Expressionismus hört man oft im Zusammenhang mit Kunst, doch tatsächlich prägte der Expressionismus auch die Literatur am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Literaturepoche lässt sich ungefähr zwischen 1905 und 1925 einordnen und war stark von Industrialisierung, Großstadtleben, politischen Spannungen und dem Ersten Weltkrieg geprägt.
Der Begriff Expressionismus leitet sich vom lateinischen Wort exprimere ab und bedeutet so viel wie „ausdrücken“. Genau darum ging es den Autorinnen und Autoren dieser Zeit: Sie wollten ihr Inneres nach außen tragen. Nicht die objektive Wirklichkeit stand im Mittelpunkt, sondern Gefühle wie Angst, Überforderung, Aufbruchsstimmung, Ekel, Wut und Verlorenheit.
Was ist Expressionismus in der Literatur?
Wie der Titel des Artikels schon verrät, ging es im Expressionismus darum, sein Inneres nach außen zu kommunizieren. Autorinnen und Autoren wollten also nicht einfach die Welt möglichst realistisch beschreiben, sondern zeigen, wie sich diese Welt anfühlt: laut, hektisch, bedrohlich, fremd oder überwältigend.
🗓️ Zeitraum: ca. 1905–1925
📌 Phasen: Frühexpressionismus, Kriegsexpressionismus, Spätexpressionismus
🌆 Typische Themen: Großstadt, Angst, Ich-Verlust, Krieg, Aufbruch, Weltende
✍️ Wichtigste Gattung: Lyrik
🗣️ Sprache: bildhaft, experimentell, oft abgehackt
👥 Bekannte Autoren: Gottfried Benn, Georg Heym, Jakob van Hoddis, Georg Trakl, Else Lasker-Schüler, Alfred Döblin, Franz Kafka
Damit bildet die expressionistische Literatur einen deutlichen Gegenpol zu realistischen oder naturalistischen Darstellungsweisen. Entscheidend war nicht: „Wie sieht die Welt objektiv aus?“, sondern: „Was macht diese Welt mit dem Menschen?“
Deshalb findest du in vielen expressionistischen Texten starke Gefühle, extreme Bilder und eine Sprache, die bewusst mit alten Regeln bricht. Angst, Großstadtchaos, Krieg, Ich-Verlust, Aufbruch und Weltuntergangsstimmung werden nicht nüchtern erzählt, sondern intensiv, übersteigert und manchmal fast schockierend dargestellt.
Was weißt du über die Epoche der Neuen Subjektivität?
Expressionismus Autoren und Werke im Überblick
Viele wichtige Expressionismus Autoren schrieben Gedichte, denn die Lyrik war die zentrale Gattung der Epoche. Aber auch Prosa und Drama spielten eine Rolle, besonders wenn es um Entfremdung, Gesellschaftskritik, Kriegserfahrung oder den Wunsch nach Veränderung ging.
Bei manchen Namen ist die Einordnung allerdings nicht ganz eindeutig. Franz Kafka, Heinrich Mann oder Frank Wedekind werden oft im Umfeld des Expressionismus gelesen, gelten aber nicht immer als „reine“ Expressionisten.
Für Schule und Überblick sind sie trotzdem wichtig, weil ihre Werke viele ähnliche Themen behandeln. Hier haben wir dir einige wchtige Werke und Autoren zusammengefasst:
| Expressionismus: Autoren und Werke im Überblick | |||
|---|---|---|---|
| Autor/in | Werk | Gattung / Besonderheit | Worum geht es? |
| Jakob van Hoddis | Weltende | Lyrik; Reihungsstil; Weltuntergangsstimmung | Das Gedicht reiht groteske Katastrophenbilder aneinander und zeigt eine Welt, die scheinbar aus den Fugen gerät. |
| Georg Heym | Der Krieg | Lyrik; Krieg; apokalyptische Bilder | Der Krieg erscheint als übermächtige, zerstörerische Gestalt, die Städte und Menschen vernichtet. |
| Georg Heym | Die Stadt | Lyrik; Großstadtmotiv; Entfremdung | Das Gedicht zeigt die Großstadt als düsteren, anonymen Raum voller Masse, Enge und Bedrohung. |
| Georg Trakl | Grodek | Lyrik; Kriegserfahrung; Tod; düstere Bildsprache | Das Gedicht verarbeitet die Schrecken des Ersten Weltkriegs in dunklen Bildern von Natur, Tod und Trauer. |
| Gottfried Benn | Morgue | Lyrik; Körper; Zerfall; Ästhetik des Hässlichen | Die Gedichte zeigen Leichen, Krankheit und körperlichen Zerfall auf schockierend nüchterne Weise. |
| Gottfried Benn | Gehirne | Prosa; Bewusstsein; Identitätskrise | Die Prosatexte zeigen eine zerrissene Wahrnehmung und beschäftigen sich mit Körper, Geist und innerer Leere. |
| Else Lasker-Schüler | Der siebente Tag | Lyrik; subjektive Bildsprache; religiöse Motive | Der Gedichtband verbindet starke innere Bilder mit Sehnsucht, Liebe und religiös geprägten Motiven. |
| Else Lasker-Schüler | Hebräische Balladen | Lyrik; biblische Motive; starke Subjektivität | Die Gedichte greifen jüdisch-biblische Stoffe auf und verwandeln sie in intensive, persönliche Sprachbilder. |
| Alfred Döblin | Die Ermordung einer Butterblume | Expressionistische Prosa; groteske Wahrnehmung | Die Erzählung macht eine scheinbar harmlose Alltagssituation unheimlich und zeigt die verstörte Innenwelt der Figur. |
| Franz Kafka | Die Verwandlung | Prosa; Entfremdung; Angst; Zuordnung umstritten | Gregor Samsa verwandelt sich in ein ungeheures Tier und erlebt Ausgrenzung, Schuld und völlige Entfremdung. |
| Franz Kafka | Das Urteil | Prosa; Schuld; Autorität; Zuordnung umstritten | Die Erzählung zeigt einen Vater-Sohn-Konflikt, der in einem rätselhaften Urteil und dem Tod des Sohnes endet. |
| Georg Kaiser | Von morgens bis mitternachts | Expressionistisches Drama; Gesellschaftskritik | Ein Kassierer bricht aus seinem Alltag aus und sucht vergeblich nach Sinn, Rausch und echter Lebendigkeit. |
| Ernst Toller | Die Wandlung | Stationendrama; politischer Expressionismus | Das Drama zeigt die innere Entwicklung eines jungen Mannes vom Kriegsbegeisterten zum pazifistischen Menschen. |
| Heinrich Mann | Der Untertan | Roman; Gesellschaftskritik; nicht rein expressionistisch | Der Roman kritisiert Untertanengeist, Autoritätsgläubigkeit und die politische Kultur des Kaiserreichs. |
Du siehst: Der Expressionismus war keine völlig einheitliche Bewegung. Manche Werke zeigen vor allem Großstadtangst und Weltuntergangsstimmung, andere setzen stärker auf politische Kritik oder innere Zerrissenheit. Gemeinsam ist ihnen aber der Versuch, eine erschütterte Welt mit neuen, intensiven Ausdrucksformen sichtbar zu machen.
Lerne auch die Autoren und Werke anderer Epochen kennen, wie zum Beispiel aus dem Mittelalter oder der Literaturepoche Weimarer Klassik.
Expressionismus Zeitraum und Phasen
Der Expressionismus Zeitraum wird meistens auf die Jahre 1905 bis 1925 datiert. Ganz exakt lässt sich die Epoche aber nicht abgrenzen, denn literarische Strömungen beginnen und enden selten von einem Tag auf den anderen.

Am Anfang stand vor allem der Wunsch nach Aufbruch: Junge Autorinnen und Autoren wollten mit alten Werten, bürgerlichen Regeln und traditionellen Formen brechen. Mit dem Krieg (1914 bis 1918) rückten dann Tod, Angst, Zerstörung und Erschütterung in den Mittelpunkt.
Nach 1918 wurde die Literatur politischer: Viele Texte beschäftigten sich mit Pazifismus, Gesellschaftskritik und der Frage, wie eine neue Welt aussehen könnte.
🌆 Frühexpressionismus (1905–1914)
In dieser Phase stehen Großstadt, Aufbruch und Rebellion gegen alte Werte im Mittelpunkt. Viele junge Autorinnen und Autoren wollen mit bürgerlichen Regeln und traditionellen Formen brechen.
⚔️ Kriegsexpressionismus (1914–1918)
Der Erste Weltkrieg verändert die Epoche stark. Themen wie Krieg, Tod, Angst, Zerstörung und innere Erschütterung rücken in den Vordergrund.
🕊️ Spätexpressionismus (1918–1925)
Nach dem Krieg werden viele Texte politischer. Es geht um Pazifismus, Gesellschaftskritik und die Suche nach einer neuen, besseren Welt.
Du kannst dir also merken: Der Expressionismus beginnt mit dem Gefühl, dass die alte Welt nicht mehr passt. Durch den Ersten Weltkrieg wird daraus eine tiefe Erschütterung. Am Ende steht die Frage, ob und wie aus dem Chaos etwas Neues entstehen kann.
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Historischer Kontext des Expressionismus
Das Leben der Menschen in Deutschland war Anfang des 20. Jahrhunderts stark von vielen Veränderungen und politischen Spannungen beeinflusst. Nicht nur der Erste Weltkrieg und seine Folgen prägten die damalige Gesellschaft, sondern auch die Industrialisierung.
ca. 1900
Industrialisierung und Urbanisierung
Fabriken, Maschinen und wachsende Großstädte verändern das Leben der Menschen und lösen Gefühle von Tempo, Lärm und Überforderung aus.
1905
Beginn des Expressionismus
Junge Autorinnen und Autoren suchen neue Ausdrucksformen, um Angst, Aufbruch und innere Unruhe literarisch darzustellen.
1914
Ausbruch des Ersten Weltkriegs
Der Krieg wird zum tiefen Einschnitt und prägt viele expressionistische Werke mit Motiven wie Tod, Zerstörung und Weltuntergang.
1918
Novemberrevolution und Ende des Kaiserreichs
Der Kaiser dankt ab, die Deutsche Republik wird ausgerufen und viele Menschen hoffen auf einen politischen Neuanfang.
1919
Versailler Vertrag und Weimarer Republik
Reparationszahlungen, Kriegsschuldfrage und wirtschaftliche Belastungen verstärken das Krisengefühl der Nachkriegszeit.
1925
Ende der expressionistischen Hochphase
Viele expressionistische Ideen wirken weiter, doch literarisch treten neue Strömungen wie die Neue Sachlichkeit stärker in den Vordergrund.
Maschinen, Fabriken, Großstadtlärm und neue Verkehrsmittel veränderten den Alltag rasant. Die Arbeit auf dem Land nahm zunehmend ab und viele Menschen flüchteten auf der Suche nach Arbeit in die Großstädte. Dort erlebten sie Tempo, Enge, Reizüberflutung und Anonymität.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurde die Expressionismus Epoche noch stärker von Angst, Tod und Erschütterung geprägt. Nach Kriegsende folgten die Novemberrevolution, das Ende des Kaiserreichs, die Weimarer Republik und der Versailler Vertrag. Viele Menschen hatten das Gefühl: Die alte Welt ist zerbrochen, aber die neue ist noch nicht sicher.
Ähnliche Gefühle zeigen sich auch in der Trümmerliteratur und der Exilliteratur.
Expressionismus Merkmale: Themen und Motive
Die wichtigsten Expressionismus Merkmale hängen eng mit dem Lebensgefühl der Zeit zusammen. Deshalb zeigen expressionistische Texte oft extreme Gefühle: Angst, Ekel, Verlorenheit, Wut, Aufbruch – aber auch die Hoffnung auf etwas Neues.
Großstadt, Anonymität und Reizüberflutung
Ein zentrales Thema des Expressionismus ist die Großstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts wuchsen Städte wie Berlin rasant. Immer mehr Menschen zogen vom Land in die Stadt, suchten Arbeit in Fabriken und mussten sich an ein völlig neues Leben gewöhnen.
An einem Fenster klebt ein fetter Mann.
Alfred Lichtenstein, „Die Dämmerung“
Immer mehr Reize umgaben die Menschen: Lärm, Verkehr, Maschinen, Menschenmassen, Lichtreklamen, Tempo. Viele fühlten sich dadurch überfordert. Das Gefühl des Verlorenseins und die Anonymität in Großstädten stellen deshalb zentrale Themen in der expressionistischen Literatur dar.
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Angst, Ich-Verlust und Entfremdung
Eng damit verbunden ist das Motiv des Ich-Verlusts. Viele expressionistische Texte zeigen Menschen, die sich selbst fremd werden. Sie fühlen sich nicht mehr als eigenständige Persönlichkeit, sondern wie ein kleines Teilchen in einer riesigen, chaotischen Welt.
Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte.
Franz Kafka, „Die Verwandlung“
Maschinen, Tempo und Menschenmassen lassen das Individuum klein und austauschbar wirken. Die Figuren erleben Entfremdung: von der Gesellschaft, von anderen Menschen und manchmal sogar von sich selbst. Genau deshalb wirken expressionistische Texte oft unruhig, grell und verstörend.
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Krieg, Tod und Weltuntergang
Mit dem Ersten Weltkrieg wurden Tod, Gewalt und Zerstörung zu besonders wichtigen Motiven. Viele Autorinnen und Autoren erlebten den Krieg direkt oder verloren Freunde und Kollegen. Die anfängliche Hoffnung auf einen großen Aufbruch wurde schnell von Schrecken und Ernüchterung abgelöst.
Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
In des Toten Dunkels kalte Wüstenein,
Daß er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
Pech und Feuer träufelt unten auf Gomorrh.
(Georg Heym, „Der Krieg“)
Typisch sind apokalyptische Bilder: Weltende, Wahnsinn, Untergang, zerfallende Städte, zerstörte Körper. In Jakob van Hoddis’ Gedicht „Weltende“ erscheinen einzelne Katastrophenbilder fast nebeneinandergestellt.
Georg Heyms „Der Krieg“ zeigt den Krieg wie eine übermächtige, zerstörerische Gestalt. Georg Trakls „Grodek“ verarbeitet die Erfahrung von Schlacht, Tod und Trauer in düsteren Bildern.
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Aufbruch und Wunsch nach einer neuen Welt
Trotz aller Dunkelheit ist der Expressionismus nicht nur düster. Viele Autorinnen und Autoren wollten nicht einfach nur klagen, sondern die alte Welt grundsätzlich infrage stellen. Bürgerliche Werte, starre Regeln und überholte Moralvorstellungen erschienen ihnen leer oder verlogen.
Der Wunsch nach einer neuen, besseren Welt wurde daher immer größer. Das gegenwärtige Chaos sollte enden und daraus etwas Neues entstehen. In manchen Texten taucht deshalb die Idee eines „neuen Menschen“ auf: eines Menschen, der freier, ehrlicher und menschlicher lebt.
Mein einziger Wunsch ist, dir, o Mensch, verwandt zu sein!
Franz Werfel, „Der Weltfreund“
Expressionistische Literatur schwankt also oft zwischen Untergang und Aufbruch.
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Sprachliche Merkmale des Expressionismus
Auch sprachlich erkennst du die Expressionismus Merkmale in der Literatur ziemlich schnell: Die Texte wirken oft nicht ruhig oder harmonisch, sondern laut, hart, bildhaft und manchmal bewusst chaotisch.
Expressionistische Autorinnen und Autoren brachen mit traditionellen Formen. Sie hielten sich nicht immer an klassische Grammatik, feste Reimschemata oder eine geordnete Satzstruktur.
Stattdessen stand der subjektive Ausdruck im Vordergrund: Gefühle sollten nicht brav beschrieben, sondern direkt spürbar gemacht werden.
Typisch ist, wie in der Nachkriegsliteratur, eine starke Bildhaftigkeit. Viele Texte arbeiten mit Metaphern, Übertreibungen und ungewöhnlichen Vergleichen.
📩 Telegrammstil bedeutet: Die Sprache ist stark verkürzt, knapp und auf das Wesentliche reduziert.
Typisch sind:
⚡ kurze Sätze
⚡ ausgelassene Wörter
⚡ Satzabbrüche
⚡ schnelle Bildwechsel
⚡ wenig erklärende Übergänge
Dadurch wirkt der Text hektisch, gedrängt und intensiv – genau passend zu einer Epoche, die von Großstadtlärm, Krieg, Angst und innerer Unruhe geprägt war.
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Auch Neologismen, also Wortneuschöpfungen, kommen häufig vor. Sie sollten neue Eindrücke ausdrücken, für die es in der Alltagssprache noch keine passenden Wörter gab. Dazu passen harte Rhythmen, Wortwiederholungen, Satzabbrüche und Ellipsen, also unvollständige Sätze.
Mein Suchen sucht!
Viel tausend wandeln Ich!
Ich taste Ich
Und fasse Du
Und halte Dich!
Versehne Ich!
Und Du und Du und Du
Viel tausend Du
Und immer Du
Allwege Du
Wirr
Wirren
Wirrer
Immer wirrer
Durch
Die Wirrnis
Du
Dich
Ich!
(August Stramm, „Wankelmut“)
Ein weiteres wichtiges Merkmal ist der Reihungsstil: Einzelne Bilder oder Eindrücke werden aneinandergereiht, ohne dass sie immer logisch miteinander verbunden sind. Dadurch entsteht ein Gefühl von Tempo, Überforderung und innerem Chaos.
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Literatur des Expressionismus: Lyrik, Epik und Dramatik
Die Literatur des Expressionismus zeigte sich in verschiedenen Gattungen. Besonders wichtig war die Lyrik, weil Gedichte starke Gefühle, innere Unruhe und grelle Bilder besonders verdichtet ausdrücken konnten.
Daneben entstanden aber auch expressionistische Prosa und Dramen, in denen Themen wie Entfremdung, Großstadt, Krieg, Wahnsinn und Aufbruch verarbeitet wurden.
Expressionismus Lyrik: Die wichtigste Gattung
Die Lyrik war die bevorzugte Gattung des Expressionismus. Gedichte boten einen guten Rahmen, um aus den traditionellen Strukturen der Grammatik auszubrechen und Gefühle besonders intensiv darzustellen.
Wusstest Du, dass die Lyrik im Barock ebenfalls die beliebteste Ausdrucksform war und auch in der Literaturepoche Renaissance eine bedeutende Rolle spielte?
Ein bekanntes Beispiel ist „Weltende“ von Jakob van Hoddis. In dem Gedicht werden einzelne Katastrophenbilder aneinandergereiht: Menschen verlieren Hüte, Dachdecker stürzen ab, Fluten steigen, Eisenbahnen fallen von Brücken.
Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei,
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.
(Jakob van Hoddis, „Weltende“)
Die Bilder ergeben kein ruhiges Gesamtbild, sondern wirken wie ein chaotischer Nachrichtenstrom. Genau dadurch entsteht diese typische expressionistische Weltuntergangsstimmung.
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Expressionistische Prosa
Auch in der Prosa des Expressionismus ging es weniger um eine ruhige, realistische Handlung. Im Mittelpunkt standen oft innere Wahrnehmung, Angst, Wahnsinn, Entfremdung, Körperlichkeit und Zerfall. Die Sprache ist häufig bildhaft, übersteigert oder grotesk.

Ein Beispiel ist Alfred Döblins „Die Ermordung einer Butterblume“, in der eine alltägliche Situation plötzlich unheimlich und verstörend wirkt.
Auch Gottfried Benns „Gehirne“ zeigt diese Nähe zu Körper, Bewusstsein und innerer Zerrissenheit.
Franz Kafka wird häufig im Umfeld des Expressionismus gelesen, auch wenn seine Zuordnung nicht ganz eindeutig ist. Werke wie „Die Verwandlung“ oder „Das Urteil“ passen aber gut zu expressionistischen Themen wie Entfremdung, Angst, Schuld und dem Gefühl, einer undurchschaubaren Welt ausgeliefert zu sein.
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Expressionistisches Drama
Das Drama wurde vor allem nach dem Ersten Weltkrieg wichtiger. Viele expressionistische Stücke zeigen keine realistischen Figuren, sondern eher Typen: den Sohn, den Vater, den Arbeiter, den Bürger oder den Suchenden. Dadurch stehen nicht einzelne Charaktere im Vordergrund, sondern größere gesellschaftliche Konflikte.
Häufig ist das Stationendrama: Die Handlung besteht aus einzelnen Stationen oder Szenen, die wie Etappen einer inneren oder äußeren Entwicklung wirken. Licht, Musik, Pantomime und starke Bühneneffekte konnten zusätzlich eingesetzt werden, um Gefühle und Konflikte sichtbar zu machen.
Wichtige Beispiele sind Ernst Tollers „Die Wandlung“ und Georg Kaisers „Von morgens bis mitternachts“. Beide Werke zeigen den Wunsch nach Veränderung und die Suche nach einem neuen Leben in einer Welt, die als leer, krank oder ungerecht empfunden wird.
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Referenzen
- Weber, E. (2025, August 12). ▷ Expressionismus Literatur (1905–1925): Die Merkmale der Epoche! (mit PDF). https://abi.unicum.de/epochen/expressionismus-literatur
- Bogner, R. G. (2005). Einführung in die Literatur des Expressionismus.
- Raabe, P. (1992). Die Autoren und Bucher des literarischen Expressionismus: Ein bibliographisches Handbuch in Zusammenarbeit mit Ingrid Hannich-Bode.
Mit KI zusammenfassen:









