Mit Romantik verbinden die meisten etwa roten Rosen, Kerzenschein oder Sonnenuntergänge – doch die Literaturepoche Romantik war von vielen, teilweise ganz anderen Merkmalen geprägt, als man vielleicht annehmen mag.

Denn die Romantiker wollten vom Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur rote Rosen verteilen – sie wollten ein ganz neues Lebensgefühl und eine andere Art des Denkens vermitteln.

Die Romantik gilt als Gegenbewegung zur Klassik und Aufklärung, denn in dieser Epoche ging es weniger um Gesellschaftskritik und viel mehr um die Innenwelten des Individuums. Sie richteten sich gegen die Industrialisierung und gaben den gesellschaftlichen Umbrüchen keinen Raum in der Literatur.

Wir wollen Dir zeigen, was für die Epoche ausschlaggebend war, wie sie entstand, wer ihre wichtigsten Vertreter waren und welche Werke aus der Literaturepoche hervorgingen.

Historischer Kontext

Vor allem in der Literatur ist es wichtig, den historischen Kontext zu kennen. Er hilft uns dabei, Texte besser interpretieren und Gründe und Motivation besser verstehen zu können.

Zeitlich lässt sich die Epoche der Romantik wie folgt einteilen:

  • Frühromantik von 1795 bis 1804
  • Hochromantik bis 1815
  • Spätromantik bis 1848

Technische und wissenschaftliche Fortschritte sowie gesellschaftliche Umbrüche waren zwischen 1795 und 1848 in vollem Gange. Auch die Französische Revolution prägte die Epoche, indem sie eine ganze Reihe von Ereignissen verursachte, die ganz Europa veränderten.

All diese Faktoren sorgten dafür, dass sich die Gesellschaft von einer feudalen in eine selbstbewusst bürgerliche verwandelte.

1806 wurden aufgrund der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und der Gründung des sogenannten Rheinbunds in Preußen zahlreiche Reformen eingeführt, die die Gesellschaft zusätzlich veränderten.

Darunter zählten beispielsweise die Bauernbefreiung, die Gewerbefreiheit, die Bildungsreform und die Emanzipation der Juden.

Doch nach dem Sieg über Napoleon, der in Waterloo geschlagen wurde, sollte die alte Ordnung in Europa  wiederhergestellt werden – das geschah aufgrund der Beschlüsse durch den Wiener Kongress 1814/15 und verschärft durch die sogenannten Karlsbader Beschlüsse.

Nachdem Du nun einen Einblick in das zeitgeschichtliche Geschehen bekommen hast, wollen wir Dir die Merkmale der Romantik zeigen.

Kennst Du den historischen Kontext zu der romantischen Epoche?
Bei der Deutung von Literatur ist der historische Kontext sehr wichtig. | Quelle: Unsplash

Merkmale der romantischen Epoche

"Die Welt muss romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder" – Novalis

Die Romantiker wandten sich von ihrer Gegenwart ab. Das heißt, dass sie sich gegen die kapitalistische Arbeitswelt wendeten und damit auch gegen das Großbürgertum.

Die Vertreter der Romantik hatten einen Hang zum Phantastischen –  sie inspirierten sich durch Märchen, Mythen, Legenden und Sagen und flüchteten sich in Traumwelten.

Die Romantik ist von einigen Merkmalen und Symbolen geprägt, die wir Dir nun im Folgenden vorstellen möchten:

Hinwendung zur Natur und Weltflucht

Da die Romantiker die gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen ihrer Zeit ablehnten, stillten sie ihre Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen und Schönen in der Natur.

Dabei waren sie besonders fasziniert von der Natur in ihrer wilden und ungebändigten Form – so galt die Natur als Gegenpol zum Leben in den Städten. Die Idealisierung der Natur war daher ein typisches Merkmal der Romantik.

Der Rückzug in die Natur galt auch als eine Form der Flucht, die entweder in die Natur oder andere fantastische Welten erfolgte, um den gesellschaftlichen Umständen zu entfliehen.

Rückzug in Phantasie- und Traumwelten

Durch den Rückzug in Phantasie- und Traumwelten sollten die Grenzen des Verstandes ausgeweitet werden. Es galt nicht nur als Flucht aus der Wirklichkeit, sondern auch als Möglichkeit, den (dunklen) Bereichen der Seele auf den Grund zu gehen. Das Individuum und sein Innenleben galt als Mittelpunkt.

Kennst Du romantische Werke, wie zum Beispiel Märchen?
Die Romantiker flüchteten in ihren Werken nicht nur in die Natur, sondern auch in Phantasie- und Traumwelten. | Quelle: Unsplash

Betonung des Individuums

Die subjektive Wahrnehmung steht im Zentrum der romantischen Literatur. Es zählt: Gefühle über Verstand.

Verklärung des Mittelalters

Das einst eher negative Bild des Mittelalters wandelte sich – es wurde nach Jahrhunderten erstmals als beste Zeit der Menschheitsgeschichte angesehen. Das von Mythen und Sagen geprägte Mittelalter wurde verklärt.

Entdeckung des Unbewussten und Irrationalen

Das Aufzeigen des Dunklen und der Schattenseiten der menschlichen Psyche – die Romantiker folgten einer Faszination am Bösen des Menschen, das vor allem in der europäischen Aufklärung zuvor kaum Beachtung fand.

Romantische Ironie

Der Begriff der romantischen Ironie geht auf Friedrich Schlegel zurück. Laut Schlegel geht es grundsätzlich darum, dass das romantische Kunstwerk sich im Werk selbst kritisieren soll und auf sich selbst referenzieren muss. Tatsächlich ist es bei diesem Begriff aber sehr schwierig, eine treffende Definition zu finden.

Motive der Romantik

  • Sehnsucht
    • Das Motiv der Ferne und der Sehnsucht ist ein wesentliches Motiv der romantischen Epoche. Das Gefühl der Heimatlosigkeit wird im lyrischen Ich verkörpert, das stets auf Wanderschaft zu sein scheint. Die Sehnsucht gilt einer paradiesischen Welt, die das Ideale verkörpert.
  • Nacht
    • Die Nacht ist der Schauplatz für weitere Motive dieser Epoche, wie zum Beispiel Tod, Vergänglichkeit, nicht alltägliche Phänomene, Geisteswelten, Vergänglichkeit, das Geheimnisvolle und Obskure.
  • Die Blaue Blume
    • Das zentrale Motiv der Romantik, die in zahlreichen Werken auftaucht und ein Symbol der Sehnsucht, der Ferne sowie der Liebe ist.
  • Spiegel
    • Gehört zum Motivkreis des Unheimlichen und gilt als Schnittstelle zwischen Realität und Irrealität.
Kennst Du die wichtigen Symbole und Merkmale der romantischen Epoche?
Die Blaue Blume war das zentrale Symbol der Romantik. | Quelle: Unsplash

Literatur der Romantik

Die Literatur war das wichtigste Medium der Romantiker. Improvisation und ein freies Schöpfertum standen in der literarischen Form im Vordergrund, wobei die Gattungen Lyrik, Epik und Dramatik miteinander verbunden werden sollten.

Epik

Der Roman bot in der Epik genügend Spielraum, alle Gattungen miteinander zu verbinden. Besonders wichtig war der Schauerroman, der vor allem das Unheimliche darstellen sollte. Darüber hinaus wurde auch die Novelle als literarische Textsorte genutzt.

Wichtige epische Formen waren darüber hinaus die Erzählung, das Kunstmärchen und das Märchen selbst. Das Märchen sorgte für eine Schnittstelle zwischen Wirklichkeit und Fantasie während sich die Erzählung anbot, weil sie eine recht freie Form des Erzählens darstellt.

Wie mit dem Schauerroman bereits erwähnt, war das Unheimliche der menschlichen Pyche ein wesentliches Motiv in epischen Texten. Die sogenannte Schwarze Romantik zeichnete sich durch ihre Faszination am Bösen aus – Beispiele dafür sind zum Beispiel E.T.A. Hoffmanns Werke wie "Sandmann" und "Die Elixiere des Teufels".

Dramatik

In der Romantik entstanden nur sehr wenige Dramen, da diese Textsorte aufgrund seiner recht strengen Regeln wenig Spielraum bat, die Gattungen miteinander zu vermischen. Das Drama war für die Romantik also eher unbedeutend.

Lyrik

Auch wenn die Lyrik sich nicht ganz so wie epische Formen dazu anbot, die literarischen Gattungen miteinander zu vermischen, galt sie als besondere und wichtige Ausdrucksform.

Joseph von Eichendorff galt als wichtigster Vertreter der romantischen Lyrik.

Wusstest Du, dass die Lyrik im Barock die beliebteste Ausdrucksform war und auch in der Renaissance eine bedeutende Rolle spielte?

Autoren und Werke romantischer Vertreter

Einige Namen, die die Epoche der Romantik geprägt haben, sind bereits gefallen. Wir wollen Euch einen kurzen Überblick über die wichtigsten Vertreter und Werke der Romantik zeigen:

  • Novalis
    • "Hymnen an die Nacht"
    • "Geistliche Lieder"
    • "Heinrich von Ofterdingen"
  • August Wilhelm Schlegel
    • Mitherausgeber der Zeitschrift "Athenäum"
  • Friedrich Schlegel
    • Mitherausgeber der Zeitschrift "Athenäum"
    • "Brief über den Roman"
    • "Lucinde"
  • Ludwig Tieck
    • "Der gestiefelte Kater"
    • "Der blonde Eckbert"
    • "Franz Sternbalds Wanderungen"
    • "Kaiser Octavianus"
  • Wilhelm Heinrich Wackenroder
    • "Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders"
  • E. T. A. Hoffmann
    • "Der goldne Topf"
    • "Die Elixiere des Teufels"
    • "Der Sandmann"
    • "Das Fräulein von Scuderi"
    • "Lebensansichten des Katers Murr"
    • "Meister Floh"
  • Joseph von Eichendorff
    • "Das Marmorbild"
    • "Aus dem Leben eines Taugenichts"
    • "Der letzte Held von Marienburg"
  • Clemens Brentano
    • "Des Knaben Wunderhorn"
  • Karoline von Günderrode
    • Gedichte
  • Jakob Grimm und Wilhelm Grimm
    • "Kinder- und Hausmärchen"
    • "Deutsche Sagen"
  • Ludwig Uhland
    • "Frühlingsglaube"
  • Henry David Thoreau
  • Edgar Allan Poe
Kennst Du Dich mit den literarischen Gattungen aus?
Das Märchen war eine beliebte Textsorte in der romantischen Epoche. | Quelle: Unsplash

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Yeliz

Ich liebe das geschriebene Wort – es zu lesen, einfach selbst zu schreiben oder es als Gestaltungselement zu nutzen. Dazu gehört auch die Sprache: Reisen und andere Kulturen faszinieren mich.