Du interessierst Dich für Literatur und der Deutschunterricht hat Dir schon immer sehr viel Spaß gemacht? Dann ist Dir sicherlich das Wort "Literaturepoche" ein Begriff.

Mit einer Epoche bezeichnet man einen Abschnitt in der Geschichte der Literatur, der mit einem Wandel beginnt und mit einem Wandel auch wieder endet. Der Wandel betrifft dabei gesellschaftliche und politische Umstände, die eben auch das Denken und die Lebensverhältnisse der Menschen beeinflusst haben.

Epochen gibt es übrigens nicht nur in Bezug auf Literatur, sondern auch in Bezug auf Kunst, Architektur und Musik.

In diesem Artikel möchten wir Euch die wesentlichen Merkmale und Autoren der Literatur im Mittelalter zeigen.

Historischer Kontext

Mit dem Mittelalter bezeichnet man die Epoche zwischen der Antike und der Neuzeit zwischen dem 6. und dem 15. Jahrhundert. Diese Zeitspanne macht diesen Abschnitt verhältnismäßig zu einer wirklich sehr langen Epoche, die sich in drei Phasen einteilen lässt:

  • Frühmittelalter (ca. 500 bis 1180)
  • Hochmittelalter (bis ca. 1170)
  • Spätmittelalter (bis ca. 1500)

Auf die drei Phasen des Mittelalters werden wir nochmal genauer bei der Betrachtung der Literatur im Mittelalter zurückkommen. Zunächst fangen wir mit dem historischen Kontext der Epoche an.

Im Mittelalter gilt der Mensch als ein Teil der Gemeinschaft, dessen Zugehörigkeit zu einem Stand durch die Geburt bestimmt wird. Anders als heute wird der Mensch also nicht als eigenständiges Individuum betrachtet, der seinen Platz und seine Aufgaben im Laufe seines Lebens selbst bestimmt.

Das Weltbild der Menschen wurde stark vom Christentum, also der Kirche und der Bibel, beeinflusst und spiegelt sich auch in der Literatur des Mittelalters wider.

Doch, wie Du Dir wahrscheinlich schon denken kannst, konnte nicht jeder Mensch im Mittelalter lesen und schreiben – dies war nur unter dem Adel und dem Klerus verbreitet.

Die Gesellschaft war nämlich nach Ständen geordnet: Klerus (Geistliche), Adel, Bürger (Kaufleute und Handwerker) und Bauern.

Mehr zu den historischen Gegebenheiten und Veränderungen werden wir Euch bei genauerer Betrachtung der Literatur des Mittelalters erzählen. Als Nächstes schauen wir uns erstmal die Merkmale dieser Epoche an.

Interessierst Du Dich für das Mittelalter?
Das Denken der Menschen im Mittelalter war stark vom christlichen Glauben geprägt. | Quelle: Unsplash

Merkmale der Epoche

Der Minnesang wird Dir im Zusammenhang mit Literatur im Mittelalter sehr oft begegnen – denn der Minnesang fand seinen Höhepunkt in dieser Epoche. Doch, was ist denn Minnesang eigentlich?

Als Minnesang wird die ritterlich-höfische Liebeslyrik bezeichnet, bei der die Liebeserklärung eines Ritters, des so genannten Minnesängers, an eine adelige Dame im Vordergrund steht.

"Minne" ist das altertümliche Wort für "Liebe".

Weitere Merkmale des Mittelalters:

  • Mündliche Überlieferung: Da im Mittelalter nur sehr wenige Menschen lesen und schreiben konnten, wurden Erzählungen, Märchen, Volkslieder und auch der Minnesang hauptsächlich mündlich überliefert.
  • Unterteilung in kirchliche und höfische Literatur: Bei der kirchlichen Literatur wurde vor allem die lateinische Sprache verwendet und geistliche Themen behandelt, während bei der höfischen Literatur der Schwerpunkt auf dem ritterlichen Ideal lag und Volkssprache verwendet wurde.
  • Auftragsliteratur: Die Minnesänger und Autoren wurden vom Adel beauftragt, womit sie sich oft an einen Hof banden und mit allerlei versorgt wurden. Sie hielten sich demnach aber auch an Vorlagen und Regeln.
  • Fehlende Individualität: Traditionelle Themen und Formen, die allgemein gültig waren, gaben keinen Platz für die Individualität des Menschen her.
  • Idealisierung des Rittertums: Ritterliche Tugenden wie Anstand, Würde, Ansehen, Treue, Verlässlichkeit und Großzügigkeit bekamen einen hohen Stellenwert und wurden als Ideal gesehen.
  • Viele Geschichten handelten vom Kamp Gut gegen Böse, bei dem es immer Helden, Damen und Bösewichte gab.
  • Dichtung und Prosa: Die Dichtung war im Mittelalter lange Zeit die am meisten genutzte Form, um Geschichten vorzutragen. Denn diese ließen sich aufgrund ihrer Vers- und Reimform gut merken – im Mittelalter wurde schließlich alles hauptsächlich mündlich vorgetragen. Erst viel später, ungefähr gegen Ende des Mittelalters, gewann auch die Prosaform an Beliebtheit.
Bist Du fasziniert vom Zeitalter der Ritter?
Im Mittelalter wurde das Rittertum stark idealisiert. | Quelle: Pixabay

Wusstest Du, dass die Romantik das Mittelalter verklärte?

Literatur im Mittelalter

Literatur im frühen Mittelalter

Da fast ausschließlich nur die Geistlichen und der Adel lesen und schreiben konnten, verfassten vor allem Mönche literarische Werke auf Latein, die den christlichen Glauben verbreiten sollten.

Hinzu kommt, dass lange keine einheitliche deutsche Sprache existierte, sondern vielmehr unzählige Dialekte. Erst ab dem 9. Jahrhundert wurde das Althochdeutsche gesprochen und einige Heldengeschichten der Germanenstämme aufgeschrieben.

Es gab also folgende literarische Formen im frühen Mittelalter: Heldensagen, Zaubersprüche, Fürstenlob und Evangelienharmonien.

Literatur im Hochmittelalter

Das Hochmittelalter befasst die Zeit der Kreuzzüge des Rittertums – so beeinflusste die Kultur des Rittertums das Hochmittelalter enorm.

In dieser Zeit war nicht nur der Minnesang in seiner Blütezeit, sondern auch die höfische Dichtung. Diese Dichtung auf Mittelhochdeutsch thematisierten das ritterliche Ideal und berichteten vom Leben der angepriesenen Fürsten und Adligen.

Außerdem wurden viele höfische Dichtungen nach Vorlage der französischen Dichtung verfasst. Es entstanden zwei Hauptgattungen – die Minnedichtung und die Heldendichtung.

In Ritterromanen wurde vom Leben eines Ritters erzählt, welcher eine Menge Abenteuer (auch "Aventiure" genannt) erlebt und viele Irrwege geht, bevor er sich als edler Ritter bewährt. Dabei wurde sich meist an der Sagenwelt von König Artus und Karl den Großen orientiert.

Wusstest Du, dass die Lyrik im Barock die beliebteste Ausdrucksform war und auch in der Renaissance eine bedeutende Rolle spielte?

Kennst Du bekannte Ritterromane?
Die Ritterromane berichteten von Rittern, die sich als edle Ritte bewährten. | Quelle: Unsplash

Literatur im Spätmittelalter

Das späte Mittelalter ist von vielen gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt. Während das Bürgertum mehr und mehr an Einfluss gewinnt, verliert der Kaiser an Macht und der Papst an Autorität.

Und nachdem die Pest in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert 1/3 der europäischen Bevölkerung das Leben kostet, werden die Menschen immer pessimistischer und zweifeln an der göttlichen Ordnung. So sind viele Werke aus dem späten Mittelalter von Melancholie und Hoffnungslosigkeit gezeichnet.

Die höfische Literatur verschwindet nach und nach und wurde durch zum Beispiel Satire, Legendenerzählungen, Schwank und Meistersang ersetzt.

Der Meistersang ist als eine Weiterentwicklung des Minnesangs zu betrachten und ebenfalls nach bestimmten Regeln verfasst. Im Gegensatz zum Minnesang sind hier die Motive der Lieder allerdings sehr verschieden und befassen sich sowohl mit moralischen als auch mit antiken oder biblischen Inhalten.

Autoren und Werke

Wichtige Autoren des frühen Mittelalters waren:

  • Otfrid von Weißenburg
    • "Evangelienharmonie"
  • Heinrich von Melk
  • Hildegard von Bingen
    • "Liber Scivias"

Wichtige Autoren im Hochmittelalter waren:

  • Walther von der Vogelweide
  • Gottfried von Straßenburg
    • "Tristan und Isolde"
  • Hartmann von Aue
    • "Erec"
  • Heinrich von Morungen
  • Wolfram von Eschenbach
    • "Parzival"
  • Wirnt von Grafenberg
  • Konrad von Würzburg
    • "Der Welt Lohn"

Das berühmte "Nibelungenlied" wurde ebenfalls im Hochmittelalter niedergeschrieben – der Autor gilt aber als anonym bzw. ist nicht ganz eindeutig zurückverfolgbar.

Wichtige Autoren im Spätmittelalter waren:

  • Heinrich von Meißen
  • Meister Eckhart
  • Oswald von Wolkenstein
  • Johannes Tepl
  • Heinrich Wittenwiler
    • "Der Ring"
  • Mechthild von Magdeburg
    • "Das fließende Licht der Gottheit"
  • Hugos von Trimberg
    • "Der Renner"

Das Mittelalter im Kurzüberblick

Das waren ganz schön viele Informationen auf einen Schlag? Wir zeigen Dir nochmal die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Das Mittelalter wurde in drei Abschnitte unterteilt: Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter.
  • Der Mensch gilt als Teil der Gemeinschaft, nicht als Individuum.
  • Das Weltbild war stark vom Christentum geprägt.
  • Das Lesen und Schreiben war dem Adel und dem Klerus vorbehalten.
  • Ständegesellschaft
  • Die wichtigsten Merkmale waren: Minnesang, Mündliche Überlieferung, Auftragsliteratur, Idealisierung des Rittertums, Gut gegen Böse, Dichtung und Prosa.
  • Erst ab dem 9. Jahrhundert wurde Althochdeutsch gesprochen, vorher existierten zahlreiche Dialekte.
  • Literatur im frühen Mittelalter: Heldensagen, Zaubersprüche, Fürstenlob und Evangelienharmonien.
  • Literatur im Hochmittelalter: Minnesang und höfische Dichtung.
  • Literatur im Spätmittelalter: Die höfische Literatur verschwindet und an ihre Stelle tritt zum Beispiel Satire, Legendenerzählungen, Schwank und Meistersang.
  • Der Meistersang war eine erweiterte Form des Minnesangs.
  • Berühmte Werke aus dem Mittelalter: "Das Nibelungenlied", "Tristan und Isolde" und "Erec".

Bist Du nun neugierig geworden und möchtest noch mehr über Epochen, wie zum Beispiel über die Epoche Sturm und Drang oder die Aufklärung, erfahren? Superprof kann Dir dabei helfen!

Mittelalterliche Werke analysieren mit Superprof

Du möchtest wissen, wie Du Werke wie "Erec" oder "Tristan und Isolde" analysieren und deuten kannst? Brauchst Du vielleicht einen Nachhilfelehrer, der mit Dir zusammen nochmal Dein Wissen über die rhetorischen Mittel aus dem Deutschunterricht  auffrischt?

Dann hat Superprof mit Sicherheit die passende Expertin oder den passenden Experten für Dich parat!

Bei uns hast Du eine große Auswahl an Nachhilfelehrern und -lehrerinnen in Deiner Nähe. Dazu musst Du nur das jeweilige Fach und Deine Stadt eingeben und schon werden Dir sämtliche Profile verfügbarer Nachhilfeoptionen angezeigt.

Suchst Du Deutsch Nachhilfeunterricht?
Lerne über Superprof, wie Du literarische Werke analysieren kannst. | Quelle: Unsplash

Du  hast bereits vorab Einblicke in bisherige Stationen, Werdegang und Motivation der Experten und Expertinnen. Und durch die Bewertungen anderer Schüler und Schülerinnen kannst Du sehen, welche Erfahrungen bereits Interessierte vor Dir gemacht haben.

Wenn Du den Unterricht gefunden hast, der Deinen Vorstellungen und Zielen entspricht, kannst Du über Superprof ganz einfach die erste Stunde vereinbaren. Der Vorteil bei Superprof: Die 1. Unterrichtsstunde ist immer kostenlos!

Solltest Du keinen passenden Unterricht in Deiner Stadt oder in Deiner Nähe finden, hast Du über Superprof auch die Möglichkeit, Deinen Unterricht Online zu absolvieren.

So bist Du nicht an Deine Stadt gebunden und kannst Deinen Nachhilfeunterricht aus dem Spektrum in ganz Deutschland wählen!

Wenn Du also mehr über die deutschen Literaturepochen erfahren willst, wie zum Beispiel über den Naturalismus oder den Realismus, dann ist Superprof genau die richtige Adresse für Dich!

Auf der Suche nach einer Lehrkraft für Deutsch?

Dir gefällt unser Artikel?

5,00/5 - 1 vote(s)
Loading...

Yeliz

Ich liebe das geschriebene Wort – es zu lesen, einfach selbst zu schreiben oder es als Gestaltungselement zu nutzen. Dazu gehört auch die Sprache: Reisen und andere Kulturen faszinieren mich.