Wusstest Du, dass der Begriff "Barock" sich von dem portugiesischen Wort "barocco" ableitet? "Barocko" bedeutet in etwa sowas wie "schiefe Perle" oder "seltsam geformte Perle".

Obwohl die Epoche von circa 1600 bis 1720 andauerte, bezeichnete man die Strömung erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Begriff "Barock".

In diesem Artikel wollen wir Dir einen Überblick über den historischen Kontext, Merkmale und Autoren dieser Epoche geben und zeigen, was es mit dem bekannten lateinischen  Motto "carpe diem" im Barock auf sich hatte.

Historischer Kontext

Das Zeitalter des Barocks wurde durch den brutalen Dreißigjährigen Krieg geprägt – Hunger, Seuchen, Vergewaltigung und Tod sorgten für großes Leid bei den Menschen in Europa. Dabei ist der Dreißigjährige Krieg nicht als einzelner Konflikt, sondern als eine Folge mehrerer Kriege anzusehen.

Der Krieg entstand als Konflikt zwischen den Böhmer Protestanten und dem katholischen Kaiser Ferdinand. Ausgelöst wurde der Konflikt mit dem so genannten "Prager Fenstersturz", bei dem die Protestanten bei einer improvisierten Gerichtsverhandlung am 23. Mai 1618 zwei kaiserliche Statthalter und einen Sekretär aus dem Fenster warfen.

Die Bevölkerung in Deutschland schrumpfte von etwa 28 Millionen im Jahr 1615 auf ca. 11 Millionen Menschen am Ende des Krieges.

Barock Merkmale

Antiethik

Es herrschte zu Zeiten des Barock ein antiethisches, also gegensätzliches Weltbild. Luxus und Verschwendung im Leben des Adels standen Armut und Leid innerhalb der einfachen Bevölkerung gegenüber.

Der Zwiespalt innerhalb der Gesellschaft wurde mithilfe von Kunst und Literatur verarbeitet – so entstanden zum Beispiel folgende antiethische Wortpaare, die Du als Motive des Barock erkennen kannst:

  • Diesseits und Jenseits
  • Prunksucht und Massenelend
  • Irdisches und himmlisches Leben
  • Tugend und Wollust
  • Schein und Sein
Kennst Du Merkmale von Barockliteratur?
Die Barockliteratur spiegelt ein antiethisches Weltbild wider. | Quelle: Unsplash

"Carpe diem"

Das lateinische Motto "carpe diem", welches übersetzt "Nutze den Tag" bedeutet, sollte daran erinnern, den Tag bewusst zu leben und das Leben zu genießen – von quälenden Gedanken, wie der eigenen Vergänglichkeit, sollte Abstand genommen werden.

"Memento mori"

Das ebenfalls lateinische Motto "memento mori" steht nahezu im Gegensatz zu "carpe diem". Denn übersetzt bedeutet das Motto "Bedenke, dass Du sterben wirst" und damit ruft es dazu auf, den Tod allgegenwärtig vor Augen zu haben.

Das Vanitas-Motiv

Der lateinische Begriff "vanitas" bedeutet so viel wie "Nichtigkeit" oder "Eitelkeit" und wird am häufigsten mit dem Begriff "Vergänglichkeit" in Verbindung gebracht. Das Vanitas-Motiv prägte vor allem die Lyrik des Barock und macht auf die Vergänglichkeit des Lebens und damit auch auf die Bedeutungslosigkeit des Menschen aufmerksam.

Doch das Motiv hat auch einen religiösen Hintergrund: Das irdische Leben ist zwar vergänglich, aber danach folgt dem christlichen Glauben entsprechend das ewige Leben im Jenseits.

Lerne auch die Merkmale des Mittelalters und die Besonderheiten des Realismus kennen!

Sprache

Die Sprache spielt im Barock eine große Rolle – so wurden die drei Gesellschaftsschichten, die so genannte Ständegesellschaft mit dem Adel, dem Bürgertum und der Bauern, auch in der Sprache entsprechend repräsentiert:

  • Hoher Stil = würdevolle Sprache
  • Mittlerer Stil = normale Sprache
  • Niederer Stil = einfache Sprache

Zudem griff man auf viele rhetorische Mittel zurück, die von einer starken Bildsprache zeugen. Solche Stilmittel sind zum Beispiel:

  • Metaphern
  • Personifikationen
  • Antithesen
  • Symbole
Wusstest, dass die Sprache im Barock sehr wichtig war?
In dieser Epoche spielte die Sprache und ihre Verwendung eine große Rolle. | Quelle: Unsplash

Literatur im Barock

Die Lyrik galt im Barock als beliebteste Ausdrucksform dennoch wurden auch einige erzählende Texte verfasst, wie zum Beispiel Romane oder Satire. Auch gab es viele Reisebeschreibungen, Predigten und journalistische oder wissenschaftliche Werke diese Texte waren meist nicht-fiktional.

Unterschieden wird bei den Romanen übrigens zwischen dem höfischen, dem historischen, dem Schäferroman und dem Schelmenroman. Ein bekannter Schelmenroman ist das Werk von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen "Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch", welcher 1668 veröffentlicht wurde.

Viele der Gedichte, die im Barock entstanden, hatten die Form eines Sonetts. Ein Sonett hat insgesamt vierzehn Zeilen, die auf zwei vierzeiligen und zwei dreizeiligen Strophen aufgeteilt sind. Die Versform war für gewöhnlich ein Alexandriner mit sechshebigem Jambus.

Weitere Gedichtformen, die im Barock sehr beliebt waren:

  • Elegie
  • Epigramm
  • Ode

Da es kein deutsches Nationaltheater gab, entstanden übrigens kaum deutschsprachige Dramen, weil diese eben nicht aufgeführt werden konnten. Stattdessen hatten dramatische Werke von Shakespeare, Corneille, Molière und Monteverdi großen Erfolg in Europa.

Wusstest Du, dass Dramen dafür geschrieben werden, damit sie aufgeführt werden?
Im Barock gab es aufgrund eines fehlenden deutschen Nationaltheaters kaum deutsche Dramen. | Quelle: Unsplash

Autoren und Werke

Der Lyriker Andreas Gryphius zählt zu den bedeutendsten Lyrikern im Zeitalter des Barock. Eines der bekanntesten Barockgedichte ist zum Beispiel "Thränen des Vaterlandes / Anno 1636", welches Dir mit Sicherheit im Deutschunterricht oder spätestens in einem germanistischen Studiengang begegnen wird.

"Wir sind doch nunmehr gantz / ja mehr denn gantz verheeret!
Der frechen Völcker Schaar / die rasende Posaun
Das vom Blutt fette Schwerdt / die donnernde Carthaun /
Hat aller Schweiß / und Fleiß / und Vorrath auffgezehret."

Auszug aus "Thränen des Vaterlandes / Anno 1636" von Andreas Gryphius

Aber natürlich gab es noch einige andere Lyriker und Autoren, die den Barock prägten. Wir wollen Dir im Folgenden ein paar Vertreter des Barock nennen:

  • Christoffel von Grimmelshausen
    • "Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch"
  • Martin Optiz
    • "Carpe diem"
    • "Buch von der Deutschen Poeterey"
  • Daniel Caspar von Lohenstein
    • "Ibrahim"
  • Andreas Gryphius
    • "Sonn- und Feiertagssonette"
    • "Leo Armenius oder Fürstenmord"
    • "Carolus Stuardus oder Ermordete Majestät"
  • Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
    • " "Vergänglichkeit der Schönheit"

Möchtest Du weitere wichtige Vertreter anderer Epochen in Deutschland kennen lernen, wie zum Beispiel aus der Weimarer Klassik oder der Romantik?

Hast Du nun einen guten Überblick über die Barock-Epoche bekommen? Wir zeigen Dir nochmal schnell die wichtigsten Fakten:

  • Der Barock war von den Folgen und Geschehnissen des Dreißigjährigen Kriegs geprägt
  • Es herrschte ein antiethisches Weltbild. Typisch dafür waren gegensätzliche Wortpaare, wie zum Beispiel:
    • Diesseits und Jehnseits
    • Schein und Sein
    • Tugend und Wollust
  • "Carpe diem" und "memento mori" waren die lateinischen Mottos des Barock. Sie standen im Gegensatz zueinander: Während "carpe diem" übersetzt "Nutze den Tag" bedeutet, steht "memento mori" für "Bedenke, dass Du sterben wirst".
  • Das Vanitas-Motiv prägte vor allem die Lyrik des Barock.
  • Die Ständegesellschaft äußerte sich auch in der literarischen Sprache. Die Sprache und ihre Verwendung spielte eine große Rolle im Barock.
  • Die bedeutendste Gattung war im Barock die Lyrik, als Gedichtform wurde am häufigsten das Sonett gewählt. Andreas Gryphius war ein sehr bedeutender Barockdichter. Weitere Gedichtformen waren:
    • Elegie
    • Epigramm
    • Ode
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Die Lyrik war die bedeutendste Gattung im Barock. | Quelle: Unsplash

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Yeliz

Ich liebe das geschriebene Wort – es zu lesen, einfach selbst zu schreiben oder es als Gestaltungselement zu nutzen. Dazu gehört auch die Sprache: Reisen und andere Kulturen faszinieren mich.