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Arbeiten in Deutschland: So ticken die Deutschen im Berufsleben

Von Tobias, veröffentlicht am 23/09/2018 Blog > Sprachen > Deutsch als Fremdsprache > Die deutsche Arbeitswelt aus der Sicht von Ausländern

«Deutschland ist eine anatomische Merkwürdigkeit: Es schreibt mit der Linken und tut mit der Rechten.» – Kurt Tucholsky

Deutschland ist in den letzten Jahren unter seinen europäischen Nachbarn immer beliebter geworden, um hier einen Job zu finden und Fuß zu fassen.

Das liegt unter anderem auch an der niedrigen Arbeitslosenquote und dem akuten Fachkräftemangel.

Zudem sind die Löhne in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern relativ hoch.

Deutschland reiht sich hinter den skandinavischen Ländern, Irland und Großbritannien in der Liste der Länder mit dem höchsten Durchschnittslohn in Europa ein.

Dennoch ist es nicht selbstverständlich, in Deutschland eine Arbeit zu bekommen.

Für Euch als Spanier, Franzosen, Italiener etc. kann die unterschiedliche Mentalität und Arbeitsmoral in Deutschland durchaus für einen Kulturschock sorgen.

Außerdem sollte man sich stets ein wenig mit dem deutschen Arbeitsrecht befassen sowie sich auf Land und Leute einlassen.

In diesem Artikel zeigen wir Euch, worauf es ankommt, wenn Ihr vorhabt, in Deutschland Euer Geld zu verdienen.

Die deutsche Disziplin: Mythos oder Realität?

Eines der am häufigsten genannten Vorurteile über die Deutschen ist ihre eiserne Disziplin, Ihre Strenge und generell Ihr Mangel an Gelassenheit.

Aber woher kommt dieses plakative Urteil?

Teilweise ist Deutschland dafür selbst verantwortlich. Die Deutschen brüsten sich immer wieder mit ihrer Effizienz, ihrer Wettbewerbsfähigkeit und ihrer „deutschen Qualität“.

Deutsche Arbeitgeber schätzen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit bei ihren Angestellten. Damit hat es Deutschland zur weltweit viertgrößten Wirtschaftsmacht gebracht (hinter den USA, China und Japan).

Katja, eine Deutsch-Französin aus Paris, erklärte 2014 in einem Interview:

„In Deutschland wartet man, bis die Ampel auf Grün schaltet, in der Geschäftswelt verlässt man sich voll und ganz auf Verträge. Sport-Events sind in Deutschland noch wichtiger als in Frankreich, dabei kommt es aber nur sehr selten zu Ausschreitungen.“

Ist Deutschland aber wirklich der „Musterschüler“ unter den Ländern Europas?

Das ist natürlich nicht immer der Fall! Manchen Menschen sind die Deutschen nämlich teilweise zu diszipliniert.

Eine Visitenkarte hilft, um in Erinnerung zu bleiben Bereitet Euch immer gut auf Euer Job-Interview vor | Quelle: Pixabay

Andererseits, im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich, ist es den Deutschen z.B. wichtig, dass die Schüler den Unterricht mitgestalten und diskutieren lernen. Auf reines Auswendiglernen wird größtenteils verzichtet.

Es ist also vielleicht die Disziplin, gepaart mit einem Hang zu eigenständigen Denken und der Möglichkeit, Dinge zu hinterfragen, die die Deutschen so erfolgreich macht.

Kulturelle Unterschiede am Beispiel Deutschland – Frankreich

Aufgrund der geographischen Nähe könnte man in Frankreich oder anderen Ländern Europas verleitet sein zu glauben, dass Arbeiten in Deutschland eigentlich nicht anders als zuhause ist.

Das ist aber falsch!

Wer die kulturellen Unterschiede der beiden Länder leichtfertig unterschätzt, der kann Probleme bei der Integration bekommen.

Laut einer Umfrage des Goethe-Institutes aus dem Jahr 2014 glauben 50-60% der deutschen Unternehmen, dass die Unterschiede in der Mentalität zwischen Deutschen und Franzosen zu Spannungen am Arbeitsplatz führen kann.

Damit man also nicht am Abenteuer „Arbeiten in Deutschland“ scheitert, sollte man sich von scheinbarer geographischer Nähe nicht täuschen lassen.

Hier einige markante Unterschiede zwischen der deutschen und der französischen Arbeitswelt:

  • In Frankreich ist Arbeitszeit wichtiger als Freizeit – in Deutschland wird Freizeit als elementar für den Arbeitserfolg angesehen. Home-Office wird von manchen Arbeitgebern teilweise sogar präferiert.
  • In Frankreich steht Originalität im Vordergrund – in Deutschland sind Nutzen und Wirtschaftlichkeit entscheidend.
  • In Frankreich schätzt man die Kreativität von Angestellten – in Deutschland zählt vor allem die Arbeitsqualität.
  • In Frankreich sollen Dinge so gut wie möglich gemacht werden – in Deutschland zählt die Perfektion.
  • In Frankreich werden Veränderungen vorangetrieben – in Deutschland achtet man auf Regelmäßigkeit.
  • In Frankreich sind Unternehmen risikofreudig – in Deutschland wird vor allem auf Sicherheit Wert gelegt.

Außerdem: In Deutschland ist die Arbeit monochronisch.

Während Franzosen stets mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen wollen, nehmen sich die Deutschen bewusst Zeit für eine Aufgabe, die sie dann auch zuverlässig erledigen.

Daher sind Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit auch so wichtig in der deutschen Arbeitswelt!

Wer in Deutschland arbeiten will, der muss mit seiner Bewerbung überzeugen Was sind Eure Argumente, um in Deutschland eingestellt zu werden? | Quelle: Pixabay

Die Deutschen werden bei strategischen Unternehmensfragen auch stärker einbezogen als die Franzosen.

Man spricht auch vom „Wir-Gefühl“ im Unternehmen. Jede/r Angestellte ist wichtiger Bestandteil des großen Ganzen und jede Meinung wird wertgeschätzt.

Wer als Franzose, Italiener, Spanier oder Engländer (oder Angehöriger einer anderen Nation) in Deutschland arbeiten möchte, der sollte sich dieses Tatsachen bewusst sein.

Im Vorstellungsgespräch könnt Ihr Euer Wissen über die deutsche Arbeitswelt dann geltend machen und einen Vorteil gegenüber Euren Konkurrenten erzielen.

In welche deutsche Stadt Ihr dann geht, bleibt Euch alleine überlassen!

Ist Berufserfahrung in Deutschland wirklich wichtiger als Diplome?

In Ländern wie England oder Frankreich ist es für eine erfolgreiche Laufbahn entscheidend, von einer guten Universität abzugehen. Hat man das einmal geschafft, dann kann man später eigentlich nicht mehr viel falsch machen.

Peter Gumbel, Autor von „Elite Academy“ hat sich dazu geäußert:

„In Frankreich sind Diplome sehr viel wert. Daher spielt sich die entscheidende Phase des Lebens scheinbar zwischen 22 und 23 Jahren ab. Nirgendwo ist die Frage danach, wo man studiert hat, so entscheidend für die Karriere wie in Frankreich.“

Während es in Frankreich schwierig, ja teilweise gar unmöglich ist, nach einem Schulabbruch wieder ins Schulsystem zurückzugelangen, ist das in Deutschland ziemlich leicht.

So kann man in Deutschland in jeder Lebensphase an eine Universität gehen und sich fortbilden.

Das Arbeitsamt vermittelt Arbeitssuchende an Arbeitnehmer Wer in Deutschland keinen Job findet, der geht zum Arbeitsamt | Quelle: Pixabay

Diplome sind in Deutschland jedoch eher ein „Plus“ auf Lebenslauf als eine entscheidende Voraussetzung für eine Anstellung.

In Deutschland reicht es nicht, ein hervorragender Schüler zu sein: Der Bewerber muss auch seine Qualitäten im Job vorweisen können.

Deutsche Unternehmen schätzen:

  • Wenn man die deutsche Sprache sehr gut beherrscht oder sogar zweisprachig ist,
  • Eine pro-aktive, engagierte Einstellung der Bewerber (Anpassungsfähigkeit, Spontaneität),
  • Eine praktische statt theoretische Herangehensweise und Qualifikationen,
  • Nebenjobs und Praktika aus jungen Jahren,
  • Berufliche Fähigkeiten,
  • Empfehlungsschreiben,
  • Digitale Fachkenntnisse,
  • Praktische Erfahrung vor Ort „auf dem Terrain“.

In Deutschland haben „Elitehochschulen“ oder „Eliteuniversitäten“ keinen besonders hohen Stellenwert. Entscheidender ist, was jeder Student aus dem Angebot der Universitäten zieht.

In Deutschland ist es daher auch leichter möglich, eine Anstellung zu finden, wenn man schon etwas älter ist. Kein Wunder, denn bis 2020 werden 40% der Deutschen schon Senioren sein.

Mit der „Perspective 50+“ haben sich deutsche Unternehmen vorgenommen, mehr Senioren einzustellen und so gegen den Fachkräftemangel in Deutschland anzukämpfen.

Die deutsche Philosophie unterscheidet sich in dieser Frage grundlegend von der Frankreichs.

In Deutschland zählt der akademische Werdegang wenig. Hier sind es vor allem die Erfahrung und menschlichen Kompetenzen, die den Weg zu einem guten Posten frei machen.

Auch ohne Diplom kann man in Deutschland weit kommen. Das sieht man z.B. am ehemaligen Kanzlerkandidaten der SPD, Martin Schulz, der nie ein Abitur gemacht hat. In Frankreich wohl undenkbar!

In Deutschland arbeiten: Lasst die Dinge im Beruf nie schleifen!

„Zeit ist Geld“ – Benjamin Franklin

Diese Aussage gilt vor allem für den deutschen Arbeitsmarkt, wo Angestellte effizient und schnell sein müssen.

Hier wird nicht prokrastiniert!

Die deutsche Mentalität ist fokussiert auf Wirtschaftlichkeit.

Während in Frankreich oder Italien die Macht im Vordergrund steht, suchen Deutsche vor allem Posten mit guter Bezahlung. Diese Stellen erfordern jedoch ein hohes Maß an Fleiß und Disziplin.

Gute Bezahlung ist das oberste Ziel vieler Deutscher Der Lohn ist in Deutschland entscheidend! | Quelle: Pixabay

Wer in Deutschland nicht zur Arbeit erscheint, der wird auch nicht bezahlt. Es ist daher wichtig, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber Vertrauen zueinander aufbauen. Gleiches gilt für die Beziehungen unter Kollegen.

Deutsche Arbeitnehmer wollen sich auf ihre Kollegen verlassen können, um gemeinsam zum größtmöglichen Erfolg des Unternehmens beizutragen.

Unsere Kollegin Stephanie, die sich um die Deutsche Superprof-Seite kümmert und seit 5 Jahren in Frankreich arbeitet, hat uns im Interview mehr über den Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland verraten.

„Einer der großen Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland liegt für mich im Arbeitsalltag. Seit ich in Frankreich arbeite, ist mir eines aufgefallen: Wenn in Deutschland gesagt wird: „Ich kümmere mich darum“, dann wird das auch getan. Und meistens sofort. Aus diesem Satz lesen die Deutschen eine sichere Zusage und verlassen sich wirklich darauf. In Frankreich können es manchmal leere Worte bleiben. Mir wurde öfter gesagt: „Keine Sorge, ich werde mich darum kümmern“, um mir gut zuzureden. Am Ende ist aber gar nichts passiert.“

Um auf dem deutschen Arbeitsmarkt bestehen zu können, muss man also bereit sein, sich tatsächlich zu engagieren und sich an seinen Stundenplan und seine Aufgaben zu halten.

Nun seid Ihr bereit, Euch auf eine Stelle in Deutschland zu bewerben. Behaltet unsere Ratschläge im Hinterkopf, dann kann Euch nichts passieren!

Viel Erfolg wünscht Euch Euer Superprof-Team.

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