Expressionismus hört man oft im Zusammenhang mit Kunst – doch tatsächlich prägte der Expressionismus auch die Literatur am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Zeitlich lässt sich die Epoche ca. zwischen 1905 und 1925 einordnen und lässt sich in drei Phasen unterteilen:

  • Frühexpressionismus (1905–1914)
  • Kriegsexpressionismus (1914–1918)
  • Spätexpressionismus (1918–1925)

Der Begriff "Expressionismus" lässt sich von den lateinischen Wörtern "ex" und "premere" ableiten und bedeutet so viel wie "ausdrücken". Wie der Titel des Artikels schon verrät, ging es im Expressionismus darum, sein Inneres nach Außen zu kommunizieren.

Wir wollen Dir in diesem Artikel zeigen, welche Merkmale den Expressionismus ausmachen, wer ihn vertrat und welche bekannten Werke in dieser Epoche entstanden. Doch zunächst schauen wir uns dafür den historischen Kontext der Epoche an.

Historischer Kontext

Vor allem in der Literatur ist es wichtig, den historischen Kontext eines Werkes zu kennen. Er hilft uns dabei, Texte besser interpretieren und Gründe und Motivation  des Autoren oder der Autorin besser verstehen zu können.

Das Leben der Menschen in Deutschland war Anfang des 20. Jahrhunderts stark von vielen Veränderungen und politischen Spannungen beeinflusst – der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 war nicht mehr weit.

Bis 1918 verloren rund 17 Millionen Menschen ihr Leben, darunter auch einige expressionistische Autoren und Künstler. Die Geschehnisse und Folgen des Krieges sind demnach unter anderem Themen der Literatur im Expressionismus.

Am 9. November 1918 wurde die "Deutsche Republik", die später als "Weimarer Republik" galt, ausgerufen. Die sogenannte Novemberrevolution führte zum Sturz des deutschen Kaisers – Deutschland hatte ab sofort einen Reichspräsidenten als Staatsoberhaupt.

Der Vertrag von Versailles folgte kurz darauf und wurde 1919 in Kraft gesetzt. Die damit verbundenen Reparationszahlungen und Deutschlands alleinige Schuld am Ersten Weltkrieg war eine starke Belastung für das Land und seine Bevölkerung.

Nicht nur der Erste Weltkrieg und seine Folgen prägten die damalige Gesellschaft, sondern auch die Industrialisierung: Einige Arbeiten der Menschen konnten von nun an durch Maschinen ersetzt werden. Die Arbeit auf dem Land nahm zunehmend ab und die Menschen flüchteten auf der Suche nach Arbeit in die Großstädte.

Erfahre auch mehr über den historischen Kontext der Literaturepoche Realismus oder über den darauffolgenden Naturalismus.

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Die Industrialisierung sorgte bei den Menschen für die Angst vor Isolation. | Quelle: Unsplash

Im Folgenden wollen wir Dir zeigen, wie sich die gegenwärtigen Zustände zu Zeiten des Expressionismus auf die Arbeit der Autoren und Autorinnen auswirkte.

Merkmale des Expressionismus

Zu Zeiten des Expressionismus gab es eine Menge, wovor die Menschen Angst hatten. Vor allem die rasche Vergrößerung der Städte prägten das Leben und die Gefühlswelt der Menschen.

Immer mehr Reize umgaben die Menschen, weshalb sie sich zunehmend in der Großstadt verloren fühlten und die Anonymität in den Großstädten, im Gegensatz zum Leben auf dem Land, nur noch mehr verschlimmerte.

Das Gefühl des Verlorenseins und die Anonymität in Großstädten stellen demnach zentrale Themen dar, die in der expressionistischen Literatur dargestellt wurden.

Ein weiteres Motiv ist zudem der Ekel vor dem langweiligen Alltag. So kam es, dass die Charaktere in den expressionistischen Werken dem bedeutungslosen Alltag entfliehen wollen und sich stattdessen Traumwelten und Erfahrungen suchen, die über die Bedeutungslosigkeit hinausgehen und alle Sinne ansprechen.

Die Industrialisierung löste bei vielen Menschen ein Gefühl der Unordnung und des Chaos aus. Die Menschen fürchteten sich davor, dass die Gesellschaft all ihre bisherigen Vorstellungen von Moral und Werten vergisst, weshalb man auch von einem moralischen Chaos sprechen könnte.

Der Wunsch nach einer neuen, besseren Welt wurde daher immer größer. Oft werden in expressionistischen Werken Tod, Wahnsinn und das Ende der Welt thematisiert – das gegenwärtige Chaos sollt enden und daraus etwas Neues entstehen.

Auch auf die sprachlichen Merkmale des Expressionismus möchten wir im Folgenden kurz eingehen:

  • Formell bricht der Expressionismus und kehrt bisherigen Traditionen den Rücken zu.
  • Der subjektive Ausdruck und das Ausdrücken von Gefühlen steht im Vordergrund.
  • Starker Gebrauch von Metaphern, Bildhaftigkeit.
  • Wortneuschöpfungen (Neologismen) und neue Textrhythmen.
  • Missachtung der Syntax, Weglassen von Satzzeichen, Wortwiederholungen.
  • Aneinanderreihungen von Elementen, die nicht im logischen Zusammenhang zueinander stehen. Diese Methode sollte die Isolation und Entfremdung der Menschen in den Großstädten widerspiegeln.
Weißt Du, was der Telegrammstil ist?
Expressionistische Werke wurden oft im Stil eines Telegramss verfasst. | Quelle: Unsplash

Lerne auch die Merkmale der Literatur des Biedermeiers und die Symbole der Literaturepoche Romantik kennen.

Die Lyrik des Expressionismus

Welche Gattung steht wohl als Sinnbild des Ausdrucks seiner Gefühle? Da kann eigentlich nur die Lyrik in Frage kommen, oder?

So auch im literarischen Expressionismus: Die Lyrik war die bevorzugte Gattung. Zwar entstanden auch Prosa und Dramen, doch am liebsten drückten die Expressionisten ihre Gefühle mit Hilfe von lyrischen Texten aus.

Die Lyrik bot einen guten Rahmen, um aus den traditionellen Strukturen der Grammatik auszubrechen. Häufig wurden Gedichte im so genannten Telegrammstil verfasst, welcher sich durch seine enorme Kürze auszeichnet.

Durch den Telegrammstil wurde sich auf das Wesentliche konzentriert. Oft wurden die Sätze auch einfach abgebrochen (Ellipse) oder extrem verkürzt.

Wir wollen Dir ein Beispiel eines expressionistischen Gedichts geben, bei dem besonders der Reihungsstil auffällig ist. So liefern die Verse bei dem Gedicht "Weltende" von Jakob van Hoddis einzelne Bilder, die nicht unbedingt ein stimmiges Gesamtbild ergeben:

"Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei,
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken."

– "Weltende" von Jakob van Hoddis

Wusstest Du, dass die Lyrik im Barock ebenfalls die beliebteste Ausdrucksform war und auch in der Literaturepoche Renaissance eine bedeutende Rolle spielte?

Autoren und Werke im Expressionismus

Wir wollen Euch einen kurzen Überblick über die wichtigsten Vertreter und Werke des Expressionismus zeigen:

  • Gottfried Benn
    • "Morgue"
    • "Gehirne"
  • Alfred Döblin
    • "Die Ermordung einer Butterblume"
  • Carl Einstein
    • "Bebuquin"
  • Georg Heym
    • "Der Krieg«"
    • "Die Stadt"
  • Jakob van Hoddis
    • "Weltende"
  • Franz Kafka
    • "Das Urteil"
    • "Die Verwandlung"
    • "Der Prozess"
  • Georg Trakl
    • "Das Morgenlied"
    • "Grodek"
  • Georg Kaiser
    • "Von morgens bis mitternachts"
  • Heinrich Mann 
    • "Der Untertan"
  • Ernst Toller 
    • "Die Wandlung"
  • Frank Wedekind 
    • "Frühlings Erwachen"
    • "Erdgeist"
    • "Lulu"
  • Else Lasker-Schüler 
    • "Der siebente Tag"
    • "Hebräische Balladen"

Lerne auch die Autoren und Werke anderer Epochen kennen, wie zum Beispiel aus dem Mittelalter oder der Literaturepoche Weimarer Klassik.

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Die liebste Gattung der Expressionisten war die Lyrik. | Quelle: Unsplash

Die wichtigsten Merkmale des Expressionismus auf einem Blick

Wir wollen Dir einen kurzen Überblick über die zentralen Merkmale des Expressionismus in der Literatur geben:

  • Der Expressionismus lässt sich in drei Phasen unterteilen: Frühexpressionismus, Kriegsexpressionismus und Spätexpressionismus.
  • Das Leben der Menschen in Deutschland war Anfang des 20. Jahrhunderts stark von vielen Veränderungen und politischen Spannungen beeinflusst. Der Erste Weltkrieg und die Industrialisierung hinterließen erhebliche Spuren innerhalb der Gesellschaft.
  • Im Expressionismus ging es den Künstlern darum, ihre Gefühlswelt von innen nach außen zu tragen.
  • Das Gefühl des Verlorenseins und die Anonymität in Großstädten sind zentrale Themen im Expressionismus.
  • Die Industrialisierung löste bei vielen Menschen ein Gefühl der Unordnung und des Chaos aus.
  • Der Wunsch nach einer neuen, besseren Welt wurde in expressionistischen Werken durch Tod, Wahnsinn und das Ende der Welt thematisiert – das gegenwärtige Chaos sollt enden und etwas Neues entstehen.
  • Auch sprachlich lässt sich der Expressionismus deutlich erkennen: Er bricht aus den bisherigen Traditionen, das subjektive Empfinden steht im Vordergrund, die Sprache zeugt von Bildhaftigkeit durch den starken Gebrauch von Metaphern.
  • Weitere sprachliche Merkmale sind: Neologismen, neue Textrhythmen, Missachtung der Syntax, Weglassen von Satzzeichen, Wortwiederholungen und Aneinanderreihungen von Elementen, die nicht im logischen Zusammenhang zueinander stehen.
  • Wichtige Vertreter des Expressionismus waren zum Beispiel Franz Kafka, Heinrich Mann, Jakob van Hoddis und Alfred Döblin.

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Yeliz

Ich liebe das geschriebene Wort – es zu lesen, einfach selbst zu schreiben oder es als Gestaltungselement zu nutzen. Dazu gehört auch die Sprache: Reisen und andere Kulturen faszinieren mich.