Im Yoga geht es darum, die Verbindung zwischen Körper und Geist wiederzuentdecken. Die Asanas, der Atem und Meditation dienen dazu, diese Verbindung zu stärken.

Dabei geht Yoga über die physischen Aspekte hinaus – vielmehr steht der Energiefluss im Vordergrund, der uns durch unsere Bewegungen hindurchleitet und an dem diese ausgerichtet sind.

Diesen Aspekt verbildlichen wir dir gerne mit einem kleinen Beispiel: Angenommen, du möchtest von Hamburg nach München reisen, um dort vielleicht an einer Yoga Ausbildung teilzunehmen, weil du Yogalehrer werden möchtest. Wie gelangst du nun dorthin?

Würdest du über Köln und Frankfurt gegen Süden fahren, oder zunächst östlich nach Berlin und von dort in den Süden nach München hinunterfahren? Würdest du fliegen oder mit dem Zug fahren? Oder schlägt dein Herz für Motoren und du nimmst ein Auto, um nach München zu gelangen?

Ganz egal, für welchen Weg du dich entscheidest, das Ergebnis ist das gleiche: Du wirst in München ankommen. Spielt es also eine Rolle, wie du dorthin gelangst?

Ja, das tut es! Umweltbewusste Menschen würden den Zug anstelle von Flugzeug oder Auto nehmen, diejenigen, die in Eile sind, würden fliegen. Manche haben viel Zeit und würden sogar die längere Route nehmen, aus welchen Gründen auch immer.

So finden auch einige Menschen ihre Erfüllung in den endlosen Varianten an Asanas im klassischen Hatha Yoga, während andere sich in die Dynamik und Anstrengung einer Power Yoga Klasse verlieben. Wieder andere möchten eine Pause von den Yang-orientierten Yogaformen und suchen Entspannung im Yin Yoga.

Alles, was wir tun, hat einen Effekt: Wir gehen, bevor wir rennen können, wir erlangen Bildung, bevor wir eine Karriere starten und wir müssen A sagen bevor wir B sagen können. Warum sollte dies im Yoga anders sein?

Auch im Yoga spielt die Sequenz eine Rolle, egal für welche Yoga Art du dich entscheidest. Der Aufbau einer Yogaklasse hat einen Effekt auf die Intensität der Wirkung, auch wenn alle Yoga Kurse darauf abzielen, die Verbindung zwischen Körper und Geist zu verstärken.

In diesem Artikel schauen wir uns vier verschiedene Yogastile an, erklären ihre Besonderheiten und für wen sie geeignet sind und geben dir Hinweise zum Aufbau einer Stunde – ob du dich nun für lokalen Yogaunterricht oder für einen Yoga Online Kurs entscheidest.

Los geht’s – hast du deine Matte ausgerollt und deine Yogablöcke griffbereit?

Eine Power Yogastunde gestalten

Wenn du Yoga Anfänger bist und auf der Suche nach einer Einsteigerstunde bist, ist Power Yoga vielleicht (noch) nicht das richtige für dich. Denn eine Power Yogastunde ist schnell und beinhaltet viele Haltungen, die eine Menge Körperkraft erfordern.

Eine Besonderheit dieser Yoga Art ist außerdem, dass viele Power Yogalehrer die Asanas bei ihrem ursprünglichen Sanskrit nennen – Adho Mukha Svanasana statt Herabschauender Hund oder Virabhadrasana statt Krieger. Höchste Zeit also, dein Sanskrit aufzubessern!

Du brauchst Tipps für die Planung einer Power Yogastunde?
Power Yogastunden sind sehr dynamisch und orientieren sich beim Stundenaufbau am Ashtanga Yoga | Quelle: Pexels

Das wichtigste Merkmal dieser Stunden ist jedoch die hohe Geschwindigkeit. Du nimmst in kürzester Zeit viele verschiedene Yoga Positionen ein, hältst sie jedoch nicht sonderlich lange. Stattdessen fließt du in Synchronisation mit deinem Atem von einer Position in die nächste.

Damit kommen wir zum nächsten Aspekt – dem Atem.

Gewisse Atemtechniken unterstützen deine Yogapraxis enorm. Ein tiefer, bewusster Atem lässt dich ruhig durch die Sequenzen fließen und hilft dir, einen meditativen Zustand zu erlangen.

Einzelne Asanas werden im Power Yoga durch Vinyasas miteinander verbunden. Ein Vinyasa besteht aus Chaturanga, dem heraufschauenden Hund und dem herabschauenden Hund. Der Atem leitet dich durch diese Bewegungen: Du atmest aus für Chaturanga, öffnest in der Einatmung deinen Brustraum für den heraufschauenden Hund und kommst in der Ausatmung in den herabschauenden Hund.

Es ist nicht unüblich, dass du von dem Moment, in dem du deinen ersten Sonnengruß startest, bis zu dem Moment, in dem du in ein wohlverdientes Savasana, deine Schlussentspannung, fällst, bis zu 100 Haltungen eingenommen hast. Davon sind natürlich einige Wiederholungen, aber nichtsdestotrotz eine nicht zu unterschätzende Zahl an Positionen!

Lies in diesem Artikel mehr zum Power Yoga Stundenaufbau.

Das Hatha Yoga Stundenkonzept

Das Wort „Hatha“ stammt aus der alten Sprache Sanskrit und bedeutet Kraft – was nicht bedeutet, dass Hatha Yoga zwangsweise eine kraftvolle Praxis sein muss (aber auf jeden Fall sein kann).

Die Praxis hat auf jeden Fall ein deutlich langsameres Tempo als Power Yoga und lässt dir so mehr Zeit, eine Haltung einzunehmen. Einzelne Asanas werden auch für mehrere Atemzüge gehalten, um die positiven Effekte der Asanas zu verstärken.

Die Philosophie hinter dieser sehr alten Yogapraxis ist es, den Körper zu energetisieren, die Energiekanäle zu öffnen und den Geist zu fokussieren. So bereitest du dich auf die Meditation vor.

Wie ist eine Hatha Yogastunde aufgebaut?
Hatha Yogastunden folgen in der Regel einem ähnlichen Aufbau: Sonnengrüße, Stehen, Sitzen, Liegen, Savasana | Quelle: Pexels

Traditionelle Hatha Yogastunden beginnen eigentlich immer mit Sonnengrüßen. Ein paar Runden wärmen den Körper auf und bereiten ihn auf die folgenden Asanas vor.

Anschließend übst du verschiedene stehende Yogahaltungen, zwischen denen du immer wieder die Berghaltung einnimmst. Es folgen Positionen aus der Vierfußhaltung, dann sitzende Asanas und abschließend liegende Haltungen. Du näherst dich also immer weiter dem Boden und schließt die Praxis in der Regel mit einer Umkehrhaltung ab, bevor du in die Schlussentspannung gehst.

Schätzungsweise gibt es mehr als 5000 Asanas, aus denen du wählen kannst, um deine Praxis abwechslungsreich zu gestalten. So kannst du an einigen Tagen den Baum üben und an anderen den Halbmond, oder du übst manchmal Sphinx und manchmal die Kobra. Einige der 5000 Haltungen sind einander natürlich sehr ähnlich.

Eine Haltung, die du jedoch niemals austauschen solltest, ist Savasana – die Endentspannung. Du liegst entspannt auf dem Rücken und lässt die vorangegangene Praxis nachwirken.

Wie du eine Restorative Yogastunde planen kannst

Anhänger des Power Yogas oder Fitnessfanatiker wundern sich vielleicht, warum in einer Restorative Yogastunde alle bloß daliegen, scheinbar schlafend. Wahrscheinlich fragen sie sich auch, wie diese Praxis Yoga genannt werden kann.

Yoga ist nicht zwangsweise eine anstrengende Praxis – es kann sowohl energetisierend als auch entspannend sein. Yoga ist ein Weg, sich zurückzuziehen und wieder zu zentrieren. Stressoren loszuwerden und mit sich selbst und dem Rest der Welt wieder in Einklang zu gelangen.

Restorative Yoga zielt darauf ab, Ruhe zu kultivieren – und das ist viel schwieriger zu erreichen, als es zunächst klingen mag.

Wie ist eine Restorative Yogastunde aufgebaut?
In der sanften Restorative Yogapraxis stehen Ruhe und Heilung im Vordergrund | Quelle: Pixabay

Stille ist heutzutage ein seltenes Gut. In Großstädten ist es immer laut und noch dazu laufen die meisten Menschen mit Kopfhörern in den Ohren herum und schalten auch zuhause als Erstes Musik ein. Die meisten Menschen hören zu jeder Zeit irgendetwas und können mit Stille kaum noch umgehen – weil sie ihr so selten ausgesetzt sind.

Die Kunst, still zu sein und komplett bewegungslos, ohne aktiv Gedanken nachzuhängen bedarf einer Menge Übung.

Die vielen Reize, denen wir ständig ausgesetzt sind, resultieren nicht selten in Schlafproblemen und stressbedingten Krankheiten. Restorative Yoga ist ein Weg, sich von den äußeren Reizen wieder zurückzuziehen und stattdessen wieder mit sich selbst in Berührung zu gelangen.

Auch ein zu striktes Fitnessprogramm kann zu Überlastung führen: Wer morgens eine lange Runde laufen geht, dann den ganzen Tag im Büro verbringt und am Feierabend sein Workout im Fitnessstudio erledigt bevor er endlich zu Hause ein möglichst gesundes Abendessen zubereiten kann, läuft Gefahr, an diesen Ansprüchen an sich selbst zu scheitern.

Denn so ein Tag ist komplett voll mit Bewegung, Hektik und Routinen, dass kaum Zeit bleibt für Ruhe und Stille. So kann man zwar ein relativ gesundes Leben führen, und sich dennoch nicht erfüllt fühlen.

An diesem Punkt setzt Restorative Yoga an.

Alle Haltungen spielen sich in Bodennähe ab und dein Körper ist die gesamte Dauer von sämtlichen Hilfsmitteln unterstützt, so dass du keine eigene Muskelkraft aufbringen musst. Stattdessen kannst du dich in den sanften, passiven Positionen komplett entspannen und loslassen. Einzelne Positionen werden für mehrere Minuten gehalten, um tiefe Entspannung zu ermöglichen.

Effektive Yin Yoga Sequenzen

Die Anforderungen aus Alltag und Job haben nicht selten unangenehme Verspannungen oder sogar kleinere Verletzungen zur Folge – durch einseitige Belastung wie zum Beispiel durch das lange Sitzen am Schreibtisch.

Zu viel Sitzen ist schließlich alles andere als gesund und kann vielfältige negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Wenn auch du den Großteil deines Lebens am Schreibtisch verbringst, ist Yoga ein guter Anlaufpunkt.

Besonders wohltuend ist in vielen Fällen ein ruhiges, sanftes Yoga, dass deine Flexibilität verbessert, ohne deine Gelenke und Muskeln zu überstrapazieren. Yin Yoga ist eine solche Yogaform.

Ähnlich wie im Restorative Yoga handelt es sich ausschließlich um sitzende oder liegende Positionen, die für mehrere Minuten gehalten werden.

Was macht Yin Yoga besonders?
In einer Yin Yogastunde werden passive Haltungen für mehrere Minuten gehalten | Quelle: Pexels

Das Ziel ist, eine bequeme Haltung zu finden und diese intensiv wahrzunehmen. Du möchtest keinen Schmerz empfinden und dennoch deinen Körper ganz bewusst in der Haltung spüren. Nimm wahr, wie sich deine Gelenke öffnen, deine Bänder dehnen und du immer mehr Anspannung loslassen kannst.

Während du im Power Yoga schnell von einer Asana in die nächste fließt, gibt dir Yin Yoga die Möglichkeit, tiefer in eine Position hinein zu sinken. Du sollst die sorgenfreie Geisteshaltung eines Kindes wiederentdecken und Freude an der Arbeit mit deinem Körper finden.

Auch im Yin Yoga stehen dir Hilfsmittel wie Decken und Kissen zur Verfügung, oftmals aber etwas weniger als im Restorative Yoga.

Namaste!

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Miriam