Was passiert, wenn Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre Heimat verlassen müssen, weil ihre Texte, ihre Herkunft oder ihre politische Haltung plötzlich gefährlich werden? Genau darum geht es in der Exilliteratur.
Sie entstand in Deutschland zwischen 1933 und 1945, also während der Zeit des Nationalsozialismus. Viele Autorinnen und Autoren wurden verfolgt, ihre Bücher verboten oder verbrannt. Deshalb flohen sie ins Ausland und schrieben dort weiter, oft unter schwierigen Bedingungen.
Die Exilliteratur ist deshalb viel mehr als nur eine Literaturepoche. Sie erzählt von Heimatverlust, Angst, Widerstand und der Sehnsucht nach Freiheit. Gleichzeitig wollten viele Exilautorinnen und Exilautoren über die Verbrechen des Nationalsozialismus aufklären und zeigen, was in Deutschland wirklich geschah.
Was ist Exilliteratur?
Das Wort Exil stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „in der Fremde sein“ oder „verbannt sein“. Menschen leben im sogenannten Exil, wenn sie aus religiösen, politischen oder rassistischen Gründen ihr Heimatland verlassen müssen, weil sie dort verfolgt, bedroht oder bestraft werden könnten.
🗓️ Zeitraum: 1933 bis 1945
📌 Begriff: Exil bedeutet „Verbannung“ oder „Leben in der Fremde“
🏛️ Historischer Hintergrund: Nationalsozialismus, Zensur, Verfolgung, Bücherverbrennung
💬 Zentrale Themen: Heimatverlust, Flucht, Widerstand, Aufklärung, Antifaschismus
📚 Wichtigste Gattung: Prosa, besonders Romane
✍️ Weitere Formen: Exilliteratur Gedichte, Exildramen, Flugblätter, Radioreden und Tarnschriften
👥 Bekannte Autor*innen: Bertolt Brecht, Thomas Mann, Heinrich Mann, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig und Irmgard Keun
Die Exilliteratur bezeichnet also Texte, die von Autorinnen und Autoren im Exil geschrieben wurden. In der deutschen Literaturgeschichte meint man damit vor allem die Werke jener Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus Deutschland fliehen mussten. Viele von ihnen waren jüdisch, politisch links eingestellt, pazifistisch oder kritisierten das NS-Regime offen.
Die Exilliteratur wird deshalb auch Emigrantenliteratur genannt. Wichtig ist aber: Sie ist nicht dasselbe wie die Trümmerliteratur oder Nachkriegsliteratur. Während diese erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstand, gehört die Exilliteratur in den Zeitraum von 1933 bis 1945. Sie entstand also während der NS-Zeit und des Krieges – oft aus der Fremde heraus, aber mit dem Blick auf Deutschland.
Exilliteratur Zeitraum und historischer Hintergrund
Die Exilliteratur Epoche umfasst in der deutschen Literaturgeschichte vor allem den Zeitraum von 1933 bis 1945. Sie beginnt mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten: Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt.
Kurz darauf wurden demokratische Rechte immer stärker eingeschränkt, darunter Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Literaturfreiheit.
1933
Machtübernahme der Nationalsozialisten
Verfolgung, Zensur und Flucht vieler Autor*innen beginnen.
10. Mai 1933
Bücherverbrennung
Werke kritischer, jüdischer und „unerwünschter“ Autor*innen werden öffentlich verbrannt.
1935
Nürnberger Gesetze
Die Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Menschen wird gesetzlich verschärft.
1938/1939
Ausweitung der NS-Herrschaft und Kriegsbeginn
Viele Exilierte müssen erneut fliehen, oft aus Europa heraus.
1945
Ende des Zweiten Weltkriegs
Die Epoche endet, doch die Exilerfahrung wirkt für viele Autor*innen weiter.
Schon vor und besonders nach der Machtübernahme gab es Verbotslisten mit sogenannter „antideutscher“, „nicht-arischer“ oder politisch unerwünschter Literatur.
Autorinnen und Autoren, die nicht zu den nationalsozialistischen Vorstellungen passten, wurden ausgegrenzt, bedroht, mit Publikationsverboten belegt oder verfolgt.

Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 gilt bis heute als besonders deutliches Sinnbild dieser Zensur der deutschen Medien:
Werke kritischer, jüdischer, pazifistischer oder linker Schriftstellerinnen und Schriftsteller wurden öffentlich verbrannt.
Viele Autorinnen und Autoren verließen Deutschland deshalb schon früh. Zunächst suchten sie Schutz in europäischen Ländern wie Österreich, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden oder der Tschechoslowakei.
Doch mit der Ausweitung der NS-Herrschaft und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde auch Europa für viele Exilierte immer gefährlicher. Viele mussten erneut fliehen, etwa in die USA, nach Mexiko, Moskau, Stockholm oder Palästina.
Nicht alle Schriftstellerinnen und Schriftsteller gingen ins Ausland. Manche blieben in Deutschland und schrieben nur noch unpolitische Texte oder verschlüsselten ihre Kritik. Diese Haltung nennt man Innere Emigration. Sie entstand zeitgleich zur Exilliteratur, ist aber von ihr zu unterscheiden.
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Exilliteratur Merkmale: Themen, Motive und Ziele
Die Exilliteratur Merkmale hängen eng mit der politischen Situation im Nationalsozialismus zusammen. Viele Autorinnen und Autoren schrieben nicht einfach nur, um persönliche Erlebnisse zu verarbeiten. Ihre Literatur hatte oft ein klares Ziel: Sie sollte aufklären, warnen und Widerstand gegen das NS-Regime unterstützen.

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Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Ein großer Teil der Exilliteratur war antifaschistisch. Die Autorinnen und Autoren wollten sich gegen Nazi-Deutschland wehren und zeigen, welche Gefahr von Diktatur, Propaganda, Krieg und Verfolgung ausging.
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Bertolt Brecht: „An die Nachgeborenen“
Literatur wurde damit zu einem politischen Mittel. Viele Texte richteten sich direkt gegen den Nationalsozialismus, andere arbeiteten indirekter, zum Beispiel über historische Stoffe, Parabeln oder verschlüsselte Kritik.
Auch Flugblätter, Radioreden, Exilzeitschriften und Manifeste spielten eine wichtige Rolle, weil sie Menschen informieren und zum Widerstand ermutigen sollten.
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Sehnsucht nach Heimat und Sprache
Da sehr viele Autorinnen und Autoren ihre deutsche Heimat verlassen mussten, fühlten sie sich im Ausland oft fremd und nicht wirklich zu Hause. Heimweh, Verlust, Einsamkeit und Entwurzelung wurden deshalb zentrale Motive der Exilliteratur.
Wo ich bin, ist Deutschland.“
Thomas Mann
Hinzu kam die Sprachbarriere: Viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller schrieben weiterhin auf Deutsch, lebten aber in Ländern, in denen kaum jemand ihre Sprache verstand. Dadurch konnten sie sich literarisch oft nur schwer verwirklichen und mit ihren Texten kaum Geld verdienen.
Die eigene Sprache wurde im Exil einerseits zur Verbindung zur Heimat, andererseits aber auch zu einem Hindernis.
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Aufklärung über das Leben im NS-Staat
Viele Werke wollten zeigen, was in Deutschland wirklich geschah. Besonders Zeitromane, Erlebnisberichte, Reportagen und historische Romane dienten dazu, über Verfolgung, Angst, Anpassung und Widerstand im Nationalsozialismus aufzuklären.
Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, daß es im Innersten etwas gab, was unangreifbar war und unverletzbar.
Anna Seghers – Das siebte Kreuz
Ein bekanntes Beispiel ist Anna Seghers’ Roman „Das siebte Kreuz“. Darin wird die Flucht eines KZ-Häftlings erzählt und zugleich gezeigt, wie unterschiedlich Menschen im NS-Staat auf Terror, Mitläufertum und Widerstand reagieren.
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Keine einheitliche Form
Anders als in Epochen wie dem Barock oder der Klassik gibt es in der Exilliteratur keine festen formalen Merkmale. Es gibt also kein typisches Metrum, kein einheitliches Reimschema und keine gemeinsame Ästhetik.
Wichtiger als die äußere Form war die Botschaft. Die Texte sollten aufrütteln, erinnern, erklären und die Stimme derjenigen hörbar machen, die aus Deutschland vertrieben wurden.
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Literaturgattungen der Exilliteratur
Die Exilliteratur Werke sind in verschiedenen Gattungen entstanden. Besonders wichtig war die Prosa, weil Romane mehr Raum boten, um politische Entwicklungen, persönliche Schicksale und das Leben im Nationalsozialismus ausführlich darzustellen.
Exilprosa: Romane als wichtigste Form
Die wichtigste Gattung der Exilliteratur war die Prosa, vor allem der Roman. Diese Form bot die größte Chance, veröffentlicht und auch international gelesen zu werden. Die meisten Werke richteten sich direkt oder indirekt gegen das NS-Regime.
Dabei lassen sich verschiedene Romanformen unterscheiden:
🕰️ Zeitroman: Stellt die Gegenwart möglichst nachvollziehbar dar und kritisiert die gesellschaftlichen Zustände.
🌍 Exilroman: Beschäftigt sich mit Flucht, Fremdheit und dem Leben außerhalb Deutschlands.
📜 Historischer Roman: Nutzt vergangene Stoffe, um Parallelen zur Gegenwart zu ziehen.
🔮 Utopischer Roman: Entwirft mögliche Zukunftsbilder und fragt, wie eine andere Gesellschaft aussehen könnte.
Wichtige Beispiele sind Anna Seghers’ „Das siebte Kreuz“ und „Transit“, Irmgard Keuns „Nach Mitternacht“, Lion Feuchtwangers „Exil“ und Heinrich Manns „Henri Quatre“.
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Exilliteratur Gedichte: Lyrik im Exil
Exilliteratur Gedichte spielten eine kleinere Rolle als Romane. Das lag vor allem daran, dass Gedichte im Exil schwerer veröffentlicht werden konnten. Viele lyrische Texte erschienen deshalb erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten
Schlafen legt ich mich unter die Mörder
Der Liebe pflegte ich achtlos
Und die Natur sah ich ohne Geduld.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.
(Bertolt Brechts An die Nachgeborenen)
Thematisch ging es in der Exillyrik häufig um Flucht, Verlust, Heimat, Krieg, Hoffnung und politische Warnung. Besonders wichtig waren Bertolt Brecht, Else Lasker-Schüler und Johannes R. Becher. Bekannte Gedichte aus dem Exilkontext sind Brechts „An die Nachgeborenen“ und „Gedanken über die Dauer des Exils“.
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Exildramatik und Brechts episches Theater
Auch die Dramatik hatte es im Exil schwer, weil viele Stücke kaum aufgeführt werden konnten. Trotzdem entstanden bedeutende Dramen, vor allem durch Bertolt Brecht.
Wichtig ist: Das epische Theater wurde nicht einfach erst in der Exilliteratur erfunden. Brecht hatte diese Theaterform bereits vorher entwickelt und im Exil weitergeführt. Ziel war es, das Publikum nicht nur emotional mitzureißen, sondern zum kritischen Nachdenken zu bringen.
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Dafür nutzte Brecht den Verfremdungseffekt: Lieder, Kommentare, Unterbrechungen oder direkte Hinweise sollten verhindern, dass man sich einfach nur in die Handlung hineinfühlt.
Bekannte Werke sind „Furcht und Elend des Dritten Reiches“, „Mutter Courage und ihre Kinder“, „Leben des Galilei“ und „Der gute Mensch von Sezuan“.
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Politische Formen: Flugblätter, Radioreden und Tarnschriften
Neben Romanen, Gedichten und Dramen spielten auch direkte politische Texte eine wichtige Rolle. Dazu gehörten Flugblätter, Manifeste, Radioreden, Exilzeitschriften und Tarnschriften.
Tarnschriften waren besonders raffiniert: Sie wurden unter falschem Titel oder mit falschem Impressum nach Deutschland geschmuggelt, um Zensur und Verfolgung zu umgehen. So wurde Literatur im Exil nicht nur Kunst, sondern auch ein Werkzeug des Widerstands.
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Exilliteratur Autoren und Werke im Überblick
Viele wichtige Exilliteratur Autoren schrieben im Ausland weiter auf Deutsch, obwohl sie ihre Heimat verlassen mussten und oft kaum Publikationsmöglichkeiten hatten.
Die folgende Übersicht zeigt dir noch einmal zentrale Exilliteratur Werke, ihre Besonderheiten und kurz, worum es jeweils geht:
| Autor/in | Werk | Besonderheit | Worum geht es? |
|---|---|---|---|
| Bertolt Brecht | Mutter Courage und ihre Kinder | Antikriegstheater, episches Theater | Das Drama folgt der Händlerin Mutter Courage durch den Dreißigjährigen Krieg und zeigt, wie Krieg Menschen ausnutzt und zerstört. |
| Bertolt Brecht | Furcht und Elend des Dritten Reiches | Direkte Auseinandersetzung mit NS-Terror | In kurzen Szenen zeigt Brecht Angst, Denunziation, Anpassung und Gewalt im Alltag des nationalsozialistischen Deutschland. |
| Thomas Mann | Joseph und seine Brüder | Groß angelegter Romanzyklus, Epochenbilanz | Der vierteilige Romanzyklus erzählt die biblische Josephsgeschichte neu und verbindet Mythos, Humanismus und Zeitdiagnose. |
| Heinrich Mann | Henri Quatre | Historischer Roman mit Gegenwartsbezug | Der Roman zeichnet das Leben Heinrichs IV. nach und stellt Humanität, Toleranz und politische Verantwortung gegen Gewalt und Fanatismus. |
| Anna Seghers | Das siebte Kreuz | Widerstand, Verfolgung, NS-Alltag | Der Roman erzählt von der Flucht eines KZ-Häftlings und zeigt, wie Menschen im NS-Alltag zwischen Angst, Mitläufertum und Hilfe handeln. |
| Anna Seghers | Transit | Exilerfahrung, Flucht, Entwurzelung | Der Roman spielt im Marseille der Fluchtjahre und zeigt Wartende, Vertriebene und Menschen, die verzweifelt auf Visa hoffen. |
| Lion Feuchtwanger | Exil | Leben und Schreiben im Exil | Der Roman schildert das Leben deutscher Emigrantinnen und Emigranten in Paris und ihren Kampf gegen Entwurzelung und politische Bedrohung. |
| Irmgard Keun | Nach Mitternacht | Alltag im nationalsozialistischen Deutschland | Der Roman erzählt aus junger Perspektive vom Leben im NS-Staat und macht Propaganda, Überwachung und Anpassungsdruck sichtbar. |
| Stefan Zweig | Schachnovelle | Psychischer Druck, Gewalt, Isolation | Die Novelle zeigt anhand eines Schachduells die seelischen Folgen von Isolation, Verfolgung und psychischer Folter. |
| Klaus Mann | Mephisto | Anpassung, Karriere und Moral im NS-Kontext | Der Roman erzählt von einem Schauspieler, der für Karriere und Erfolg moralische Kompromisse mit dem NS-System eingeht. |
| Alfred Döblin | Babylonische Wandrung | Exil, Fremdheit, politischer Umbruch | Der Roman verbindet Flucht, religiöse Motive und politische Unsicherheit zu einer satirisch-experimentellen Exilerzählung. |
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Referenzen
- Klein, C. (201 C.E.). Ringvorlesung: Einführung in die Geschichte der deutschen Literatur. In Bergische Universität Wuppertal Fachbereich A: Germanistik, Ringvorlesung: Einführung in Die Geschichte Der Deutschen Literatur. https://germanistik.uni-wuppertal.de/fileadmin/germanistik/Teilf%c3%a4cher/NDL/Ringvorlesung/13-14/Klein_Handout_Ring-VL_15.01.14.pdf
- Behring, E., Kliems, A., & Trepte, H. (2004). Grundbegriffe und Autoren ostmitteleuropäischer Exilliteraturen 1945-1989: ein Beitrag zur Systematisierung und Typologisierung. Franz Steiner Verlag.
- Drews, R., & Kantorowicz, A. (1983). Verboten und verbrannt: deutsche Literatur 12 Jahre unterdrückt.
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