Interessierst Du Dich für klassische Literatur? Hast Du Goethes "Die Leiden des jungen Werther" gelesen und möchtest wissen, was zu Zeiten der Strömung Sturm und Drang in den Menschen vorging?

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Wusstest Du, dass in der so genannte "Goethezeit" streng genommen gleich drei Epochen involviert waren? Dabei handelt es sich einmal, wie der Titel auch schon verrät, um die Epochen Sturm und Drang und Weimarer Klassik, aber auch um die Epoche Romantik.

Da wir die Epoche der Romantik in einem separaten Artikel thematisieren, beschäftigen wir uns in diesem Artikel mit den Merkmalen, Autoren und Werken der beiden anderen Strömungen Sturm und Drang und Weimarer Klassik und schauen, was Goethe in dieser Zeit für eine Rolle gespielt hat.

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Sturm und Drang im Überblick

Man bezeichnet die Epoche Sturm und Drang im Übrigen auch als Geniezeit oder als Genieperiode – diese fand ungefähr zwischen 1765 und 1790 statt. Und wie der Name schon ein wenig erahnen lässt, wurde es stürmisch zu dieser Zeit – bei den Dichtern dieser Strömung war nämlich Rebellion angesagt.

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Historischer Kontext

Wogegen rebellierten die jungen Autoren der Sturm und Drang Strömung denn eigentlich?

Die Rebellion der Vertreter dieser Epoche richtete sich gegen die Epoche der Aufklärung – denn diese dominierte die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts spürbar in der deutschen Literatur.

Der Verstand zählte in der Zeit der Aufklärung als Ideal. So zielte Literatur darauf ab, moralische Werte zu vermitteln und an die Vernunft der Leserschaft zu appellieren.

Kennst Du einige Dichter und Denker der Epoche der Aufklärung?
Der Einsatz der Vernunft spielte in der Epoche der Aufklärung eine große Rolle. | Quelle: Unsplash

Die Stürmer und Dränger jedoch lehnten diese neuen Ideale und den vehementen Einsatz der Vernunft ab – sie plädierten auch für die Gefühle und Leidenschaften eines Menschen.

Doch eine Gemeinsamkeit geht mit der Epoche der Aufklärung einher: Beide Strömungen lehnten den europäischen Feudalismus ab.

Der Name der Epoche entspringt übrigens der 1777 veröffentlichen gleichnamigen Komödie "Sturm und Drang" von Friedrich Maximilian Klinger.

Merkmale

  • Geniebegriff: Das so genannte "Originalgenie" wurde zum Leitbild der Epoche gemacht. Darin wurde ein Mensch gesehen, der sein Leben nach seinen ganz eigenen Gesetzen und Wünschen gestaltet und sich keinem unterordnet. Das eigene Indviduum und freie Selbstentfaltung standen im Vordergrund – aber stets mit Rücksicht auf andere Daseinsformen.
  • Gefühl und ausdrucksstarke Sprache: Um sich voll und ganz dem Gefühl hinzugeben und dies auch auszudrücken, bediente man sich einer besonders ausdrucksstarken Sprache. Wie bereits erwähnt, stand statt des Verstandes das Gefühl im Vordergrund – dies sollte sich auch in der Sprache der Literaten widerspiegeln.
  • Das Drama galt als beste Ausdrucksform dieser gefühlsbetonten Sprache.
  • Die Stürmer und Dränger waren junge und freie Dichter im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.
  • Poetik: Die Dichter dieser Zeit wandten sich von den strengen Regeln der Poetik ab und wählten eine individuellere und künstlerischere Form.
  • Kritik am Feudalismus: Das gegenwärtige Gesellschaftssystem, das von adeligen Autoritäten beherrscht wurde, wurde von den Stürmern und Drängern abgelehnt – dies hatten sie gemeinsam mit den Vertretern der Epoche der Aufklärung.

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Literatur

Epik

Als eine neue Art des epischen Erzählens wurde der Briefroman kreiert. Die neue literarische Form vermittelte durch genaue Datierungen Echtheit und durch die Darstellung des Briefwechsels eine Möglichkeit, gleichzeitig auch Gefühle zu vermitteln.

Kennst Du einige bekannte Briefromane aus der Epoche?
Der Briefroman war eine beliebte Ausrucksform der Stürmer und Dränger. | Quelle: Unsplash

Das bekannte Werk "Die Leiden des jungen Werther" von Johann Wolfgang von Goethe entsprang dieser Zeit und wurde 1774 veröffentlicht. Es ist das Paradebeispiel des Briefromans und sorgte damals für eine große Aufruhr.

Das Werk galt zum einen als Rebellion gegen die Normen der Gesellschaft und somit auch gegen die Unterdrückung des Individuums, zum anderen behandelte es ein Thema, das damals absolut tabu war – der Protagonist des Romans tötet sich in dem Briefroman letzten Endes selbst.

Es folgte nicht nur ein großer Erfolg des Romans, sondern auch der Werther-Effekt – nachdem der Roman veröffentlicht wurde, löste der Selbstmord des Protagonisten eine Reihe weiterer Suizide bei Menschen in ganz Europa aus. Daraufhin wurde der Roman 1775 verboten.

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Lyrik

Ein wesentliches Merkmal der Epoche war, dass sich die Dichter gegen die bisherigen Regeln der Poetik stellten und eigene Formen entwickelten. Auch für die Lyrik dieser Strömung war Goethe sehr bezeichnend.

Die Erlebnislyrik stand im Zentrum dieser Gattung – die Lyrik sollte den Eindruck erwecken, dass das Erlebte auch wirklich gerade erlebt wird. Im Mittelpunkt stand das persönliche Erlebnis und die Stimmung des lyrischen Ichs. Das zentrale Motiv der Erlebnislyrik ist die Natur.

Dramatik

Das Drama war trotz Goethes "Die Leiden des jungen Werther" die verbreiteste Gattung der Strömung. Ganz neu im Drama war die Behandlung gegenwärtiger gesellschaftlicher Probleme.

Typisch für die Dramen der Epoche war der tragische Held – dieser scheitert und findet nur durch Suizid, Mord oder Selbstverstümmelung aus seiner Situation heraus.

Wie bei der Lyrik richteten sich die Autoren gegen die bestehenden Regeln der Poetik und zwar in derartiger Weise, dass die Dramen nicht wie üblich im Theater aufgeführt werden konnten.

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Autoren und Werke

  • Gottfried August Bürger
    • "Leonore"
    • "Der Bauer an seinen durchlauchigen Tyrannen"
  • Johann Wolfgang von Goethe
    • "Willkomm und Abschied"
    • "Prometheus"
    • "Götz von Berlichingen"
    • "Die Leiden des jungen Werther"
  • Johann Gottfried von Herder
    • "Fragmente über die neuere deutsche Literatur"
    • "Volkslieder"
  • Friedrich Maximilian Klinger
    • "Sturm und Drang"
  • Jakob Michael Reinhold Lenz
    • "Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung"
    • "Die Soldaten"
  • Friedrich Schiller
    • "Die Räuber"
    • "Kabale und Liebe"

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Weimarer Klassik im Überblick

Tatsächlich spielte Goethe auch in dieser Epoche eine große Rolle – zusammen mit Friedrich Schiller gehört er zum zentralen Vertreter der Weimarer Klassik.

Die Epoche lässt sich zeitlich zwischen 1786 und 1832 einordnen – die Strömung Sturm und Drang ging nach und nach über zur Weimarer Klassik.

Historischer Kontext

Die Französische Revolution war ein bedeutendes und wichtiges Ereignis innerhalb der Epoche der Weimarer Klassik. Mit der Französischen Revolution gingen Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einher, die Hoffnung in Deutschland schöpften.

Doch diese Zeit war von politischer Instabilität geprägt, welche für Aufruhr in ganz Europa sorgte. Die gewalttätige Herrschaft der Jakobiner in Frankreich und die territorialen Veränderungen durch den Wiener Kongress beeinflussten die Weimarer Klassik maßgeblich.

Es gab in Deutschland und Europa viele revolutionäre Bewegungen – die Autoren dieser Zeit strebten nach Harmonie und orientierten sich an ihren Vorbildern der Antike.

Wusstest Du, dass die Weimarer Klassik sich an den Vorbildern der Antike orientierte?
In der Weimarer Klassik orientierte man sich beispielsweise an der aristotelischen Dramentheorie. | Quelle: Pixabay

Merkmale

  • Das literarische Zentrum der Strömung lag hauptsächlich in Weimar, zum Teil aber auch in Jena.
  • Das Streben nach Harmonie im Sinne der antiken Vorbilder.
  • Wichtige Themen waren zudem Humanität, Güte, Gerechtigkeit, Toleranz und Gewaltlosigkeit.
  • Aufgabe der Literatur war es, den Menschen zu erziehen. Als das erzieherische Ideal gilt die "schöne Seele".
  • Die Dramatik war die wichtigste Gattung der Weimarer Klassik.
  • Eine einheitliche und geregelte Sprache und damit eine formale Ordnung stand im Gegensatz zur Sprache der Stürmer und Dränger. Der Blankvers spielte zum Beispiel eine signifikante Rolle.

Literatur

Dramatik

Da die Dramatik die wichtigste Gattung dieser Epoche war, liegt es nahe, dass zu dieser Zeit zahlreiche Dramen mit großer Bedeutung für die deutsche Literaturgeschichte entstanden. Einige waren zum Beispiel "Wilhelm Tell" von Friedrich Schiller oder "Iphigenie auf Tauris" von Goethe.

Wie unter "Merkmale" bereits erwähnt, achtete man bei den literarischen Schriften nun wieder auf formale Aspekte – so war der Blankvers und eine Orientierung am aristotelischen Dramenkonzept typisch für die Dramen der Weimarer Klassik.

Das aristotelisch Dramenkonzept beruft sich auf die Dramentheorie von Aristoteles, welche bestimmte Merkmale zum Aufbau eines Dramas festlegt.

Lyrik und Epik

Im Vergleich zur Dramatik waren die beiden Gattungen Lyrik und Epik weniger bedeutend für die Weimarer Klassik. Da man die Antike als Vorbild nahm, in der die Dramatik einen hohen Stellenwert hatte, bevorzugte man auch in der Weimarer Klassik das Drama als Ausdrucksform.

Eher nutzte man noch die Lyrik, um sich auszudrücken – denn hier konnte man ebenfalls auf Stil- und Gestaltungsmittel aus der Antike zurückgreifen und die Werke an formale Kriterien binden.

Die freie Epik dagegen bot aufgrund ihrer wenigen formalen Regeln nicht den passenden Rahmen für die Autoren der Weimarer Klassik.

Übrigens spielte die Lyrik allerdings eine bedeutende Rolle in der Biedermeier Epoche und der Renaissance.

Autoren und Werke

  • Johann Wolfgang von Goethe
    • "Egmont"
    • "Iphigenie auf Tauris"
    • "Wilhelm Meisters Lehrjahre"
  • Friedrich Schiller
    • "Die Bürgschaft"
    • "Wilhelm Tell"
    • "Maria Stuart"
    • "Die Jungfrau von Orleans"
  • Christoph Martin Wieland
    • "Alceste"
    • "Aristipp und einige seiner Zeitgenossen"
    • "Oberon"
  • Johann Gottfried Herder
    • "Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit"
    • "Briefe zur Beförderung der Humanität"

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Yeliz

Ich liebe das geschriebene Wort – es zu lesen, einfach selbst zu schreiben oder es als Gestaltungselement zu nutzen. Dazu gehört auch die Sprache: Reisen und andere Kulturen faszinieren mich.