Vielleicht fragst Du Dich, warum in diesem Artikel von gleich drei Epochen die Rede ist, weil es normalerweise üblich ist, jede Epoche einzeln zu behandeln.

Das Interessante jedoch ist, dass die Strömungen Biedermeier, Junges Deutschland und Vormärz zeitgleich verliefen und sich dennoch voneinander unterscheiden.

Alle drei Epochen werden zusammen als Literatur der Restaurationsepoche bezeichnet, in welcher der Biedermeier die Literatur besonders prägte.

Damit Du die drei Epochen auch auseinander halten kannst und bestens Bescheid weißt, wollen wir Dich im Folgenden über die zeitgeschichtlichen Hintergründe, Merkmale und Autoren der drei Strömungen aufklären.

Und apropos aufklären: Schau Dir doch auch mal die Epoche der Aufklärung an!

Historischer Kontext der Restaurationsepoche

Wie "Literatur der Restaurationsepoche" bereits verrät, war die Zeit der Epochen zwischen 1815 und 1848 eine Zeit der Restauration. Die Zeit lässt sich auch zwischen dem Wiener Kongress (1815) und der Märzrevolution (1848) datieren.

Die sogenannte Restauration in dieser Zeit bedeutet, dass die alte Ordnung in Europa wieder so hergestellt werden sollte, wie sie vor der Französischen Revolution vorzufinden war – das höchste Ziel war dabei die Wiederherstellung der Monarchie.

Die Zeit der Restauration war stark geprägt von der Politik des österreichischen Staatskanzlers Fürst Metternich, der auch den Wiener Kongress leitete.

Das Aufheben der Pressefreiheit, Hausdurchsuchungen und Strafen gegen liberale und demokratische Bewegungen verursachten unterschiedliche Reaktionen bei den Bürgern – daraus entsprangen die drei Srömungen Biedermeier, Junges Deutschland und Vörmärz.

Die Biedermeier Epoche und ihr historischer Kontext
Die Wiederherstellung der Monarchie war das oberste Ziel während der Restaurationsepoche. | Quelle: Unsplash

Merkmale Biedermeier, Junges Deutschland und Vormärz

Damit Du die Epochen auch auseinander halten kannst, wollen wir Dir zeigen, welche Besonderheiten sie ausmachten und welche Reaktion die jeweiligen literarischen Künstler auf die Zeit der Restauration zeigten.

Das machte den Biedermeier aus

Bei den zeitgenössischen Autoren des Biedermeiers war Rückzug angesagt.

Die große Enttäuschung, die die damalige Politik mit sich brachte, sorgte dafür, dass sich die Autoren von ihrer Außenwelt abkapselten und sich ins eigene Heim zurückzogen – Schutz wurde von nun an innerhalb der Familien und in der Gemeinschaft gesucht.

So waren die Familie und bürgerliche Tugenden wie Fleiß, Pflichtgefühl und Treue Ideale der Zeit des Biedermeiers. Die Strömung wird oft als eher konservative, passive und duldsame Strömung bezeichnet.

Im Gegensatz zu den zeitgleich verlaufenden Epochen Junges Deutschland und Vormärz akzeptierten die Anhänger des Biedermeiers die gesellschaftlichen und politischen Umstände und zogen sich in ihre eigene, ideale Welt zurück.

Merkmale und Motive dieser Epoche auf einen Blick:

  • Resignation
  • Sehnsucht (in die gute alte Zeit)
  • Melancholie
  • Rückzug ins Private
  • Naturverbundenheit
  • religiöse Themen
  • Akzeptanz der gesellschaftlichen und politischen Umstände
  • Familie war das Ideal

Besonderheiten Junges Deutschland

Währen die Anhänger des Biedermeiers die zeitgenössischen Gegebenheiten einfach akzeptierten, wuchsen die Autoren des Jungen Deutschlands mit einer gewissen Skepsis gegenüber der Politik auf.

Sie resignierten nicht und zogen sich auch nicht zurück – im Gegenteil: Die Anhänger dieser Epoche zeugten von einem politischen Engagement, äußerten Kritik am System und stellten demokratische Forderungen, wie zum Beispiel die Freiheit der Presse und Zugang zur Bildung für Frauen.

Und all dies äußerte sich auch in der Literatur – ihre Werke waren politisch, machten auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam und schilderten das Hier und Jetzt. So stand die Epoche im Gegensatz zu der Romantik, bei der die Sehnsucht in die Ferne ein wesentliches Kriterium war.

Doch so politisch die Vertreter des Jungen Deutschlands auch waren, schrieben sie an der Zensur vorbei und forderten nicht gleich den Umsturz des politischen Systems – diese Aufgabe übernahm der Vormärz.

Junges Deutschland forderte freie Meinungsäußerung
Die Freiheit der Presse war damals verboten. | Quelle: Unsplash

Merkmale Vormärz

Nachdem die Literatur der Strömung Junges Deutschland verboten wurden und sich sämtliche Anhänger in ihrer Enttäuschung zurückzogen, folgte der radikale Vormärz.

Es gibt einige Überschneidungen mit den Besonderheiten des Jungen Deutschlands, aber auch einige Aspekte, die sich unterscheiden.

So wollten die Autoren des Vormärz nicht mehr versuchen, die Zensur zu umgehen, sondern offen dagegen anzugehen. Die demokratischen Forderungen wurden mithilfe von Satire und Parodien ausgedrückt – die Gesellschaft sollte verändert und die Macht von Kirche und Regierung gebrochen werden.

Der Vormärz und das Junge Deutschland hatten übrigens im Vergleich zum Biedermeier nur wenige Vertreter. Der Biedermeier war in dieser Zeit deshalb besonders prägend.

Literatur in der Restaurationsepoche

Sicher fragst Du Dich jetzt, wie sich die Literatur in den drei unterschiedlichen Epochen gestaltete. Wir zeigen Dir, welche Rolle die drei Gattungen Epik, Dramatik und Lyrik in den jeweiligen Epochen spielten.

Literatur Biedermeier

Epik

Vor allem kurz sollte es sein! Kurze Prosatexte, Novellen (die am weitesten verbreitet waren) und Kurzgeschichten prägten die Biedermeier-Epoche. Aber auch Skizzen, Märchen, Tagebücher, Briefe und Satiren waren beliebte literarische Ausdrucksformen.

Dramatik

Pessismismus und Melancholie – ausschlaggebende Kriterien von Franz Grillparzer, Johann Nepomuk Nestroy und Ferdinand Jakob Raimund, die das Drama zur Zeit des Biedermeiers prägten.

Doch charakteristisch sind nicht nur die Merkmale Pessimismus und Melancholie für das biedermeierliche Drama, sondern auch die Hinwendung zum Düsteren.

Lyrik

De lyrischen Werke dieser Epoche wurden in Stil und Form einfach gehalten. Durch das Abdriften ins Volkstümliche entwickelten sich zum Beispiel Volkslieder oder einfache lyrische Spielereien.

Themen waren: Liebe, Selbstbescheidung, Vergänglichkeit, das Häusliche, das Besinnen auf das Innere, Natur und religiöse Themen.

Literatur Junges Deutschland

Epik

Vor allem der Reisebericht spielte in der Epik eine große Rolle. Mithilfe des Reisebereichts konnte die Wirklichkeit besonders gut abgebildet und Eindrücke vermittelt werden.

Besonders Heinrich Heine prägte die Epik des Jungen Deutschlands. Er verfasste zahlreiche Reiseschilderungen, in denen er mit ironischer und satirischer Sprache von den Umständen seiner Zeit berichtete.

Aber auch Romane und Novellen waren sehr beliebt. Der Roman "Wally, die Zweiflerin" von Karl Gutzkow gilt als eine der wichtigsten Schriften des Jungen Deutschlands. Die als pornographisch und blasphemisch bezeichneten Züge des Romans, brachten das Verbot der Literatur des Jungen Deutschlands ins Rollen.

Dramatik

In der Zeit des Jungen Deutschlands entstanden nur wenige Dramen – doch auch hier stand die Kritik an den aktuellen Umständen im Vordergrund.

Einer der ersten und wichtigsten Vertreter des Dramas in dieser Epoche war Christian Dietrich Grabbe, unter anderem mit seinen Dramen "Napoleon" und "Die hundert Tage".

Lyrik

Die Lyrik war die wichtigste Gattung in dieser Epoche. Auch hier wurden die Werke besonders in Bezug auf das Metrum einfach gehalten und gingen in die Richtung der Volkslieder – das erinnert an die Lyrik des Biedermeiers.

Doch trotzdem war die Lyrik der Vertreter politisch – es galt, auf die Missstände in der Politik und der Gesellschaft aufmerksam zu machen.

Heinrich Heine verfasste viele lyrische Werke und war deshalb bezeichnend für die Lyrik des Jungen Deutschlands – hinterließ aber selbst Kritik an den lyrisch-politischen Schriften seiner Zeit.

Gattungen Junges Deutschland - Lyrik war sehr wichtig
Wichtigste Gattung des Jungen Deutschlands war die Lyrik. | Quelle: Unsplash

Literatur Vormärz

Epik

Auch hier sind kurze Textformen besonders beliebt gewesen. Solche waren zum Beispiel epische Kleinformen wie Reiseberichte, Memoiren, Feuilletons, Briefe und Skizzen.

Dramatik

Georg Büchner und Karl Gutzkow waren wesentliche Vertreter des Dramas im Vormärz, welches größtenteils sozialkritisch, politisch und teilweise auch satirisch war. Sicher wird Dir das Drama "Woyzeck" von Georg Büchner aus der Schule oder allein vom Hörensagen bekannt sein.

Lyrik

Viele Gedichte und Lieder mit politischen Charakter machten die Lyrik zur wichtigsten Gattung des Vormärz. Die lyrischen Schriftsteller überschneiden sich teilweise mit den Anhängern der Lyrik des Jungen Deutschlands. So war auch hier Heinrich Heine ein wichtiger Vertreter lyrischer Schriften.

Lerne auch die Literatur im Mittelalter oder die Merkmale der Renaissance kennen!

Autoren und Werke

Im Folgenden zeigen wir Dir ein paar der wichtigsten Autoren und Werke der drei Strömungen.

Einige Autoren galten sowohl als Vertreter des Jungen Deutschlands, aber auch als Anhänger des Vormärz. Die doppelte Auflistung ist also kein Fehler, sondern dadurch bedingt, dass die beiden Strömungen sich nur sehr gering voneinander unterscheiden und nahezu zeitgleich verliefen.

Biedermeier

  • Ferdinand Jakob Raimund
    • "Der Alpenkönig und der Menschenfeind"
    • "Der Verschwender"
  • Franz Grillparzer
    • "Der Traum ein Leben"
    • "König Ottokars Glück und Ende"
    • "Die Jüdin von Toledo"
  • Karl Leberecht Immermann
    • "Tristan und Isolde"
    • "Das Trauerspiel in Tyrol"
    • "Die Prinzen von Syrakus"
  • Annette von Droste-Hülshoff
    • "Die Judenbuche"
    • "Der Knabe im Moor"
  • Nikolaus Lenau
    • "Faust"
    • "Don Juan"
  • Eduard Mörike
    • "Maler Nolten"
    • "Der Schatz"
    • "Lucie Gelmeroth"
  • Adalbert Stifter
    • "Der Nachsommer"
    • "Witiko"

Junges Deutschland

  • Heinrich Heine
    • "Reisebilder"
    • "Buch der Lieder"
    • "Der Salon"
  • Christian Dietrich Grabbe
    • "Don Juan und Faust"
    • "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung"
  • Heinrich Laube
    • "Das junge Europa"
    • "Die Karlsschüler"
    • "Graf Struensee"
  • Karl Gutzkow
    • "Wally, die Zweiflerin"
    • "König Saul"
    • "Die Ritter vom Geiste"
  • Georg Büchner
    • "Der Hessische Landbote"
    • "Dantons Tod"
    • "Woyzeck"

Vormärz

  • Heinrich Heine
    • "Die schlesischen Weber"
    • "Deutschland. Ein Wintermärchen"
  • Georg Büchner
    • "Der Hessische Landbote"
    • "Dantons Tod"
    • "Woyzeck"
  • Georg Herwegh
    • "Gedichte eines Lebendigen"
    • "Aufruf"
    • "Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein"

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Yeliz

Ich liebe das geschriebene Wort – es zu lesen, einfach selbst zu schreiben oder es als Gestaltungselement zu nutzen. Dazu gehört auch die Sprache: Reisen und andere Kulturen faszinieren mich.