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Sind Schulunterricht und Online Nachhilfe kompatibel?

Von Franziska, veröffentlicht am 02/09/2017 Blog > Privatunterricht > Nachhilfe suchen > Die Grenzen von Online Nachhilfe

Wenn ein Schüler dabei zusehen muss, wie sich sein Durchschnitt verschlechtert, kann es verlockend sein, sich mit dem Internet zu behelfen.

In der Tat ist das Web eines der Hauptinformationswerkzeuge der Moderne geworden. Wenn wir uns einmal nicht wohlfühlen, bedienen wir uns erst einmal Internetforen, um andere Personen zu befragen, was sie darüber denken – bevor wir zum Arzt gehen…

Für Bildung und Nachhilfe ist es das Gleiche!

Entweder wird online Nachhilfe gesucht oder direkt nach den Lösungen für die Hausaufgaben gegoogelt.

Es ist einfach, Online eine große Anzahl von Nachhilfe Ressourcen zu finden. Ganz egal, ob für Fächer in der Grundschule, in der Mittelschule und am Gymnasium, oder sogar bis hin zur höheren Bildung – der Markt für Online Nachhilfe boomt!

Kann man der Sache trauen? Was kann Nachhilfe Online?

Worin liegen die Unterschiede zwischen Privater Nachhilfe mit einem Nachhilfelehrer und der Nachhilfe im Netz? Wo liegen die Grenzen von Online Nachhilfe?

Wir beantworten diese Fragen im folgenden Artikel.

Online Nachhilfe wird niemals einen richtigen Lehrer ersetzen

Wie jeden Tag kommt Dein Kind von der Schule und Du fragst, wie sein Tag war. Es antwortet Dir: „Schlecht!“. Du fragst, warum, und es erklärt Dir, dass der Lehrer eine Niete sei, der überhaupt nicht erklären könne, und es daher den Stoff, der im Unterricht besprochen wurde, nicht verstehe…

Wenn dann Deine erste Reaktion ist: „Das ist nicht schlimm, Du kannst ja Hilfe im Internet finden!“, ist das alles andere als die perfekte Antwort.

Warum?

Zum einen, weil du nicht sofort Deinem Kind glauben solltest, wenn es die Schuld komplett auf seinen Lehrer schiebt.

Zum anderen, weil das Internet alleine auch nichts gegen schulischen Misserfolg ausrichten kann.

Das muss die gemeinsame Arbeit des Schülers, der Eltern und der Pädagogen sein.

Hast du dich schon mal mit deinem Kind und seinem Lehrer zusammengesetzt, um Probleme zu besprechen? Eine Zusammenarbeit verschiedener Akteure bringt vor allem langfristig die besten Erfolge. | Quelle: Pexels

Wenn Du siehst, dass der Notendurchschnitt Deines Kindes alarmierend schlechter wird, solltest Du zunächst einmal ein Treffen mit dem oder der Klassenlehrer/in ausmachen.

Versuche auch, Dich mit anderen Eltern auszutauschen und in Erfahrung zu bringen, ob Dein Kind das einzige mit Lernschwierigkeiten ist oder nicht.

Wenn es sich wirklich herausstellt, dass der Lehrer und dessen Unterricht nicht gut bzw. nicht ausreichend sind, kann es eine gute (Erst-)Lösung sein, zusätzlich Private Nachhilfe in Anspruch zu nehmen.

Im entgegengesetzten Fall solltest Du eventuell noch einmal über die Lernfähigkeiten Deines Kindes nachdenken.

Aber das Wichtigste: Lasse den schulisches Erfolg Deines Kindes nicht davon abhängen, was es zufällig aus dem Internet herausfischen kann.

  • Ist es vielleicht ein Problem der Methodik?
  • Oder der allgemeinen Motivation, was die Schule betrifft?
  • Ist Dein Kind frustriert, weil es nicht mehr mitkommt, und verweigert sich deshalb komplett der Schule?
  • Oder fühlt es sich überfordert, weil es nicht in der Lage ist, seine Hausaufgaben zu organisieren?

Fest steht: Online Nachhilfe kann bei keiner dieser Komponenten Licht ins Dunkel bringen.

Indem es allein vor dem Bildschirm sitzt, isoliert sich das Kind nur noch mehr und kann keine Experten um Rat fragen. Wenn es etwas nicht versteht, kann ihm niemand gezielt dabei helfen.

Deshalb bekräftigen Experten, dass das Internet wenig effizient ist, um schulischem Misserfolg zu begegnen und sich gewissen Schwierigkeiten zu stellen.

Nur ein Schüler, der schon problemlos autonom arbeitet, kann Computeranwendungen effizient gebrauchen. Diejenigen Schüler hingegen, die ohnehin schon Konzentrationsschwierigkeiten haben, werden schnell abgelenkt sein von dem Überschwang an Informationen, der ihnen im Netz in die Augen springt.

Mit diesem Phänomen müssen sich auch die Bezahlseiten näher beschäftigen (beispielsweise Learnattack oder Sofatutor). Das Netz macht es ja auch möglich, im Netz Zugang zu einem Nachhilfelehrer zu haben.

Trotzdem weiß diese Lehrperson nicht, was im Unterricht passiert, und verfolgt nicht das Alltagsleben des Kindes.

Deshalb kann das Internet nur eine Hilfestellung bieten, um schon bestehendes Wissen zu festigen, und nicht das „ultimative“ Mittel für den Alltag darstellen, um Stoff zu pauken bzw. Nicht-Verstandenes aufzuholen.

Lass Dein Kind nicht allein vor dem Computer

Stell Dir vor, Deine Vorgesetzten fordern von Dir selbst auf der Arbeit immer mehr und mehr Einsatz.

Das Ergebnis: Du kehrst abends immer später nach Hause zurück.

Trotz des Versprechens, das Du dir selbst gegeben hast, Dein Kind beim Lernen zu unterstützen, bist Du abends schlicht und ergreifend zu müde, um vor dem Schlafengehen noch den Erdkundestoff zu wiederholen oder Deinem Kind die wichtigen Grundregeln der Mathematik, die im Unterricht durchgenommen wurden, an extra Beispielen klarzumachen.

(Abgesehen davon wird übrigens ohnehin nicht empfohlen, dass Eltern ihren eigenen Kindern Nachhilfe geben.)

Als Du mit Freunden diskutierst, bemerkst Du, dass zahlreiche Eltern ihren Kindern erlauben, das Internet zu nutzen, um ihren Unterrichtsstoff zu wiederholen und Online-Übungen zu machen.

Könnte das nicht eine Möglichkeit sein, dass Dein Kind selbstständig lernt?

Jein. Gib nicht sofort dem Ruf der Sirenen nach – vor allem nicht für die noch ganz Kleinen!

Auch die Kleinsten sollten wissen, wie man richtig mit der neuen Technologie umgeht. Liebe Eltern: Nehmt Euch Zeit, Euren Kindern genau zu erklären, wie man das Internet als Informationsmedium nutzt. | Quelle: Visualhunt

Oft fangen Schüler in der Mittelschule bzw. Mittelstufe an, autonom zu arbeiten. Gerade von Gymnasiasten wird diese Arbeitsweise gefordert, auch wenn sich Experten generell uneinig sind, ob eine autonome Lernkultur wirklich sinnvoll ist.

Bei Grundschulkindern ist es jedenfalls entscheidend, sie nicht alleine vor dem Computer sitzen zu lassen.

Das hat mehrere Gründe:

  • Zum einen sind die Informationen im Netz nicht immer 100%ig zuverlässig (insbesondere in offenen Foren, bei denen jeder nach Gutdünken Beiträge verfassen kann);
  • Zum anderen können Deine Kinder leicht an Inhalte gelangen, die ihrem Alter nicht angemessen sind;
  • Und: Das Internet ist eine unglaubliche Quelle der Ablenkung!

Wir empfehlen Eltern also, das Surfverhalten ihrer Kinder immer im Auge zu behalten, beispielsweise, indem sie den PC in ein Zimmer stellen, das alle gemeinsam nutzen. Und daran denken, die Kindersicherung anzuschalten…

Was die Foren betrifft: Sie können exzellente Werkzeuge für Hilfe bei Schulproblemen sein, da sie es Gleichgesinnten ermöglichen, sich unkompliziert miteinander auszutauschen.

Nimm Dir aber trotzdem Zeit, Deiner Tochter oder Deinem Sohn zu erklären, dass er oder sie stets kritisch mit dem umgehen sollte, was er oder sie in einem Online-Forum liest. Am besten gleicht er oder sie verschiedene Quellen miteinander ab.

Zögere nicht zu kontrollieren, was Dein Kind in derartigen Foren teilt und was man ihm/ihr darauf antwortet. Und sprich mit dem jeweiligen Fachlehrer oder der Fachlehrerin Deines Kindes: Er/Sie kann Dir vertrauenswürdige Online-Quellen aufzeigen, sowohl kostenpflichtig als auch gratis.

Achte außerdem darauf, dass das Kind das Internet wirklich zum Arbeiten benutzt, wenn es am Computer sitzt.

Dies betrifft speziell Video-Datenbanken, die als Bildungsquellen gedacht sind (und übrigens hervorragende pädagogische Werkzeuge bilden). Es ist nämlich einfach, auf andere Videos aufmerksam zu werden, die eventuell amüsanter sind…

Am besten schaust du dem oder der Kleinen beim Arbeiten ab und zu über die Schulter... Oft bieten für Kinder Alternativen zu Lernseiten einen interessanteren Zeitvertreib als diese – und sind nur einen Klick entfernt. | Quelle: donnierayjones, Visualhunt

Entdecke auch die Vorteile von außerschulischer Begleitung online.

Eine Auswahl an Ressourcen, die auf den ersten Blick Angst macht

Gefühlt alle Seiten versprechen Dir tausende von Nachhilfe Ressourcen für alle Niveaus und alle Fächer:

  • Mathekurse für Schüler der Abschlussklasse,
  • Unterricht in Physik, Chemie oder anderen Naturwissenschaften für Schüler der Mittelstufe
  • Deutsch-Nachhilfe und Sprachkurse (Rechtschreibung, Vokabellisten, Grammatikübungen etc.) für alle Niveaus
  • etc.

In der derzeitigen Situation ist der Katalog der Nachhilfeangebote ein wichtiges „Marketingargument“ der Online-Nachhilfe-Unternehmen geworden.

Es ist offensichtlich vertrauenerweckender, wenn man auf eine Nachhilfe-Seite stößt, die ein konsequentes und vielfältiges Angebot hat und viele verschiedene Pakete anbietet, als eine weniger gut ausgestattete Online-Bibliothek.

Ist diese Art von Bildung aber wirklich besser?

Interessant wird es, wenn ein Schüler zu Hause außerschulische Unterstützung bekommen kann, die in direkter Verbindung zu dem Lehrplan steht, der vom Kultusministerium eingesetzt wurde. So weiß er, falls er etwas braucht, wo er nach Zusatzmaterial suchen muss.

Nichtsdestotrotz passiert es häufig (besonders bei den Jüngeren), dass den Schülern die Riesenauswahl, die sie im Netz vorfinden, einfach zu viel ist.

Am Ende verlieren sie auf der Suche nach pädagogischen Ressourcen wertvolle Zeit , obwohl ihnen diese eigentlich helfen sollen, schneller bei den Hausaufgaben voranzukommen.

Auf der anderen Seite erlaubt es diese Vielfalt an Lernangeboten aber auch, dass Schüler, wenn sie oder die Eltern das wünschen, einen Vorsprung vor dem Lehrplan gewinnen.

Hier sind sich Experten allerdings einig: Sich alleine einen Vorsprung vor dem Lehrplan zu erarbeiten, ist nicht das, was man idealerweise machen sollte.

Denn ein zu schnelles Fortschreiten kann eine Entwertung der Lernfähigkeiten nach sich ziehen. Genau wie ein verfrühtes Klasse-Überspringen, das einen Schüler mit einst hervorragenden Noten zu einer nurmehr mittelmäßigen Leistung herunterziehen kann.

Wenn die Lehrenden einige Aspekte im Unterricht hervorheben und über andere schnell hinweggehen, hat das normalerweise einen Grund.

Deshalb ist es entscheidend, auch online sorgfältig das Angebot auszuwählen, das den Bedürfnissen Deines Kindes besonders entspricht. Wenn Dein Sohn oder Deine Tochter Probleme in Mathe hat, suche Unterstützung in diesem Fach. Und belasse es dabei.

Kennst Du die Fabel vom Hasen und der Schildkröte von Jean de la Fontaine?

„Auch Rennen bringt nichts, wenn man nicht rechtzeitig losgelaufen ist.“

Das betrifft auch Nachhilfe zu Hause und den Heimunterricht.

Du solltest Online Ressourcen immer überprüfen, bevor du damit arbeitest oder sie jemandem empfiehlst. Auch wenn die Kinder zu Hause unterrichtet werden, sollte man sich nicht nur auf Onlinequellen verlassen. | Quelle: barsen, Visualhunt

Was uns die Fabel von de la Fontaine über Bildung lehren kann, ist, dass man sich lieber langsam aber sicher seinem Ziel nähern sollte als zu viel auf einmal zu wollen.

Um das zu verdeutlichen, nehmen wir das Beispiel von learnattack.de: Die Angebote sind auf Langfristigkeit ausgelegt, d.h., dass die Pakete bei einem Monat anfangen, aber bis zu 24 Monate Laufzeit umfassen.

Ist es notwendig, Geld für ein umfangreiches Nachhilfeangebot auszugeben, wenn Dein Kind nur in einem Fach Probleme hat?

Ihm Zugang zu einer zu großen Auswahl an Ressourcen zu geben, kann es auch entmutigen.

Das ist auf jeden Fall die Meinung von Bildungsexperten.

Der Fall der kostenlosen Online-Unterstützung: Muss man auf der Hut sein?

Ein konkretes Beispiel der Grenzen des Lernens im Netz: Unterrichtsseiten mit kostenloser Unterstützung, wie etwa:

  • Explainity – einfach erklärt,
  • MrWissen2go,
  • 100SekundenPhysik und
  • Beckuplearning (Mathe by Daniel Jung)

Das sind einige Beispiele, die Hilfe für die Schule anbieten, um Tests zu bestehen, den MSA oder sogar das Abitur.

Trotzdem muss die kostenlose Unterstützung für die Schule zum richtigen Zeitpunkt genutzt werden.

Das bedeutet, dass die Übungen von Deinem Kind unter bestimmten Voraussetzungen in seine allgemeine Prüfungsvorbereitung eingebaut werden können. Und zwar, wenn

  • der Schüler die richtige Herangehensweise betreffend der Methodologie und der Organisation hat,
  • dies punktuell geschieht,
  • sie nicht die Lehre in der Schule ersetzen.

Nehmen wir in der Tat das Beispiel eines Schülers, der sich gerade auf das Abitur vorbereitet… Er findet sich einer großen Auswahl an Ressourcen gegenüber, ohne Hilfe von außen, um ihn zu beraten.

  • Womit anfangen? 
  • Wie die Ressourcen begreifen?
  • Wie bzw. was genau üben, um die Prüfung ohne professionelle Hilfe zu bestehen?

Weil die kostenlosen Ressourcen nicht personalisiert sind, können sie sich nicht an die Bedürfnisse jedes Schülers anpassen.

So ist die kostenlose Unterstützung als Werkzeug zum Wiederholen für diejenigen Schüler interessant, die genügend Durchblick haben, um zu wissen, wie sie die Ressourcen in ihre persönliche Arbeit integrieren

Nimmt man kostenlose Online-Hilfe hingegen als Unterrichtsersatz in Anspruch, kann das eher kontraproduktiv sein.

Wenn Du mit voller Wucht vom schulischen Misserfolg Deines Kindes getroffen wirst, aber nicht die Mittel für einen Privatlehrer hast, könnt Ihr zum Beispiel freiwillig betreute Hausaufgabenhilfe in Anspruch nehmen.

Trotz aller Qualitäten der außerschulischen Unterstützung im Web muss man also stets auch die negativen Begleiterscheinungen dieser Art von Nachhilfe im Auge behalten.

Sich alleine vor einen Computer zu setzen ist weit weniger effektiv als ein Eins-zu-Eins-Kurs mit einem Spezialisten dieses Bereichs.

Gleichzeitig ist es auch schlicht schwieriger – steht man zum Beispiel auf der Kippe und der Schulabbruch droht –, alleine vor dem Bildschirm den notwendigen Stoff durchzuarbeiten.

Zusammenfassend kann man sagen: Nachhilfe Online beweist sich dann als sinnvolles Werkzeug, wenn sie als punktuelle Hilfe benutzt wird.

Für Unterstützung Online, die qualitativ hochwertig ist, schau Dir auch einmal die MOOCs an!

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