Die Trümmerliteratur wird oft als Nachkriegsliteratur bezeichnet und damit zusammen mit der Literatur der BRD und DDR eingeordnet – doch tatsächlich ist die Trümmerliteratur als eigenständige Epoche anzusehen, die sich zwischen 1945 und 1950 nach dem Zweiten Weltkrieg bewegte.

Bezeichnet wird die Trümmerliteratur übrigens auch als Heimkehrerliteratur und Literatur der Stunde Null – wir wollen Dir in diesem Artikel einen Überblick über den historischen Kontext, Merkmale, Literatur und Vertreter dieser Epoche geben.

Historischer Kontext

Wie der Begriff schon erahnen lässt, bezieht er sich auf all das, was die Heimkehrer nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer Stadt vorfanden: und das waren leider Trümmer.

Nahezu alle deutschen Großstädte waren zerstört und zeugten von den Geschehnissen des Krieges. Viele standen also nicht nur vor den Trümmern ihrer Stadt, sondern auch vor den Trümmern ihrer gesamten Existenz.

Viele Menschen hatten ihre Familie, Freunde und ihr Zuhause verloren und einige Männer befanden sich in Kriegsgefangenschaft.

Der Krieg zerstörte allerdings nicht nur die Existenzen der Menschen, sondern auch all die Träume, die die Menschen vor dem Krieg besaßen.

Wir zeigen Dir, wie sich all das Leid, das der Krieg hinterlassen hatte, auch in der Literatur der Vertreter dieser Epoche widerspiegelte.

Erfahre auch mehr zum historischen Kontext in Bezug auf die Epoche Biedermeier oder die Literaturepoche Sturm und Drang.

Merkmale der Trümmerliteratur

Die Autoren der Epoche waren überwiegend Menschen, die entweder in den Kriegsgefangenenlagern festgehalten wurden oder aus dem Krieg nach Hause zurückkehrten.

Da sie meist vor dem Krieg keine Autoren waren, orientierten sie sich kaum an literarischen Vorgaben und ihre Werke zeugten von einer recht einfachen Sprache.

Auch inhaltlich zeugte die Literatur von eine Bruch – man wollte keine Inhalte und Sprache früherer Epochen aufgreifen oder Stile der Nationalsozialisten oder der Exilliteratur fortsetzen.

So schaffte man überwiegend eine ganz eigene Sprache und markierte beispielsweise durch den Verzicht auf ein Reimschema absichtlich einen Bruch zu früheren Generationen.

Wusstest Du, dass viele Heimkehrer zu Autoren dieser Epoche wurden?
Die Autoren der Trümmerliteratur begannen ihre Karriere erst mit dem Beginn dieser Epoche. | Quelle: Unsplash

Den Autoren und Autorinnen der Trümmerliteratur ging es vor allem darum, die gegenwärtige Welt möglichst realistisch und ehrlich darzustellen. Das Erlebte sollte nicht etwa wie im Realismus poetisiert werden, sondern ein echtes Bild von der Welt zeigen, ähnlich wie es auch im Naturalismus war.

Zentrales Thema der Trümmerliteratur war demnach die Zerstörung der Städte, aber auch die Zerstörung der Träume der Menschen. So wurde in der Literatur auch das Kriegsgeschehen verarbeitet und sich mit der Schuldfrage auseinandergesetzt.

Gruppe 47

Als Gruppe 47 wird ein Treffen von Schriftstellern bezeichnet, zu welchem Hans Werner Richter von 1947 bis 1967 eingeladen hat.

Das literarische Schaffen dieser Gruppe war für diese Epoche von großer Bedeutung – man übte gegenseitig Kritik an den literarischen Arbeiten aus und förderte unbekannte, junge Autoren.

Es gab sogar einen sogenannten Preis der Gruppe 47, der ab 1950 verliehen wurde. Für Autoren wie Heinrich Böll, Günter Grass und Ingeborg Bachmann war die Auszeichnung der Beginn ihrer Karriere.

Lyrik, Epik und Drama in der Trümmerliteratur

Lyrik

Im Gegensatz zur Prosa war die Lyrik nicht bereits durch die Propaganda der Nationalsozialisten geprägt. Die Lyrik bot sich besonders an, um einen knappen und unreflektierten Blick auf die Geschehnisse zu gewähren.

Dabei wurde in keiner Weise wie sonst üblich auf eine poetische Sprache zurückgegriffen, sondern nahm man bei der Darstellung kein Blatt vor den Mund und benannte auch das Schreckliche direkt.

Die ersten vier Verse des Gedichts "Latrine" von dem deutschen Lyriker Günter Eich zeigen sehr gut, was es mit dieser Direktheit auf sich hatte:

"Über stinkendem Graben,
Papier voll Blut und Urin,
umschwirrt von funkelnden Fliegen,
hocke ich in den Knien"

Das Gedicht weist kein durchgängiges Reimschema oder Metrum auf und richtet sich gegen die traditionellen Regeln der Lyrik, was durchaus beabsichtigt war.

Wusstest Du, dass auch die Lyrik im Barock die beliebteste Ausdrucksform war und auch in der Literaturepoche Renaissance eine signifikante Rolle spielte?

Kennst Du Gedichte aus der Nachkriegszeit?
Die Lyrik der Trümmerliteratur viel aus dem konventionellen Rahmen. | Quelle: Unsplash

Epik

Da man die Prosa aufgrund der Propaganda des NS-Regimes als missbraucht empfand, bot sich den Autoren und Autorinnen der Trümmerliteratur die Kurzgeschichte als Form des Erzählens an. Dadurch konnten sie sich von den pathetischen und ideologisch aufgeladenen Werken der nationalsozialistischen Literatur abgrenzen.

Die Autoren und Autorinnen wurden bei den Kurzgeschichten von amerikanischen Vorbildern und deren "Short Stories" inspiriert. Die Sprache war einfach und sachlich und durch das Schreiben von Kurzgeschichten verwies man auf Vorbilder wie Ernest Hemingway oder Ernest Faulkner.

Die Kurzgeschichte als epische Form des Erzählens wurde von einer Menge Autoren genutzt, darunter zum Beispiel Heinrich Böll und Wolfgang Borchert.

Dramatik

Die Dramatik spielte in der Trümmerliteratur nur eine untergeordnete Rolle und es wurden nur wenige Stücke, wie zum Beispiel "Die Küchenuhr" von Wolfgang Borchert, aufgeführt, die auch ein breites Publikum erreichten.

Doch auch in den dramatischen Werken spielte das unmittelbare Erleben des Krieges und die realistische Darstellung der Nachkriegszeit sowie die Auswirkungen auf die Protagonisten eine große Rolle.

Autoren und Werke

Im Folgenden wollen wir Dir einen Überblick über einige Autoren dieser Epoche mit einer Auswahl ihrer Werke geben:

  • Johannes R. Becher
    • "Heimkehr"
  • Carl Zuckmayer
    • "Des Teufels General"
  • Erich Kästner
    • "Die Schaubude"
  • Wolfgang Weyrauch
    • "Tausend Gramm"
  • Wolfgang Koeppen
    • "Tauben im Gras"
  • Heinz Rein
    • "In einer Winternacht"
  • Günter Eich
    • "Züge im Nebel"
    • "Latrine"
  • Walter Kolbenhoff
    • "Von unserem Fleisch und Blut"
    • "Heimkehr in die Fremde"
  • Hans Werner Richter
    • "Deine Söhne Europa"
  • Alfred Andersch
    • "Die Kirschen der Freiheit"
  • Arno Schmidt
    • "Leviathan"
  • Heinrich Böll
    • "Wo warst du, Adam?"
    • "Der Mann mit den Messern"
    • "Der Zug war pünktlich"
    • "Bekenntnis zur Trümmerliteratur"
  • Wolfgang Borchert
    • "Draußen vor der Tür"
    • "Das Brot"
    • "Nachts schlafen die Ratten doch"
  • Wolfdietrich Schnurre
    • "Ein Unglücksfall"
    • "Das Begräbnis"
    • "Auf der Flucht"
  • Paul Celan
    • "Der Sand aus den Urnen"

Lerne auch die Vertreter der Romantik kennen. Wusstest Du, dass die Vertreter der Romantik das Mittelalter verklärten?

Die wichtigsten Merkmale im Überblick

Wir zeigen Dir noch einmal zusammenfassend die wichtigsten Merkmale der Trümmerliteratur im Überblick:

  • Die Autoren der Epochen waren Kriegsgefangene oder Heimkehrer und meist vorher keine Autoren gewesen.
  • Einfache Sprache und fehlende Orientierung an literarischen Vorgaben. Das heißt: Verzicht auf ein einheitliches Reimschema und Metrum.
  • Die Welt sollte möglichst realistisch und ehrlich dargestellt werden.
  • Themen waren:  Zerstörung der Städte, aber auch die Zerstörung der Träume der Menschen, Verarbeitung des Kriegsgeschehens und die Auseinandersetzung mit der Schuldfrage.
  • Die Gruppe 47 war für das literarische Schaffen dieser Epoche von großer Bedeutung.
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Die Werke der Trümmerliteratur zeugten von einer einfachen Sprache. | Quelle: Unsplash

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Yeliz

Ich liebe das geschriebene Wort – es zu lesen, einfach selbst zu schreiben oder es als Gestaltungselement zu nutzen. Dazu gehört auch die Sprache: Reisen und andere Kulturen faszinieren mich.