Kinder haben das geringste Risiko, Opfer des Covid-19-Virus zu werden. Aber auch an ihnen ist das Virus nicht spurlos vorbeigegangen: Sie haben besonders unter der Schließung der Schulen gelitten, die als Reaktion auf die Pandemie durchgeführt wurde.

Als Regierungen auf der ganzen Welt beschlossen, die Schulen dicht zu machen, wechselten Schüler schlagartig vom Lernen in einem Klassenzimmer zum Lernen zuhause. Innerhalb weniger Tage mussten Lehrer ihre Unterrichtspläne in für den Online-Unterricht geeignete Inhalte umgewandelt.

Rund 58 Millionen Grund- und Sekundarschulkinder weltweit gingen ab März 2020 für mehrere Wochen, in einigen Ländern sogar monatelang nicht mehr in die Schule.  

Welche Auswirkungen hatte diese Zeit auf die Bildungsungleichheiten unter Schülern?

Bildungsungleichheit Corona: was es zu wissen gibt
Was passiert mit Schülern, wenn Schule wegfällt? | Quelle: Unsplash
Katinka
Katinka
Lehrkraft für Französisch - Leseverständnis
5.00 5.00 (23) 29€/h
1. Unterrichtseinheit gratis!
Stergios
Stergios
Lehrkraft für Klavier
60€/h
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Irina
Irina
Lehrkraft für Personal Training
5.00 5.00 (2) 35€/h
1. Unterrichtseinheit gratis!
Matthias
Matthias
Lehrkraft für Programmierung
5.00 5.00 (30) 90€/h
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Bami
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Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache (DaF)
4.86 4.86 (5) 20€/h
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Lucas
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Lehrkraft für Schwimmen
5.00 5.00 (25) 70€/h
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Caro
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Lehrkraft für Spanisch
4.93 4.93 (40) 25€/h
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Viktor
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Lehrkraft für Algebra
4.94 4.94 (95) 80€/h
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Julia
Julia
Lehrkraft für Professionelles Coaching
5.00 5.00 (16) 45€/h
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Raphaël
Raphaël
Lehrkraft für Gitarre
5.00 5.00 (20) 45€/h
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Olga
Olga
Lehrkraft für Gesang
5.00 5.00 (6) 80€/h
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Moritz
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Lehrkraft für Fitness
60€/h
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Eleonora
Eleonora
Lehrkraft für Solfeggio
5.00 5.00 (3) 30€/h
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Peter
Peter
Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache (DaF)
4.88 4.88 (8) 34€/h
1. Unterrichtseinheit gratis!
Alexandra
Alexandra
Lehrkraft für Spanisch - Hörverständnis
4.98 4.98 (45) 29€/h
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Fernando
Fernando
Lehrkraft für Mathematik
4.97 4.97 (33) 17€/h
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Die soziale Rolle der Schule

Bildungsungleichheiten gab es natürlich auch schon vor Corona: Der sozioökonomische Hintergrund der Eltern bedeutet für Kinder leider immer noch zwangsläufig entweder einen Vor- oder einen Nachteil.

Die häusliche Umgebung und die Unterstützung der Kinder durch die Eltern ist entscheidend für die schulische Leistung von Kindern. Mehrere Studien zur Bildungsungleichheit zeigen immer wieder, dass Schulen diese Ungleichheiten nicht so ausgleichen können, wie man es sich wünschen würde. Aber ohne Schule spielen die Faktoren, die Ungleichheit erzeugen, eine noch größere Rolle, denn vielen Kindern fällt selbstständiges Lernen schwer und ohne Unterstützung der Eltern noch schwerer. Verschiedene Untersuchungen zeigten sehr schnell einen Anstieg der Bildungsungleichheiten während des Lockdowns. 

Schulen sind mehr als nur der Ort, an dem der Unterricht stattfindet. Für viele Schüler ist die Schule auch ein sicherer Ort: Dort gibt es warme Mahlzeiten, Freunde, Pädagogen, Internetzugang und vieles mehr. Mit der Schließung der Schulen, löste sich dieser Ort in Luft auf und mit ihm der Zugang zu diesen wichtigen Leistungen.

Auch Kindesmisshandlungen werden meistens von Menschen außerhalb der Familie angezeigt - besonders von Lehrern. Die niedrigen Daten während der Schulschließungen lassen leider nicht darauf schlissen, dass es auf einmal keine Misshandlungen von Kindern mehr gab, sondern dass diese einfach nicht mehr gemeldet wurden.

Unterschiedliche Bedingungen für Homeschooling

Auf der ganzen Welt verwandelten sich Wohnzimmer, Schlafzimmer und alle verfügbaren Ecken eines Hauses oder einer Wohnung in Klassenzimmer. Die Schließung der Schulen deckte dabei schnell die Ungleichheit der Schüler auf:

Innerhalb ein und derselben Klasse nahmen einige Schüler von ihren Feriendomizilen aus über verschiedene Videokonferenzsysteme an Video-Konferenzen teil, während andere sich aus ihren überfüllten Wohnungen, manchmal sogar aus Notunterkünften, zuschalteten. Die Schüler sind sich dabei durchaus ihrer Umgebung bewusst - das verstärkt Unsicherheiten zusätzlich.

Bildungsarmut in Zeiten von Corona
Wenn mehrere Familienmitglieder sich einen Computer teilen, wird Homeschooling nahezu unmöglich. | Quelle: Unsplash

In einer rein virtuellen Lernumgebung sind Schüler noch weniger gleichgestellt als ohnehin schon.

Insbesondere Kindern ohne elterliche Unterstützung entgleiste der Unterrichtsstoff beim Homeschooling. Dabei liegt es in der Regel nicht am mangelnden Willen der Eltern, sondern an fehlenden Möglichkeiten

Viele Schüler hatten Schwierigkeiten, an virtuellen Kursen teilzunehmen, da sie gar keinen Zugang zu zuverlässigen Internetdiensten hatten. Wlan war unter diesen Bedingungen kein Luxus mehr, sondern eine absolute Notwendigkeit. 

Einige Schüler leben in Haushalten ohne Computer oder teilen ein einziges Gerät mit Geschwistern und/oder Eltern, die dieses ebenfalls brauchten.

Der Zugang zu Internet und internetfähigen Geräten sinkt für Schüler aus Haushalten mit niedrigerem Einkommen. Hausaufgaben online korrigieren, Fragen im Chat beantworten, die Klasse zu virtuellem Unterrichtsstunden per Zoom zusammenzutrommeln: All diese Homeschooling-Möglichkeiten funktionieren nicht, wenn es in den Familien an der notwendigen Technik fehlt.

Der Zugang zu einem Computer war in dieser Zeit für den Lernerfolg ausschlaggebend. Wer einen hatte, kam weiter, wer keinen hatte, der verlor im wahrsten Sinne des Wortes den Draht zur Schule.

Auch wenn die Schulschließung nur einen Bruchteil des Schuljahres gedauert hat, sind die Auswirkungen nicht zu unterschätzen, da viele der ohnehin schon benachteiligten Schüler weiter zurückgefallen sind.

Die Lehrer wissen das, doch sie stehen der Situation machtlos gegenüber.

Die Digitalisierung der Schule

Zwischenmenschlichkeit ist ein sehr wichtiger Aspekt des Lernens. 

Soziale Kontakte und Kommunikation können nicht digitalisiert werden. Gemeinsame Diskussionen und Erlebnisse gehören zur Schulbildung.  Unterricht lebt ja auch davon, dass es Mitschüler gibt, dass man sich gegenseitig anregt und motiviert. Diese Dinge fehlen im Fernunterricht.

Digitale Tools können den Unterricht durch einen Lehrer nicht ersetzen, sondern ergänzen. Unterricht in einem Klassenzimmer für zwanzig bis dreißig Schüler zu machen - das schafft kein Computer!

Aber guter Unterricht muss sich auf Dauer neu erfinden, um so inklusive wie möglich zu sein.

Verstärkt Covid-19 Bildungsungerechtigkeiten?
Mehr getan werden muss vor allem bei der Ausstattung von Schulen. | Quelle: Unsplash

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass viele deutsche Schulen nicht gut auf eine Homeschooling-Situation vorbereitet waren.

In Dänemark beispielsweise nutzten schon vor der Pandemie 91% der Schüler täglich digitale Medien im Unterricht, während in Deutschland nur 4 % digitale Tools im Schulalltag nutzen.

Nur 26,2 % der Schulen in Deutschland verfügen über WLAN! (In Österreich sind es 50%).

Die Digitalisierung an deutschen Schulen ging jahrelang nur sehr schleppend voran.

Die meisten Schüler erhielten während des Lockdowns ihre täglichen Aufgaben per E-Mail. Nicht sehr modern, nicht sehr ansprechend, nicht sehr motivierend...

Die wenigsten deutsche Schulen verfügen über ein pädagogisches Konzept für den Einsatz digitaler Medien und Technologien. Das schafft eine schlechte Ausgangslage für digitalen Unterricht...

Schulen, die digitale Lernangebote schon vor der Corona-Krise verstärkt einsetzen, hatten wesentlich weniger Probleme, ihre Schüler zu erreichen und befürchten auch weniger, dass die häusliche Situation die schulischen Leistungen ihrer Schüler im Lockdown nachhaltig beeinflusst hat.

Eine zeitgemäße digitale Ausstattung an deutschen Schulen hätte die Probleme des Fernunterrichts also zumindest mildern können. Die mangelnde technische Ausstattung vieler Schulen und die geringe Erfahrung vieler Lehrer und Schüler mit digitalen Lern-Tools erschwerte einen guten digitalen Unterricht.

Viele fordern seit Ende des Lockdowns, alle Schulen möglichst schnell in die Lage zu versetzen, per Homeschooling unterrichten zu können.

Verringern digitale Tools die Bildungsungleichheiten?

Berichte von Projekten aus anderen Ländern besagen, dass Kinder das Feedback von digitalen Medien fairer finden als die Bewertung durch Lehrer! Vielleicht können Roboter oder Algorithmen wirklich objektiver urteilen als Lehrer.

Die Mehrheit der Lehrer kommt selbst aus dem Bildungsbürgertum. Wenn sich Schüler anders verhalten oder anders ausdrücken als sie es erwarten, kann das zu Vorurteilen führen, die vielleicht dafür sorgen, dass der Lehrer die Talente eines Schülers nicht erkennt.

Bildungsungleichheit Deutschland: durch Corona verstärkt?
Soziale Kontakte kann ein Computer nicht ersetzen. | Quelle: Unsplash

Einem Computer passiert das nicht.

Digitale Tools können also Lehrern helfen, das Potenzial ihrer Schülern richtig zu erkennen.

Digitale Tools erkennen auch schneller als Lehrer, wo genau ein Schüler Schwierigkeiten hat, welche Mathe-Formeln er vergessen hat, und sie können systematisch erkennen und speichern, was Schüler bereits beherrschen. Die Digitalisierung von Schulen kann also helfen bei der individuellen Diagnose von Defiziten und Potenzialen sowie bei individueller Förderung. Das hilft Schülern und Lehrern!

Damit die Schere nicht immer weiter auseinanderklappt, muss für mehr Digitalisierung an Schulen gesorgt werden. Schulen sollten besser mit digitalen Tools ausgestattet und Lehrer geschult werden. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Lernmanagement-Systeme und internetbasierte Tools für gemeinschaftliches Arbeiten in Zukunft zum Schulalltag dazu gehören.

Eine bessere Ausstattung an Schulen und eine dementsprechende Schulung der Lehrer, damit diese lernen, die neuen Möglichkeiten einzusetzen, ist eine Investition. Aber Studien zeigen, dass es sonst sogar noch teurer werden könnte: Ein zunehmender Wissensverlust bei Schülern hat nämlich auch wirtschaftliche Konsequenzen.

Bildungsforscher haben errechnet, dass jedes zusätzliche Schuljahr das Einkommen im Leben eines Schülers durchschnittlich um zehn Prozent verringert! Im Klartext: Wenn wie kürzlich ein Drittel des Schuljahres verloren geht, schrumpft das zukünftige Einkommen der betroffenen Schüler um drei bis vier Prozent. Ausserdem ist auch die Wahrscheinlichkeit, später mal arbeitslos zu werden, grösser.

Nach Berechnungen des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, summiert sich der Lernausfall aller deutschen Schüler im späteren Berufsleben auf einen Verlust von 5,4 Billionen Euro. Das betrifft nicht nur die heutigen Schüler: Die geringere Bildung der künftigen Berufstätigen wird das Sozialprodukt über viele Jahre um ca. 2,8 Prozent schmälern.

Noch hinzu kann man den Arbeitsausfall von Millionen von Eltern rechnen, die Ersatzlehrer spielen mussten anstatt zu arbeiten.

Weniger Schule kostet also viel Geld - das meiste davon zahlen später, ohne es zu wissen, die Schüler.

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Bertine

Ich bin studierte Ethnologin und Politikwissenschaftlerin, schreibe leidenschaftlich gerne und interessiere mich besonders für Sprachen, fremde Kulturen, Geschichte und Handwerk.