ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 1730 soll er von 270 Kämpfen lediglich einen verloren haben. Er starb im Jahr 1734 nach einer erfolgreichen Karriere, in der er nahezu unbesiegt blieb.

Warum nicht Kurse im französischen Boxen belegen?

Jack Broughton, der Nachfolger

Jack Broughton (1704-1789) erkannte, dass Kämpfe manchmal zum Tod führen konnten und war der erste, der allgemein gültige Regeln für die Kämpfe aufstellte, die für alle Anhänger dieses Sports gelten sollten: die 1743 verfassten London Prize Ring Rules.

Tatsächlich soll er fast 400 Kämpfe gewonnen haben, bis er eines Tages einen Gegner im Ring tötete.  Dieser Unfalltod traumatisierte ihn so sehr, dass er sich dazu entschloss, Regeln aufzustellen, um tödliche Ausgänge zu vermeiden.

Dieses erste Regelwerk legt fest, dass der Kampf zu Ende ist, wenn ein Gegner zu Boden geht und nicht innerhalb von 30 Sekunden wieder aufsteht. Es wurde verboten, einen am Boden liegenden Boxer zu schlagen oder Schläge unterhalb der Taille zu platzieren.

Er führte auch den Boxring ein, ein Quadrat, außerhalb dessen es verboten ist, sich gegenseitig zu schlagen. Anfangs stießen verärgerte Kämpfer zu den Veranstaltungen, die daraus eine allgemeine „Keilerei“ machten.

1736 wird Broughton zum englischen Meister in der Kategorie Schwergewicht gekürt.

Das englische Boxen wurde aufgrund der damit verbundenen Gewalt zunächst als illegal erklärt. Daher war die Ausübung des Sports im 19. Jahrhundert noch illegal.

Erst im 19. Jahrhundert wurde das moderne Boxen als legale Sportart akzeptiert.

Boxen in der „Belle Époque“

Im Jahr 1866, als das englische Boxen noch illegal praktiziert wurde, standen Todesfälle, Korruption und Betrug an der Tagesordnung.

Es ist nicht erlaubt, einen am Boden liegenden Gegner zu schlagen. Mit der Einführung einer „Charta“ wurde der Kampf am Boden verboten. Quelle: VisualHunt

Um dem Abhilfe zu verschaffen, hat der Journalist John Graham Chambers (1843-1883) im Jahr 1866 gemeinsam mit John Douglas, dem sogenannten Marquess of Queensberry (1844-1900) ein Regelwerk verfasst.

Es ist die Bekanntheit des Letzteren, die wesentlich zur Verbreitung der 16 neuen Regeln, der sogenannten Queensberry-Regeln, des modernen Boxens beitrug.

Das Tragen von Boxhandschuhen wurde zur Pflicht, um die Auswirkungen der Schläge und das Ausmaß der Verletzungen zu reduzieren.  Eine Runde wurde auf drei Minuten begrenzt und einem zu Boden gegangenen Kämpfer eine Zählzeit von zehn Sekunden eingeräumt, um wieder aufzustehen oder seine Niederlage einzugestehen.

Die Regel legte auch die verschiedenen Gewichtsklassen fest, denen die Boxer zugeordnet wurden:

  • Schwergewicht: mehr als 71,667 kg,
  • Mittelgewicht: zwischen 63,503 kg und 71,667 kg,
  • Leichtgewicht: weniger als 63,503 kg.

Tatsächlich wurde das Boxen in England und Nordamerika erst 1891 erlaubt. Von da an wendete das amerikanische Boxen die gleichen Regeln an wie das englische Boxen.

Die Kämpfe wurden weniger gewalttätig, kontrollierter, schneller, technischer und konzentrierten sich mehr auf die Geschicklichkeit der Boxer als auf ihre Stärke.

Schließlich wurde das Boxen zu einer der ersten anerkannten Profisportarten der heutigen Zeit.

Boxen und seine Entwicklung vom 20. Jahrhundert bis heute

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam der englische Boxsport auf Anregung eines Schweizer Boxers namens Franck Erne (1875-1954) nach Frankreich. Erne wurde 1896 zum Doppelweltmeister gekürt und gewann im selben Jahr den Weltmeistertitel im Federgewicht und im Leichtgewichtsboxen.

Es gibt viele berühmte Kämpfer im Boxsport. Manny Pacquiao, achtmaliger philippinischer Weltmeister, gilt als Monster des Boxens. | Quelle: Visualhunt by CC BY-NC-ND

1901 ließ das Internationale Olympische Komitee das Amateurboxen in den Olympischen Spielen zu. Frauen durften an den Sommerspielen 1904 in Saint-Louis, USA, teilnehmen: Dies war auch der Beginn des Frauenboxens.

Außerdem ist das professionelle Boxen erst seit 2016 bei den Olympischen Spielen vertreten (Gut? Schlecht? Die Frage steht zur Debatte…). 

Das erste Finale der Meisterschaft, das von einem Franzosen bestritten wurde, fand 1911 statt: Georges Carpentier (1894-1975) wurde im Jahr 1911 französischer Weltmeister im Weltergewicht, bevor er 1920 den Weltmeistertitel im Halbschwergewicht holte.

In den Vereinigten Staaten und Großbritannien wurde das Boxen zu einer Art doppeltem Ausdrucksmittel:

  • Für die schwarze Gemeinschaft war es ein Mittel, um die Freiheit eines unterdrückten, abgegrenzten, diskriminierten Volkes zum Ausdruck zu bringen. Ein Beispiel hierfür war der Boxer Jack Johnson (1878-1946), genannt „Galveston Giant“, der von 1908 bis 1915 Weltmeister im Schwergewicht war und dennoch viele rassistische Beleidigungen in der Öffentlichkeit über sich ergehen lassen musste.
  • Für die weiße Gemeinschaft war es eine Möglichkeit, die nationale Stimmung zu verherrlichen.

Heutzutage schreiben die geltenden Regeln vor, dass Boxhandschuhe, Boxschuhe (ohne Nägel, Spitzen und Absätze), Boxhosen bis zur Mitte der Oberschenkel, Mundschutz, Kurzarmtrikots, Helm, Schienbeinschoner und ein Tiefschutz (für Männer) getragen werden müssen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begannen legendäre Boxer, wie Muhammad Ali (1942-2016), Mike Tyson, Floyd Mayweather Jr., Rocky Marciano, Rocky Balboa (nein, bloß ein Scherz!), Jake LaMotta, George Foreman oder Joe Frazier ihre Karriere.

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