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Unterstützende Online-Kurse: Welches Schulniveau braucht man, um MOOC nutzen zu können?

Von Franziska, veröffentlicht am 07/09/2017 Blog > Privatunterricht > Nachhilfe suchen > Online Lernen: MOOC und ihr Nutzen

Das Zugpferd der Online-Lehre, die MOOC (zu Deutsch etwa „offener Massen-Online-Kurs“), erobern die Welt.

Das Phänomen, das in Kanada und in den USA ins Leben gerufen wurde, ist nun auch hierzulande zu finden: Online-Video-Kurse zu verschiedenen universitären oder professionellen Themen.

Wie steht es aber mit den Menschen, die nicht in einer Universität eingeschrieben sind?

Es scheint, als wären die Videokurse ganz besonders auf Vorlesungen zugeschnitten.

Ist es also auch möglich, MOOC für Grundschüler, die Mittelschule oder am Gymnasium zu nutzen?

Könnte man sie so als Online-Lern-Unterstützung für die Schule verwenden?

Oder können MOOC auch als eine Art Nachhilfe Online verwendet werden?

Superprof erzählt Euch alles darüber.

Was ist ein MOOC?

Zu Beginn ein wenig Geschichte…

2008 ist das Referenzjahr für die MOOC. Der allererste Online Videokurs scheint an der Universität Athabasca in Kanada entstanden zu sein. Das Phänomen breitete sich dann auf viele weitere kanadische und US-amerikanische Universitäten aus.

Nichtsdestrotz unterscheiden sich die Daten zum Start des MOOC-Trends, je nachdem, welcher Quelle man Glauben schenkt…

Einige behaupten, dass der erste MOOC 2011 von Sebastian Thrun ins Leben gerufen wurde und im Rahmen eines pädagogischen Experiments stattgefunden hat. So wollte dieser Professor der Universität Stanford seinen Kurs über künstliche Intelligenz in der ganzen Welt verbreiten.

Dennoch reicht die Verbreitung von pädagogischen Ressourcen im Web bis ins Jahr 2002 zurück – zum MIT (dem Massachusetts Institute of Technology in Boston, USA).

Es ist auch schwer abzugrenzen, was genau als MOOC eingestuft werden kann. In Deutschland war Medienberichten zufolge Jörg Loviscach von der Fachhochschule Bielefeld der erste Hochschullehrer, der Massenvorlesungen ins Internet auslagerte.

Die MOOC bieten eine wahre Bildungsrevolution - zumindest, wenn sie als Mainstream genutzt werden. MOOC ermöglichen, dass vielen gleichzeitig „ein Licht aufgeht“ – und das theoretisch in allen Ecken der Welt gleichzeitig. | Quelle: Pexels

So, das war die kleine Portion Geschichte und Kultur!

Die MOOC in der Praxis

Worum geht es bei MOOC eigentlich?

Zunächst einmal steht die Abkürzung „MOOC“ für den englische Begriff „Massive Open Online Course“ (zu deutsch: offener Massen-Online-Kurs).

Dabei handelt es sich um Lernprogramme, die ihrem Namen gerecht werden, da sie daraus bestehen, auf einer Internetplattform Kurse in digitaler Form anzubieten.

Ursprünglich funktionierten MOOC durch Direktübertragung. Heute berufen sich auch viele Seiten, die schlicht pädagogische Inhalte als Videos anbieten, darauf, dass diese auch MOOC seien.

Im Allgemeinen enthält ein MOOC:

  • ein Video des/der Lehrenden, der/die einen Vortrag hält,
  • einen Ort des Austauschs (in sozialen Medien, einem Chat oder Forum),
  • eine PowerPoint-Präsentation oder Notizen in vergleichbarer Präsentationsform, um dem Vortrag besser folgen zu können,
  • manchmal Übungen, die die verschriftlichten Kurse begleiten.

Die MOOC bringen zahlreiche Vorteile für Online Nachhilfe!

Zuallererst ist dieser Typ von pädagogischer Ressource komplett frei zugänglich und gratis.

Jede/r kann sie benutzen, vorausgesetzt, er/sie kann auf die Plattform zugreifen, auf der die Kurse zu finden sind. Und das, von welchem Gerät auch immer, jederzeit und überall.

Das macht die MOOC so interessant! Ihr könnt ganz einfach auf Eurem Handy – im Zug, im Bus, auf dem Nachhauseweg, in einem Café… – einen Online-Kurs „besuchen“.

Und dann könnt Ihr Euch abends zu Hause erneut verbinden, auf Eurem PC oder Tablet, um den Onlinekurs fertig anzuschauen bzw. die Notizen nochmals durchzulesen.

Es ist auch interessant (und wichtig) zu wissen, dass die Mehrzahl der MOOC eine „begrenzte Lebenszeit” besitzen. Danach sind sie nicht mehr verfügbar!

Eigentlich übertragen die MOOC den Studenten somit Verantwortung, indem sie ihnen Autonomie verleihen – darin, ihr Wissen zu einem bestimmten Fach selbstständig zu erweitern.

Nachhilfe gesucht? Dann kann ein MOOC die richtige Alternative sein!

Wenn Du es schon mal versucht hast, weißt du, welche Disziplin selbstständiges Arbeiten erfordert. Für ganz junge Mädchen und Jungen ist das selbstständige Arbeiten nicht geeignet. Ab der Mittelschule geht es allerdings meist weit besser. | Quelle: Pexels

Obwohl ein MOOC-Abschluss nicht staatlich anerkannt ist, scheint es, als ob das Online-Angebot im Laufe der Jahre immer mehr an Substanz gewinnt.

Unter den bekanntesten deutschsprachigen MOOC Plattformen finden sich so einige innovative Modelle. Wir haben folgende Empfehlungen:

  • openHPI (Internet-Bildungsplattform des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts, bietet Videokurse zu verschiedenen IT-Themen)
  • mooin („Massive Open Online International Network“, gehört zur offenen Lernplattform „oncampus“ der FH Lübeck; die meisten Kurse sind auf Deutsch und es wird mit verschiedenen Inhalten experimentiert, z.B. Volleyball-MOOC, Foto-MOOC etc.).
  • iMoox (Plattform der TU Graz und Universität Graz in Österreich; hier sind einige MOOC zu finden, die sich u.a. mit pädagogischen Themen befassen; arbeitet eng mit der mooin-Plattform zusammen)
  • iversity (ursprünglich mit einigem Medienecho als „größter MOOC-Anbieter hierzulande“ gestartet, nach einem Neustart im Jahre 2016 vorwiegend mit Online-Kursen im Bereich der beruflichen Weiterbildung aktiv – auf Deutsch und Englisch).

Bei den englischen MOOCs sind folgende Anbieter die Koryphäen”:

  • Coursera.org,
  • Futurelearn.com &
  • Edx.org.

Kann man MOOC für Grundschule, Mittelschule und Gymnasium finden?

Ihr habt es verstanden: Die MOOC geben eine Antwort auf die Bedürfnisse und Wünsche von Lehrenden und Lernenden höherer Bildungseinrichtungen.

Indem sie den Zeitpunkt, den Ort und die Themenwahl bei den Videokursen komplett flexibel gestalten, bieten MOOC Menschen in jedem Alter und überall auf der Welt die Möglichkeit, die eigene Bildung bzw. Weiterbildung selbstständig und frei zu gestalten.

Was ist aber mit Online Video-Kursen für Kinder und Jugendliche?

Kann man auch MOOC für Schüler von der 1. bis zur 13. Klasse finden?

MOOC für Grundschulklassen

Für Grundschüler ist es schwer, im Unterricht und beim Lernen autonom zu sein. Die klassischen MOOC passen sich jedoch nicht zwingend an ihre Klassenstufen an. Das Gleiche gilt übrigens generell für Online-Lernangebote.

Bis zur letzten Grundschulklasse brauchen die Schüler die Anwesenheit eines Lehrers, um effektiv lernen zu können. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass sie sich für einen Kurs interessieren würden, der nur online erscheint und dem sie alleine folgen müssten.

Trotzdem finden wir Seiten mit Video-Online-Kursen, die auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten sind.

Ein Beispiel ist die Seite MMGKinder, die zu jedem Schulfach, zu Computeranwendungen und sogar zur Bundestagswahl Artikel und Online-Videos hochgeladen hat.

Darüber hinaus ist die Plattform YouTubeKids wohl am breitesten aufgestellt, wenn man nach geeigneten Videos für Kinder im Grundschulalter sucht.

Es existieren auch Online-Kurse für Lehrende, zum Beispiel:

  • Einführung in die Schulpädagogik, eine Vorlesung von Prof. Dr. Wolfgang Meseth an der Universität Marburg,
  • In Schule 4.0 wird Lehrenden gezeigt, wie sie verschiedene Neue Medien im Unterricht einsetzen können,
  • Train the Trainer heißt ein Kurs für all diejenigen, die im Bereich Pädagogik tätig sind oder darüber lernen möchten.

MOOC in der Mittelschule und im Gymnasium

In der Mittelschule und im Gymnasium wurden bereits zahlreiche Initiativen von Lehrern ins Leben gerufen, um die MOOC für alle zugänglich zu machen.

Das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut („HPI“) bietet beispielsweise zahlreiche Kurse für Jugendliche an, die sich für ein Informatikstudium interessieren (sollen). Vergangenen Oktober gab es zum Beispiel den Workshop „Programmieren mit Etoys“, einer Programmierumgebung für Animationen.

Schon 2014 erregte das Institut Aufsehen mit einem Online-Kurs, an dem 4.000 Schüler teilnahmen. Der Kurs brachte Jugendlichen und Erwachsenen Grundlagen der Software-Programmierung bei.

Hast du schon einmal etwas programmiert? Gerade Mädchen scheuen sich immer noch vor Berufen, die mit Technik und Technologie zu tun haben. Das HPI will auch das ändern. | Quelle: Pexels

Es gibt eine ganze Liste mit innovativen MOOC-Projekten.

So existieren natürlich auch einige Plattformen mit Online-Kursen für Mittelschüler und Gymnasiasten. Deren Herangehensweise besteht weitgehend aus Video-Podcasts:

  • Kurzgesagt: Mit 4,6 Millionen Followern auf YouTube ist dies DER Kanal für kurze Erklärungen zu allem rund um die Wissenschaft. Vielleicht ein Nachteil (oder auch ein Vorteil?!): Die Videos sind auf Englisch.
  • Flip the Classroom: Das Ziel: Die Videos sollen zu Hause angesehen werden, damit anschließend im Unterricht Übungen zum Thema (z.B. Physik oder Mathe) gemacht werden können.
  • ZDF tivi Mediathek: Eine Plattform für Kinder und Jugendliche, auf der sie eine riesige Bandbreite Videos abrufen können, nicht nur im Bildungsbereich.
  • EinfachMathe: Zahlreiche Videos decken alle Themen rund um die Mathematik für Schüler der Mittel- und Oberstufe ab.
  • Explainity: Hierbei handelt es sich um eine Agentur, die Erklärvideos zu allen möglichen Themen herausbringt und komplexe Sachverhalte auf das Wesentliche herunterbricht.
  • HausaufgabenTV: Dieser Anbieter lädt zwar keine neuen Videos mehr hoch, aber Ihr könnt euch alle bestehenden Videos über Physik, Chemie und Mathe auf YouTube ansehen.

Besonders für Schüler der Unterstufe und Mittelstufe können MOOC bzw. Video-Online-Kurse generell interessant sein:

So haben die Schüler ab der Mittelschule nicht mehr ein und denselben Ansprechpartner für alle schulischen Themen. Sie müssen dann zwischen verschiedenen Fächern (und Fachlehrern) jonglieren. Das kann so manchen durcheinanderbringen…

Sich mit Online-Videos zu behelfen ergibt also durchaus Sinn. Gründe dafür gibt es viele:

  • Die Schüler können so in den Ferien nachlernen, was sie davor verpasst haben.
  • Sie können sich selbstständig Lernmethoden und neues Wissen vor einer nahenden Prüfung (auch Mittlere Reife oder Abitur) aneignen.
  • Dies stellt eine stets verfügbare Hilfe für den Unterricht bei spezifischen Thematiken dar – das ganze Jahr über.
  • Online-Kurse können das Verständnis der Inhalte, die im Unterricht durchgenommen wurden, verbessern.

Video-Nachhilfe zu Hause wird so zu einer neuen Form des Unterrichts, die von Jahr zu Jahr an Raum gewinnt.

In diesem Kontext verändern sich auch die MOOC, die zuvor geschlossene Veranstaltungen mit unsicheren Zukunftsperspektiven waren: Auch sie öffnen sich. Ein Beispiel dafür sind YouTube-Kanäle, die in der Kommentarspalte Austausch zwischen den Usern ermöglichen.

Informiert Euch auch über die Nachteile von Online-Nachhilfe…

Online-Nachhilfe: Das Beispiel der Khan Academy

Es war mit voller Absicht, dass wir Euch bislang noch nicht von der Khan Academy erzählt haben. So können wir jetzt ausführlich darauf eingehen. Sie ist ein wichtiger Player im Bereich der MOOC.

Die Khan Academy wurde in den USA ins Leben gerufen und auf Spanisch und Portugiesisch übersetzt. Eine deutsche Beta-Version startete im September 2015.

Ihr Slogan „Für Euch gibt’s nur eins zu wissen: Ihr könnt alles lernen“ gibt den Ton an.

Um zu beginnen, müsst Ihr euch einschreiben. Ist diese Etappe erstmal geschafft, habt Ihr Zugang zu einer enormen Datenbank mit Videos zu folgenden Fächern:

  • Mathekurs von der ersten bis zur Abschlussklasse,
  • Hilfe für naturwissenschaftliche Fächer (Physik, Chemie, Biologie etc.) und schulische Unterstützung für die Grundschule,
  • eine Einführung in die Informatik und Videos, um Wissen und Nachhilfe miteinander zu vereinen.

Dank des klaren und verfeinerten Interface findet Ihr leicht die Ressourcen, die Ihr braucht.

Um das Lernen zu beginnen, dient die Seite als perfektes „Aufwärm-Werkzeug“, damit Ihr Euer Niveau prüfen könnt. So müsst Ihr zunächst einige Fragen beantworten, damit Ihr anschließend platziert werden könnt.

Ist das einmal geschafft, könnt Ihr damit anfangen, die Videos anzusehen, eins nach dem anderen – je nach Euren Bedürfnissen.

Das Interessante bei der Khan Academy ist, dass Ihr die Videos mit Online-Übungen mit der Möglichkeit, Euren Fortschritt nach und nach zu dokumentieren, kombinieren könnt.

Es läuft ein bisschen ab wie ein Videospiel: Nach und nach erreicht Ihr Boni (und Avatare), die Lust machen, weitere Fortschritte zu erzielen.

Außerdem ist die Seite komplett kostenlos. Sie lebt vor allem von Spenden von Internet-Usern.

Die Zukunft wird zeigen, ob MOOC es schaffen, sich großflächig auf alle Bildungsniveaus zu verbreiten. Vielleicht sind Bücher bald Schnee von gestern und Schüler benutzen nur noch das iPad, um von zu Hause aus Online-Kursen zu folgen? | Quelle: Pexels

Es nicht so wichtig, wie alt Ihr seid und welches schulische Niveau Ihr habt – es ist in jedem Fall möglich, etwas dank der Kurse auf der Seite zu lernen.

Einige Kommentare von Benutzern über 70 Jahre beweisen dies.

Und dabei stehen die MOOC gerade mal am Anfang ihres Siegeszugs um die ganze Welt.

Momentan widmen sie sich vor allem Uni-Kursen. Die Online-Seminare eignen sich tatsächlich viel besser als herkömmliche Vorlesungen, die doch häufig vollkommen überfüllt sind und aufgrund der mangelhaften Akustik keine idealen Lernbedingungen bieten.

Trotzdem geben die schon genannten zahlreichen Initiativen Anlass zur Annahme, dass die MOOC auch in der Grund- und Mittelschule sowie am Gymnasium langsam an Boden gewinnen.

Projizieren wir mal einige Jahre in die Zukunft: Wir werden sehen, dass Online-Kurse für Klassen aus der ganzen Welt angeboten werden. Die Kurse werden in Gemeinschaftsprojekte eingebunden, die Klassen und Lerngruppen aller Art miteinander verbinden.

Ist das eine utopische oder realistische Idee? Nur die Zukunft wird es uns sagen können.

Aber die Veränderungen in der Bildung nehmen schon genau diesen Weg. Die MOOC sind also hervorragende Werkzeuge als schulische Unterstützung im Web!

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