Interessierst Du Dich für Literatur und möchtest mehr über die verschiedenen Literaturepochen erfahren?

Möchtest Du wissen, was die Leitbilder der Epoche der Aufklärung und der Empfindsamkeit waren? Welche Autoren die Epoche geprägt haben und an welchen Merkmalen Du sie erkennst?

Wir möchten Dir in diesem Artikel einen Überblick über die Epochen Aufklärung und Empfindsamkeit geben und zeigen, was diese beiden Strömungen auszeichnete.

Literaturepoche Aufklärung

 "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" – Immanuel Kant

Der Name der Epoche verrät schon von selbst, was das Ziel dieser Strömung von etwa 1720 bis 1800 war: Das Ziel war es, den Menschen darüber aufzuklären, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Und bezeichnend dafür war niemand anderes als der Philosoph Immanuel Kant. 

Die Vernunft spielt daher in der Epoche der Aufklärung eine große Rolle!

Im Folgenden wollen wir Dir zeigen, wie den Menschen durch die Epoche der Aufklärung in Deutschland zu einem unabhängigeren Leben verholfen werden sollte – doch zunächst schauen wir uns den historischen Kontext an, um zu verstehen, was sich gesellschaftlich in dieser Epoche so veränderte.

Historischer Kontext

Durch den dreißigjährigen Krieg, der Deutschland in 300 Einzelstaaten zerteilt hatte, gab es im 18. Jahrhundert große politische und gesellschaftliche Umbrüche.

Infolge der lutherischen Reformation im 16. Jahrhundert, nach der bei vielen Menschen der persönliche Glaube an die Stelle der Kirche trat, fingen die Menschen an, ihre Welt zu hinterfragen.

Kennst Du die gesellschaftlichen Veränderungen der Epoche der Aufklärung?
Die Menschen hinterfragten nicht nur ihren Glauben, sondern auch die ganze Welt. | Quelle: Unsplash

Die Menschen nahmen die gesellschaftlichen Missstände und Ausgrenzung der unteren Gesellschaftsschichten wahr und betrachteten sich zum ersten Mal als selbstbestimmte Individuen, denen nicht nur Menschenrechte zustanden, sondern die auch Einfluss auf die Geschichte der Menschheit haben könnten.

Emanzipation, Bildung und der Besitz von Grundrechten sollten mithilfe der Vernunft und damit neuer Denkweisen einhergehen. Diese Ideen der Aufklärung sorgten auch für Forderungen nach Freiheit und Toleranz und richteten sich gegen eine absolute Herrschaft – diese Forderungen kommen Dir vielleicht bekannt vor, oder?

Denn die Aufklärung ist eng mit der Französischen Revolution verbunden, mit der ab 1789 die Ziele Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verfolgt wurden.

Merkmale der Aufklärung

Philosophische und moralische Ansichten während dieser Epoche wurden durch Literatur transportiert. Zu der Zeit der Aufklärung gab es zwei philosophische Strömungen: der Rationalismus und der Empirismus. Nicht zu verwechseln mit den beiden literarischen Epochen Realismus und Naturalismus.

Mit dem Rationalismus wurde überliefertes Wissen nicht einfach nur angenommen und weiter ausgeführt, sondern auch hinterfragt. Im Zusammenhang mit dem Rationalismus steht René Descartes, von dem folgendes berühmtes Zitat stammt:

"Ich denke, also bin ich." – René Descartes.

Für den Empirismus waren Beobachtungen ausschlaggebend und die Grundlage wissenschaftlicher Arbeiten. Der Philosoph John Locke ging davon aus, dass sich menschliche Erkenntnis nur durch Beobachtung und durch die Wahrnehmung unserer Sinne zusammensetzen kann.

Weitere Merkmale der Aufklärung:

  • Freie Schriftsteller widmeten sich in der Literatur dem bürgerlichen Leben, was sie zwar unabhängiger machte, doch viele dieser freischaffenden Künstler konnten ihren Lebensunterhalt nicht nur mit der Literatur verdienen.
  • Vernunft, Humanität und Nützlichkeit – Gedanken der Aufklärung wurden mithilfe der Literatur vermittelt. In dieser Zeit entstanden viele wichtige wissenschaftliche und literaturtheoretische Schriften. Der Verstand galt als höchstes Gut.
  • Kritik am gesellschaftlichen und staatlichen System und Hinterfragen von Kirche und Religion.
  • Forderungen nach Gleichheit und Toleranz.
  • Der Mensch als selbstbestimmtes Individuum.
Möchtest Du auch mehr über Philosophie erfahren?
Viele Philosophen beeinflussten die Aufklärung maßgeblich. | Quelle: Unsplash

Lerne auch die Merkmale des Mittelalters und die Besonderheiten des Barock kennen!

Literatur der aufklärerischen Strömung

Epik

Dadurch, dass das Bürgertum ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte, entstand der bürgerliche Roman, der die Ideen der Aufklärung vermitteln sollte. Aber auch die Fabel und die Parabel übernahmen eine wichtige erzieherische Funktion bei der moralischen Belehrung.

Dramatik

Das Drama und damit auch das Theater war die wichtigste literarische Gattung in der Epoche der Aufklärung. Das bürgerliche Drama und das bürgerliche Trauerspiel entstanden und erstmals durfte auch das Bürgertum auf die Bühne. Gotthold Ephraim Lessing übernahm bei der Reformierung des Dramas eine signifikante Rolle.

Lyrik

Die Lyrik äußerte sich in der aufklärerischen Strömung sehr vielfältig – es entwickelten sich neue Formen wie Lehrgedichte, Gedankenlyrik, gefühlsbetonte Oden und Hymnen.

Autoren und Werke

Die Autoren der Aufklärung waren neben einigen Philosophen, von denen Dir sicher der ein oder andere zumindest bekannt vorkommt, Dichter und Schriftsteller. Wir zeigen Dir ein paar der Autoren und eine Auswahl ihrer Werke im Überblick:

  • Immanuel Kant
    • “Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?”
  • John Locke
    • “Ein Versuch über den menschlichen Verstand” (1690)
  • Gotthold Ephraim Lessing
    • "Emilia Galotti"
    • "Nathan der Weise"
  • Christoph Martin Wieland
    • "Geschichte des Agathon"
  • Karl Philipp Moritz
    • "Anton Reiser"
  • Christian Fürchtegott Gellert
    • "Die Betschwester"
    • "Die zärtlichen Schwestern"
  • Johann Christoph Gottsched
    • "Sterbender Cato"
    • "Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen"
  • Philosophische Werke und Schriften von Montesquieu, Voltaire und Rousseau

Literaturepoche Empfindsamkeit

Die Empfindsamkeit ist eine Epoche, die innerhalb der Epoche der Aufklärung entstand. Sie wird oft als Gegenbewegung zur Aufklärung verstanden, doch ist sie anders als die Epoche Sturm und Drang eher als Ergänzung zur Aufklärung zu betrachten.

Da sich die Epoche zwischen 1740 und 1790 bewegte, entfällt an dieser Stelle die Einordnung in den historischen Kontext, da dieser schon zuvor bei der Aufklärung betrachtet wurde. Im Folgenden können wir also direkt zu den Merkmalen der Empfindsamkeit übergehen.

Merkmale Empfindsamkeit

Auch hier verrät der Name der Epoche schon ganz gut, worum es in dieser Epoche ging: um Gefühle! Und dieser Aspekt lässt vielleicht vermuten, dass die Empfindsamkeit eine Gegenbewegung zur Aufklärung sein sollte – doch eigentlich hat sie die Empfindsamkeit nur um den Aspekt der Gefühle erweitert.

  • Die eigenen Empfindungen und der Blick auf das Innere standen an oberster Stelle der Empfindsamkeit. So ging es im Wesentlichen darum, seinen eigenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und innere Prozesse zu zeigen. Zentrale Motive waren dabei das Erleben der Natur, Freundschaft und Nächstenliebe.
  • Zudem wurde die Empfindsamkeit stark vom Pietismus geprägt. Der Pietismus bezeichnet  eine religiöse Bewegung, die sich gegen den Dogmatismus der Kirche wendete. Es ging dabei um eine subjektive Wahrnehmung des Göttlichen, mit der der Mensch einen eigenen Zugang zur Religion finden sollte. So setzten die Anhänger des Pietismus auf eine persönliche und gefühlsbetonte Frömmigkeit.

Literatur in der Empfindsamkeit

Lyrik

Da der Ausdruck der Gefühle bei der Empfindsamkeit im Mittelpunkt stand, eignete sich die Lyrik besonders gut dazu, um überschwänglichen Gefühlen eine Form zu verleihen. Das lyrische Ich ließ dabei all seinen Gefühlsregungen freien Lauf, wodurch das Seelenleben des Ichs nahezu offen gelegt wurde.

Es entstanden Oden, Idyllen, Hymnen und Elegien – vor allem Friedrich Gottlieb Klopstock prägte die Lyrik der Empfindsamkeit mit seinen wundervollen Oden.

Kennst Du einige Gedichte aus der Epoche der Empfindsamkeit?
Die Lyrik eignete sich besonders gut, um Gefühlen Ausdruck zu verleihen. | Quelle: Unsplash

Dramatik

In der Dramatik entstanden Texte, wie zum Beispiel Rührstücke oder das weinerliche Lustspiel, und auch das bürgerliche Trauerspiel gewann nach und nach an Bedeutung.

Epik

Einige Formen eigneten sich auch in der Epik, um seinen inneren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. So spielten vor allem Briefe, Briefromane, Reise- und Erlebnisberichte eine zentrale Rolle in der Epik der Empfindsamkeit. Hierbei zu nennen, wäre Goethes Werk "Die Leiden des jungen Werther", der eigentlich in die Zeiten des Sturm und Drangs fällt, dennoch einige empfindsame Aspekte vorweist.

Autoren und Werke

  • Matthias Claudius
    • "Der Wandsbecker Bothe"
    • "Abendlied"
  • Ludwig Heinrich Hölty
    • "Gedichte"
  • Friedrich Gottlieb Klopstock
    • "Messias"
    • "Oden"
    • Die frühen Gräber"
  • Johann Heinrich Voß
    • "Der siebzigste Geburtstag"
    • "Luise"
  • Sophie von La Roche
    • "Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim"

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Lerne auch Merkmale anderer Epochen kennen, wie z.B. die Blaue Blume der Romantik. | Quelle: Unsplash

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Yeliz

Ich liebe das geschriebene Wort – es zu lesen, einfach selbst zu schreiben oder es als Gestaltungselement zu nutzen. Dazu gehört auch die Sprache: Reisen und andere Kulturen faszinieren mich.