Interessierst Du Dich für die deutschen Literaturepochen und möchtest mehr über die Literatur der Weimarer Republik erfahren? Dann bist Du auf Superprof genau richtig!

Die Literatur der Weimarer Republik ist nicht zu verwechseln mit der Strömung der Weimarer Klassik, auch wenn die Epochen ähnlich klingen. Denn die "Neue Sachlichkeit", wie die Literatur in der Zeit der Weimarer Republik bezeichnet wird, begann erst viel später und zwar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.

Die Epoche umfasst also einen Zeitraum von 1918 bis zur Machtübernahme der Nazis 1933, woraufhin die Exilliteratur folgte.

Die Neue Sachlichkeit zeichnet sich durch ihren Realismus und Nüchternheit aus – viele Vertreter der Neuen Sachlichkeit sind auch dem späteren Naturalismus verbunden.

Bevor wir auf die Merkmale der Literatur eingehen, wollen wir Dich zunächst einmal über den historischen Kontext informieren.

Dieser ist immer enorm wichtig, um Werke verschiedener Epochen auch angemessen interpretieren zu können. Er hilft uns dabei, zu verstehen, welche gesellschaftlichen und politischen Umstände die Menschen in ihrem Denken beeinflussten.

Historischer Kontext

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war Deutschland geplagt von wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Krisen. Die Folgen des Krieges lasteten schwer – Hunger, Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und Krankheit waren nur ein Bruchteil des Leids, das die Menschen ertragen mussten.

Am 9. November 1918 wurde die "Deutsche Republik", die später als "Weimarer Republik" galt, ausgerufen. Deutschland hatte keinen Kaiser oder König mehr, sondern einen Reichspräsidenten als Staatsoberhaupt.

Der Vertrag von Versailles folgte kurz darauf und wurde 1919 in Kraft gesetzt. Diese Vereinbarung war für die Deutschen besonders strafend, da sie eine Reihe von Maßnahmen enthielt, darunter:

  • Deutschland und seine Verbündeten wurden zur Anerkennung der alleinigen Schuld für den Ausbruch des Weltkrieges gezwungen.
  • Alleinige Zahlung Deutschlands für alle Verluste, Ausgaben und Schulden, die aus dem Krieg resultierten.

Einige glaubten, dass durch eine solche hohe finanzielle Belastung Deutschlands kaum eine Chance bestand, dass die deutsche Wirtschaft nach dem Krieg wieder auf eigenen Füßen stehen kann.

Kennst Du Dich mit Wirtschaftsgeschichte aus?
Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg finanziell sehr geschwächt. | Quelle: Unsplash

Überraschenderweise konnte Deutschland 1924 dennoch eine Phase der Stabilität erreichen, die als die Goldenen Zwanziger bezeichnet wird.

Doch diese Phase sollte nicht lange andauern – im Winter 1929/30 sorgte die Weltwirtschaftskrise mitunter dafür, dass sich auch die politische Meinung der Menschen wieder änderte und Adolf Hitler am 20. Januar 1933 zum Reichskanzler gewählt werden konnte.

Erfahre auch mehr über den historischen Kontext zu Zeiten der Aufklärung und zur Biedermeier-Epoche.

Im Folgenden wollen wir Dir zeigen, welche Merkmale die Literatur der Weimarer Republik ausmachen.

Merkmale der Neuen Sachlichkeit

Bei den Autoren und Autorinnen der Neuen Sachlichkeit war Distanz angesagt. Diese wurde durch eine kühle, emotionslose und recht einfache Sprache ausgedrückt – ganz im Gegensatz zu der romantischen Epoche und dem Realismus.

Die Vertreter der Neuen Sachlichkeit stellten den Alltag möglichst sachlich dar. Themen waren zum Beispiel:

  • Einzelschicksale der Mittelschicht
  • Desillusionierung nach dem Krieg, Trauma, Verletzung, Tod
  • Armut, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise, Industrie
  • Technik

Durch die distanzierte und beobachtende Art und Weise des Erzählens orientierten sich die Autoren und Autorinnen an einer journalistischen Schreibweise. Ihre Werke ähneln teilweise Zeitungsberichten oder Dokumentationen.

Dieser Effekt wurde mitunter durch die so genannte Montagetechnik erzielt. Mit Hilfe dieser Technik führten die Autoren und Autorinnen verschiedene Textsorten, wie zum Biespiel Briefe, Zeitungsartikel und Protokolle, zu einem neuen Werk zusammen.

Subjektivität in den Werken gab es somit nicht die Charaktere zeigten wenig Gefühle, in der Sprache wurde auf Metaphern verzichtet sowie auf weitere dekoarative und ausschmückende Elemente.

Kennst Du die Montagetechnik der Neuen Sachlichkeit?
Die Literatur der Neuen Sachlichkeit ähnelte teilweise Zeitungsberichten. | Quelle: Unsplash

Ziel der Literatur der Neuen Sachlichkeit war es, dass die Literatur eine breite Masse erreichen und auch von allen verstanden werden sollte. Man sprauch auch von Gebrauchsliteratur.

Das Ansprechen gesellschaftlicher und politischer Probleme sollte die Leser und Leserinnen zum Umdenken bewegen.

Auch die Vertreter des Naturalismus wollten auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machem.

Literatur und Gattungen

Epik

Da die Autoren und Autorinnen der Neuen Sachlichkeit die Lebensbedingungen der Menschen genau schildern wollten, war vor allem der Zeitroman eine beliebte Form des epischen Erzählens.

Der Zeitroman thematisierte die Geschehnnisse des Ersten Weltkriegs und das alltägliche Leben. Dabei ging es sowohl um die Darstellung der Geschehnisse als auch um Kritik des Zeitgeschehens.

Bekannte Werke sind zum Beispiel "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin und "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarques.

Lyrik

Auch die lyrischen Werke der Neuen Sachlichkeit sollten für die Leser und Leserinnen von Nutzen sein und auf die gegenwärtigen Probleme aufmerksam machen. Man spricht dabei auch vom so genannten Gebrauchswert eines Werkes, weshalb die Lyrik auch Gebrauchslyrik genannt wird.

Der Stil der Neuen Sachlichkeit wurde auch unter den Poeten und Poetinnen konsequent umgesetzt. So zeichneten sich die Werke durch eine einfache und wenig ausschmückende Sprache aus, damit sie auch von so vielen Menschen wie möglich verstanden wurden.

Ein Beispiel ist zum Beispiel das Gedicht "Ideal und Wirklichkeit" von Kurt Tucholsky. Hier ein Auszug:

"In stiller Nacht und monogamen Betten
denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt.
Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten,
was uns, weil es nicht da ist, leise quält.
Du präparierst dir im Gedankengange
das, was du willst - und nachher kriegst das nie ...
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke -
C'est la vie -!"

Dramatik

Bertolt Brecht war in der Neuen Sachlichkeit maßgeblich daran beteiligt, dass sich das epische Theater entwickelte. Das epische Theater stand im Gegensatz zum aristotelischen Theater und weist folgende Merkmale auf:

  • Keine Einteilung in Akte und Szenen, sondern in Episoden. Dies steht im Gegensatz zum strengen Aufbau des aristotelischen Theaters.
  • Offenes Ende.
  • Ziel: Publikum soll die gegenwärtigen Missstände erkennen und an einer Veränderung arbeiten.
  • Episch, weil ein Erzähler zwischen dem  Publikum und der Handlung vermittelt.
  • Verfremdungseffekte, auch V-Effekte genannt, wurden verwendet, um dem Publikum das Geschehen näher zu bringen. Solche Effekte waren Kommentare vom Erzähler oder von Figuren, direkte Ansprache der Zuschauer, Spruchbänder, Plakate und Lieder.

Auch das Volkstheater wandelte sich und war ganz anders als das klassische Volkstheater. Das Volk selbst, darunter Bauern, Arbeiter und Handwerker, wurde zum Thema oder trat sogar als Laiendarsteller selbst auf.

Themen waren gesellschaftliche und politische Probleme, die kritisch betrachtet wurden und das Publikum zum Nachdenken anregten.

Erfahre auch mehr über die Literatur im Mittelalter oder über die Werke der Renaissance.

Kennst Du den Unterschied zwischen dem aristotelischen und dem epischen Theater?
Zu Zeiten der Weimarer Republik entwickelte sich das epische Theater. | Quelle: Unsplash

Autoren und Werke

Im Folgenden möchten wir Dir einige der wichtigsten Vertreter der Literatur zu Zeiten der Weimarer Republik vorstellen:

  • Bertolt Brecht
    • "Mann ist Mann"
    • "Die Dreigroschenoper"
    • "Die heilige Johanna der Schlachthöfe"
  • Hans Fallada
    • "Kleiner Mann Was nun?"
  • Erich Maria Remarque
    • "Im Westen nichts Neues"
  • Vicki Baum
    • "Menschen im Hotel"
  • Alfred Döblin
    • "Berlin Alexanderplatz"
  • Erich Kästner
    • "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten."
  • Kurt Tucholsky
    • Schloß Gripsholm"
  • Ödön von Horváth
    • "Geschichten aus dem Wiener Wald "
    • "Italienische Nacht"
  • Franz Kafka
    • "Ein Hungerkünstler"
  • Lion Feuchtwanger
    • "Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz"

Lerne auch die Vertreter anderer Epochen kennen, wie zum Beispiel die Autoren und Autorinnen der Moderne oder der Barockliteratur.

Die wichtigsten Merkmale auf einem Blick

Für die flüchtigen Leser und Leserinnen unter Euch wollen wir kurz nochmal die wichtigsten Merkmale in der Kurzfassung zeigen:

  • Die Epoche Neue Sachlichkeit begann nach dem Ende des Erste Weltkriegs von 1918 bis 1933.
  • Deutschland war geplagt von wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Krisen.
  • Kühle, emotionslose und einfache Sprache.
  • Themen waren: Einzelschicksale der Mittelschicht, Desillusionierung nach dem Krieg, Trauma, Verletzung, Tod, Armut, Arbeitslosigkeit, Industrie, Wirtschaftskrise und Technik.
  • Distanziertes und beobachtendes Erzählen und die Orientierung an einer journalistischen Schreibweise.
  • Die Montagetechnik wurde häufig verwendet.
  • Keine Subjektivität in den Werken.
  • Ziel der Literatur war es, dass eine breite Masse erreicht werden und durch das Ansprechen gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Probleme ein Umdenken stattfinden sollte.
  • Die beliebteste Form des Erzählens war der Zeitroman.
  • Das epische Theater, beeinflust von Bertolt Brecht, entwickelte sich und stand im Gegensatz zum aristotelischen Theater. Sogenannte Verfremdungseffekte wurde im epischen Theater häufig verwendet.
  • Auch das Volkstheater wandelte sich und sprach gesellschaftliche und politische Probleme an.
Möchtest Du mehr über Literatur erfahren?
Lerne mit Superprof auch die anderen Literaturepochen kennen. | Quelle: Unsplash

Finde eine Deutsch Nachhilfe auf Superprof

Möchtest Du auch mehr über andere deutsche Literaturepochen erfahren und wissen, welche Epochen nach der Neuen Sachilchkeit folgten?

Mit Superprof kannst Du erfahren, was die Menschen zu Zeiten der BRD und DDR in ihren literarischen Werken bewegte oder was genau Exilliteratur eigentlich ist.

Auf Superprof findest Du mit Sicherheit die passende Deutsch Nachhilfe in Deiner Nähe, um zu lernen, wie Du Werke von Brecht und Tucholsky analysieren und interpretieren kannst.

Du kannst zum Beispiel zusammen mit Deiner Nachhilfelehrerin oder Deinem Nachhilfelehrer Deine Kenntnisse über die rhetorischen Mittel aus dem Deutschunterricht auffrischen.

Bei uns hast Du eine große Auswahl an Nachhilelehrern und Nachhilfelehrerinnen in Deiner Stadt, mit denen Du ganz einfach Nachhilfeunterricht vereinbaren kannst, der zu Deinen Zielen und Vorstellungen passt.

Sollte kein passender Nachhilfelehrer für Dich in Deiner Nähe dabei sein, kannst Du Deinen Radius Deutschland erweitern und in ganz Deutschland suchen. Die meisten Lehrer auf Superprof bieten nämlich die Möglichkeit des Onlineunterrichts via Webcam.

Die erste Unterrichtseinheit ist auf Superprof immer kostenlos! Der Preis für jede weitere Unterrichtsstunde kann dann zwischen 15 und 40 Euro variieren – je nach Profil des Lehrers.

Wenn Du also auch außerhalb der Schule mehr über deutsche Literatur erfahren möchtest, ist Superprof die richtige Adresse für Dich! Lerne doch auch die Moderne oder den Expressionismus kennen!

Auf der Suche nach einer Lehrkraft für Deutsch?

Dir gefällt unser Artikel?

5,00/5 - 1 vote(s)
Loading...

Yeliz

Ich liebe das geschriebene Wort – es zu lesen, einfach selbst zu schreiben oder es als Gestaltungselement zu nutzen. Dazu gehört auch die Sprache: Reisen und andere Kulturen faszinieren mich.