"Widerspiegelung alles wirklichen Lebens, aller wahren Kräfte und Interessen im Elemente der Kunst."

– Theodor Fontane

Wie das obige Zitat schon verrät, geht es bei der Literaturepoche Realismus darum, die Dinge der Wirklichkeit entsprechend darzustellen.

Die Bedeutung lässt sich auch aus der Zusammensetzung des Begriffs herleiten. So bedeutet das lateinische Wort "res" übersetzt in etwa "Ding" oder "Sache" und das lateinische Wort "realis"  bedeutet "sachlich".

Doch im Gegensatz zum Naturalismus, der nach dem Realismus folgte und sich ebenfalls zur Aufgabe machte, die Dinge wahrheitsgetreu darzustellen, sollte in der Literatur des Realismus das Schöne aus der Realität herausgearbeitet werden. Das Ganze erfolgte zwar künstlerisch, aber dennoch sachlich und objektiv.

Der Realismus gilt als Nachfolger der Romantik und lässt sich zeitlich zwischen 1848 und 1890 einordnen. Bevor wir dazu kommen, welche Merkmale die Epoche auszeichnete, wollen wir Dir kurz eine Übersicht über das zeitgeschichtliche Geschehen geben.

Historischer Kontext zum Realismus

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Menschen mit gesellschaftlichen Veränderungen konfrontiert. Die Wissenschaft und technischen Fortschritte kamen immer weiter voran und machten viele Arbeitsplätze der Menschen überflüssig.

Kennst Du den historischen Kontext zur Epoche Realismus?
Die fortschreitende Industrialisierung beeinflusste das Leben der Bürger enorm. | Quelle: Pixabay

Vor allem in den ländlichen Regionen waren die Menschen deshalb von Arbeitslosigkeit betroffen, weshalb es die Bürger während ihrer Suche nach neuer Arbeit in die Städte trieb.

Die Städte waren dementsprechend überlaufen und hielten den Ansturm und damit die große Anzahl an Arbeitssuchenden kaum stand.

Auch wissenschaftliche und philosophische Erkenntnisse sorgten für einen gesellschaftlichen Umschwung – so wurden altbewährte Normen infrage gestellt, wie zum Beispiel das christliche Weltbild.

Die Märzrevolution sollte den Menschen eine politische Liberalisierung und Verbesserung der Lebensumstände bringen – der Staatskanzler Metternich wurde gestürzt, eine deutsche Verfassung ausgearbeitet und die Zensur gelockert. Doch das erhoffte politische Mitspracherecht des Bürgertums blieb aus.

Die daraus entstandene Rolle des einzelnen Bürgers war nun Gegenstand des Realismus in der Literatur.

Im Folgenden wollen wir Dir die Merkmale der Literaturepoche vorstellen.

Merkmale der realistischen Literaturepoche

Die Realisten wollten zwar die Dinge der Wirklichkeit entsprechend darstellen, taten dies aber noch nicht so radikal, wie z.B. ihre Nachfolger – die Naturalisten.

Stattdessen bedienten sie sich einer kunstvollen und poetischen Sprache, um die Wirklichkeit zu umschmücken, weshalb man auch oft und vor allem beim deutschen Realismus vom poetischen Realismus spricht. Die Sprache wurde dennoch einfach gehalten, damit alle Menschen sie problemlos verstehen konnten.

Dabei nahmen die Realisten immer eine beobachtende Position ein, um möglichst wertfrei und objektiv zu erzählen – meist auktorial (allwissender Erzähler) oder aus Perspektive der einzelnen Figuren.

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In der Literatur des Realismus wurde oft eine poetische Sprache gewählt. | Quelle: Unsplash

Anders als bei den Naturalisten, die absichtlich auf soziale und politische Missstände hinwiesen, galt die realitätsnahe Erzählweise der Realisten nicht als Anklage, sondern waren von rein beobachtender Natur.

Der Einsatz von Ironie war ein häufig genutztes stilistisches Mittel, womit die Vertreter des Realismus eine Distanz zum Erzählten schufen.

Alle Merkmale im Überblick:

  • Ästhetisierung der Dinge
  • Poetische Sprache, die dennoch leicht verständlich ist
  • Objektivität
  • Ironie als Stilmittel

Lerne auch die Merkmale der Literatur im Mittelalter oder der Epoche der Aufklärung kennen!

Literatur im Realismus

Epik

Die Epik galt als wichtigste Gattung in der Epoche des Realismus. Dabei wurde vor allem auf Literaturformen wie Romane und Novellen zurückgegriffen, da sie zum einen eine objektive Distanz und zum anderen eine umfangreiche Darstellung des Innenlebens der Protagonisten ermöglichten.

Als Beispiel kann der Roman von Gustav Freytag "Soll und Haben" oder auch Theodor Fontanes "Irrungen, Wirrungen" gewählt werden.

Folgende Romane waren im Realismus weit verbreitet:

  • Der Entwicklungsroman
  • Der historische Roman
  • Der Gesellschaftsroman

Lyrik

Die Lyrik dieser Epoche bot im Gegensatz zur Lyrik der Romantik oder dem Biedermeier einen starken Kontrast. So war die Sprache eher schlicht gehalten und man verzichtete auf Metaphorik und Symbole.

Die Ballade und das Dinggedicht nahmen wichtige Plätze innerhalb der Lyrik ein.

Die Ballade, weil sie aufgrund der Verbindung von epischen, dramatischen und lyrischen Elementen der Epik ähnelte, und das Dinggedicht, weil hierbei versucht wurde, ein alltägliches Ding aus der Umwelt zu lösen, es objektiv zu betrachten, aber dennoch zu ästhetisieren.

Ein Beispiel für ein Dinggedicht ist "Der Panther" von Rainer Maria Rilke.

"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt."

– aus "Der Panther" von Rainer Maria Rilke

Wusstest Du, dass die Lyrik im Barock die beliebteste Ausdrucksform war und auch in der Renaissance eine signifikante Rolle spielte?

Dramatik

Die Dramatik spielt im Realismus nur eine geringe Rolle – erst im Naturalismus bekam das Drama eine bedeutendere Rolle zugeschrieben.

Dennoch sind in dieser Epoche einige bedeutende Dramen entstanden, wie zum Beispiel die Werke Friedrich Hebbels "Judith" und "Maria Magdalene".

Autoren und Werke

Einige Namen renommierter Autoren des Realismus sind im Laufe des Artikels bereits gefallen. Wir zeigen Dir hier nochmal einen Überblick über einige bekannte Autoren und Werke der Epoche:

Deutsche Autoren

  • Theodor Fontane
    • "Effie Briest"
    • "Irrungen, Wirrungen"
    • "Frau Jenny Treibel"
  • Friedrich Hebbel
    • "Maria Magdalene"
    • "Agnes Bernauer"
  • Gottfried Keller
    • "Der grüne Heinrich"
    • "Romeo und Julia auf dem Dorfe"
    • "Das Sinngedicht"
  • Conrad Ferdinand Meyer
    • "Das Amulett"
    • "Der Schuß von der Kanzel"
    • "Der Heilige"
  • Adabert Stifter
    • "Bergkristall"
    • "Der Nachsommer"
  • Wilhelm Raabe
    • "Der Hungerpastor"
    • "Der Dräumling"
  • Theodor Storm
    • "Immensee"
    • "Aquis submersus"
    • "Der Schimmelreiter"
  • Gustav Freytag
    • "Soll und Haben"
    • "Die verlorene Handschrift"

Aus aller Welt

  • Lew Nikolajewitsch Tolstoi – russischer Schriftstelller
    • "Krieg und Frieden"
  • Gustave Flaubert – französischer Schriftsteller
    • "Madame Bovary"
  • Émile Zola – französischer Schriftsteller
    • "Germinal"
  • Octave Mirbeau – französischer Journalist
    • "Tagebuch einer Kammerzofe"
  • Emily Brontë – britische Schriftstelerin
    • "Sturmhöhe"
  • Charles Dickens – englischer Schriftsteller
    • "Oliver Twist"
  • Herman Melville – amerikanischer Schriftsteller
    • "Moby Dick"
  • Mark Twain – amerikanischer Schriftsteller
    • "Die Abenteuer des Tom Sawyer"
    • "Die Abenteuer des Huckleberry Finn"
  • Božena Němcová – tschechische Schriftstellerin
    • "Die Großmutter"
Kennst Du einige Vertreter des Ralismus?
Mark Twain war unter anderem ein bekannter Vertreter des Realismus. | Quelle: Unsplash

Hast Du nun einen Eindruck von der Literaturepoche Realismus bekommen? Wir zeigen Dir kurz nochmal die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Die Gesellschaft befand sich unter anderem aufgrund der fortschreitenden Industrialisierung im Umbruch.
  • Die Dinge sollten mit dem Realismus in ihrer Wirklichkeit dargestellt werden.
  • Diese Wirklichkeit sollte möglichst objektiv und distanziert beschrieben werden.
  • Es wurde oft eine poetische Sprache benutzt, um die Dinge zu ästhetisieren; in Deutschland spricht man daher auch vom poetischen Realismus.
  • Der Realismus ist leicht zu verwechseln mit dem Naturalismus, der ebenfalls die Wirklichkeit der Dinge darstellt – allerdings in ihrer radikalen und meist "hässlichen" Form. Der Naturalismus stellt daher einen Kontrast zum Realismus dar.
  • Romane, Novellen, Balladen und das Dinggedicht waren wichtige literarische Formen. Eine geringere Rolle spielte das Drama.
  • Der Realismus behandelt thematisch vor allem das Leben des Bürgertums und stellte damit die Lebensumstände der Bürger dar.

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Yeliz

Ich liebe das geschriebene Wort – es zu lesen, einfach selbst zu schreiben oder es als Gestaltungselement zu nutzen. Dazu gehört auch die Sprache: Reisen und andere Kulturen faszinieren mich.