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Frankreich & Deutschland: So kooperieren die beiden Nachbarländer wirtschaftlich miteinander

Von Nelly, veröffentlicht am 14/09/2018 Blog > Sprachen > Französisch > Deutschland Frankreich: Wirtschaftliche Verflechtungen im Blick

Das Bruttoinlandsprodukt der EU entspricht ungefähr dem der USA.

Im Kontext der europäischen Wirtschaft sind Frankreich und Deutschland treibende Kräfte.

Tatsächlich ist Deutschland nach Angaben der Weltbank das Land mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Europa, Frankreich landet im Ranking auf Platz 3.

Dies unterstützt die Aussage, dass diese beiden Länder wichtige Akteure in der europäischen Wirtschaft darstellen. Doch auch auf der internationalen Bühne schneiden beide Länder gut ab.

In der gemeinsamen Geschichte der Nachbarländer hat es zahlreiche “deutsch-französische Paare” gegeben, welche aus dem französischen Präsidenten und dem oder der deutschen Kanzler/in bestehen.

Unter diesen „Paaren“ verstanden sich einige besser miteinander als andere, jedoch teilten alle die Bereitschaft und den Willen, die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen zu fördern und verstärken.

Wichtige Paare waren dabei Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, Helmut Kohl und François Mitterrand, Gerhard Schröder und Jacques Chirac oder als jüngeres Beispiel Angela Merkel und Nicolas Sarkozy bzw. jetzt Emmanuel Macron.

Die Gemeinsamkeiten hinsichtlich der geographischen Lage und der wirtschaftlichen Stärke begünstigen deutsch-französische Partnerschaften zwischen den beiden Ländern.

Nimmt man zusätzlich dazu noch den Schengen-Raum in die Gleichung auf, so häufen sich die Faktoren, die eine wirtschaftliche Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich begünstigen.

Rückblick: Wie kam es überhaupt zur wirtschaftlichen Kooperation in Europa?

Noch vor der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft durch die Römischen Verträge im Jahr 1957, tritt ein anderer supranationaler Vertrag in Kraft.

Initiiert durch Robert Schuman wird 1952 der Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gegründet. Diese Gemeinschaften gelten als Vorläufer der Europäischen Union wie wir sie heute kennen.

Doch wieso wurde die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl überhaupt gegründet?

  • Einerseits sollte sie den Handel unter den Mitgliedsstaaten – Frankreich, BRD (Deutschland war zu diesem Zeitpunkt in West und Ost getrennt), Italien, Belgien, Niederlande und Luxemburg – durch einen gemeinsamen Markt vereinfacht werden,
  • Andererseits sollte dieser Schritt auch zum Frieden in Europa beitragen. Nach zwei blutigen Kriegen sollten diese Beziehungen Brücken zwischen den einst zerstrittenen Ländern schlagen. So hatte die Gründung also auch einen diplomatischen Hintergrund.

Der Euro vereinfacht Handelsbeziehungen in Europa Die Einführung der gemeinsamen Währung erleichtert die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich | Quelle: pixabay

Im Jahr 1957 wird die  supranationale Organisation der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gegründet.

Aufbauend auf den Grundsätzen der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl erweitert sie deren Kompetenzbereich.

Außerdem treten ihr zusätzlich zu den sechs Gründungsmitgliedern der EGKS im Laufe der Zeit weitere Mitgliedsstaaten bei.

Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft wurde mit dem Vertrag von Maastricht (1992) durch die Europäische Gemeinschaft abgelöst.

Diese wiederum wurde ihrerseits 2009 durch die Europäische Union abgelöst, welche bereits 2005 im Lissabonner Vertrag beschlossen wurde.

In jeder der Vorstufen auf dem Weg zur EU standen Deutschland und Frankreich im Herzen des Geschehens und verstärkten dabei ihre enge wirtschaftliche Kooperation.

Deutschland Frankreich: Wirtschaftliche Wahl-Partner

Bis 2016 war Deutschland Frankreichs wichtigster Handelspartner mit 16,5% des gesamten Handelsvolumens.

Somit positionierte sich Deutschland deutlich vor Italien und den USA, welche jeweils nur 7,4% und 7,2% des Handelsvolumens ausmachten.

Deutschland war nicht nur Frankreichs wichtigster Zulieferer, sondern auch sein erster Abnehmer.

Seit 2016 sind Deutschland und Frankreich nicht mehr die respektiven wichtigsten Handelspartner.

In der Tat hat China in Deutschland mittlerweile diesen Platz mit einem Handelsvolumen von 170 Milliarden Euro eingenommen. Frankreich hingegen kann 2016 nur 167 Milliarden aufweisen.

Wirtschaftlich verstehen sich Deutschland und Frankreich besser als im Fußball Frankreich und Deutschland: Rivalen auf dem Fußballfeld, aber Partner in der Wirtschaft| Quelle: pixabay

Hinsichtlich der Abnehmer deutscher Exportprodukte platzieren sich die USA mit einem Handelsvolumen von 165 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf Platz 1.

So kann man feststellen, dass Frankreich sehr wohl ein Wahl-Partner Deutschlands bleibt, aber dass Frankreich stärker von der deutschen Wirtschaft abhängig ist als es andersherum der Fall ist.

Die deutsch-französische Zusammenarbeit und ihre Institutionen

Um die deutsch-französische Zusammenarbeit zu fördern, wurden über die Jahre hinweg viele europäische Institutionen ins Leben gerufen.

So gibt es beispielsweise den deutsch-französischen Wirtschaftsclub, der von einer Gruppe deutscher und französischer Unternehmen gegründet wurde.

Seit seiner Gründung im Jahr 2005 ist seine Mission, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Länder mittels Partnerschaften zu verstärken.

Die deutsch-französische Industrie- und Handelskammer (AHK) hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Unternehmen beider Länder zu intensivieren.

Eines der Hauptziele ist es dabei, französische Unternehmen in Deutschland und deutsche Unternehmen in Frankreich bei ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Die Zusammenarbeit der Nachbarländer wird duch Initiativen unterstützt Zahlreiche Initiativen zielen darauf ab, die Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich zu verstärken | Quelle: pixabay

Im Jahr 2014 wurde, unter dem Einfluss der Tageszeitungen Handelsblatt und Les Echos das German French Business Forum gegründet.

Die jährlich gehaltenen Foren sollen einflussreiche Personen aus der Wirtschaft Deutschlands und Frankreichs zusammenbringen und auf diese Weise Partnerschaften ins Rollen bringen. Dieses Event findet abwechselnd in Paris und in Berlin statt.

Diese verstärkte Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich veranlasst immer mehr Schüler und Studenten dazu, einen Französischkurs zu besuchen, denn viele sehen berufliche Perspektiven in diesem Bereich.

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Konkrete Beispiele von Kooperationen zwischen deutschen und französischen Unternehmen

Gerade in besonders erfolgreichen Bereichen der deutschen oder französischen Wirtschaft findet man zahlreiche Fusionen, Kooperationen oder Vereinigungen, welche in gleichem Maße deutschen und französischen Unternehmen zugute kommen.

Dazu zählen im Schienenverkehr beispielsweise die Partnerschaften zwischen Deutsche Bahn und SNCF, aber darüber hinaus auch die enge Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Bauunternehmen und bei Renovierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen von Trams oder Schnellbahnen.

Auch in der Automobilindustrie kooperieren die beiden Länder intensiv.

So haben beispielsweise Renault-Nissan und Daimler 2010 eine strategische Allianz gebildet.

Auch Anlagenhersteller und Autohersteller wie Bosch/Peugeot Citroën oder Mercedes/Valéo kooperieren in diesem Bereich.

Im Feld der Telekommunikation arbeiten Orange und die Deutsche Telekom zusammen, genauso wie Véolia Environnement und Avermann im Bereich der Umwelttechnologien.

Ein weiteres Beispiel ist auch die Zusammenarbeit zwischen Canson und Felix Schoeller, zwei Akteuren im Papierwarengeschäft.

In jüngster Vergangenheit wurde auch die Fusion zwischen Alstom, die Firma die den TGV (französischer Hochgeschwindigkeitszug) herstellt, und Siemens, publik. Siemens produziert den ICE, also das deutsche Äquivalent zum TGV.

Renault-Nissan und Daimler: eine deutsch-französische Partnerschaft Auch in der Automobilindustrie kooperieren Frankreich und Deutschland | Quelle: pixabay

Die Weltwirtschaft und ihre Umstände bewirken die Zusammenführung und Kooperation zwischen diesen beiden Konkurrenten.

Was früher undenkbar gewesen wäre, ist nun unumgänglich geworden.

Hintergrund dessen ist der rasante Aufstieg des chinesischen Konkurrenten China Railway Rolling Stock Group. Diese Gruppe ist das Ergebnis einer Fusion zwischen den zwei größten chinesischen Waggon- und Lokomotivherstellern.

Hinzu kam die Rekordinvestition des chinesischen Staates in den Bau und Ausbau des Netzwerkes der Hochgeschwindigkeitszüge. So kam es dazu, dass China heute das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt hat.

Doch nicht nur die Giganten der Wirtschaft profitieren von der intensiven binationalen Kooperation. Auch deutsche und französische Start-Ups bilden heutzutage Partnerschaften.

Die wirtschaftliche Struktur der beiden Länder besteht zu 99% aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Kleinstunternehmen. Auch diese profitieren von den Synergieeffekten der Kooperationsförderung, welche die Europäische Union, Frankreich und Deutschland instandgesetzt haben.

Auch zukünftig wird bereits über weitere Kooperationen spekuliert. So lassen Wirtschaftszeitungen verlauten, dass im Bankensektor eine Fusion zwischen BNP Paribas und der Commerzbank bevorstehen könnte. BNP Paribas ist Frankreichs führender Finanzdienstleister.

Es gibt sogar einen deutsch-französischen Wirtschaftspreis!

Dieser zeichnet alle zwei Jahre innovative Unternehmen für ihr Umweltmanagement und/oder Personalmanagement aus.

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Airbus – Ein Paradebeispiel der wirtschaftlichen deutsch-französischen Kooperation

Der weltweite Erfolg des Flugzeugbauers Airbus ist ein wunderbares Beispiel für eine starke wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich.

Airbus wurde 1970 unter dem Zeichen der deutsch-französischen Wirtschaftszusammenarbeit gegründet und ist heute Symbol ebendieser.

In den Folgejahren öffnete sich das Konsortium zwar auch Spaniern (1971) und Briten (1979), dennoch bleibt es in der Wahrnehmung der Gesellschaft ein Beispiel für die Kooperation zwischen Berlin und Paris.

Seit 2006 ist Airbus nun eine Einheit der Gruppe EADS, welche aus einer Fusion zwischen der französischen Firma Matra, der deutschen Firma Daimler Chrysler und dem spanischen Casa entstand.

Ein Paradebeispiel für die wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa: Airbus Ganz Europa profitiert vom Erfolg des französischen Flugzeugherstellers Airbus | Quelle: pixabay

Seit Jahren liefern sich die beiden Flugzeugbauer Airbus und die amerikanische Gruppe Boeing ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Immer wieder wird dieses Thema in der französischen und internationalen Presse aufgefasst.

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Zusammengefasst heißt das:

  • Vom Giscard bis zur Ära Merkel haben deutsche Kanzler und französische Präsidenten stets für den Freihandel zwischen den beiden Nachbarländern plädiert. Dies bedeutet den freien Verkehr und Austausch von Gütern und Ideen. Um diese Errungenschaften aufrechtzuerhalten und deren Umsetzung zu vereinfachen, werden regelmäßig binationale Events und Zusammenkünfte organisiert.
  • Zahlreiche Kooperationen erleichtern sowohl kleinen und mittleren Unternehmen als auch weltweit bekannten Gruppen und Großkonzernen den Austausch und die Zusammenarbeit mit französischen Partnern. Diese Initiativen können sowohl staatlich (beispielsweise mittels der Europäischen Union, der deutschen oder französischen Regierung) oder privat ins Leben gerufen werden. Die Kooperation zwischen beiden Ländern wird mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet.
  • Die deutsch-französische Zusammenarbeit ist eine treibende Kraft in der Handelszone Europas und hat starken Einfluss auf die europäische Wirtschaftspolitik

Und ein letztes – kulturelles – Beispiel deutsch-französischer Kooperation: ARTE

« ARTE ist ein öffentlich-rechtlicher europäischer Kultursender, der sich an alle Bürger insbesondere in Deutschland und Frankreich wendet. Gegenstand der Vereinigung ist es, Fernsehsendungen zu konzipieren, zu gestalten und (…) auszustrahlen (…), die (…) kulturellen und internationalen Charakter haben und geeignet sind, das Verständnis und die Annäherung der Völker zu fördern. »

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